Hyphessobrycon sweglesi
Beschreibung
Der Rote Phantomsalmler (Hyphessobrycon sweglesi, nach neuerer Systematik Megalamphodus sweglesi) ist ein kompakt gebauter, seitlich leicht abgeflachter Salmler der Familie Acestrorhamphidae aus der Rosy-Tetra-Gruppe. Charakteristisches Erkennungsmerkmal ist der relativ grosse, dunkle Schulterfleck (Humeralfleck) hinter dem Kiemendeckel, der von einem hellen Saum eingefasst ist. Die Grundfärbung ist orangerot bis leuchtend rot.
Im Handel sind zwei Farbformen bekannt, darunter eine besonders intensiv rote Zuchtform (var. rubra), die nach morphologischer Analyse zur selben Art gehört. Männchen entwickeln verlängerte Rücken- und Afterflossen und zeigen eine stimmungsabhängig intensivierte Färbung. Die Art erreicht 3–3,5 cm Standardlänge (SL), maximal bis 4 cm.
Im Aquarium zeigt H. sweglesi ein bewegungsfreudiges Schwarmverhalten in den mittleren bis oberen Wasserschichten. Nicht mit dem ähnlich benannten Schwarzen Phantomsalmler (H. megalopterus) verwechseln: Beide Arten unterscheiden sich in Färbung, Flossenform und bevorzugten Wasserwerten.
Besonderheiten
- Dunkler Humeralfleck mit hellem Saum als Erkennungsmerkmal
- Zwei Handelsfarbformen: Standardform und intensiv rote var. rubra (beide konspezifisch)
- Männchen mit verlängerten Rücken- und Afterflossen; stimmungsabhängige Färbung
- Bevorzugt gedämpftes Licht und dichte Bepflanzung
- Empfindlich gegenüber abrupten Parameterwechseln
- Geringes Springrisiko; Abdeckung empfohlen
- Junggarnelen potenziell gefährdet, Schnecken toleriert
- Empfindlich gegenüber Kupfer und kupferhaltigen Medikamenten – in weichem, saurem Wasser besonders toxisch
Vergesellschaftungshinweise
H. sweglesi ist ein Schwarmfisch. Mindestgruppe: 10 Exemplare. In solchen Gruppen sind die Tiere deutlich entspannter und zeigen typische Sozialinteraktionen ohne Aggressionen. Männchen zeigen gelegentlich Flossenspreizen zur Etablierung kurzfristiger Dominanzhierarchien.
Das Temperament ist friedlich. Schnecken werden toleriert. Junggarnelen sind potenziell gefährdet; adulte Garnelen werden meist toleriert. Bodenbewohner wie Corydoras und kleine Zwergbuntbarsche (Apistogramma) sind gut kompatibel.
Geeignete Beifische: andere südamerikanische Salmler, Panzerwelse, kleine Buntbarsche derselben Region. Ostafrikanische Hartwasserarten sind ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen besitzen verlängerte Rücken- und Afterflossen und zeigen eine intensivere, stimmungsabhängige Färbung. Weibchen sind hochrückiger gebaut, erscheinen oft gelblicher und haben bei Laichreife einen deutlich gerundeten Bauch.
Haltungstipps / Pflege
Empfohlene Wasserwerte: 20–28 °C, pH 5,5–7,5, GH 2–12 °dGH. Die Art stammt aus Schwarzwasser- und Klarwassergewässern; zu hartes Wasser (über 15 °dGH) ist ungeeignet.
Mindestbeckengröße: 80 cm Kantenlänge (ca. 80 Liter). Das Becken sollte offene Schwimmzonen und dicht bepflanzte Bereiche kombinieren. Feingliedrige Pflanzen, Schwimmpflanzen und Laubstreu schaffen Rückzugsmöglichkeiten. Feiner Sand oder Kies als Substrat. Strömung: moderat.
Weiches, leicht saures Wasser entspricht dem natürlichen Habitat am besten und intensiviert die rote Färbung. Regelmäßige Teilwasserwechsel und stabile Wasserchemie sind wichtig.
Zucht und Fortpflanzung
H. sweglesi ist ein Freilaicher ohne Brutpflege. Zuchtschwierigkeit: schwer.
Konditionierte Tiere in ein separates, schwach beleuchtetes Aufzuchtbecken umsetzen. Substrat mit Glasperlen, grobmaschigen Netzen oder feinblättrigen Pflanzen (Taxiphyllum) als Laichschutz. Wasserparameter: leicht sauer bis neutral, Temperatur am oberen Rand des Bereichs. Sanfte Belüftung mit Schwammfilter.
Ablaichen erfolgt oft in den frühen Morgenstunden. Erstfutter: Paramecium, dann Artemia-Nauplien und Mikrowürmer.
Ernährung/Futterbedarf
H. sweglesi ist ein Allesfresser mit tendenziell fleischbetonter Neigung. Geeignet sind feine Flocken oder Mikro-Pellets, Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien, Mückenlarven und Chironomiden-Larven. Lebendfutter eignet sich zur Konditionierung vor der Zucht. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Hyphessobrycon sweglesi stammt aus dem oberen und mittleren Orinoco-Flusssystem in Kolumbien und Venezuela. Dokumentierte Fundorte umfassen Atabapo, Guaviare und Meta. Die Art besiedelt vegetationsreiche Gewässer mit langsamer Strömung und Schwarzwasser- oder Klarwassercharakter.