Altolamprologus calvus
Beschreibung
Altolamprologus calvus ist eine markante, bis zu 14 cm große Buntbarschart aus dem Tanganjikasee mit stark seitlich komprimiertem, hochrückigem Körperbau. Die Grundfärbung variiert je nach Standortvariante; typische Farbmotive umfassen Gelb, Schwarz und Weiß. Charakteristisch sind dunkle Querstreifen sowie zahlreiche leuchtend weiße, perlenartige Punkte, die dem Fisch seinen deutschen Trivialnamen geben. Auch die Flossen weisen diese punktierten Zeichnungen auf.
Im Aquarium zeigt die Perlhuhncichlide ein ruhiges, zurückhaltendes Verhalten. Die Tiere sind stark an Felspartien gebunden und verbringen einen Großteil der Zeit in und um enge Spalten und Höhlen, von denen sie lauernd nach Beute schnappen. Die Art ist kein schneller Schwimmer im Freiwasser, sondern nutzt gezielt Deckung und komplexe Steinstrukturen. Das Wachstum verläuft sehr langsam. A. calvus reagiert empfindlich auf Wasserchemie-Änderungen, besonders bei frisch importierten Tieren.
Besonderheiten
- Stark seitlich komprimierter, hochrückiger Körperbau
- Lauerjäger: spezialisiert auf Beutefang aus engen Spalten
- Bruthöhlenbewohner; bevorzugt sehr enge Verstecke
- Sehr langsames Wachstum und langsame Aufzucht der Jungen
- Revierbildend während der Brutzeit; aggressiver Schutz der Bruthöhle
- Empfindlich gegenüber Wasserchemie-Änderungen; Wasserqualität stabil halten
- Verschiedene Farbvarianten (Morphen) nicht miteinander verpaaren
Vergesellschaftungshinweise
Altolamprologus calvus kann als Paar oder in kleinen Gruppen in größeren Aquarien gehalten werden. Die Tiere bilden individuelle Reviere um enge Höhlen; ein ruhiges Zusammenleben im Gesellschaftsbecken ist möglich.
Das Temperament ist differenziert: Im Normalzustand wirken die Fische ruhig und zurückgezogen. Als Lauerjäger sind sie jedoch räuberisch gegenüber kleinen Fischen oder Wirbellosen, die in ihr Maul passen. Während der Brutzeit steigt das territoriale Verhalten deutlich an – Brutpaare verteidigen ihre Höhle energisch gegen Eindringlinge.
Garnelen (Neocaridina, Caridina) werden als Beute betrachtet; Junggarnelen sind besonders gefährdet. Robuste Schnecken werden meist toleriert.
Geeignete Beifische sind andere Tanganjika-Cichliden ähnlicher Größe sowie bestimmte Synodontis-Arten. Arten aus weichen, sauren Biotopen (Corydoras, Otocinclus, Ancistrus, Neocaridina, Paracheirodon, Apistogramma) sind wegen inkompatibler Wasserchemie ungeeignet. Verschiedene Farbvarianten (Morphen) sollten nicht miteinander verpaart werden.
Geschlechtsdimorphismus
M: größer, bis 13-14 cm, mit länger ausgezogenen Rücken- und Afterflossen. W: deutlich kleiner, 8-10 cm, kompakterer Körperbau. Die Unterscheidung der Geschlechter ist im ausgewachsenen Zustand zuverlässig möglich.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 24-27 °C, pH 7,5-9,0, GH 8-20 dGH. Stabile, hart-alkalische Wasserbedingungen mit regelmäßigen Wasserwechseln sind wichtig. Die Art reagiert empfindlich auf Schwankungen der Wasserchemie.
Beckengröße: ab 120 cm Kantenlänge, mindestens 200 Liter. Das Aquarienlayout muss mehrere große Steinaufbauten mit engen Spalten und Höhlen enthalten. Ideal sind Höhlen, die gerade so groß sind, dass das Weibchen hineinpassen kann. Feiner Sand als Bodengrund. Pflanzenbewuchs ist in typischen Riftsee-Becken spärlich; robuste, an harte Kalkbedingungen angepasste Pflanzen können eingesetzt werden.
Mäßige Strömung und gedämpfte Beleuchtung. Sehr sauberes Wasser ist unerlässlich – regelmäßige, kleine Wasserwechsel und gute Filterung sind zentrale Bestandteile einer erfolgreichen Pflege.
Die Perlhuhncichlide ist eine lohnende Art für erfahrene Aquarianer, die ein stabiles Tanganjika-Biotop mit komplexen Steinaufbauten bieten können.
Zucht und Fortpflanzung
Altolamprologus calvus ist ein Substratlaicher, der enge Bruthöhlen nutzt. Die Zucht ist gut dokumentiert und gilt als mittelschwer.
Zuchtwasser: Temperatur 26-27 °C, pH 8,0-9,0, GH max. 20 dGH.
Die Paare laichen in sehr engen Spalten, in die in der Regel nur das Weibchen passt. Konditionierung mit hochwertigem Lebend- und Frostfutter (Mysis, Krill, Artemia). Gelegegröße bis zu 200 Eier.
Die Eier schlüpfen bei 26-27 °C nach etwa 2 Tagen. Die Larven werden dann noch weitere 8-10 Tage im Versteck betreut, bevor die Jungfische freischwimmen. Das Weibchen übernimmt die Brutpflege im Inneren der Höhle; das Männchen bewacht den Eingang und sollte entfernt werden, bevor die Jungen freischwimmen.
Erstfutter: Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen. Das Wachstum der Jungfische verläuft sehr langsam. Geschlechtsreife erst nach etwa 24 Monaten.
Zuchtschwierigkeit: mittel.
Ernährung/Futterbedarf
Fleischfresser (Karnivor). Die natürliche Nahrung besteht aus kleinen Wirbellosen, Krebstieren, Eiern und Jungfischen. Im Aquarium werden Artemia, Mysis, weiße und schwarze Mückenlarven sowie Krill gerne angenommen. Trockenfutter (Granulate, Pellets) wird in der Regel nicht oder kaum akzeptiert. Kleinere, proteinreiche Mahlzeiten in angemessenen Mengen gewährleisten gute Kondition. Junge Tiere benötigen Artemia-Nauplien.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Altolamprologus calvus ist endemisch im Tanganjikasee (Ostafrika) und kommt bevorzugt in den felsigen Uferzonen des südwestlichen Teils des Sees vor. Das Habitat ist durch steile Felswände, Geröllhalden und enge Spalten gekennzeichnet. Das Substrat umfasst überwiegend Sand und feines Geröll zwischen den Felsformationen. Mäßige Strömung und gedämpftes Licht durch die Felsaufbauten prägen die Standorte.