Placidochromis phenochilus "mdoka"

Deutscher Name: Placidochromis phenochilus

Bild: Daniel Konn-Vetterlein
Herkunft:
Afrika, Malawi, Ostafrika, Tansania
Farben:
blau, gelb, schwarz
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Placidochromis phenochilus
Gattung: Placidochromis
Familie: Cichlidae

Beschreibung

Placidochromis phenochilus „mdoka“ ist ein eleganter Rift-See-Barsch mit einem schlanken, seitlich komprimierten Körperbau, der typisch für viele Placidochromis-Arten ist. Männchen zeigen eine intensive blaue Grundfärbung, die je nach Licht und Blickwinkel irisierende Effekte entwickeln kann. Das markanteste Erkennungsmerkmal dieser Form sind die auffällig hellen, nahezu weißen Lippen, die der Art den Handelsnamen „White Lips“ eingebracht haben. Bei bestimmten Populationen treten zusätzlich weiße Irisierungsflecken über den Körper verteilt auf (sogenannte „Star Sapphire“-Zeichnung). Weibchen sind deutlich dezenter gefärbt und präsentieren sich meist silbrig-grau bis blassblau mit schwachen Querstreifen oder leichter Marmorierung, was ihnen eine unauffällige Erscheinung im Hintergrund des Beckens verleiht. Im Aquarium zeigt die Art ein ruhigeres, weniger aggressives Verhalten als viele Mbuna-Typen aus dem Malawisee. Placidochromis phenochilus bewegt sich bevorzugt in Bodennähe und entlang sandiger Bereiche, sondiert den Untergrund und wechselt zwischen freiem Schwimmraum und den schützenden Bereichen in der Nähe von Felsformationen. Männchen markieren Reviere, besonders in der Paarungszeit, und können gegenüber Artgenossen territoriales Verhalten zeigen; gegenüber fremden Arten wirken sie in der Regel vergleichsweise gelassen. Auffällig ist das Balzverhalten der Männchen: sie locken Weibchen häufig über kleine Sandmulden, um dort die Paarung zu fördern. Besonderheiten dieser Form sind die ausgeprägte Farbsättigung der Männchen bei guter Kondition, die weißen Lippen der Mdoka-Form und die Anpassung an etwas tiefere, klarere Zonen des Malawisees mit sandigen Böden in der Nähe von Felsstrukturen. Die Art ist ein typischer Vertreter der Haps-Gruppe (nicht Mbuna) des Sees und kombiniert territoriale Elemente mit einem überwiegend friedfertigen Sozialverhalten. Wie andere Placidochromis-Arten ist sie bekannt dafür, anderen maulbrütenden Cichliden zu folgen und deren Jungfische zu erbeuten („fry snatching“) — ein natürliches Jagdverhalten, das im Aquarium durch geeignete Vergesellschaftung berücksichtigt werden sollte.
Sozialverhalten: Harem
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Maulbrüter (mütterlich)
  • Lebt bevorzugt in sandigen Zonen nahe Felsen
  • Männchen mit ausgeprägter blauer Färbung und auffälligen weißen Lippen (Mdoka-Form)
  • Bekannt für „fry snatching“ — Erbeuten von Jungfischen anderer Maulbrüter
  • Moderates Territorialverhalten während der Fortpflanzung
  • Geeignet für Harem-Haltung (1 Männchen, 3-4 Weibchen) zur Vermehrung
  • Geringes Sprungrisiko; Deckung am Beckendach dennoch sinnvoll

Vergesellschaftungshinweise

Placidochromis phenochilus sollte als Gruppenhalter gepflegt werden. In der Hobbypraxis hat sich eine Haltungsform mit einer Haremstruktur bewährt; Erfahrungswerte und Zuchtangaben nennen häufig ein Verhältnis von einem Männchen zu drei bis vier Weibchen. Eine solche Gruppengröße reduziert Stress für Weibchen und verhindert dauerhafte Belästigung durch einzelne Männchen. Einzelhaltung ist für ausgewachsene Tiere nicht empfehlenswert, da dies zu Stress und unnatürlichem Verhalten führen kann. Das Temperament ist insgesamt moderat: im Normalzustand gilt die Art als relativ friedlich gegenüber ähnlich großen Rift-See-Cichliden. Innerhalb der eigenen Art entstehen kleine Dominanzstrukturen, Männchen sind untereinander leicht territorial und zeigen während der Balz- und Fortpflanzungsphase deutlich gesteigerte Aggressivität. Weibchen verteidigen in der Regel kein ausgedehntes Revier, können aber in Paarungsphasen kurzzeitig ablehnen oder hektisch reagieren. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Schnecken werden in der Regel toleriert und gelten als weitgehend sicher. Garnelen sollten grundsätzlich nicht mit dieser Art vergesellschaftet werden — die Art ist als Beutejäger bekannt und wird auch Adulte Garnelen als potenzielle Beute betrachten. Insgesamt ist die Art aufgrund ihrer Größe und Futterpräferenzen nicht für eine Haltung mit klassischen Weichwasser-Wirbellosen geeignet. Placidochromis phenochilus ist am besten mit anderen Rift-See-Cichliden ähnlicher Größe oder robusten Synodontis-Schmerlen zu vergesellschaften. Wegen der sehr spezifischen, harten und alkalischen Wasserchemie des Malawisees sollten weiche, südamerikanische Arten und kleinere Weichwasserfische vermieden werden. Ebenfalls nicht geeignet sind Wirbellose wie Neocaridina-Garnelen sowie Weichwasser-Bodengrundbewohner aus anderen Bioregionen. Da die Art bekannt dafür ist, Jungfische anderer Maulbrüter zu erbeuten, sollte dies bei der Wahl der Mitbewohner bedacht werden.

Geschlechtsdimorphismus

Das Geschlechtsdimorphismus-Muster bei Placidochromis phenochilus ist deutlich ausgeprägt. Männchen werden in der Aquaristik und in Zuchtberichten deutlich größer und intensiver gefärbt als Weibchen. Männchen zeigen eine kräftige, tiefblaue bis irisierende Blausättigung und können längere, ausgeformtere Flossen entwickeln; bei der Mdoka-Form treten zusätzlich markante weiße Lippen auf, bei anderen Populationen irisierendes Weiß über den Körper verteilt. Weibchen bleiben kleiner und weniger farbintensiv, ihre Flossen sind kürzer und die Grundfärbung tendiert zu silbrig-grau oder blassem Blau mit gelegentlichen dunklen Querstreifen. In den vorliegenden Beschreibungen werden männliche Tiere als größer und farbkräftiger beschrieben, während Weibchen bei ähnlicher Körperform insgesamt unauffälliger erscheinen.
Größe: ca. 14-16 cm

Haltungstipps / Pflege

Die empfohlenen Wasserwerte liegen bei 24-28 °C, pH 7,8-8,6 und GH 10-20 °dGH. Mindestbeckengröße: 150 cm Kantenlänge (ca. 400 Liter). Sandige Bereiche mit feinem Substrat, kombiniert mit Felsformationen und Höhlenbereichen als Rückzugsmöglichkeiten. Offene Schwimmzonen sind wichtig, da die Art häufig entlang des Sandbodens patrouilliert. Moderate Strömung entspricht dem natürlichen Habitat. Gute Sauerstoffversorgung. Stabile Wasserchemie ist essenziell, da Rift-See-Cichliden empfindlich auf Schwankungen reagieren. Allesfresser mit fleischlicher Tendenz. Cichliden-Granulat, Frostfutter (Artemia, Krill, Mysis) und gelegentlich Spirulina.
Wasserhärte:
mittel bis hart
pH-Wert
7,8-8,6
Temperatur:
24-28 °C
Beckengröße:
ab 150 cm, 400 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Status: gut dokumentiert. Die Zucht von Placidochromis phenochilus „Mdoka“ ist in der Aquaristik gut beschrieben und wird als mittelschwer bis mäßig einfach eingestuft, wobei gut konditionierte und in Gefangenschaft gezüchtete Linien leichter zu vermehren sind. Fortpflanzungstyp und Verhalten: Die Art ist ein mütterlicher Maulbrüter, typisch für viele Haps des Malawisees. Männchen balzen aktiv und locken Weibchen häufig in kleine, flache Sandmulden, wo das Laichen stattfindet. Nach dem Ablaichen nimmt das Weibchen die Eier in den Maulraum und inkubiert diese dort bis zum Freilaichstadium. Zuchtbedingungen: Für die Nachzucht werden kompatible Parameter angegeben: Temperatur 25-27 °C, pH 7.8-8.6 und GH 10-20 dGH. Stabilität der Parameter, sehr gute Wasserqualität und gezielte Konditionierung sind ausschlaggebend für erfolgreiche Brut. Konditionierung und Fortpflanzungsverlauf: Für die Konditionierung bewährt sich proteinreiches Futter wie hochwertiges Frostfutter (Artemia, Krill, Mysis) und gelegentlich Lebendfutter, um Laichbereitschaft und Kondition zu fördern. Als Haltungsform zur Anpaarung wird häufig ein Harem empfohlen (1 Männchen zu 3-4 Weibchen), um dem Weibchen Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Gelegegrößen werden in der Literatur mit 20-50 Eiern angegeben. Die Inkubationszeit im Maul des Weibchens liegt bei dokumentierten Zuchtberichten bei etwa 21-28 Tagen bei 25-26 °C. Jungfische werden zunächst mit Staubfutter und frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert; sie sind beim Aussetzen vergleichsweise groß und robust. Schwierigkeit: mittel. Während erfahrene Züchter mit stabilen Bedingungen regelmäßig Nachzuchten erzielen, erfordert die erfolgreiche Aufzucht dennoch eine stringente Wasserpflege, geeignete Konditionierung der Elterntiere und geeignete Aufzuchtmethoden für die Jungfische.

Ernährung/Futterbedarf

Placidochromis phenochilus ist ein Allesfresser mit Tendenz zu proteinreicher Nahrung. In der Natur ernährt sich die Art von wirbellosen Bodenorganismen, kleinen Fischen und Jungfischen anderer Cichliden (Fry Snatching). Im Aquarium: Cichliden-Granulat als Basisfutter, ergänzt durch Artemia, Krill und Mysis. Gelegentlich Spirulina-Flocken. Vor der Zucht proteinreich konditionieren. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 8-10 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Placidochromis phenochilus ist endemisch im Malawisee, Ostafrika, mit Vorkommen unter anderem bei Mdoka Reef und Lupingu entlang der Küsten Tansanias sowie im nördlichen Teil des Sees nahe Vua (Malawi). Die Art bevorzugt sandige Böden in mittleren bis größeren Tiefen, häufig ab etwa 15 Metern, und sucht dabei die Nähe zu Felsformationen. Dieses Habitat verbindet offene Sandflächen mit strukturierten, felsigen Randbereichen, die sowohl Schutz als auch Revierbildung ermöglichen. Das Wasser am Fundort ist klar und alkalisch, typisch für Rift-See-Bedingungen, mit guter Sichttiefe und stabilen, hart bis sehr hart einzustufenden Wasserparametern. Substrattyp ist feiner Sand, der ein typisches Verhalten der Art begünstigt: das Aufsuchen und Absuchen des Sandes nach Nahrung und die Anlage flacher Sandmulden, die bei der Balz und beim Laichen eine Rolle spielen. Die Strömungsverhältnisse sind mäßig und sorgen für einen steten Austausch von Wasser ohne starke Turbulenzen. Zuchtstatus und Nachzucht Der Zuchtstatus von Placidochromis phenochilus „Mdoka“ ist gut dokumentiert. Die Art wird in Gefangenschaft regelmäßig nachgezogen, Nachzuchten in mehreren Generationen (F5+) sind beschrieben. Berichte und Zuchterfahrungen dokumentieren typisches Maulbrüterverhalten mit mütterlicher Brutpflege, klare Balzmuster des Männchens und eine erfolgreiche Aufzucht unter geeigneten Bedingungen. Die Schwierigkeit wird als mittel bewertet, wobei gut gepflegte Zuchtstämme in erfahrenen Händen deutlich leichter zu vermehren sind.

Obwohl wir von my-fish.org uns bemühen, die bereitgestellten Informationen sorgfältig zu sammeln und aktuell zu halten, können wir keine Garantie für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit geben. Unsere Daten stammen von Experten, Züchtern und Partnern aus dem Zierfischgroßhandel und basieren auf deren Beiträgen. Bei Abweichungen oder fehlenden Informationen bitten wir um Verständnis. Wir freuen uns über Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge von der Community, um die Qualität unseres Angebots kontinuierlich zu steigern. Bitte nutzen Sie unser für Ihre Rückmeldungen und Anregungen.

In unserer kollaborativen Arbeit nutzen wir die Quellen my‑fish Content Commons. Wir fassen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen – unter anderem aus der Datenbank unserer Partner im Zierfischgroßhandel und aus öffentlichen Datenbanken anderer Projekte – um die Richtigkeit unserer Texte zu validieren. Bitte beachten Sie, dass die Genauigkeit von den bereitgestellten Informationen abhängt und lesen Sie dazu unseren Disclaimer. Alle Links finden Sie hier.

Regenbogenfische
Madagaskar-Ährenfisch
Welse
Schmuckfiederbartwels
Harnischwelse
Peckoltia-Harnischwelse
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
3 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Hi,
Temperatur (aus langjähriger Erfahrung) 24-27 Grad und pH-Wert >7 würde ich sagen…achja und die Quelle ist Falsch 😉

Nichts da beraten lassen, da habe ich meine Finger garnicht im Spiel gehabt. Wie gesagt, ich mache nur Bilder von denen, halten tu‘ ich sie nicht.

Newsletter

Was beschäftigt die Aquaristik-Community? Der my-fish-Newsletter informiert dich über spannende Inhalte aus der Unterwasserwelt.

my-fish Podcast

Wir haben bei Zierfischgroßhändlern, Aquascapern, Züchtern und Liebhabern nachgefragt:

my-fish TV

Wir haben Ende 2018 dieses neue Format gestartet und werden in Zukunft auf diesem Kanal alles abdecken…

Auf my-fish.org Anmelden
Sicherheitsabfrage: Bitte geben Sie die korrekte Nummer für die Anmeldung ein.
Beweisen Sie, das Sie ein Mensch sind: 10   +   1   =  
my-fish logo 2021
3
0
Lass uns doch ein Kommentar da!x