Tyttocharax madeirae
Beschreibung
Tyttocharax madeirae ist ein sehr kleiner südamerikanischer Salmler aus der Familie Stevardiidae. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Standardlänge (SL) von etwa 3,0–3,5 cm; im Aquarium werden typischerweise rund 2–3 cm beobachtet. Die Art gehört zu den sogenannten „inseminierenden Salmlern“ (inseminating characids): Männchen übertragen Sperma direkt in die Körperhöhle des Weibchens, wo es bis zur Eiablage gespeichert wird – ein innerhalb der Stevardiidae verbreitetes Reproduktionsmerkmal. Der Körper ist schlank und seitlich komprimiert, die Färbung silbrig-transparent mit einem unauffälligen dunklen Längsstreifen; der charakteristische „Blackedge“-Effekt bezieht sich auf die schwachen dunklen Flossenkanten.
Tyttocharax madeirae wurde 1913 von Fowler beschrieben; die Typuslokalität liegt im Einzugsgebiet des unteren und mittleren Amazonas. Der Artname verweist auf den Madeira-Fluss. Die Gattung Tyttocharax ist artenarm (T. madeirae, T. cochui, T. tambopatensis u. a.) und molekular der Unterfamilie Xenurobryconinae (Stevardiidae) zugeordnet.
Besonderheiten
Tyttocharax madeirae zeigt ein ruhiges, geselliges Verhalten und besteicht durch eine zierliche, dezent schimmernde Körperform. Artgerechte Aquariumeinrichtung unterstützt seine natürlichen Interaktionen. Es sind keine besonderen Merkmale bekannt.
Vergesellschaftungshinweise
Tyttocharax madeirae ist ein ausgeprägter Schwarmfisch. Im Aquarium sollte die Art in Gruppen von mindestens 10 Tieren gehalten werden – kleinere Gruppen führen zu Stress und erhöhter Schüchternheit. Das Verhalten ist friedlich; gegenüber anderen Arten zeigt die Art keine Aggression. Innerhalb der Gruppe sind zaghafte Verfolgungsjagden und Präsentationsrituale zu beobachten, die dem Imponierverhalten und der Brautwerbung dienen. Die Art hält sich vorwiegend in den mittleren bis oberen Wasserschichten auf.
Geeignete Mitbewohner sind andere friedliche, ähnlich große südamerikanische Arten aus Weichwasserregionen: kleine Salmler (z. B. Hyphessobrycon, Paracheirodon), Panzerwelse (Corydoras), Zwergsalmler. Größere, räuberisch veranlagte Fische sind zu vermeiden, da die Tiere aufgrund ihrer geringen Körpergröße gefährdet sind. Für Garnelen gilt: Junggarnelen können gefressen werden.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind geringfügig kleiner und schlanker; an den Bauch- und Afterflossenstrahlen können mikroskopisch kleine knöcherne Häkchen vorhanden sein – ein für inseminierende Stevardiidae typisches Merkmal. Ausgeprägte Farb- oder Formunterschiede zwischen den Geschlechtern sind nicht dokumentiert.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte (Aquarium): Temperatur 23–28 °C, pH 5,5–6,5, GH 1–5 °dGH.
Als Bewohner von Schwarzwasserbächen des Amazonasbeckens benötigt Tyttocharax madeirae weiches, leicht saures Wasser. Hartes oder alkalisches Wasser (GH >8, pH >7) ist nicht artgerecht und wird langfristig nicht toleriert. Torffilterung oder Erlenkonuszusatz kann helfen, die Wasserchemie stabil zu halten.
Für eine Gruppe von 10–15 Tieren ist ein Aquarium ab 54 Liter als Minimum vertretbar; empfohlen wird ab 80 Liter, um ausreichend Schwimmraum zu bieten. Dichte Bepflanzung mit Freiwasserbereichen zum Schwimmen ist ideal. Schwaches bis mäßiges Strömungsverhalten – ruhige Zonen bevorzugt. Gedämpfte Beleuchtung entspricht dem natürlichen Lebensraum in beschatteten Waldbächen; Schwimmpflanzen können als Lichtschutz dienen. Feiner Sand oder dunkles Substrat mit Laub oder Torfmoos rundet die Einrichtung ab.
Zucht und Fortpflanzung
Tyttocharax madeirae ist ein Freilaicher (Eier werden im freien Wasser abgelegt, keine Brutpflege). Typisch für inseminierende Stevardiidae: Männchen übertragen Sperma direkt ins Weibchen, das Weibchen legt die befruchteten Eier später ab. Eine gezielte Aquarienzucht ist wenig dokumentiert; die Art gilt als anspruchsvoller als verbreitete Schwarmfische, da präzise Wasserparameter nötig sind. Als Ansatz empfiehlt sich ein separates Zuchttank mit sehr weichem Wasser (pH 5,5–6,0), dichter Vegetation oder Mopps als Eiablageplatz sowie anschließende Entfernung der Elterntiere zum Schutz der Eier. Brut- und Aufzuchtdetails sind artspezifisch kaum publiziert.
Ernährung/Futterbedarf
Tyttocharax madeirae ist Allesfresser und nimmt im Aquarium verschiedene Futterarten an: feine Flockenkost, Mikropellets sowie Frost- und Lebendfutter (Artemia-Nauplien, Cyclops, Mikrowürmer). Aufgrund der sehr geringen Körpergröße ist auf entsprechend kleines Futter zu achten – Futterstücke sollten nicht größer als ca. 0,5 mm sein.
Natürlicher Lebensraum
Tyttocharax madeirae kommt in Nebenflüssen des unteren und mittleren Amazonasbeckens vor (Brasilien, möglicherweise auch Peru, Kolumbien, Bolivien). Die Art bewohnt ruhige bis langsam fließende, flache Gewässer unter Waldüberdachung – typische Schwarzwasserhabitate mit weichem, saurem Wasser, sandigem bis schlammigem Substrat und abgefallenen Blättern. Torfreiches, tanningetöntes Wasser ist charakteristisch.
IUCN-Status: Least Concern (bewertet März 2021).