Gastromyzon ctenocephalus

Deutscher Name: Borneo-Flossensauger

Bild: Enrico Richter
Herkunft:
Borneo, Indonesien, Malaysia, USA
Farben:
braun, gelb, schwarz
Schwierigkeit:
Mittelschwer (Erfahrene Aquarianer)
Art: Gastromyzon ctenocephalus
Gattung: Gastromyzon
Familie: Balitoridae

Beschreibung

Gastromyzon ctenocephalus ist eine auffällige, kleinbleibende Schmerle mit einem abgeflachten Körperbau, der perfekt an das Leben in schnell fließenden Gewässern angepasst ist. Die Art trägt charakteristische Tuberkel an Kopf und Brustflossenbasis bei Männchen, die dem Körper ein etwas raues Aussehen verleihen; insgesamt bleibt die Körperform gedrungen und breit, mit einer deutlich ventral flachen Unterseite, die das Anhaften an Felsen und anderen Oberflächen erleichtert. Die dokumentierte Maximalgröße beträgt bis 4,5 cm SL (Standardlänge), was diese Schmerle zu einer kompakten Besetzung für spezialisierte Biotopbecken macht. Die Art zeigt helle, cremefarbene Flecken auf dem Rücken sowie eine charakteristische Blaufärbung in Rücken- und Schwanzflosse. Im Aquarium zeigt Gastromyzon ctenocephalus ein ruhiges, tendenziell scheues Verhalten. Die Tiere bewegen sich überwiegend bodennah und halten sich oft an stark strömenden Bereichen im Becken auf, wo sie mit ihrer saugmund-ähnlichen Unterseite auf Felsen, Wurzeln und großen Steinen sitzen. Innerhalb einer Gruppe bildet sich häufig eine Hierarchie, wobei einzelne Individuen leicht aggressiv werden können, wenn es um Futterplätze geht; diese Aggressionen bleiben jedoch in der Regel auf Droh- oder Schubbewegungen beschränkt und führen nicht zu schweren Verletzungen. Auffällig ist die Fähigkeit, sich in Strömung festzuklammern und über Oberflächen zu „kriechen“, wodurch die Art fortwährend Algen, Aufwuchs und Mikroorganismen abschabt.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Angepasster, abgeflachter Körperbau zum Anhaften an Felsen und Oberflächen in starker Strömung.
  • Männliche Tuberkel an Kopf und Brustflossenbasis als deutliches Geschlechtsmerkmal.
  • Starke Vorliebe für das Abweiden von Algen und Biofilm; wirkt wie ein „Flossensauger“.
  • Kletterndes Verhalten möglich; Tiere können an Scheiben oder Ausstülpungen hochkriechen.
  • Kein dokumentierter Zuchterfolg im Aquarium; Zuchtdaten sind lückenhaft.
  • IUCN-Status: Potenziell gefährdet (NT – Near Threatened).

Vergesellschaftungshinweise

Gastromyzon ctenocephalus ist eine gesellige, gruppenbildende Art, die in ihrer natürlichen Umgebung in lockeren Aggregationen vorkommt und auch im Aquarium von einer artgerechten Gruppenhaltung profitiert. Empfohlen wird eine Mindestgruppe von 5 Tieren, da die Tiere in Gesellschaft sicherer wirken und ihr natürliches Revier- und Paarungsverhalten deutlicher zeigen. Das Temperament gilt überwiegend als friedlich, mit gelegentlichen Rangordnungsauseinandersetzungen innerhalb der Gruppe, insbesondere in Zusammenhang mit Futterkonkurrenz. Während der normalen Haltung sind die Tiere zurückhaltend und vermeiden offene, dominante Konfrontationen mit deutlich größeren oder aggressiveren Arten. Verträglichkeit mit Wirbellosen Die Art ist im Allgemeinen gut mit Weichtieren verträglich. Schnecken werden akzeptiert und gelten als sicher, während Garnelen als Jungtiere gefährdet sein können; adulte Garnelen werden meist toleriert. Diese Einschätzung orientiert sich an der bekannten Ernährungsweise und dem Maulbau: kleinste Junggarnelen können gelegentlich als Nahrung angesehen werden, adulte Tiere sind jedoch für ein ausgewachsenes Gastromyzon in der Regel nicht attraktiv. Gastromyzon ctenocephalus eignet sich am besten in arten- oder biotopnah gestalteten Gesellschaftsaquarien mit friedlichen, kleinen asiatischen Beifischen. Empfehlenswert sind kleine Bärblinge (Rasboras), Bachgrundeln (stream gobies) und rheophile Welse aus dem gleichen Lebensraum. Afrikanische Cichliden und andere aggressive oder deutlich größere Arten sind nicht geeignet. Generell sollten Begleiter friedlich, nicht zu groß und nicht territorial gegenüber Bodenbereichen sein.

Geschlechtsdimorphismus

Bei Gastromyzon ctenocephalus sind die Geschlechter vergleichsweise gut zu unterscheiden. Männchen tragen konische Tuberkel an den vorderen Brustflossenstrahlen und zusätzlich ctenoide Tuberkel am Kopf sowie an der Basis der Brustflossen, die ihnen ein charakteristisches, leicht raues Äußeres verleihen. Weibchen besitzen keine ctenoiden Tuberkel am Kopf, zeigen jedoch konische Tuberkel am Körper; darüber hinaus sind Weibchen meist kräftiger gebaut, oft etwas größer und mit einem runderen Kopf sowie breiterem Körperbau ausgestattet. Männchen wirken insgesamt etwas schlanker.
Größe: Männchen: bis zu 6 cm, Weibchen: 6-7 cm

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte und allgemeine Parameter Für eine erfolgreiche Pflege sollten folgende Wasserwerte eingehalten werden: Temperatur 20–24 °C, pH 6,0–7,5 und Gesamthärte 2–12 dGH. Die Art reagiert empfindlich auf mangelhafte Sauerstoffversorgung und stehendes, sauerstoffarmes Wasser; eine hohe O2-Versorgung durch starke Strömung und effiziente Filterung hat oberste Priorität. Beckengröße und Raumaufteilung Als empfohlene Mindestgröße gilt ein Becken mit einer Bodenfläche von 60 × 30 cm (ca. 54 Liter). Die Filterung sollte einem 10- bis 15-fachen Wasserumsatz pro Stunde entsprechen. Das Becken sollte breit genug sein, um eine ausgeprägte Strömung und mehrere Revierbereiche zu ermöglichen. Das Becken muss biologisch vollständig eingereift sein, bevor Gastromyzon eingesetzt werden. Einrichtung und Substrat Die Einrichtung sollte naturnahe Strukturen aus glatten Felsformationen, großen Wurzeln und flachen Steinen bieten, die als Anheftungs- und Ruhestellen dienen. Flache Schieferplatten und größere Steine eignen sich sehr gut, da die Tiere darauf kriechen und Aufwuchs abweiden. Als Substrat empfiehlt sich feiner Kies oder Geröll. Dichte Bepflanzung in geschützten Bereichen bietet Rückzugsorte, jedoch sollte ausreichend freie, algenbewachsene Strömungsfläche erhalten bleiben. Strömung und Sauerstoff Starke, gerichtete Strömung ist ein wesentliches Haltungsmerkmal. Leistungsfähige Filter, Strömungspumpen und eine hohe Sauerstoffversorgung sind unverzichtbar. Die Tiere nutzen diese Strömungsbereiche aktiv zum Anhaften und Aufwuchsabweiden. Regelmäßige Wasserwechsel unterstützen die Wasserqualität und sorgen für konstante Sauerstoffverhältnisse. Abdeckung und Sprungrisiko Das Sprungrisiko ist als gering einzustufen, dennoch können Gastromyzon-Arten gelegentlich die Scheiben hochklettern. Eine sichere Abdeckung ist empfehlenswert.
Wasserhärte:
weich bis mittelhart
PH-wert
6,0-7,5
Temperatur:
22-26 °C
Beckengröße:
60 cm Breite und 64 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Fortpflanzungstyp und Dokumentationslage Gastromyzon ctenocephalus wurde bislang nicht erfolgreich in Gefangenschaft gezüchtet. Beobachtungen an nahe verwandten Arten wie Gastromyzon scitulus geben Hinweise auf eine freie Eiablage in der Wassersäule mit nicht haftenden, sinkenden Eiern (mind. ~100 pro Ablaichereignis). Diese Befunde betreffen jedoch nahe Verwandte und sind nicht als direkte Zuchtanleitung für G. ctenocephalus zu verstehen. Konkrete Zuchtparameter sind nicht dokumentiert.

Ernährung/Futterbedarf

Nahrungspräferenzen und Futterangebot Gastromyzon ctenocephalus ernährt sich als Pflanzenfresser überwiegend von Algen, Biofilm und Diatomeen, die von Oberflächen abgeschabt werden. Im Aquarium sollte ein bewachsenes, biologisch reifes Becken mit ausreichend Aufwuchs vorhanden sein. Geeignete Ergänzungsfutter umfassen Algen- und Gemüse-Tabletten, Spirulina-basierte Flocken und weichgekochte Gemüse wie Zucchini oder Gurke. Proteinreiches Futter sollte nur sparsam eingesetzt werden, da hohe Proteingaben Verdauungsprobleme verursachen können. Fütterungspraxis Eine regelmäßige, maßvolle Fütterung in den bevorzugten Strömungsbereichen ist optimal. Langfristig trägt eine naturnahe Aquariengestaltung mit intensiver Algenbildung wesentlich zur Selbstversorgung bei.
Ernährungstyp: Aufwuchsfresser (Limnivore)
Alterserwartung
Zurzeit haben wir keine weiteren Informationen zur Lebenserwartung dieses Tiers.

Natürlicher Lebensraum

Habitatbeschreibung Gastromyzon ctenocephalus ist endemisch im westlichen Borneo und kommt in den Oberläufen klarer, schnell fließender Bäche vor, darunter im Einzugsgebiet des Sungai Sarawak (Sarawak, Malaysia) und des Sungai Sambas (West-Kalimantan, Indonesien). Die Art wurde von Meereshöhe bis auf ca. 1.350 m Höhe nachgewiesen. Diese Habitate sind geprägt von starkem Wellengang, Stromschnellen und felsigen Flussbetten mit hohem Sauerstoffgehalt. Felsblöcke, glatte Gesteinsplatten und Wurzelwerk bieten umfassende Substrate für Aufwuchs und Biofilm. Wilde Wasserwerte In den natürlichen Vorkommen sind die Gewässer klar, sauerstoffreich und weich bis mittelmäßig hart. Temperaturen liegen je nach Höhenlage zwischen 19 und 24 °C, pH-Werte zwischen 6,0 und 7,5. Das Wasser ist meist weich bis mittelhart (2–12 dGH). Wilde Wasserwerte können lokal stark variieren und weichen von optimalen Aquariumwerten ab. Zusammenfassung (PFLICHT-Tabelle am Ende!) | Eigenschaft | Wert | |————-|——| | Familie | Gastromyzontidae | | Max. Größe | bis 4,5 cm SL | | Temperatur | 20-24 °C | | pH | 6,0-7,5 | | GH | 2-12 dGH | | Beckengröße | 60 cm Kantenlänge (ca. 54 L) | | Lebenserwartung | bis 6 Jahre | | Schwierigkeit | Mittel | | Zucht | Substratlaicher (vermutet), nicht in Gefangenschaft gezüchtet |

Obwohl wir von my-fish.org uns bemühen, die bereitgestellten Informationen sorgfältig zu sammeln und aktuell zu halten, können wir keine Garantie für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit geben. Unsere Daten stammen von Experten, Züchtern und Partnern aus dem Zierfischgroßhandel und basieren auf deren Beiträgen. Bei Abweichungen oder fehlenden Informationen bitten wir um Verständnis. Wir freuen uns über Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge von der Community, um die Qualität unseres Angebots kontinuierlich zu steigern. Bitte nutzen Sie unser für Ihre Rückmeldungen und Anregungen.

In unserer kollaborativen Arbeit nutzen wir die Quellen my‑fish Content Commons. Wir fassen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen – unter anderem aus der Datenbank unserer Partner im Zierfischgroßhandel und aus öffentlichen Datenbanken anderer Projekte – um die Richtigkeit unserer Texte zu validieren. Bitte beachten Sie, dass die Genauigkeit von den bereitgestellten Informationen abhängt und lesen Sie dazu unseren Disclaimer. Alle Links finden Sie hier.

Zahnkarpfen
Omega Zweistreifen Prachtkärpfling
Buntbarsche
ausführlicher Steckbrief
Panzerwelse
Panzerwels
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
7 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Aber auch das dürfte wieder ein G. scitilus sein, Unterscheidung zu G. ctenocephalus wäre eine m.E. kürzere Kopfform, auch hat dieser hier eine relativ klar abgetrennte Kopfzeichnung, außerdem wären die Flecken zw. Rücken- und Schwanzflosse so groß wie die restlichen Punkte.

Gruß Rüdiger

Natürlich meinte ich Gastromyzon scitulus… *sorry*

„Sprach“ und nicht „spricht“ für G. ctenocephalus! 🙂

Und eigentlich freue ich mich ja , dass auch mal andere wiss. Namen in Umlauf kommen… sodass nicht fast jeder Flossensauger mit Punkten im Handel als G. punctatus oder B. leveretti verkauft wird.

Gruß Rüdiger

und ich auch 😀

Newsletter

Was beschäftigt die Aquaristik-Community? Der my-fish-Newsletter informiert dich über spannende Inhalte aus der Unterwasserwelt.

my-fish Podcast

Wir haben bei Zierfischgroßhändlern, Aquascapern, Züchtern und Liebhabern nachgefragt:

my-fish TV

Wir haben Ende 2018 dieses neue Format gestartet und werden in Zukunft auf diesem Kanal alles abdecken…

Auf my-fish.org Anmelden
Sicherheitsabfrage: Bitte geben Sie die korrekte Nummer für die Anmeldung ein.
Beweisen Sie, das Sie ein Mensch sind: 10   +   1   =  
my-fish logo 2021
7
0
Lass uns doch ein Kommentar da!x