Pelvicachromis rubrolabiatus
Beschreibung
Pelvicachromis rubrolabiatus (seit 2016 wissenschaftlich als Wallaceochromis rubrolabiatus geführt) ist ein kompakt gebauter westafrikanischer Zwergbuntbarsch mit ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus. Männchen sind schlanker und längerflossiger; ihr markantestes Erkennungsmerkmal sind die leuchtend roten Lippen, die dem Artepitheton „rubrolabiatus“ (lat. „Rotlippe“) seinen Namen gaben. Am Körper sind sieben dunkle, vertikale Binden erkennbar, die je nach Stimmung und Territorialverhalten unterschiedlich intensiv hervortreten. Dieses Merkmal – sieben Binden – unterscheidet die Art von den nahe verwandten W. humilis und W. signatus, die in der Regel acht Binden tragen.
Weibchen sind gedrungener und zeigen in der Brutzeit einen auffällig rötlich-violett gefärbten Bauchbereich sowie einen dunklen Fleck im hinteren Bereich der Rückenflosse. Außerhalb der Brutzeit färbt sich der Bauch gelblich mit silbrig-rosafarbenem Schimmer. P. rubrolabiatus ist die größte der drei in Guinea vorkommenden Wallaceochromis-Arten und gilt im Vergleich zu W. humilis und W. signatus als etwas friedfertiger, zeigt aber dennoch ausgeprägtes Territorialverhalten während der Brutpflege.
Im Aquarium bewegen sich diese Fische bevorzugt in der mittleren bis unteren Wasserschicht. Sie untersuchen den Bodengrund, graben gelegentlich im Sand und nutzen Spalten und Höhlen als Verstecke und Laichplätze. Elternpaare zeigen biparentale Brutpflege und sind in dieser Phase sehr engagiert bei der Verteidigung ihres Geleges und der Jungfische.
Hinweis zur Taxonomie: Seit 2016 lautet der wissenschaftlich akzeptierte Name Wallaceochromis rubrolabiatus (Lamboj, Trummer & Metscher, 2016). Im Aquarienhandel ist weiterhin Pelvicachromis rubrolabiatus gebräuchlich. Älterer Handelsname: P. sp. „Bandi II“.
Besonderheiten
Pelvicachromis rubrolabiatus dikinyah beeindruckt durch prägnante Farbakzente an Lippen und Körper. Sein soziales, friedliebendes Verhalten und fürsorgliche Brutpflege zeichnen ihn aus. Eine naturnahe Haltung im gut strukturierten Becken ist empfehlenswert.
Vergesellschaftungshinweise
Pelvicachromis rubrolabiatus wird paarweise gehalten; als Mindestsozialstruktur gilt ein stabiles Pärchen. Die Tiere bilden feste Paarbindungen und verteidigen gemeinsam Revier und Laichplatz. Gegenüber Artgenossen besteht ein erhöhtes Aggressionspotenzial, das besonders während der Brutphase stark zunimmt. Im Vergleich zu den verwandten W. humilis und W. signatus gilt die Art jedoch als etwas verträglicher. Zur Paarfindung empfiehlt es sich, mehrere Jungfische gemeinsam aufzuziehen und das sich bildende Paar zu isolieren.
Das Temperament ist territorial und in der Brutzeit aggressiv, außerhalb der Brutzeit jedoch durchaus kooperativ innerhalb des Paares. Im Umgang mit Wirbellosen ist Vorsicht geboten: Junggarnelen können als Nahrung betrachtet werden, adulte Garnelen werden meist toleriert, Schnecken gelten als weitgehend verträglich.
Verträglichkeit mit Wirbellosen: Junggarnelen gefährdet, adulte Garnelen meist toleriert, Schnecken weitgehend verträglich.
Besonderheiten
– Höhlenbrüter: Substratlaicher, Laich in engen Höhlen oder Spalten abgelegt.
– Grabetendenz: Nutzt feinen Sand zum Graben und zur Reviergestaltung.
– Biparentale Brutpflege: Beide Eltern kümmern sich um Eier und Jungfische; die Hauptarbeit des Ei-Fächelns übernimmt das Weibchen, während das Männchen das Außenrevier sichert.
– Rote Lippen: Das namensgebende und artspezifische Hauptmerkmal beim Männchen.
– Sieben Vertikalbinden: Unterscheidungsmerkmal gegenüber den verwandten W. humilis und W. signatus (meist acht Binden).
– Färbungswechsel: Intensität der Binden und Bauchfärbung sind stimmungsabhängig.
– Anfällig für Pilz- und Bakterieninfektionen: Konstant stabiles, sauberes Wasser ist besonders wichtig.
– Geringes Sprungrisiko: Abdeckung dennoch empfohlen.
Als Beifische eignen sich ausschließlich ruhige, westafrikanische Arten aus ähnlichen Lebensräumen mit Weich- und Sauerwarseransprüchen. Geeignet sind kleine, friedliche Salmler westafrikanischer Herkunft (z. B. Phenacogrammus-Arten) sowie ruhige bodenorientierte Westafrikanische Arten. Ostafrikanische Hartwasserbuntbarsche (Malawi-, Tanganjika-Arten) sind wegen unverträglicher Wasserwerte grundsätzlich ungeeignet. Südamerikanische Arten wie Corydoras passen nicht zu dieser westafrikanischen Art. Eine Vergesellschaftung mit anderen Wallaceochromis-Arten ist wegen Revierkonkurrenz und Hybridisierungsgefahr kritisch zu bewerten. Während der Brutphase ist ein Spezialbecken die sicherste Lösung.
Geschlechtsdimorphismus
Der Geschlechtsdimorphismus ist gut ausgeprägt. Männchen sind größer (bis ca. 10 cm TL), schlanker, längerflossiger und tragen die charakteristischen leuchtend roten Lippen. Weibchen sind kleiner, gedrungener und besitzen in der Brutphase eine intensiv rötlich-violette Bauchfärbung sowie einen dunklen Spot im hinteren Bereich der Rückenflosse. Außerhalb der Brutzeit zeigen Weibchen eine gelblich-silbrige Bauchfärbung. Beide Geschlechter sind anhand Körperform, Flossenlänge, Lippenfärbung (Männchen) und Bauchfärbung (Weibchen) gut unterscheidbar.
Haltungstipps / Pflege
Pelvicachromis rubrolabiatus benötigt weiches, saures Wasser, das dem natürlichen Habitat in guinesischen Waldgewässern entspricht: Temperatur zwischen 24 und 27 °C, pH-Wert idealerweise unter 6,5 (für die Zucht unter 6,0). Das Wasser sollte weich sein; harte Wasserbedingungen sind zu vermeiden.
Die Einrichtung sollte einen feinen Sandboden enthalten, da diese Art zum Graben neigt. Zahlreiche Verstecke in Form von Höhlen, Kokosnussschalen, flachen Spalten unter Steinen sowie Totholz sind essenziell. Laubansammlungen und Torffilterung helfen, gerbstoffreiche, leicht gebräunte Wasserbedingungen zu schaffen, die dem natürlichen Habitat entsprechen. Anubias und Bolbitis eignen sich als schattentolerante Bepflanzung. Die Strömung sollte gering bis mäßig sein.
Ein 90-cm-Becken (ca. 110-120 Liter) ist für ein Pärchen das empfohlene Mindestmaß; ein 100-cm-Becken bietet mehr Spielraum für Revieraufteilung und Vergesellschaftung. Regelmäßige Wasserwechsel mit weichem, leicht angesäuertem Wasser sind wichtig, da die Art als anfällig für Pilz- und Bakterieninfektionen gilt. Deckel empfohlen.
Zucht und Fortpflanzung
Die Zucht von Pelvicachromis rubrolabiatus ist gut möglich und gilt nach Aquarianererfahrungen als relativ unkompliziert, sobald ein harmonisches Paar zusammengefunden hat. Es handelt sich um einen Substratlaicher (Höhlenbrüter), der Eier in engen Höhlen oder selbst gegrabenen Unterschlüpfen ablegt. Das Weibchen übernimmt den Großteil der Gelegebewachung und Eipflege; nach dem Freischwimmen der Jungfische beteiligen sich beide Eltern an der Brutpflege.
Für die Zucht empfiehlt sich sehr weiches, saures Wasser (pH 4,5-6,0, GH maximal 3 dGH, Temperatur 25-27 °C) sowie enge Höhlenstrukturen. Zur Konditionierung eignen sich reichhaltige Futterangebote wie lebende und gefrorene Nahrung. Die Eier schlüpfen nach etwa 3 Tagen; die Jungfische werden nach weiteren ca. 8-9 Tagen frei schwimmend. Artemia-Nauplien und feines Staubfutter eignen sich als erste Futtergaben. Zuchtmaßnahmen empfehlen sich in separaten, gut kontrollierbaren Becken, da die Wasserchemie deutlich weicher und saurer als für die reine Haltung eingestellt werden muss.
Ernährung/Futterbedarf
Pelvicachromis rubrolabiatus ist omnivor. Im Aquarium werden hochwertiges Trockenfutter (feines Granulat, Flocken mit pflanzlichem Anteil) sowie Frost- und Lebendfutter (Artemia, Cyclops, Mückenlarven) akzeptiert. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit regelmäßigem Einsatz pflanzlicher Komponenten (z. B. Spirulina) fördert Gesundheit und Färbung. Dauerhaft stark proteinreiche Kost sollte vermieden werden. Vor der Zucht empfiehlt sich intensive Konditionierung mit Lebend- und Frostfutter. Jungtiere erhalten in den ersten Wochen Artemia-Nauplien und feines Staubfutter.
Natürlicher Lebensraum
Pelvicachromis rubrolabiatus stammt aus Westafrika und ist bislang ausschließlich aus dem Badi River im Kolenté-Flusssystem in Guinea bekannt. Das Verbreitungsgebiet ist sehr klein; die Art gilt als endemisch für diesen Bereich. Nicht zu verwechseln ist der Badi River mit dem Bandi River, der Herkunftsgewässer der nahe verwandten Wallaceochromis signatus ist.
In der Natur bewohnt die Art klare bis leicht teefarben getönte, weiche und saure Waldgewässer mit Laubansammlungen, Totholz und feinem Sandboden. Zahlreiche flache Spalten unter Steinen sowie enge Höhlen dienen als Schutz- und Laichplätze. Die Strömung ist meist gering bis mäßig. Eingespültes organisches Material (Laub, Totholz) prägt die gerbstoffreiche Wasserchemie.
Zusätzliche Hinweise zur Praxis
– Aufgrund des kleinen Verbreitungsgebiets ist die Art selten im Handel und wird meist als Wildfang angeboten.
– Die Anfälligkeit für Pilz- und Bakterieninfektionen macht konstant hohe Wasserqualität und stressarme Haltung besonders wichtig.
– Bei der Paarfindung können Rückschläge auftreten; inkompatible Tiere können sich verletzen.
– Ein abgedecktes Aquarienoberteil ist trotz geringen Sprungrisikos empfehlenswert.