Reviere bilden

Transparente Wände – so bilden Fische ihr Revier

Aquascaping by Adrie Baumann

Auch Fische beanspruchen ein eigenes Zuhause – sie brauchen ein Revier, das sie nur für sich haben. Es hat nur keine Wände! Nur wie, fragst Du dich jetzt vielleicht, wissen sie dann, wo es ist?

Das Besetzen von Revieren handhabt jede Fischart anders. Manche bilden gar keine, andere nur vorübergehende, wiederum andere verteidigen  einen Kernbereich dauerhaft und knallhart gegen jeden Eindringling.

Zumeist geht es bei der Revierbildung um die Fortpflanzung. Hier dient das Revier der Sicherheit der Nachkommen – niemand, insbesondere kein Fressfeind oder Artkollege, der den Partner „stehlen“ könnte, darf hinein. So wird sichergestellt, dass nur der Besitzer des Reviers sich vermehren kann und seine Nachkommen zahlreich und geschützt aufwachsen können.

Reviere nur für die Dauer der Paarung

Kids Balz

Solche Fortpflanzungsreviere werden meist nur phasenweise beansprucht, eben für die Dauer der Paarung und Kinderaufzucht. Als Beispiel kann das so laufen: Das Männchen findet einen Ort, den es für geeignet als Kinderstube betrachtet. Er ist geschützt, beispielsweise durch große Pflanzen oder Wurzelstücke, oder bietet Verstecke in Steinhöhlen. Außerdem ist ein geeigneter Ablaichplatz vorhanden. Je nach Fischart kann das ein großes Blatt (Skalare), eine Höhle (viele Zwergbuntbarsche), ein Moospolster (Freilaicher wie Salmler und Bärblinge) oder ein Schwimmpflanzendickicht (Labyrinthfische) sein.

Um diesen Platz herum steckt der Fisch sein Revier ab – einfach indem er ihn verteidigt. Kommt jemand zu nahe, wird er erst bedroht, dann angegriffen und vertrieben. Zumeist handelt es sich um mehr oder weniger kugelförmige Bereiche um den Laichplatz herum. Die Mitbewohner lernen schnell, dass sie in diesem Gebiet nicht erwünscht sind und wissen, wie weit sie sich heran wagen dürfen – die unsichtbaren Wände sind errichtet.

Verteidigung gegen Eindringlinge

Kids Reviere

Die Verteidigung betrifft eventuell nur Fische der eigenen Art in einem größeren Gebiet, während andere Fische nur im engen Kerngebiet, wenn sie dem Nachwuchs zu nahe kommen, verjagt werden.

Bei manchen Fischen bilden beide Partner Reviere umeinander – der eine, der die Brut direkt pflegt (das kann je nach Art entweder das Weibchen oder das Männchen sein) verteidigt das Kernrevier – auch gegen den Partner! Und der Partner sichert ein größeres, umliegendes Gebiet gegen Eindringlinge.

Zumeist verlassen die Tiere das Revier in der Brutzeit nicht. Es kann aber flexibel sein und mit dem Nachwuchs „transportiert“ werden. Gerade Zwergbuntbarsche wechseln oft den Platz – an einem Tag hier, am nächsten woanders – und das Revier wandert wie eine umgebende Blase mit.

Wenn die Jungfische selbständig sind oder, bei nicht brutpflegenden Arten, der Ablaichvorgang beendet ist, geben die Fische das Revier meist wieder auf. Der Fisch schwimmt frei herum und die Mitbewohner lernen, dass der ehemalige Tabubereich wieder frei ist.

Trautes Heim, Glück allein – so hilfst du bei der Revierbildung

Reviere Kids Skalare

Für dich als Aquarianer heißt Revierbildung, dass du deinen Fischen genug Raum geben musst, um diese Triebe auszuleben. Informiere dich, ob die von dir gewählten Fische, wenn sie zur Paarung schreiten, ein Revier verteidigen und plane ein, dass das Aquarium dadurch für die Mitbewohner nur noch zum Teil nutzbar ist – dieser Teil muss immer noch groß genug für sie sein.

Einige wenige Fische beanspruchen so große Reviere, dass sie das ganze Aquarium umfassen können. Wenn dann noch andere Fische dabei wohnen, werden sie eventuell bis zum Tod oder verzweifelten Fluchtsprung gejagt. Das sind zwar Ausnahmen, die eher nicht bei den weit verbreiteten Zierfischen vorkommen, aber es schadet nicht, sich vor der Anschaffung sicherheitshalber zu belesen, damit es in deinem Aquarium keinen Stress gibt.

Aquariengestaltung kann Ablaichort beeinflussen

Kids Reviere

Außerdem kannst Du den Fischen bei der Revierbildung behilflich sein, indem du das Aquarium bewusst so gestaltest, dass sich ein guter Ablaichort für deine Fischart zum Beispiel in einer Ecke befindet, etwas sichtgeschützt durch abgrenzende Wurzeln oder höhere Pflanzen. So kannst du beeinflussen, wo das Revier vermutlich aufgeschlagen wird – und den anderen Fischen ersparen, dass es beispielsweise genau in der Mitte landet und in alle Richtungen verteidigt wird.

Die Beobachtung  der Revierbildung ist eine interessante Sache – kannst du als Mensch die unsichtbaren Wände entdecken? Finde es heraus!

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