Pterophyllum altum
Beschreibung
Der Hohe Segelflosser (Pterophyllum altum) ist ein hochrückiger Buntbarsch aus der Familie Cichlidae mit einer Körperlänge von bis zu 18 cm TL und einer Gesamthöhe von bis zu 40 cm einschließlich der Flossen. Der Körper ist stark seitlich zusammengedrückt und scheibenförmig; Rücken- und Afterflosse sind extrem lang und sichelförmig ausgezogen. Das wichtigste Erkennungsmerkmal gegenüber P. scalare ist eine ausgeprägte Einbuchtung (Konkavität) an der Stirn direkt über dem Maul. Die Grundfärbung ist silbrig-grau mit drei breiten, dunkelbraunen bis schwarzen vertikalen Streifen.
Im Aquarium zeigt Pterophyllum altum ein ruhiges, elegantes Schwimmverhalten in den mittleren bis oberen Wasserschichten. Die Art ist scheu und empfindlich gegenüber Störungen; bei zu starker Beleuchtung oder häufigen Bewegungen am Beckenrand ziehen sich die Tiere in schattige Bereiche zurück. Die Empfindlichkeit gegenüber schlechter Wasserqualität und erhöhten Nitrat-Werten ist hoch. Pterophyllum altum ist deutlich anspruchsvoller als der verwandte P. scalare und nur für erfahrene Aquarianer geeignet.
Besonderheiten
- Gesamthöhe bis 40 cm (inkl. Flossen); hohes Becken mit mind. 60 cm Beckenhöhe zwingend
- Stirneinbuchtung (Konkavität) über dem Maul als Hauptmerkmal zur Unterscheidung von P. scalare
- Drei dunkle vertikale Körperstreifen auf silbrig-grauem Grund
- Schwarmfisch: Mindestgruppe sechs Tiere; Paare bilden sich aus der Gruppe
- Sehr empfindlich gegenüber schlechter Wasserqualität und erhöhten Nitrat-Werten (HLLE-Risiko)
- Wildfänge benötigen zur Eingewöhnung ausschließlich Lebendfutter
- Nicht geeignet für Garnelen und kleine Salmlerarten
- Geringes Sprungrisiko
Vergesellschaftungshinweise
Pterophyllum altum ist ein Schwarmfisch und sollte in Gruppen von mindestens sechs Exemplaren gehalten werden. Aus einer solchen Gruppe bilden sich natürliche Paare, die stressfreier und natürlicher agieren als zwangsverpaarte Tiere.
Das Temperament ist überwiegend friedlich und zurückhaltend. Während der Laichzeit können Paare Territorialverhalten zeigen und gegenüber Eindringlingen deutlich aggressiver werden.
Garnelen sind für Pterophyllum altum ungeeignet, ebenso kleine Salmler und andere Kleinfische, die ins Maul passen. Jungschnecken sind gefährdet; adulte Schnecken werden meist toleriert. Bodenbewohner wie Corydoras sind in der Regel verträglich.
Geeignete Beifische sind ruhige südamerikanische Arten: mittlere bis große Salmler, friedliche Panzerwelse und ruhige, bodennahe Welse. Die Beifische müssen die extrem weichen und sauren Wasserbedingungen (pH 4,8-6,2, GH unter 5) tolerieren.
Geschlechtsdimorphismus
Die Geschlechtsunterscheidung bei Pterophyllum altum ist sehr schwierig und oft nur während der Laichzeit möglich. Männchen können gelegentlich eine kleine Nukalhöcker-Wölbung an der Stirn entwickeln. Bei beiden Geschlechtern erreicht die Körperlänge bis zu 18 cm TL; konsistente Größenunterschiede sind nicht dokumentiert.
Haltungstipps / Pflege
Pterophyllum altum benötigt Wasser mit 28-32 °C, pH 4,8-6,2 und GH 0-5 °dGH. Extrem weiches Wasser ist für diese Art zwingend; messbarer Karbonatzusatz ist zu vermeiden. Die Art reagiert empfindlich auf abrupte Parameteränderungen; Nitrat muss unter 20 mg/l gehalten werden (HLLE-Risiko).
Das Becken sollte mindestens 150 cm Kantenlänge, eine Mindesthöhe von 60 cm und ein Volumen von 600 Litern fassen. Die Beckenhöhe ist entscheidend: Bei einer Gesamthöhe von bis zu 40 cm (inkl. Flossen) ist ein zu flaches Becken nicht artgerecht.
Die Einrichtung sollte naturnah gestaltet sein: überhängende Vegetation, stark verzweigtes Schwemmholz, Laubstreu und Tannin-abgebende Materialien (Seemandelbaumblätter, Erlenzapfen) zur Schwarzwasserimitation. Feinsandiges bis schlammiges Substrat, gedämpfte Beleuchtung und sanfte bis sehr geringe Strömung schaffen optimale Bedingungen. Eine leistungsfähige Filterung ist notwendig, darf aber keine starke Strömung erzeugen.
Pterophyllum altum ist eine anspruchsvolle Art für erfahrene Aquarianer. Häufiges Hantieren, laute Umgebungen und starke Lichtschwankungen sind zu vermeiden.
Zucht und Fortpflanzung
Pterophyllum altum ist ein Haftlaicher. Die Zucht ist gut dokumentiert und gilt als schwierig. Sehr weiches, saures Wasser ist für eine erfolgreiche Zucht erforderlich.
Paare bilden sich idealerweise innerhalb einer Gruppe von mindestens sechs Jungtieren. Laichsubstrate sind große Blätter, glatte Steinplatten oder vertikale bis leicht geneigte Flächen. Beide Elternteile zeigen aktive Brutpflege und verteidigen ihr Territorium. Stresssituationen führen häufig zum Fressen der Eier; ein separates Zuchtbecken wird empfohlen.
Ernährung/Futterbedarf
Pterophyllum altum ist ein Fleischfresser. Wildfänge akzeptieren anfangs ausschließlich Lebendfutter (Artemia, Mückenlarven, kleine Insekten). Nach Akklimatisierung nehmen Aquariumstiere auch Frost- und hochwertige Trockenfutter an. Geeignetes Futter umfasst Artemia, Mysis, Cyclops und Mückenlarven, ergänzt durch hochwertige Flocken und Granulate. Pflanzliche Komponenten spielen eine untergeordnete Rolle. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind günstiger als eine große Gabe. Futterreste zügig entfernen, um Nitratbildung zu begrenzen.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Pterophyllum altum stammt aus Kolumbien und Venezuela: dem oberen Rio Negro sowie den Nebenflüssen des oberen Orinoco (Rio Inírida und Rio Atabapo). Die Art bewohnt Schwarzwassersysteme mit sehr langsam fließenden Flüssen, Seitenarmen und Bächen, die durch reichlich Laubstreu, Treibholz und dichten Uferbewuchs gekennzeichnet sind. Das Wasser ist extrem weich und sauer mit dokumentierten Wild-pH-Werten zwischen 4,8 und 6,2 sowie Temperaturen zwischen 27 und 31 °C.