Trichogaster chuna
Beschreibung
Der Rote Honiggurami ist eine Farbzuchtform des Honigfadenfischs Trichogaster chuna, bei der die rot-orange Balz-Färbung der Männchen selektiv über Generationen verstärkt wurde. Die Art gehört zur Familie Osphronemidae (Labyrinthfische) und ist mit einer Körperlänge von etwa 4 bis 5,5 cm einer der kleinsten Fadenfische.
Beim Roten Honiggurami zeigen auch nicht balzende Tiere eine deutlich intensivere orange-rote Grundfärbung als bei der Wildform. Männchen im Prachtkleid entwickeln die charakteristische tief leuchtend rote Färbung über den gesamten Körper, kombiniert mit der typischen schwarzen Kehle und Brust. Weibchen bleiben etwas unauffälliger, zeigen aber ebenfalls mehr Rotanteile als die Wildform.
Als Labyrinthfisch besitzt Trichogaster chuna ein Labyrinthorgan zur Atmung atmosphärischer Luft. Die Art stammt aus dem Ganges- und Brahmaputra-Einzugsgebiet in Indien, Bangladesch und Nepal und bewohnt dort Reisfelder, Teiche und langsam fließende Gewässer. Ein wichtiger Vorteil gegenüber dem Zwergfadenfisch: Trichogaster chuna gilt als funktional resistent gegen das tödliche Dwarf-Gourami-Iridovirus (DGIV).
Wichtiger Hinweis: Viele im Handel als „Rote“ oder „Sunset“-Honigguramis verkaufte Tiere sind tatsächlich Hybriden mit dem ähnlichen Trichogaster labiosa (Dicklippiger Fadenfisch), der aber 8 bis 10 cm groß wird. Echte T. chuna bleiben bei maximal 5,5 cm.
Besonderheiten
Trichogaster chuna Roter Honiggurami beeindruckt mit schimmernd-roten Flossen und schlankem Körper. Der friedliche Labyrinthfisch zeigt soziales Verhalten, baut kunstvolle Schaumlaichstrukturen und fügt sich harmonisch in bepflanzte Gemeinschaftsaquarien ein.
Vergesellschaftungshinweise
Trichogaster chuna ist ein ausgesprochen friedlicher Fisch, der sich überwiegend in der mittleren und oberen Wasserschicht aufhält. Die empfohlene Sozialstruktur ist ein einzelnes Paar oder ein Harem aus einem Männchen mit 2 bis 3 Weibchen. Außerhalb der Brutzeit sind die Tiere unaggressiv, während der Fortpflanzung werden Männchen leicht territorial.
Geeignete Beckenpartner sind kleine, friedliche südostasiatische Arten wie Keilfleckbärblinge, Harlekin-Rasboras, kleine Salmler oder ruhige Bodenbewohner wie Panzerwelse und Kuhlis. Ungeeignet sind aggressive oder flossenzupfende Arten, die die empfindlichen Bauchflossen-Tastorgane beschädigen könnten. Adulte Zwerggarnelen und Schnecken sind verträglich.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen zeigen im Prachtkleid eine intensive honiggelbe bis leuchtend rot-orange Körperfärbung mit markanter schwarzer Kehle, Brust- und Bauchpartie. Die Rücken- und Afterflossen sind elongiert und spitz zulaufend. Weibchen sind deutlich unauffälliger gefärbt: silbrig-grau bis hellbraun mit einem bräunlich-gelblichen Längsband. Sie besitzen einen runderen Körperbau mit fülligerem Bauch und kürzeren, stumpfer zulaufenden Flossen. Beide Geschlechter erreichen ähnliche Endgrößen von 4 bis 5,5 cm.
Haltungstipps / Pflege
Trichogaster chuna benötigt eine Wassertemperatur von 22 bis 28 °C, einen pH-Wert von 6,0 bis 8,0 und eine Gesamthärte zwischen 4 und 15 °dGH. Die Art ist sehr anpassungsfähig und robust.
Beckengröße: Ein Aquarium ab 60 cm Kantenlänge und 54 Liter reicht für ein Paar oder einen kleinen Harem. Einrichtung: dichte Randbepflanzung, Schwimmpflanzen als Schaumnest-Unterlage (Salvinia, Pistia), dunkler Bodengrund, Wurzeln und Laubstreu für Huminstoffeintrag. Die Strömung sollte schwach sein, um das Schaumnest und die Tiere nicht zu stören.
Als Labyrinthfisch benötigt Trichogaster chuna freien Zugang zur Wasseroberfläche. Zwischen Wasserstand und Abdeckung muss ein warmer, feuchter Luftraum bleiben – kalte Zugluft kann das Labyrinthorgan schädigen.
Kupferhaltige Medikamente sind bei allen Labyrinthfischen hochtoxisch und müssen strikt vermieden werden. Ein wichtiger Vorteil der Art gegenüber dem Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius): T. chuna gilt als funktional resistent gegen das Dwarf-Gourami-Iridovirus (DGIV).
Zucht und Fortpflanzung
Trichogaster chuna ist ein Schaumnestbauer und gehört zu den dankbaren Zuchtobjekten unter den Labyrinthfischen. Das Männchen baut an der Wasseroberfläche – häufig unter einem breiten Blatt einer Schwimmpflanze – ein vergleichsweise kleines, aber dichtes Schaumnest aus luftgefüllten Speichelblasen.
Zuchtauslöser sind weiches, leicht saures Wasser (pH 6,0 bis 7,0), 26 bis 28 °C Temperatur und eine niedrige Wasserstandhöhe von 15 bis 20 cm. Während der Balz zeigt das Männchen seine maximale Farbintensität mit tiefblau-schwarzer Kehle und leuchtend oranger Flankenfärbung, umkreist das Weibchen und lockt es unter das Schaumnest. Bei der Paarung erfolgt die klassische Labyrinthfisch-Umarmung: Das Männchen umschlingt das Weibchen U-förmig, beide geben gleichzeitig Eier und Milch frei. Die Eier treiben nach oben ins Schaumnest.
Das Weibchen muss nach dem Ablaichen aus dem Zuchtbecken entfernt werden, da das brütende Männchen es angreift. Das Männchen pflegt das Nest allein bis zum Freischwimmen der Larven nach etwa 48 bis 72 Stunden. Erstfutter: Infusorien, später feinste Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
Trichogaster chuna ist ein omnivorer Mikropredator. In der Natur tastet die Art mit den sensitiven Bauchflossen zwischen dichter Vegetation nach Insektenlarven, Zooplankton und kleinen Wirbellosen. Im Aquarium akzeptiert sie Artemia-Nauplien, Daphnien, Cyclops, Microworms, weiße Mückenlarven und feines Frostfutter. Hochwertiges Micro-Granulat oder fein zerkrümelte Flocken bilden die Trockenfutter-Basis.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Trichogaster chuna ist in Südasien beheimatet und kommt in Indien (Nord- und Nordostindien, Ganges-Ebene), Bangladesch und dem Tiefland Nepals vor. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die Einzugsgebiete von Ganges und Brahmaputra.
Die Art besiedelt stehende oder langsam fließende, flache Gewässer mit dichter Vegetation: überflutete Reisfelder, Bewässerungsgräben, kleine Teiche und dicht bewachsene Flussrandzonen. Wasserwerte der natürlichen Habitate liegen bei 22 bis 28 °C, pH 6,0 bis 8,0 und GH 5 bis 19 °dGH. Die Art ist an die starken Schwankungen des Monsun-Klimas angepasst und gedeiht bei stabilen tropischen Temperaturen ohne Winterruhe.