Pelvicachromis humilis LIBERIA RED

Deutscher Name: Libériarotbuntbarsch

Männchen - Quelle: Aquarium Glaser
Herkunft:
Afrika, Westafrika
Farben:
blau, gelb, rot
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Pelvicachromis humilis
Gattung: Pelvicachromis
Familie: Cichlidae

Beschreibung

Pelvicachromis humilis ist der größte Vertreter der Gattung Pelvicachromis und stammt aus Westafrika. Im Gegensatz zum bekannteren P. pulcher besitzt P. humilis einen gestrecteren, langgestreckteren Körperbau mit vergleichsweise langer Schnauze — er wirkt schlanker und langgestreckter als seine Gattungsverwandten, nicht gedrungen. Männchen zeigen eine gelbliche bis olivgrüne Grundfärbung mit einem dunklen Längsband, das oft in Flecken aufgelöst erscheint. Die Rückenflosse trägt rote Säume, die Bauchflossen können blau schimmern, und die Schwanzflosse ist meist gelb ohne ausgeprägte Musterung. Weibchen präsentieren sich kontrastreicher zur Balzzeit mit einer intensiv purpurroten bis violetten Bauchpartie und einer auffällig gelben Rückenflosse, die im hinteren Bereich schwarze Flecken aufweisen kann. Die Art zeigt mehrere regionale Farbvarianten (Morphen), darunter die Formen „dikinyah“ aus Guinea und „Liberia Red“ aus Liberia, die sich in Details der Flossenzeichnung unterscheiden. Im Aquarium zeigt P. humilis ein interessiertes, gelegentlich territoriales Verhalten. Die Tiere sind meist in mittleren bis unteren Wasserschichten aktiv, wo sie zwischen Verstecken, Wurzeln und Laubschichten umherstreifen. Als größte und robusteste Pelvicachromis-Art sind sie selbstbewusster und territorial ausgeprägter als etwa P. pulcher, ohne jedoch als durchgehend aggressiv zu gelten. Äußere Besonderheiten sind die Neigung zur Höhlenwahl als Laichplatz sowie ausgeprägte Elternpflege: beide Eltern beteiligen sich aktiv an Bewachung und Fütterung der Jungen.
Sozialverhalten: Paarweise
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Biparentale Brutpflege: Beide Eltern bewachen Gelege und Jungfische intensiv.
  • Höhlenlaicher: Bevorzugt geschützte Laichplätze in Höhlen, Leerrohren oder unter Wurzeln.
  • Starke Balz- und Revierfärbung bei Weibchen zur Brutzeit; Weibchen können dabei ihre Gesichtsmaske von Gelb über Grün zu fast Schwarz verändern.
  • Größte bekannte Art der Gattung Pelvicachromis — deutlich größer als P. pulcher (bis 12,5 cm SL).
  • Mehrere Farbmorphen erhältlich: „dikinyah“, „falesade“ (Guinea), „Liberia Red“ u. a.
  • Neigung, kleine Wirbellose als Beute zu fressen — besonders Junggarnelen.
  • Geringes Springrisiko, dennoch mit sicherem Deckel arbeiten.
  • Taxonomie-Hinweis: Seit 2016 wird die Art wissenschaftlich als Wallaceochromis humilis (Lamboj, Trummer & Metscher, 2016) geführt; im Aquaristikhandel ist der Name Pelvicachromis humilis weiterhin gebräuchlich.

Vergesellschaftungshinweise

Pelvicachromis humilis ist paarbildend und revierbildend; empfohlen wird die Haltung als Paar. In der Routinehaltung sind ausgewachsene Paare meist relativ friedlich gegenüber mittleren und oberflächennahen Fischen, doch gegenüber Artgenossen zeigen sie deutliches Territorialverhalten — deutlich ausgeprägter als bei P. pulcher. Im Regelfall sollte nur ein Paar pro Becken gehalten werden; nur in sehr großen, strukturreichen Becken können mehrere Paare koexistieren. Die Art neigt dazu, klare Reviere zu markieren und einzufordern, was sich in warnenden Flossenschlägen und kurzen Verfolgungen äußern kann. Während der Brutzeit steigt die Aggressivität stark an. Beide Eltern verteidigen die Bruthöhle vehement und greifen Eindringlinge, darunter häufig Bodenbewohner, entschlossen an. Daraus folgt, dass die Kombination mit anderen bodenorientierten Arten sorgsam gewählt werden muss. Zur Verträglichkeit mit Wirbellosen: Junggarnelen sind gefährdet, adulte Garnelen werden meist toleriert; Schnecken werden überwiegend ignoriert und gelten als weitgehend verträglich. Für eine erfolgreiche Vergesellschaftung empfiehlt sich die Auswahl ruhiger bis moderat aktiver Beifische aus derselben bioregionalen Herkunft Westafrikas. Geeignete Beifische sind große westafrikanische Salmlerverwandte (Alestiiden wie Phenacogrammus-Arten), Loricariiden, der Afrikanische Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi) sowie friedliche Corydoras-Arten. Das Mischen mit ostafrikanischen Hartwasser-Buntbarschen wird nicht empfohlen; insbesondere Malawi- und Tanganjika-Buntbarsche sollten nicht zusammen gehalten werden. Bodenbewohnende Arten sollten mit Vorsicht ausgewählt werden, weil P. humilis gegenüber bodenorientierten Fischen territorial werden kann — insbesondere während der Brutpflege.

Geschlechtsdimorphismus

Bei Pelvicachromis humilis ist der Geschlechtsdimorphismus deutlich ausgeprägt. Männchen werden größer und gestreckter, erreichen dokumentierte Standardlängen (SL) bis zu 12,5 cm und zeigen längere, spitz ausgezogene unpaarige Flossen. Ihr Körper wirkt schlanker und langgestreckt, das Längsband ist häufig stärker ausgeprägt oder fleckig segmentiert. Weibchen bleiben deutlich kleiner und gedrungener; Angaben nennen für Weibchen rund 8 cm. Weibchen weisen zur Balzzeit eine intensive Purpur- bis Violettfärbung am Bauch auf, zudem ist ihre Rückenflosse auffällig gelb mit vereinzelten schwarzen Flecken im hinteren Bereich.
Größe: ca. 12,5 cm SL (Männchen); ca. 8 cm (Weibchen)

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte und allgemeine Habitatgestaltung im Aquarium richten sich nach folgenden Richtwerten: Temperatur 24–27 °C, pH 5,0–7,0, GH 5–12 °dGH. Ein Mindestbecken von 160 Litern (etwa 100 cm Kantenlänge) ist für ein Paar das absolute Minimum; aufgrund der beträchtlichen Größe der Tiere sind größere Becken ab 200 Litern für eine entspanntere Haltung vorzuziehen. Die Einrichtung sollte den natürlichen Bedingungen nachempfunden sein: feiner Sand als Substrat simuliert den ursprünglichen Grund; ausladende Wurzeln, hohle Steinhöhlen und dichte Randvegetation schaffen Rückzugsmöglichkeiten und potenzielle Laichplätze. Eine Schicht aus Falllaub oder eigens bereitgestelltes Laub fördert das natürliche Erkundungsverhalten und liefert zusätzliche Reviere. Die Strömung im Becken sollte langsam bis mäßig sein; starke Turbulenzen sind nicht erforderlich. Die Filterung sollte leistungsfähig genug sein, um eine gute Wasserqualität sicherzustellen, aber so eingestellt, dass keine zu starke Strömung in den Verstecken entsteht. Beleuchtung kann moderat bis gedimmt gehalten werden, um pflanzlichen Besatz und Scheuerschutz zu unterstützen. Regelmäßige, moderate Teilwasserwechsel sind wichtig zur Stabilisierung der Wasserparameter und zur Vorbeugung gegen Nitrit-/Nitratanstiege. Aufgrund des geringen Sprungrisikos ist die Gefahr von Ausbrüchen geringer als bei manchen anderen Arten, dennoch sollte das Becken mit einem gut schließenden Deckel gesichert werden. Junggarnelen sind gefährdet, adulte Garnelen und Schnecken werden aber weitgehend toleriert.
Wasserhärte:
weich bis mittelhart
PH-wert
5-7
Temperatur:
24–27 °C
Beckengröße:
ab mind. 160 L (120 cm empfohlen ab 200 L)

Zucht und Fortpflanzung

Für Pelvicachromis humilis liegen dokumentierte Zuchterfolge im Aquarium vor. Die Art ist ein biparentaler Höhlenlaicher, bei dem beide Elternteile aktiv an Brutpflege und Aufzucht beteiligt sind. Die Zuchtschwierigkeit wird als mittel eingestuft. Um ein harmonisches Paar zu erhalten, empfiehlt sich die Aufzucht einer Gruppe von sechs oder mehr Jungfischen, aus der sich Paare auf natürliche Weise bilden. Zucht-Wasserwerte: Zucht-Temperatur 25–26 °C, Zucht-pH 5,5–6,5, Zucht-GH maximal 8 °dGH. Ein weiches, leicht saures Milieu begünstigt die Laichbereitschaft und Aufzucht. Ein spezieller Auslöser ist nicht bekannt; reichliche Fütterung mit hochwertigen Proteinquellen fördert jedoch die Laichbereitschaft. Konditionierung: Vor der Vermehrung sollte die Paarbildung durch großzügige Fütterung mit hochwertigem Lebend- und Frostfutter wie Artemia und Mückenlarven unterstützt werden. Fortpflanzungsverlauf und Aufzucht: Paare legen ein Gelege auf Höhlenuntergründen ab; Gelegegrößen von etwa 100–200 Eiern wurden dokumentiert. Die Inkubation dauert bei den angegebenen Zuchttemperaturen etwa 2–3 Tage bis zum Schlüpfen; die Jungfische werden nach weiteren etwa 7–8 Tagen frei schwimmend. Beide Eltern betreuen die Jungfische aktiv, führen und verteidigen sie. Als Erstfutter für die Aufzucht werden Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen empfohlen. Die Geschlechtsreife wird mit etwa 6 Monaten erreicht.

Ernährung/Futterbedarf

Pelvicachromis humilis ist als Allesfresser mit stark fleischlicher Neigung (omnivor / mikroprädatorisch) zu beschreiben. In freier Wildbahn suchen die Tiere überwiegend Kleintiere wie Insektenlarven, kleine Krebstiere und Würmer, daneben nehmen sie auch pflanzliches Material und Detritus auf. Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich gestaltet werden, um Gesundheit, Färbung und Fortpflanzungsbereitschaft zu fördern. Geeignete Futtermittel sind hochwertiges Lebendfutter wie Artemia und Mückenlarven, gefrorene Alternativen (z. B. gefrorene Artemia, Cyclops, weiße/schwarze Mückenlarven, Daphnien) sowie feines Granulat- oder Flockenfutter als Basis. Pflanzliche Komponenten wie Spirulina-Flocken oder gelegentlich blanchierter Spinat runden die Kost ab. Für die Konditionierung vor der Zucht empfiehlt sich reichhaltige proteinreiche Fütterung in Form von Lebend- und Frostfutter.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
5–8 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Pelvicachromis humilis stammt aus Westafrika, mit dokumentierter Herkunft aus Sierra Leone, Liberia und Guinea, beispielsweise aus Flusssystemen wie dem Kolente (= Great Scarcies) in Guinea sowie dem St.-Paul- und St.-John-Fluss in Liberia. In der Natur bewohnt die Art Uferzonen mit dichter Randvegetation und zeigt eine deutliche Präferenz für Strukturen, die Schutz und Laichplätze bieten. Häufig finden sich die Fische in Bereichen mit Unterständen durch Wurzeln und Totholz sowie auf Böden, die mit einer Schicht aus herabgefallenem Laub bedeckt sind. Das natürliche Substrat ist überwiegend sandig bis feinkiesig. Die Strömung in den besiedelten Habitaten ist meist langsam bis mäßig. Saisonale Schwankungen im Wasserstand führen in der Natur zu einer dynamischen Verfügbarkeit von Laichplätzen und Nahrung.

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