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Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 568: Glitzerschuppen, Süßwasser-Kugelfisch und Sandbewohner

Glitzernde Medaka-Zuchtformen, ein quirliger Süßwasser-Kugelfisch, ein goldener Antennenwels, ein scheuer Hexenwels und ein stattlicher Erdfresser: Die neue Ausgabe von „Raritäten & Neuimporte im Fokus“ stellt sechs Arten mit Herkunft, Haltungsansprüchen und Besonderheiten vor.

Von Matthias Wiesensee 9 Minuten Lesezeit

Zwei funkelnde Medaka-Zuchtformen, ein empfindlicher Wildfang-Kugelfisch, ein goldener Antennenwels, ein scheuer Hexenwels und ein stattlicher Erdfresser zeigen, wie verschieden Pflege und Platzbedarf ausfallen können.

Der Zierfischhandel bietet immer wieder Arten, bei denen sich ein genauer Blick vor dem Kauf lohnt: Wie groß wird der Fisch, welches Futter braucht er, wie empfindlich ist er nach dem Import, und welche Mitbewohner kommen infrage? Die Reihe „Raritäten & Neuimporte im Fokus“ auf my-fish.org beantwortet diese Fragen sachlich und praxisnah. In jeder Ausgabe stellen wir Arten vor, die aktuell über den Zierfischgroßhandel erhältlich sind, und ordnen Herkunft, Haltungsansprüche und mögliche Stolpersteine ein. Dabei spielt es eine große Rolle, ob ein Tier aus Nachzucht oder aus Wildfang stammt, denn Wildfänge benötigen oft eine sorgfältigere Eingewöhnung und besonders saubere Wasserbedingungen. Diese Ausgabe führt von pflegeleichten, anpassungsfähigen Zuchtformen über scheue Bodenbewohner bis zu Spezialisten, die auf Wasserqualität und passendes Futter angewiesen sind. So erhalten Aquarianerinnen und Aquarianer verlässliche Orientierung, bevor ein Neuzugang einzieht.

Oryzias latipes var. „Super-Lame“ – Medaka-Super-Lame (NZ)

Der Japanische Reisfisch, in Japan Medaka genannt, ist ein Klassiker der Aquaristik und ein bekanntes Forschungsobjekt der Genetik. Japanische Züchter haben zahlreiche Zuchtformen hervorgebracht, die sich vor allem in Farbe und Zeichnung unterscheiden. „Lame“ bezeichnet dabei reflektierende, schillernde Schuppen, die das Licht wie kleine Spiegel zurückwerfen. Die Bezeichnung „Super-Lame“ steht in der Regel für eine besonders dichte Ausprägung dieser Glitzerschuppen, bei der der Körper großflächig funkelt. Eine verbindliche Definition gibt es nicht, die Linien werden je nach Züchter unterschiedlich benannt.

Mit etwa 3 bis 4 Zentimetern Endgröße bleibt der Medaka klein und eignet sich schon für kleinere Aquarien ab etwa 20 Litern. Die Art ist sehr anpassungsfähig: Als dauerhaft verträglich gelten Temperaturen von etwa 15 bis 28 °C, ein pH-Wert zwischen 6,5 und 8,0 sowie eine Gesamthärte von etwa 4 bis 15 °dGH. In milden Klimazonen ist auch die Haltung im Gartenteich möglich. Medaka sind lebhafte Schwarmfische der mittleren bis oberen Wasserschichten und gehören in Gruppen ab sechs Tieren. Da sie bei Schreck springen, sollte das Aquarium abgedeckt sein oder eine dichte Schwimmpflanzendecke besitzen.

Beim Futter ist die Partikelgröße entscheidend: Mikropellets, fein zerriebene Flocken, Daphnien oder frisch geschlüpfte Artemia werden in kleinen Portionen gern genommen. Als Mitbewohner kommen friedliche Nano-Fische und ruhige Wirbellose infrage; große oder flossenzupfende Arten sind ungeeignet. Medaka pflanzen sich bei guter Fütterung leicht fort, die Weibchen heften ihre Eipakete an Pflanzen oder Laichmopps. Wer mehrere Zuchtformen gemeinsam pflegt, muss damit rechnen, dass sie sich untereinander verpaaren und gemischte Nachkommen entstehen.

Oryzias latipes var. „Three-Colors-Lame“ – Medaka-Three-Colors-Lame (NZ)

Auch diese Variante gehört zum Japanischen Reisfisch und kombiniert die Glitzerschuppen der Lame-Linien mit einer mehrfarbigen Zeichnung. Der Namensteil „Three-Colors“ verweist auf eine dreifarbige, an Koi erinnernde Musterung, bei der Orange, Weiß und dunkle Partien auf dem Körper zusammenkommen. Wie stark die einzelnen Farben ausgeprägt sind, kann von Tier zu Tier deutlich variieren, und auch hier gilt: Die Linien werden nicht einheitlich definiert, sodass sich Tiere unter gleichem Namen unterscheiden können.

In Größe, Verhalten und Pflege entspricht die Variante den übrigen Medaka: rund 3 bis 4 Zentimeter Endgröße, friedlich, lebhaft und anpassungsfähig. Eine Gruppe von sechs oder mehr Tieren zeigt das typische Schwarmverhalten am besten, für eine größere Gruppe von 15 bis 20 Tieren sind etwa 60 Zentimeter Kantenlänge sinnvoll. Wegen der ausgeprägten Sprungfreude ist eine gut schließende Abdeckung ratsam. Ein Gartenteich im Sommer ist in milden Klimazonen möglich, die Tiere sollten dann jedoch vor Überhitzung geschützt sein, etwa durch teilweise Beschattung.

Das Futter muss klein genug für das winzige Maul sein: Mikropellets, fein zerriebene Flocken und kleines Frost- oder Lebendfutter in mehreren kleinen Portionen am Tag haben sich bewährt. Die Lebenserwartung liegt bei etwa zwei bis drei Jahren. Für das Gesellschaftsaquarium eignen sich andere friedliche Kleinfische, Garnelen und Schnecken; die Kombination mit größeren oder lebhaften Arten sollte man vermeiden.

Colomesus asellus – Assel-Süßwasserkugelfisch (WF-PER)

Der Assel-Süßwasserkugelfisch, im Handel auch Amazonas-Kugelfisch genannt, ist ein reiner Süßwasserbewohner und stammt hier als Wildfang aus dem peruanischen Amazonasgebiet. Insgesamt ist die Art im Amazonasgebiet weit verbreitet. Nach einer neueren genetischen Untersuchung gehört die Gattung Colomesus zu Sphoeroides, weshalb einzelne Händler die Art bereits als Sphoeroides asellus führen. Sie wird meist 6 bis 8 Zentimeter lang, in Ausnahmefällen bis etwa 12 Zentimeter. Mit der nahe verwandten Art Colomesus tocantinensis aus dem Rio Tocantins ist sie farblich fast identisch und nur anhand kleiner anatomischer Merkmale und der DNA zu unterscheiden; der Pflegeanspruch gilt als gleich.

Die größte Haltungshürde ist die Empfindlichkeit frisch importierter Wildfänge. Die Tiere sind anfällig für Weißpünktchen- und Samtkrankheit, weshalb eine sorgfältige Eingewöhnung und gegebenenfalls eine längere Quarantäne nötig sind; bei Krankheitsbefall unterstützt eine Erhöhung der Temperatur auf bis zu 30 °C die Behandlung. Der Kugelfisch toleriert kaum organische Belastung und verlangt dauerhaft sehr sauberes Wasser; empfohlen werden wöchentliche Teilwasserwechsel von 30 bis 50 Prozent, ein gut eingefahrenes Aquarium und eine mäßige Strömung mit viel Sauerstoff. Als Mindestgröße gelten etwa 120 × 30 × 30 Zentimeter, die Wassertemperatur sollte bei 22 bis 28 °C liegen. Einmal eingewöhnt, gelten die Tiere als robust, langlebig und unterhaltsam.

Bei der Ernährung ist zu beachten, dass die Zähne der Kugelfische ständig nachwachsen. Hartschalige Futtertiere wie kleine Schnecken, Muscheln oder Krebsteile gehören deshalb regelmäßig auf den Speiseplan; Trockenfutter sollte nicht die Hauptnahrung sein. Sozial ist die Art nicht aggressiv, neigt aber vor allem bei der Fütterung zum Zupfen an Flossen; sie ist extrem agil und ständig in Bewegung. Sie sollte in Gruppen ab etwa sechs Tieren gepflegt werden, da einzelne Tiere nervös reagieren können, und passt nicht in ein klassisches Gesellschaftsaquarium mit ruhigen Arten. Geeignet sind eher ein Artaquarium oder eine Gesellschaft mit robusten, lebhaften Flussfischen.

Ancistrus sp. „Gold Black Eye“ – L 144 Goldanc.-Schwarzauge (NZ)

Dieser goldfarbene Antennenwels mit schwarzen Augen wird im Handel unter der L-Nummer 144 geführt. Zu beachten ist die Geschichte dahinter: Die ursprüngliche, gelbe L 144 wurde nur ein einziges Mal aus Paraguay importiert, und die Linie gilt als weitgehend ausgestorben. Die heute angebotenen Tiere sind mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gezüchtete Handelsform, die auf einer anderen Ancistrus-Art beruhen dürfte. Die goldene Färbung ist auf einen Gendefekt zurückzuführen, der durch Verpaarung nahe verwandter Tiere fixiert wurde; die schwarzen Augen unterscheiden die Form von rotäugigen Albino-Varianten.

Der Wels bleibt mit etwa 10 bis 14 Zentimetern vergleichsweise klein; ein Aquarium von mindestens 60 Zentimetern Kantenlänge (rund 80 Liter) mit Schattenbereichen und guter Sauerstoffversorgung ist ausreichend. Er ist überwiegend Pflanzenfresser und braucht Algenwafer, spirulinahaltiges Sinkfutter und Gemüse wie Gurke oder Zucchini, ergänzt durch kleine Mengen tierischer Kost. Die Wassertemperatur sollte bei 22 bis 27 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Als Versteck und Brutstätte sind Höhlen und Wurzeln wichtig.

Gegenüber anderen Arten gilt der Antennenwels als friedlich und ist ein guter Gesellschaftsfisch, solange das Aquarium ausreichend groß ist. Männchen können bei zu wenig Platz um Reviere streiten. Die Vermehrung gelingt als Höhlenbrüter relativ leicht: Das Weibchen legt die Eier in eine vom Männchen gewählte und gesäuberte Höhle, das Männchen bewacht Gelege und Brut. Wer Jungtiere aufziehen möchte, sollte ausreichend Verstecke bereitstellen.

Rineloricaria teffeana – Netzmuster-Prachthexenwels (DNZ)

Der Prachthexenwels stammt aus dem brasilianischen Amazonasgebiet; als Typfundort gilt Tefé am Amazonas (Rio Solimões). Früher wurde die Art auch als Hemiloricaria teffeana geführt. Die Männchen erkennt man während der Brutzeit (etwa Dezember bis Mai/Juni) an kurzen Borsten auf der Kopfoberseite und an den Brustflossen; außerhalb der Brutzeit sind sie am breiteren Kopf und an den kräftigeren Brustflossenstrahlen zu unterscheiden. Der deutsche Handelsname verweist auf das netzartige Zeichnungsmuster. Im Handel kommt es zu Verwechslungen, etwa mit der schwarzen Form von Loricaria simillima oder mit Hemiloricaria fallax. Die Art bleibt mit etwa 12 bis 14 Zentimetern klein, gilt aber als anspruchsvoll in Haltung und Nachzucht.

Die Wassertemperatur sollte relativ warm bei 26 bis 30 °C liegen, der pH-Wert bei 6,0 bis 7,0. Ein weicher Bodengrund aus feinem Sand und Verstecke aus langblättrigen Pflanzen, Bambusröhren oder Höhlen entsprechen dem natürlichen Verhalten der Tiere. Hexenwelse reagieren sehr empfindlich auf Störungen und werden nervös, wenn es im Aquarium unruhig zugeht. In der Futteraufnahme sind sie unkompliziert: Gemüse wie Gurke, Futtertabletten, Flocken und Frostfutter werden genommen. Zu starke Konkurrenz durch schnellere Mitbewohner sollte vermieden werden.

Die Fortpflanzung erfolgt meist in Höhlen: Das Männchen säubert die Höhle, das Weibchen legt die Eier ab, das Männchen bewacht und befächelt sie. Die Jungen schlüpfen nach etwa sechs Tagen. Als günstig gelten Temperaturen um 27 °C und ein pH-Wert von 6,0 bis 6,5; bei wärmerem oder saurerem Wasser sterben die Eier meist rasch ab. Bei Störungen können die Tiere ihr Gelege fressen. Wer die Art vermehren möchte, benötigt daher ein ruhiges Aquarium und etwas Geduld.

Geophagus steindachneri – Rothauben-Erdfresser (DNZ)

Der Rothauben-Erdfresser stammt aus dem Rio Magdalena (einschließlich Rio Cauca) und dem Rio Sinú in Kolumbien sowie aus dem Rio Limón in Venezuela. Seinen Namen verdankt er dem Stirnbuckel der Männchen, der mit dem Alter ausgeprägter wird und von Gold in Rot wechseln kann. Zusätzlich tragen die Männchen einen orangefarbenen Fleck in den Maulwinkeln. Wie die echten Erdfresser nimmt die Art Sand ins Maul und siebt ihn zur Nahrungssuche durch die Kiemen aus, weshalb ein feiner, weicher Sandboden zur artgerechten Haltung gehört. Die Gattungszuordnung ist allerdings ungeklärt: Die Art gehört zu einer eigenen Verwandtschaftsgruppe innerhalb von Geophagus im weiteren Sinne und wird möglicherweise später in eine andere Gattung gestellt.

Die Größenangaben schwanken stark: In der Natur sollen Tiere bis etwa 25 Zentimeter erreichen, nachgezüchtete Tiere bleiben meist bei höchstens 15 Zentimetern, die Weibchen sind kleiner. Für erwachsene Tiere werden mindestens 120 Zentimeter Kantenlänge empfohlen; bewährt hat sich ein Aquarium mit Sand, Wurzeln, Steinen und bepflanzten Bereichen im hinteren Teil. Die Wassertemperatur sollte bei 24 bis 27 °C liegen, zur Zucht etwas wärmer, der pH-Wert bei 6,5 bis 7,2. Die Fütterung sollte abwechslungsreich sein: Granulat und Tabletten bilden die Basis, ergänzt durch Frostfutter wie Mückenlarven und kleine Krebstiere.

Sozial gilt die Art als robust und vergleichsweise friedlich, doch dominante Männchen können aggressiv werden. Empfohlen wird die Haltung eines Männchens mit mehreren Weibchen. Als Mitbewohner kommen mittelgroße Fische des oberen Wasserbereichs, andere Erdfresser, größere Welse und ruhige Buntbarsche infrage; kleine Fische sollten vermieden werden. Rothauben-Erdfresser sind Maulbrüter: Das Weibchen nimmt die Eier nach der Ablage ins Maul und trägt sie rund zwei bis drei Wochen aus. Die Jungfische sind groß und lassen sich gut aufziehen.

Quelle: Ingo Seidel – aqua-global Zierfischgroßhandel GmbH

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