Protopterus annectens
Beschreibung
Der Westafrikanische Lungenfisch (Protopterus annectens) besitzt einen schlangenähnlichen, im Querschnitt runden Körperbau mit einer Gesamtlänge von bis zu 100 cm. Die Brust- und Bauchflossen sind zu langen, fadenförmigen, fleischigen Anhängen umgebildet, mit denen das Tier den Boden abtastet und sich fortbewegt. Die Augen sind relativ klein.
Als obligater Luftatmer besitzt die Art echte, funktionelle Lungen und muss regelmäßig an die Wasseroberfläche steigen. Wird der Zugang zur Wasseroberfläche dauerhaft verwehrt, kann das Tier ertrinken. Im Aquarium zeigt Protopterus annectens typisches Bodenbewohnerverhalten: ruhige Patrouillen, gelegentliches Eingraben und gezielte Jagdattacken auf Beutetiere. Vorwiegend dämmerungs- bis nachtaktiv.
SICHERHEITSHINWEIS: Kräftiger Biss. Räuberisch und unberechenbar gegenüber Mitbewohnern. Ausbruchsgefahr – eng schließende Abdeckung mit Luftspalt Pflicht.
Besonderheiten
- Obligater Luftatmer mit echten Lungen – Oberflächenzugang PFLICHT, kein Zugang = Ertrinken
- Estivation – vergräbt sich in Schleim-Kokon, überdauert Trockenphasen jahrelang (bis 3+ Jahre ohne Nahrung dokumentiert)
- Ausbruchsgefahr – kräftige Tiere können versuchen, das Becken zu verlassen
- Bodenbewohner mit Grabetendenzen – benötigt weiches, tiefes Substrat
- Räuberisch und unberechenbar – frisst Fische, Wirbellose, Amphibien
- Sehr langlebig – über 20 Jahre dokumentiert
- NUR Einzelhaltung empfohlen
Vergesellschaftungshinweise
Protopterus annectens wird am besten einzeln gehalten. Die Art ist vollständig unverträglich mit Artgenossen und verhält sich gegenüber anderen Fischen unberechenbar – auch nach längerer scheinbar problemloser Haltung können plötzliche Angriffe vorkommen. Kleine und mittelgroße Fische werden als Beute betrachtet.
Garnelen und Schnecken: Sehr kleine Wirbellose werden gefressen. Adulte Schnecken werden meist toleriert.
Eine Vergesellschaftung ist selbst mit sehr großen, robusten Arten aus Westafrika nur unter erheblichem Risiko möglich. Einzelhaltung ist der einzig sichere Weg.
Geschlechtsdimorphismus
Keine verlässlichen äußeren Geschlechtsmerkmale dokumentiert. Eine sichere Geschlechtsbestimmung ist ohne invasive Untersuchung nicht möglich.
Haltungstipps / Pflege
Protopterus annectens benötigt ein Becken ab 200 cm Kantenlänge (ca. 1.100 Liter Minimum, besser deutlich größer) mit Temperaturen von 24–30 °C, einem pH-Wert von 6,5–7,5 und einer Gesamthärte von 2–10 °dGH.
Feiner Sand oder weicher, schlammiger Bodengrund mit mindestens 10–15 cm Tiefe (Eingraben). Große Hohlräume, Wurzelkomplexe und glatte Steinformationen als Rückzugsorte. Keine scharfen Kanten – die fadenförmigen Flossen sind verletzungsanfällig.
Sichere, eng schließende Abdeckung mit Luftspalt von mindestens 15 cm zwischen Wasseroberfläche und Deckel – Pflicht für Luftatmung und gegen Ausbruch. Schwache Strömung, leistungsfähige Filterung. Regelmäßige großvolumige Wasserwechsel.
Dieses Tier ist ausschließlich für sehr erfahrene Spezialisten mit entsprechender Infrastruktur geeignet.
Zucht und Fortpflanzung
Im Aquarium bisher nicht gelungen. In der Natur: Substratlaicher mit väterlicher Brutpflege. Männchen legen Nester an, bewachen die Eier und belüften die Brut. Die komplexen ökologischen Auslöser (Regenzeit, Überflutung) sind im Heimaquarium kaum nachbildbar.
Ernährung/Futterbedarf
Protopterus annectens ist ein Fleischfresser. Adulte Tiere: Muscheln, Fischstücke, Krustentiere, Krill, Regenwürmer. Sinkende Fleischpellets als Ergänzung. Junge Tiere benötigen häufigere Fütterungen mit kleinen Portionen. Lebendfutter mit Vorsicht wegen Krankheitsübertragung. Die Art kann in Estivation über 3 Jahre ohne Nahrung auskommen.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Protopterus annectens stammt aus Westafrika und besiedelt stehende und langsam fließende Gewässer: Sümpfe, träge Flussläufe, Überschwemmungsgebiete und Tümpel. Die Habitate sind häufig schlammig, vegetationsreich und sauerstoffarm. Während Trockenperioden vergräbt sich die Art im Schlamm (Estivation).