Chromobotia macracanthus

Deutscher Name: Prachtschmerle

Quelle Manuel Roth FA. EFS
Herkunft:
Borneo, Indonesien, Südostasien
Farben:
orange, schwarz, weiß
Schwierigkeit:
Schwierig (Sehr erfahrene Aquarianer)
Art: Chromobotia macracanthus
Gattung: Chromobotia
Familie: Botiidae

Beschreibung

Die Prachtschmerle (Chromobotia macracanthus) wird im Aquarium etwa 30 cm groß, in der Natur sogar bis 40 cm. Sie zählt zu den bekanntesten Schmerlen der Aquaristik und ist gleichzeitig eine der am häufigsten unterschätzten Arten: Wer sich für Prachtschmerlen entscheidet, braucht ein großes Becken ab 600 Litern, Geduld und Erfahrung, denn die Tiere können 20 bis 50 Jahre alt werden. Der kräftige, seitlich leicht komprimierte Körper zeigt eine intensiv orange bis goldene Grundfärbung mit drei breiten, tiefschwarzen Querbändern, die durch das Auge, die Körpermitte und die Schwanzwurzel verlaufen. Die Flossen leuchten orange bis rötlich; bei Populationen aus Borneo treten teils schwärzliche Bauchflossen auf. Der breite Kopf trägt markante Barteln, die beim Durchwühlen des Sandbodens ständig im Einsatz sind. Unterhalb des Auges sitzt ein ausklappbarer Dorn, der bei Stress oder Transport als Verteidigungswaffe dient und sich in Netzen verfangen kann. Im Aquarium ist C. macracanthus ein lebhafter Bodenbewohner, der in Gruppen ab fünf Tieren komplexe soziale Hierarchien ausbildet. Die Tiere kommunizieren untereinander durch Klicklaute, die sie mit ihren Schlundzähnen erzeugen. Ein häufig beobachtetes Verhalten, das Halter beunruhigt: Prachtschmerlen legen sich gelegentlich auf die Seite und scheinen reglos auf dem Boden zu liegen. Das ist völlig normales Ruheverhalten und kein Krankheitszeichen. Besonders markant ist die Rolle als Schneckenjäger: Mit dem kräftigen Kauapparat knacken sie selbst robuste Gehäuse mühelos.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: territorial
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Wird 30 cm im Aquarium, in der Natur bis 40 cm; einer der häufigsten Anfängerfehler ist die Unterschätzung der Endgröße
  • Lebensdauer 20 bis 50 Jahre bei guter Haltung; langfristige Verantwortung vergleichbar mit einem Haustier
  • Kommuniziert durch Klicklaute des Kieferapparats; die Geräusche sind auch außerhalb des Beckens hörbar
  • Schläft gelegentlich auf der Seite liegend am Boden; das ist normales Ruheverhalten und kein Krankheitszeichen
  • Ausklappbarer Augenstachel als Verteidigungswaffe; verfängt sich leicht in Netzen, daher nur mit Bechern fangen
  • Hervorragender Schneckenjäger; knackt selbst robuste Gehäuse mit dem kräftigen Kauapparat
  • Nicht für Garnelenbecken geeignet – frisst Zwerggarnelen aller Größen
  • Kupferempfindlich; Medikamente und Dünger mit Kupfergehalt sind potenziell tödlich
  • Extrem anfällig für Weißpünktchenkrankheit (Ichthyo) aufgrund feiner, eingebetteter Schuppen; Behandlung schwierig, da kupfer- und malachitgrünhaltige Mittel nicht vertragen werden
  • Zeigt saisonale Wanderungen in der Natur; Regenzeit-Simulation kann Aktivität und Wohlbefinden steigern
  • Springrisiko gering, sichere Abdeckung dennoch empfohlen

Vergesellschaftungshinweise

Die Prachtschmerle ist eine ausgeprägt soziale Art, die zwingend in Gruppen ab mindestens fünf Tieren gehalten werden muss. Empfohlen werden sechs oder mehr Exemplare, damit stabile Hierarchien entstehen und Konflikte innerhalb der Gruppe verteilt werden. Einzeln gehaltene Tiere zeigen Dauerstress, verstecken sich oder werden gegenüber anderen Arten aggressiv. Innerhalb der Gruppe bilden sich klare Rangordnungen mit einem dominanten Alpha-Tier; Rangkämpfe und ritualisierte Drohgebärden gehören dazu, führen aber selten zu Verletzungen. Die charakteristischen Klicklaute des Kieferapparats spielen bei der sozialen Kommunikation eine wichtige Rolle. Das Temperament ist gegenüber gleichgroßen oder größeren Fischen friedlich, innerartlich aber durchaus territorial. In der Fortpflanzungsphase können die Interaktionen intensiver werden. Sehr kleine oder scheue Fische können durch die vitale Aktivität der Prachtschmerlen gestresst werden. Bei Wirbellosen ist Vorsicht geboten: Schnecken werden aktiv gejagt und auch hartschalige Exemplare regelmäßig gefressen. Zwerggarnelen wie Neocaridina sind als Futter zu betrachten und nicht vergesellschaftungsfähig. Größere Garnelen wie Amanogarnelen haben bessere Chancen, sind aber nicht garantiert sicher. Geeignete Vergesellschaftungspartner stammen aus Südostasien: Bärblinge und Rasboras als Schwarmfische, andere friedliche Schmerlen sowie größere, robuste Arten wie Balantiocheilus oder Barbonymus in entsprechend großen Becken. Afrikanische Buntbarsche, insbesondere Malawi- und Tanganjika-Cichliden, sind nicht kompatibel und dürfen nicht gemeinsam gehalten werden. Auch langsame, langflossige Arten wie Kampffische oder Guppys sind ungeeignet, da Flossen angeknabbert werden können.

Geschlechtsdimorphismus

Die Geschlechtsbestimmung ist bei der Prachtschmerle nur sehr schwer möglich und gelingt in der Regel nur durch Vergleich mehrerer adulter Tiere. Weibchen wirken insgesamt fülliger mit deutlich breiterer Bauchlinie, besonders in der Laichreife. Männchen bleiben schlanker und zeigen an der Schwanzflosse leicht nach innen gebogene Spitzen, während die Schwanzflossenspitzen der Weibchen gerade verlaufen. Von oben betrachtet wirken Weibchen breiter, oft mit einer leichten Wölbung im vorderen Kopfbereich. Farbliche Unterschiede sind nicht zuverlässig.
Größe: ca. 30 cm (in der Natur bis 40 cm)

Haltungstipps / Pflege

Die Prachtschmerle stellt hohe Anforderungen an Beckengröße und Wasserqualität. Die Wasserwerte sollten stabil bei 24-30 °C, pH 6,0-7,5 und GH 1-12 °dGH gehalten werden. Schwankungen bei Temperatur und pH sind unbedingt zu vermeiden, da Schmerlen empfindlich reagieren. Als Mindestbeckengröße gelten 180 cm Kantenlänge und 600 Liter. Für eine Gruppe von 5-6 adulten Tieren mit je 30 cm ist das bereits knapp bemessen; größere Becken sind immer besser. Kleinere Aquarien unter 400 Litern sind für diese Art nicht artgerecht, auch nicht für juvenile Tiere, da die Wachstumsrate anfangs hoch ist. Der Bodengrund muss aus feinem, abgerundetem Sand bestehen, da die Tiere intensiv im Substrat wühlen und scharfkantiger Kies die empfindlichen Barteln verletzt. Reichlich Verstecke aus Wurzelholz, Höhlen, großen Steinen und überhängender Vegetation sind Pflicht, um Rückzugsräume zu schaffen und Rangkonflikte zu entschärfen. Röhrenförmige Verstecke werden besonders gern angenommen, oft drängen sich mehrere Tiere gemeinsam in eine Höhle. Falllaub fördert das natürliche Suchverhalten und schafft mikrobielles Nahrungsangebot. Die Filterung muss leistungsstark und biologisch gut dimensioniert sein, da Prachtschmerlen viel fressen und entsprechend organische Belastung produzieren. Mäßige Strömung zum Boden hin ist erwünscht, starke Turbulenz am Boden nicht. Regelmäßige, großzügige Wasserwechsel sind bei dieser Art besonders wichtig. Beleuchtung: Gedämpftes Licht mit Schwimmpflanzen fördert ruhigeres Verhalten. Robuste Pflanzen wie Javafarn, Anubias oder Vallisnerien halten dem Wühlverhalten stand. Wichtiger Hinweis: Prachtschmerlen sind extrem kupferempfindlich. Medikamente und Pflanzendünger mit Kupfer können tödlich wirken. Auch Malachitgrün wird schlecht vertragen. Aufgrund ihrer sehr feinen, tief in die Schleimhaut eingebetteten Schuppen sind Prachtschmerlen besonders anfällig für die Weißpünktchenkrankheit (Ichthyophthirius). Die Behandlung erfordert kupferfreie Alternativen und erhöhte Temperatur (30 °C über mehrere Tage). Bei guter Pflege kann die Prachtschmerle 20 bis 50 Jahre alt werden. Das macht sie zu einem der langlebigsten Süßwasserfische in der Aquaristik und erfordert entsprechende Planung. Die Kombination aus Endgröße, langer Lebensdauer, Gruppenhaltung und Beckengröße macht diese Art nur für erfahrene Halter mit dauerhaft geeignetem Platzangebot empfehlenswert.
Wasserhärte:
weich, weich bis mittelhart
pH-Wert
6-7,5
Temperatur:
24-30 °C
Beckengröße:
ab 180 cm, 600 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Die Zucht der Prachtschmerle im Aquarium gilt als nahezu unmöglich. Natürliche Nachzuchten in Heimbecken sind extrem selten dokumentiert. Kommerziell werden Prachtschmerlen fast ausschließlich durch Hormoninjektionen (Hypophysenextrakt) in professionellen Zuchtfarmen in Südostasien vermehrt. In der Natur wandern die Tiere zur Fortpflanzung in überflutete Auwälder, ausgelöst durch die Regenzeit und steigende Wasserstände. Eine Simulation dieser Bedingungen im Aquarium ist extrem aufwändig und selten erfolgreich. Dokumentierte Zuchtparameter aus professionellen Anlagen: Zuchttemperatur ca. 26-27 °C, Konditionierung mit proteinreichem Lebendfutter und Schnecken als Proteinquelle. Die Art ist Freilaicher (Eierstreuer); Eier werden über Pflanzen und Substrat verteilt. Dokumentierte Gelege umfassen mehrere tausend Eier. Die Inkubationszeit beträgt ca. 18-20 Stunden bei 26-27 °C. Die Embryonen reagieren empfindlich auf mechanische Erschütterungen und benötigen Wasserströmung zur Sauerstoffversorgung. Ab dem zweiten Tag nach Schlupf nehmen die Jungfische Artemia-Nauplien als Erstfutter auf. Für Heimaquarianer bleibt die Nachzucht ein Projekt für absolute Spezialisten mit großen Zuchtanlagen und Erfahrung in der hormonellen Reproduktionsbiologie.

Ernährung/Futterbedarf

Die Prachtschmerle ist ein fleischbetonter Allesfresser mit starker Präferenz für tierische Nahrung. In der Natur ernährt sie sich von Schnecken, Insektenlarven, Würmern und anderen Wirbellosen, ergänzt durch pflanzliche Partikel. Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich und proteinreich gestaltet sein. Bevorzugtes Futter: Lebendfutter wie Artemia, Mückenlarven und Tubifex; Frostfutter wie Daphnien und Cyclops; fleischbetonte Sinking-Pellets und Welstabletten. Schnecken sind eine willkommene natürliche Nahrungsergänzung und dienen gleichzeitig der Konditionierung. Pflanzliche Komponenten wie Spirulina-Tabletten oder blanchiertes Gemüse (Gurke, Zucchini) runden den Speiseplan ab, sind aber nicht der Schwerpunkt. Wichtig: Prachtschmerlen fressen viel und produzieren entsprechend Abfall. Die Futtermenge muss zur Filterleistung passen. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
20-50 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Die Prachtschmerle stammt aus Südostasien, genauer aus Indonesien, und besiedelt dort Flusssysteme auf Sumatra und Borneo. Bekannte Flüsse sind Kapuas, Musi, Batanghari und Indragiri. Typische Habitate sind klare bis leicht teebraune Flüsse mit mäßiger bis kräftiger Strömung und sandigem Grund, bedeckt mit Falllaub, Wurzeln und organischem Material. Während der Monsunzeit unternehmen die Tiere saisonale Wanderungen in überflutete Auwälder und Überschwemmungsgebiete, die als Laich- und Nahrungsräume dienen. Adulte Tiere bewohnen bevorzugt tiefere Zonen der Hauptflüsse, während Jungtiere in kleineren Zuflüssen und Überschwemmungsgebieten anzutreffen sind. Diese Wanderungen über viele Kilometer sind ein zentrales Element der Biologie dieser Art und einer der Gründe, warum die Nachzucht in Gefangenschaft so schwierig ist.

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Guten Tag! Ich bin auf Ihren bericht hier über die Clownt-Prachtschmerle gestoßen und sehe hier gerade in der Haltungsbeschreibung gravierende Fehler. Ich möchte Ihnen meinen Haltungsbericht vorstellen, ebentuell könnte man gerade bezüglich der Beckengröße etwas ergänzen: Chromobotia macracanthus – die (Clown)Prachtschmerle Die Clown-Prachtschmerle ist eine Schmerle der Gattung Chromibotia aus der Ordnung der Karpfenartigen (Cypriniformes). Im weiteren Textverlauf werde ich sie nur noch als Prachtschmerle betiteln, welches der gängige Name für diese Tiere ist, obwohl dieser Name für die ganze Familie der Botiidae steht. Die Prachtschmerle stammt aus dem Fluss Kwanten (Sumatra, Asien) und Borneo. Bei der Prachtschmerle handelt es… Weiterlesen »

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