Labeotropheus trewavasae

Deutscher Name: Schabenmundmaulbrüter

Weibchen - Quelle: Oliver Hardt
Herkunft:
Afrika, Malawi, Ostafrika
Farben:
blau, gelb, schwarz
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Labeotropheus trewavasae
Gattung: Labeotropheus
Familie: Cichlidae

Beschreibung

Labeotropheus trewavasae ist eine markante Felsbewohner-Art aus dem Malawisee in Ostafrika, die durch einen schlanken, leicht hochrückigen Körper und einen charakteristischen, überhängenden Maulbau auffällt. Der Kopf ist relativ groß mit einem kräftigen, schabenden Maul, das mit meißelförmigen Zähnen zum Abweiden von Aufwuchs und Algen von Steinoberflächen spezialisiert ist — das überhängende Maul hinterlässt auf Felsflächen charakteristische Schab-Spuren. Die Art unterscheidet sich von der nahe verwandten L. fuelleborni durch den schlankeren Körperbau und die etwas kleinere Maximalgröße; L. trewavasae kommt außerdem in größeren Wassertiefen vor. Ein besonders auffälliges Merkmal der Art ist die außerordentliche Farbvielfalt: Es sind über 40 verschiedene natürliche Farbformen dokumentiert. Männchen erscheinen je nach Lokalität in kobaltblauer, dunkelblauer oder anderen Grundfärbungen; seltene Männchen zeigen ein „Marmalade Cat“-Muster (blau-orange Tupfen). Weibchen treten häufig im sogenannten OB-Muster (orange blotch — orangefarbene Fleckenzeichnung) auf, dessen Häufigkeit je nach Population stark variiert und an manchen Fundorten bis zu 95 % der Weibchen betrifft. Im Aquarium zeigt L. trewavasae typisches Mbuna-Verhalten: aktiv an Felsflächen weidend und dabei territorial gegenüber Artgenossen und anderen felsbewohnenden Buntbarschen. Die Tiere beanspruchen Reviere in und zwischen Felsaufbauten und können an Reviergrenzen häufig Kämpfe und Drohgebärden zeigen. Die Schwimmzone liegt überwiegend im mittleren bis unteren Bereich des Beckens, wo Felsflächen abgegrast und Ruhezonen zwischen Steinen aufgesucht werden.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Maulbrüter: die Art praktiziert maternale Maulbrutpflege.
  • Über 40 natürliche Farbformen; OB-Weibchen an manchen Standorten dominant.
  • Felsbewohner (Mbuna) mit spezialisierter Mundmorphologie zum Abweiden von Algen-Aufwuchs.
  • Starke Territorialität — zwingend 1 Männchen auf mindestens 3–4 Weibchen.
  • Unterschied zu L. fuelleborni: schlankerer Körper, kleinere Maximalgröße, tieferes Vorkommen.
  • Schnecken werden weitgehend toleriert; Junggarnelen sind gefährdet.
  • Geringes Sprungverhalten — trotzdem immer sichere Abdeckung empfehlen.

Vergesellschaftungshinweise

Labeotropheus trewavasae gilt als ausgesprochen territorial und aggressiv gegenüber Artgenossen sowie ähnlich aussehenden Mbuna. Besonders gegenüber anderen Männchen derselben oder ähnlicher Arten ist die Aggressivität hoch; Revierkämpfe und Drohverhalten sind normale Verhaltensweisen. Während der Fortpflanzungszeit verstärken sich die Revieransprüche der Männchen deutlich. Die empfohlene Gruppenzusammensetzung lautet: ein Männchen mit mindestens 3–4 Weibchen. Ein Einzelweibchen wird vom Männchen dauerhaft verfolgt und bedrängt, was zum Tod des Weibchens führen kann. Durch eine überhöhte Besatzdichte (Mbuna-Prinzip) lässt sich die Aggression auf viele Individuen verteilen und so entschärfen. Mit friedlichen Arten wie Peacock-Cichliden (Aulonocara) oder Utaka ist L. trewavasae nicht verträglich. In Bezug auf Wirbellose gilt: Schnecken werden in der Regel toleriert; sehr kleine Junggarnelen können als Futter angesehen werden. Vergesellschaftungen sollten ausschließlich mit anderen robusten Malawi-Mbuna ähnlicher Größe und vergleichbarem Temperament erfolgen. Robuste Synodontis-Welse (z. B. S. multipunctatus) aus dem gleichen Biotop sind geeignete Gesellschaftsfische. Arten aus weichen, sauren Wasserregionen — wie zahlreiche südamerikanische Arten — sind aufgrund der abweichenden Wasserchemie nicht geeignet. Nicht kombiniert werden sollten: Corydoras, Otocinclus, Ancistrus, Neocaridina-Garnelen, Schwarmfische wie Paracheirodon sowie Zwergbuntbarsche wie Apistogramma. Bei der Vergesellschaftung ist auf ausreichende Versteckmöglichkeiten, klare Revierbegrenzungen durch dichte Felsaufbauten und eine Auswahl von Partnern mit ähnlicher Robustheit zu achten. Friedliche Peacock- oder Utaka-Cichliden werden von L. trewavasae in der Regel bedrängt.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen weisen klar definierte Eiflecken (egg spots) an der Afterflosse auf; bei Weibchen sind diese blasser oder fehlen ganz. Männchen sind in der Regel intensiver gefärbt und zeigen dominanteres Revierverhalten. Ein markantes Dimorphismus-Merkmal der Art ist das OB-Muster (orange blotch): Weibchen zeigen häufig orangefarbene Fleckenzeichnungen, während Männchen fast ausschließlich in einfarbig blauen oder anderen Grundfarbvarianten auftreten. Die maximale Körperlänge beträgt bis zu etwa 11–12 cm (Standardlänge).
Größe:

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte und Chemie – Temperatur: 24–28 °C – pH: 7.6–8.8 – GH: 10–25 °dGH Becken und Mindestgröße Die Art benötigt ein langes Becken mit mindestens 120 cm Kantenlänge (ca. 200–250 L) für die empfohlene Gruppenstruktur von einem Männchen und mindestens drei Weibchen. Auf stabile, alkalische und harte Wasserchemie ist zu achten. Korallenbruch oder Aragonitsand im Bodengrund hilft dabei, den pH-Wert dauerhaft im alkalischen Bereich zu halten. Einrichtung und Gestaltung Die Einrichtung sollte die natürliche Felszone nachahmen: viele stabile Steinaufbauten, Höhlen und Spalten, die als Reviere und Rückzugsorte dienen. Sand oder feiner Kies als Bodengrund ist geeignet, da die Tiere häufig an Felsoberflächen arbeiten. Pflanzen sind in klassischen Mbuna-Becken nicht notwendig, da intensives Algenfressen dauerhaftes Pflanzenwachstum erschwert. Freie Schwimmflächen zwischen den Steinstrukturen sind wichtig, denn die Tiere patrouillieren und weiden dort aktiv. Ein dunklerer Bodengrund hebt die Farbpracht der Tiere besonders gut hervor. Filterung, Sauerstoff und Strömung Aufgrund ihrer Herkunft aus sauerstoffreichen, teils turbulenten Uferbereichen ist eine leistungsfähige Filterung mit guter Umwälzung und ausreichender Sauerstoffversorgung empfehlenswert. Ruhige Zonen zwischen den Felsen sollten dennoch vorhanden sein. Die Natursituation lässt sich durch starke O2-Zufuhr und konstante Wasserqualität gut nachbilden. Beobachtung und Umgang Aufgrund der ausgeprägten Territorialität ist regelmäßige Beobachtung des Sozialverhaltens wichtig, um übermäßige Verletzungen oder dauerhaften Stress zu vermeiden. Die bewährte Mbuna-Praxis der Überbesatzung (dichte Gruppen ähnlicher Arten) kann helfen, Aggressionen auf viele Individuen zu verteilen. Sprungverhalten Das Sprungverhalten gilt als gering ausgeprägt; dennoch empfiehlt sich eine sichere Abdeckung des Beckens.
Wasserhärte:
mittel bis hart
PH-wert
7,6-8,8
Temperatur:
24–28 °C
Beckengröße:
ab min. 120 cm Kantenlänge (ca. 200–250 L)

Zucht und Fortpflanzung

Status: gut dokumentiert Fortpflanzungstyp: Maternaler Maulbrüter Zuchtschwierigkeit: mittel Labeotropheus trewavasae ist ein maternaler Maulbrüter — die Brutpflege obliegt ausschließlich dem Weibchen. Das Männchen bereitet einen flachen Stein in der Nähe einer Höhle als Laichplatz vor. Das Weibchen legt die Eier portionsweise ab und nimmt sie sofort ins Maul auf; dabei nimmt es über die Eiflecken des Männchens Sperma auf (egg-spot-Mimikry). Die typische Gelegegröße beträgt 10–40 Eier. Das Weibchen trägt die Brut 25–30 Tage im Maul, ohne zu fressen. Die freigelassenen Jungfische nehmen sofort Artemia-Nauplien und feines Aufzuchtfutter an. Praxishinweis: Für erfolgreiche Zucht empfiehlt sich ein Artbecken mit der Gruppenstruktur 1 Männchen + 3–4 Weibchen, flache Steine als potenzielle Laichplätze sowie optimale, stabile Wasserchemie mit alkalischem, hartem Wasser.

Ernährung/Futterbedarf

Ernährungstyp: Pflanzenfresser (Herbivore) Labeotropheus trewavasae ist auf pflanzliche Nahrung spezialisiert und ernährt sich in der Natur überwiegend durch das Abweiden von Aufwuchs, Algen und Biofilm auf Felsoberflächen. Im Aquarium sollte die Nahrung überwiegend pflanzenbetont sein: hochwertige Spirulina-Flocken, herbivores Granulat, blanchierten Spinat, Zucchini oder Salatblätter sowie Algenwaffeln. Gelegentlich können Mysis oder andere kleine Lebendfutter- bzw. Frostfutterangebote als Ergänzung gereicht werden. Auf einen zu hohen Anteil tierischer Proteine sollte verzichtet werden, da übermäßiges Fleischfutter bei Mbuna-Arten leicht zu Malawi-Bloat (innere Verstopfung mit Gasbildung) führen kann. Mehrere kleine Fütterungen täglich, die das natürliche Weidemuster imitieren, sind ideal.
Ernährungstyp: Aufwuchsfresser (Limnivore)
Alterserwartung

Natürlicher Lebensraum

Labeotropheus trewavasae ist im Malawisee in Ostafrika beheimatet und bewohnt die felsigen Uferzonen mit starkem Algenaufwuchs. Die Art kommt in teils turbulenten, sauerstoffreichen Flachwasser-Bereichen bis in Tiefen von etwa 34 m vor und ist damit tiefer als die nahe verwandte L. fuelleborni. Die Habitate sind geprägt von ausgedehnten Felssubstraten, Spalten und Höhlen. Das überhängende Maul ermöglicht das Abweiden in flachen, turbulenten Bereichen, die anderen Arten nicht zugänglich sind. Das Wasser im Malawisee ist durchgängig alkalisch und hart; wilde Wasserwerte können lokal variieren und weichen teilweise von optimalen Aquariumwerten ab.

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