Das Artaquarium

Bei diesem Aquarientyp hältst du nur Fische einer Art. Vielleicht denkst du jetzt, das ist doch langweilig! Oder du gehst im Zooladen an den Verkaufsbecken vorbei und hättest doch so gern von dieser Fischart welche, aber von dieser auch, und diese auch! Du hast ja recht, es gibt unheimlich viele interessante und schöne Fische und es ist schwer sich zu entscheiden. Aber die gute Nachricht ist: Sie laufen ja nicht weg! Wenn du dich zunächst für diese Fischart entscheidest, kannst du jene immer noch in ein paar Jahren halten. Denn ein Artaquarium ist gar nicht langweilig und bietet einige spezielle Vorteile! Die meisten Fische zeigen nur alle ihre spannenden natürlichen Verhaltensweisen, wenn sie unter ihresgleichen sind und sich das Aquarium nicht mit anderen Arten teilen.

Rasbora sp. / Natural Habitat / Thailand.Foto: Ekkapan Ubonrach
Rasbora sp. / Natural Habitat / Thailand.Foto: Ekkapan Ubonrach
Heimatgefühle

Unsere Zierfische kommen ja aus ganz unterschiedlichen Regionen der Welt (hast du dir schon unsere Verbreitungskarte angesehen? Da bekommst du einen Überblick). Das heißt auch, dass sie von Natur aus an unterschiedliche Bedingungen angepasst sind. An einem Ort ist es wärmer, am anderen kälter. Eine Fischart kenn vielleicht kaum Temperaturschwankungen, weil sie aus dem Bereich des Äquators kommt, wo es keinen Sommer und keinen Winter gibt. Andere sind starke jahreszeitliche Veränderungen gewöhnt. Bei manchen ist das Wasser hart (enthält also viel Kalk und Salze) und bei manchen ist das Wasser weich, fast ohne jede Beimengung von Stoffen.

Jeder Fisch ist an seine Lebensbedingungen angepasst. Selbst Arten, die schon seit Jahrzehnten gezüchtet werden und ihre Ursprungsheimat nie gesehen haben, haben noch entsprechende körperliche Eigenschaften.

Auch im Gesellschaftsaquarium solltest du darauf achten, dass nur Fische, die mit den dortigen Begebenheiten zufrieden sind, zusammen gehalten werden.

Erste Schritte Kids

Detektivarbeit – Idealbedingungen für deinen Lieblingsfisch finden

Nur das Artaquarium bietet die Möglichkeit, keine Kompromisse eingehen zu müssen – hier kannst du es deinem einen speziellen Lieblingsfisch so richtig schön machen.

Und jetzt wird es spannend – welcher ist dein Lieblingsfisch? Finde alles über ihn heraus. Wo kommt er ursprünglich her? Wie sind die Wasserwerte dort? Wie verhält sich die Temperatur bei Tag und bei Nacht und wie entwickelt sie sich über das Jahr? Such dir Klimadiagramme über den Ort! Vielleicht findest du sogar Bilder von den Gebieten wo er her kommt und kannst dir eine Vorstellung davon machen, wie es dort aussieht. Gibt es viele Pflanzen oder wenig? Wenn es Pflanzen gibt, welche sind es? Beschatten Bäume das Gewässer, ist es also eher dunkel und enthält Laub, oder verläuft es frei, enthält vielleicht gar nur Steine und keine Pflanzen? Steht das Gewässer oder fließt es? Hier ist Detektivarbeit gefragt!

Und wenn du das alles heraus bekommen hast, kannst du dein Becken genau so einrichten, dass es der Heimat deines Traumfisches ähnlich ist.

Tip: Bei fishbase.org findest du teilweise Fundortangaben (die Seite ist leider nur bereichsweise auf deutsch verfügbar) und kannste diese bei Googlemaps eingeben und dich in der Umgebung umschauen.

1. Rio San Lucas, sub-basin of the Atoyac River in San Lorenzo Cacaotepec, Oaxaca, México Víctor Manuel Ortiz Cruz (Oaxaca, México)
1. Rio San Lucas, sub-basin of the Atoyac River in San Lorenzo Cacaotepec, Oaxaca, México
Víctor Manuel Ortiz Cruz (Oaxaca, México)
Sturmfreie Bude – Fische verhalten sich in einem Artaquarium anders

Wenn du nun eine passende Anzahl deiner Lieblingsfische (vorher herausfinden: Einzelgänger, Pärchen-, Gruppen- oder Schwarmfisch?) allein in dieses perfekt auf sie ausgerichtete Becken setzt, werden sie sich ganz anders, nämlich natürlich verhalten.

In einem Gesellschaftsbecken werden sich die Fische zumeist untereinander in soweit stören, dass sie nicht ihr komplettes natürliches Verhalten zeigen. Wenn Fisch A1 Fisch A2 mal was erzählen will, ihm droht und dann plötzlich der Schwarm der Fischart B dazwischen funkt und die beiden Fische der Art A ablenkt, kommt das Verhalten (Drohgebärde, Scheinkampf) nicht zur Ausführung – wäre aber extrem spannend zu beobachten.

Im Artaquarium hingegen können dein Lieblingsfische ganz entspannt das gesamte Becken einnehmen, schauen sich alles interessiert an und können frei wählen, wo sie sich aufhalten möchte, ohne von einer anderen Fischart verdrängt zu werden. Schon bald werden sie ihr ganz natürliches Verhalten zeigen – ins besondere die Interaktion untereinander.

Quelle: Aquarium Dietzenbach
Quelle: Aquarium Dietzenbach

Gute Chancen auf Vermehrung

Wenn sich die Fische pudelwohl und heimisch fühlen, hast du außerdem die besten Chancen, dass sie sich vermehren, und das ist hochinteressant. Oft gibt es eine „Balz“, also eine Einstimmung auf die Paarung. Vielleicht kämpfen die Männchen untereinander in so genannten „Kommentkämpfen“ – also Schaukämpfen – um herauszufinden, wer der bessere von den beiden ist. Der Sieger umwirbt dann das Weibchen, bekommt besonders schöne Farben und legt eine Schau hin, um sie zu beeindrucken. Es gibt Fische, die bauen Nester oder legen ihre Gelege in Höhlen und betreuen ihre Kleinen. In einem Artaquarium können sie ganz in Ruhe ihre Kinder aufziehen – in einem Gesellschaftsaquarium gäbe es sehr wahrscheinlich einen Mitbewohner, der sich die Eier dankend als Snack schnappt.

Selbst bei Fischen, bei denen oberflächlich betrachtet einer wie der andere aussieht, wirst du vielleicht bald sagen können, wer wer ist – weil es doch winzige Unterschiede gibt oder jeder einen anderen Charakter hat.

Du siehst also, ein Artaquarium ist auf andere Weise interessant, als ein Gesellschaftsbecken. Wenn du in einem Moment hinein siehst, ist es vielleicht etwas eintönig, wenn du „nur“ Fische ein und der selben Art hast. Aber über längere Zeit lässt sich hier viel mehr beobachten und tun und es kann viel Freude bereiten, wenn du immer versuchst, die natürlichen Bedingungen deiner kleinen Mitbewohner über das ganze Jahr hinweg möglichst perfekt nachzustellen.