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3.91/514

Zuchtprojekt Rhinogobius szechuanensis 3.91/5 (14)

Projekt geschlossen

Art

Rhinogobius szechuanensis

Zuchtgrund

Da ich sowieso Grundeln züchte und schon sehr lange darauf warte, dass diese Art importiert wird, war es für mich wichtig, an diesem Zuchtprojekt teilzunehmen.

Zuchttiere

3 Männchen / 3 Weibchen

Zuchtaufbau

Das Aquarium hat die Größe 50 x 50 x 30 (L / B / H). Der Bodengrund besteht aus dukelbuntem Kies in der Körnung 1-2 mm in Höhe von ca. 5,5 cm.Als Brutplätze werden angeboten: hinten geschlossene Röhren, flache Steine, Blumentopfuntersetzer aus Ton (Ø 12 cm), ein geschwungenes Blatt aus Ton (welches in der Mitte dicht aufliegt, aussen aber Einschlupf gewährt) und eine Wurzel.Die Wurzel dient u.A. als Aussichtspunkt, da Gobiidae gern einmal erhöht sitzen, um das Treiben unter sich zu beobachten.Hinzu kommen Pflanzen mit stabilen, größeren Blättern, die ebenfalls zum Aufsitzen geeignet sind.Die Einrichtung ist so verteilt, dass die Tiere sich auf einer offenen Fläche begegnen können, sich aber auch hinter Deckungen auf dem Boden und in erhöhten Positionen zurück ziehen können.Gefiltert wird über Eck-HMF mit Luftheber und einer Leistung von ca. 250 l/h.

Wasserwerte

Das Wasser wird durch eine Vollentsalzeranlage aufbereitet und dann mit Mineralsalz (NICHT Meersalz) auf 150 - 550 µS gebracht.Die Wasserwerte schwanken von Wasserwechsel zu Wasserwechsel, der wöchentlich zu mindestens 50 % durchgeführt wird.Die Temperatur liegt bei 18 - 26° C. (Je nach Witterung, nachts wird durch geöffnete Fenster eine kräftige Absenkung erzeugt).

Futter

Gefüttert wird mit Lebendfutter (weiße, rote, schwarze Mückenlarven, angereicherte Artemia, Bosmiden, Cyclops, Daphnien, Bachflohkrebse) oder Frostfutter (gleiche Zusammensetzung). Artemia gibt es täglich, das andere Futter alle 2 Tage.  

Futtertierzucht

Ich züchte Cyclops und Daphnien, allerdings in geringen Mengen. Das meiste Futter muss ich ertümpeln oder zukaufen.Ausserdem züchte ich natürlich Salzwasser-Brachionus (Brachionus plicatilis und Brachionus rotundiformis). Dieser Ansatz enthält ebenfalls eine sehr kleine Copepodenart (Nitokra lacustris), der aber nicht so sehr stabil ist.Die Brachionus sind mehr oder weniger ein Selbstläufer. Der Ansatz wird täglich mit Selco S. parkle und ein wenig Spirulina gefüttert und alle 6-8 Wochen mal gereinigt. Die sind aber auch wirklich unkaputtbar :-)

Weitere Beschreibungen

Das Projekt wird unter Level 4 geführt, da ich bei diesen Grundeln "Fitzellarven", also pelagische Larven in der Größe von ca. 2,5 mm erwarte.Diese Larven kann man meist nur mit Brachionus großziehen, was schon eine gewisse Vorkenntnis erfordert.Die Brachionus müssen mehrfach täglich angereichert und verfüttert werden und bei den Larven muss ein täglicher, 90%iger Wasserwechsel stattfinden, um diese aufziehen zu können.Die Grundeln zum Ablaichen zu bewegen, wird in diesem Fall nicht die Herausforderung sein, sondern wohl eher, die Larven auch groß zu bekommen.
3. Woche
13.06.2016

Die Tiere sind jetzt seit einiger Zeit bei mir und haben sich hervorragend entwickelt. Nachdem ich eine Wurmkur (gegen Nematoden) durchgeführt habe, haben sie gut zugenommen.
2 Dinge sind mir aufgefallen: es handelt sich NICHT um Rhinogobius, auch wenn sie als solche beschrieben wurden.
Der Name Rhino-Gobius leitet sich von dem roten Dreieck auf der Schnauze ab, der allen Mitglieder der Rhinogobius-Gruppe eigen ist. Die R. szechuanensis besitzen dieses Dreieck nicht.

Dennoch denke ich, daß wir bei diesen Grundeln mit sehr kleinem Laich zu rechnen haben, ungefähr in der Größe wie bei den Rhinogobius leavelli (also 2,5 mm Larven).

Ich hoffe, dass das nicht lange auf sich warten lassen wird, denn es wird bereits dominiert und auch gebalzt. Allerdings noch ein wenig verhalten. Noch ein paar kühle Wasserwechsel, dann bin ich guter Dinge :-)

5. Woche
28.06.2016

Irgendwie hab ich jetzt verpasst, dass die gebalzt und abgelaicht haben :-)

Es gab zwar immer so kleine Ansätze von "ich bin der Größte", aber mehr hat mir die Bande nicht gezeigt.

Offenbar haben die aber nach dem letzten Wasserwechsel (vor 5 Tagen) dann doch mal etwas getan, ohne mir was zu zeigen (Frechheit!).

Jedenfalls sitzt mein Dicki (der Dominante, wie es zu erwarten war) unter einem Gelege, welches mindestens 4 Tage alt sein muss, weil die Embryonen schon Augen haben.

Erfreulicherweise sind die Eier nicht so klein, wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht so groß, wie es bei Rhinogobius des Typs C üblich ist. Die Länge beträgt ca. 3 mm, der Durchmesser ca. 1 mm. Es sind entwickelte Jungtiere zu erwarten, die etwas kleiner sein werden als bei Rhinogobius duospilus. Der Form der Embryonen nach zu urteilen, werden die Zwerge aber ohne solche riesigen Dottersack schlüpfen.

Die Parameter: Beim letzten Wasserwechsel habe ich den Leitwert von 400 auf 300 µS gesenkt, die Temperatur liegt bei 22 -24 ° C.

5. Woche
01.07.2016

Heute habe ich nochmals unter die Brutschale geschaut und beschlossen, die lieber rauszunehmen, bevor die Jungtiere im Elternbecken schlüpfen.

Diese Tonuntersetzer sind sehr praktisch. Man dreht sie einfach um und kann sie mit Wasser stehen lassen, bis das Schlupfbecken vorbereitet ist. Was ich dann auch getan habe....
....und als ich wieder zur Schale ging, waren schon alle 71 Jungtiere geschlüpft.

Es stellte sich heraus, als ich sie ins Becken tat, dass sie offenbar pelagisch sind (also schwimmende Larven im Gegensatz zu benthopelagisch = bodengebunden). Glücklicherweise sind sie aber so groß, dass sie gleich Artemia fressen können.

Der Dottersack ist doch noch relativ groß, aber es kann sein, dass der Schlupf durch die Bewegung der Schale ausgelöst wurde, wie das bei pelagischen Larven fast immer der Fall ist. Wenn ich noch bis morgen gewartet hätte, wäre der Dottersack vermutlich kleiner gewesen.

Wenn ich richtig gerechnet habe, hat es jetzt vom Laichen bis zum Schlupf gerade mal 6 Tage gedauert. Die Jungtiere sind ca. 5 mm lang und sehr aktiv. Insofern bin ich guter Dinge, dass die sich problemlos entwickeln. Hoffe ich zumindest.

5. Woche
04.07.2016

Die LArven entwickeln sich hervorragend. Die haben die Ruhe weg. Die paddeln in dem Becken herum, als ob es sowas wie Fressfeinde gar nicht gäbe. Höchst erstaunlich.

Inzwischen schlagen sie sich die Wänste mit Artemia-Nauplien voll. Ich bin gespannt, wie schnell sie sich entwickeln.

7. Woche
01.06.2016

Die Zwerge sind jetzt 11 Tage alt. Sie sind immer noch im Freiwasser unterwegs, fressen seit 3 Tagen schon Cyclops und heute zum ersten Mal kleine, schwarze Mückenlarven.

Das gute Lebendfutter lässt sie sich mir Riesenschritten entwickeln, denn die ersten gehen schon zu Boden.

Eine solche Entwicklungsgeschwindigkeit bei pelagischen Larven kenne ich sonst nur bei den Brachygobius, welche ebenfalls mit 16 Tagen zu Boden gehen.

Die kleinen Szechuanensis bekommen schon Farbe! Erstaunlich finde ich den recht großen, schwarzen Fleck an der Schwanzwurzel, den die Zwerge seit dem 3. Tag haben, der aber den Eltern fehlt.

Die Flossen haben sich ebenfalls bereits umgebildet. Und so, wie es üblich ist, sind sie im Augenblick sehr, sehr schreckhaft, was der eingeschränkten Beweglichkeit des Bodenlebens geschuldet ist. Das legt sich glücklicherweise bald wieder.

Es hat übrigens, soweit ich sehen konnte, bis jetzt noch keinen Ausfall gegeben. Mindestens jeden 2. Tag, nach Möglichkeit jedoch täglich, wird 90% des Wassers gewechselt.

Woche 7
15.07.2016

Ja... äääähm.... ich weiss gar nicht, wie ich es sagen soll: Das zweite Gelege ist da. Seit gestern. 141 Eier!

Erstaunlicherweise haben die schon wieder Augen, nach 24 Stunden. Die Entwicklung unterscheidet sich sehr stark von denen der Rhinogobius.

Auch die Jungtiere versetzen mich in höchstes Erstaunen, denn sie fressen bereits Frostfutter! Sowas habe ich bisher bei keinem Grundel-Jungtier erlebt! Die Bande wäre jetzt zwar auch schon durchaus in der Lage, auf dem Boden zu leben und die Schwimmbewegungen werden deutlich angestrengter, aber sie fühlen sich noch zu unsicher, auch unten zu bleiben und schwimmen lieber noch herum.

Die Farbe wird täglich besser und sie sind auch sehr aufmerksam. Komme ich mit der Kamera, dreht sich das anfokussierte Jungtier in meine Richtung und fixiert mich. Macht das Knipsen etwas schwieriger.

So, ich geh mal anbauen, damit ich die Jungtiere alle unterbringe. (Und ich schwöre, ich habe nicht getanzt!)

Woche 8
25.07.2016

Am 15.07.2016 ist das 2. Gelege geschlüpft. Leider habe ich dieses zu früh entnommen, so daß die Larven nicht alle überlebt haben. Von 141 Eiern schwimmen jetzt ca. 40 Larven herum. Die entwickeln sich aber ebenfalls prächtig.

Das Jungvolk aus dem ersten Gelege wächst und gedeiht so vor sich hin. Vertilgt bereits kleine schwarze und weiße Mückenlarven und Tubifex, abwohl sie gerade mal 10 mm groß sind. Aber was das Fressen angeht, sind diese Zwerge sehr schmerzfrei. Was nicht passt, wird passend gemacht. Notfalls schiebt man halt an der Aquarienwand nach :-)

Woche 9
06.08.2016

Das Gelege Nr. 3 ist seit dem 01.08.2016 in der Mache :-) In Anbetracht dessen, dass ich das letzte zu früh entnommen und zum Schlupf gebracht habe, wollte ich diesmal vorsichtiger sein.

Wenn man die Schale mit den weit entwickelten Eiern entnimmt und mit etwas Wasser einfach stehen lässt, schlüpfen die Jungtiere in kürzester Zeit. Das Problem ist, dass sie, wenn sie 2 oder 3 Tage zu früh schlüpfen, einen so großen Dottersack haben, dass sie nicht schwimmen können und so viele der Larven von Bakterien aufgefressen werden.

Deshalb habe ich diesmal das Schlupfbecken vorbereitet und die Schale erst ganz zuletzt aus dem Elternbecken genommen. Der Papa hat die Eier nun 6 Tage lang betüddelt und alle sind sehr gut entwickelt. 131 Eier sind es diesmal.

Da ich noch immer nicht genau weiss, wie lange die Entwicklung dauert, habe ich es so ausgestellt, dass es belüftet wird, als würde das Männchen es weiterhin mit der Rückenflosse befächeln. Im Video (Nr. 4) habe ich die Spiegelung in der Bodenscheibe gefilmt, um zu zeigen, welche Belüftung man einstellen sollte. Denn wenn man zu heftig belüftet, schlüpfen die Jungen ebenfalls zu früh.
Auf diese Weise lässt sich die genaue Schlupfzeit ermitteln.

Woche 11
15.08.2016

Die szechuanensis-Kinder aus dem ersten Gelege sind jetzt 46 Tage alt. Sie wachsen inzwischen sehr, sehr langsam, sind kaum größer als die aus dem 2. Gelege. Aber ihre Körperform hat sich sehr verändert und sie färben sich richtig aus.

Leider sind sie gerade sehr scheu, wie das oft der Fall ist, wenn pelagische Larven zum Bodenleben übergehen. Da fällt das Fotografieren etwas schwer.

Woche 14
08.09.2016

So, ein paar neue Erkenntnisse möchte ich gern hinzufügen.

Nachdem es bei einigen der Zuchtkollegen zu einem ziemlichen Fiasko mit den Grundeln gekommen ist, weil die Tiere völlig abmagerten und alle Behandlungsmaßnahmen gegen Parasiten versagten, haben wir inzwischen ein paar Daten sammeln können, die wahrscheinlich etwas Licht ins Dunkle bringen.

Von den 6 Züchtern halte ich die Tiere in vollentsalztem Wasser, einer benutzt Wasseraufbereiter, 2 Brunnenwasser und der Rest Leitungswasser.

Das Ergebnis: Bei den Leuten mit Leitungswasser hat noch einer eine funktionierende Zuchtgruppe von 2/2 Tieren (ohne Nachwuchs), die Brunnenwasserfraktion hat jeweils noch ein Tier und die Gruppe mit Wasseraufbereiter existiert noch beinahe vollständig undhat Nachwuchs (1 Gelege). Im vollentsalzten Wasser gab es einen Ausfall (ein großes Weibchen) und 4 Gelege.

Bei den Jungtieren gibt es folgende Beobachtung: die Jungen des ersten Geleges sitzen in einem Becken mit Split als Bodengrund. Diese Jungfische sind sehr dürr und wachsen nicht, obwohl bei ihnen genauso häufig Wasserwechsel gemacht wird wie bei den Jungen aus dem 2. und 3. Gelege. Auch die Fütterung ist gleich.

Die Jungtiere aus dem 2. und 3. Gelege sitzen in Becken ohne Bodengrund und wachsen hervorragend. Die des 2. Geleges sind beireits dreimal so groß wie die aus dem 1. Gelege.

Split gibt (sehr wenig) Schadstoffe ans Wasser ab. Das vertragen die Zwerge ganz offensichtlich genauso wenig wie die adulten Tiere Schadstoffe vertragen, die das Leitungswasser mitbringt.

In Anbetracht desses, dass Wasseraufbereiter dies abzufangen mag, kann man von Silikat und Schwermetallen ausgehen, die den Tieren zu schaffen machen.

Fazit: wer diese Tiere in Zukunft pflegen will, muss mindestens mit Wasseraufbereiter arbeiten, weil die Grundeln sonst nicht alt werden.

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6 Kommentare

  1. Moin Jutta,
    kann den Vorschreibern nur zustimmen. Wer Dich in einer Deiner “Wissensvermittlungsaktionen” erlebt hat, Deinen Internetauftritt gelesen hat, mal die Gelegenheit hatte bei Dir daheim ein paar Tipps & Tricks von Dir zu hören & zu sehen, Dich dabei ein wenig kennenlernen durfte, der … hat so ein Vertrauen in Deine Fähigkeiten, dass er Deinen Nachzuchterfolg & Deine Doku genau so erwartet hat. Klasse!
    Herzlichen Gruß vom Otto, Zierfischfreund aus Einbeck

  2. Hallo Jutta,
    tolle Videos, super Dokumentation. Weiter so!

  3. Na wer hätte es anders erwartet Jutta hat es mal wieder als erstes geschafft. 🙂
    Meinen Glückwunsch.

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