Jeden Dienstag präsentieren wir euch auf my-fish.org einen spannenden Gastbeitrag direkt aus der Aquaristik-Szene. Oft teilen bekannte Youtuber oder Influencer ihre Erfahrungen. Heute freuen wir uns über fundiertes Expertenwissen vom Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V. zum Thema Algenprävention und Algenbekämpfung.

Algen gehören zum Ökosystem – solange sie nicht zur Plage werden
Ein Aquarium völlig ohne Algen? Das ist eine Illusion. Algen sind ein natürlicher Bestandteil jedes funktionierenden Ökosystems unter Wasser. Problematisch wird es erst, wenn das Algenwachstum überhandnimmt. Dann leiden nicht nur die Optik und die freie Sicht ins Becken, sondern das gesamte biologische Gleichgewicht gerät ins Wanken. Wer jedoch die Ursachen kennt und gezielte Pflegetipps anwendet, kann trübe Aussichten effektiv verhindern.
Die Einlaufphase: Warum Algen am Anfang normal sind
Beim Thema „Algen im Aquarium“ muss man differenzieren: Ist das Becken neu oder läuft es schon lange? „In der sogenannten Einlaufphase sind Algenblüten auch im Süßwasseraquarium völlig normal und sogar wichtig. Das Ökosystem muss sich erst entwickeln und stabilisieren“, beruhigt Matthias Wiesensee, Vizepräsident im Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA) e. V.
Um eine Algenplage beim Neustart zu vermeiden, gibt es effektive Methoden:
- Häufige Wasserwechsel (z.B. alle zwei Tage in den ersten drei Wochen).
- Dark Start: Das Aquarium läuft zunächst ohne Beleuchtung.
- Dry Start: Start nur mit Bodengrund und Pflanzen, das Wasser folgt später.
- Pflanzenbesatz erst zeitverzögert einsetzen.
Auch in einem etablierten Becken darf ab und zu eine Alge auf einem alten Blatt auftauchen. „Das ist wie Totholz im Wald – eine wertvolle Siedlungsfläche für Mikroorganismen“, so der Experte.
Licht und Nährstoffe: Der Konkurrenzkampf im Aquarium
Der Schlüssel zum Verständnis von Algenproblemen liegt in der Konkurrenzsituation. Sowohl Wasserpflanzen als auch Algen benötigen Licht und Nährstoffe. „Ein Ungleichgewicht zwischen Beleuchtung, Düngung und nicht vitalen Pflanzen führt fast zwangsläufig zu starkem Algenwuchs“, erklärt Wiesensee.
Das Prinzip ist einfach:
- Nährstoffmangel beheben: Im Aquarium fehlen oft Nährstoffe, die wir von außen (wie Dünger im Garten) zuführen müssen. Ist das „Nährstoffpaket“ (Nitrat, Phosphat, Eisen etc.) komplett, wachsen die Pflanzen prächtig.
- Überangebot vermeiden: Zu viele Fische oder zu wenige Wasserwechsel erzeugen Nährstoffspitzen bei einzelnen Elementen. Da Algen anspruchsloser sind als spezialisierte Pflanzen, nutzen sie diesen Überschuss sofort aus und verdrängen die Pflanzen.
- Lichtfaktor: Ein hoher PAR-Wert ist wichtig, aber die Beleuchtungsdauer sollte begrenzt sein.
- CO2-Düngung: Ein Wert von 20 bis 25 mg/l CO2 stärkt die Pflanzen gegen Algen.
Algenarten erkennen: Von Grünalgen bis Cyanobakterien
Nicht jede Alge ist gleich schädlich. Hier ein Überblick über die häufigsten Arten und Ursachen:
- Grünalgen: Wachsen oft rasant bei einem Phosphat-Überschuss und verbrauchen viel Sauerstoff. Die gute Nachricht: Garnelen, Schnecken und Welse fressen sie gerne.
- Kieselalgen (oft fälschlich Braunalgen genannt): Typische bräunliche Beläge in neuen Aquarien. Sie werden oft durch zu viel Silikat gefördert, verschwinden aber meist von selbst, wenn sich das Becken eingependelt hat.
- Rotalgen (Bart- und Pinselalgen): Ein Warnsignal für CO2-Mangel oder Stagnation beim Pflanzenwachstum. Sie sitzen als graue bis schwarze Büschel fest auf Deko und Technik (rot werden sie erst in Alkohol). Da kaum ein Tier sie frisst, müssen sie manuell entfernt werden.
- Blaualgen (Cyanobakterien): Eigentlich Bakterien, erkennbar an blau-grünen, übelriechenden Belägen. Sie sind gefährlich für das Ökosystem. Hier hilft nur gründliches Absaugen und großer Wasserwechsel. Bei hartnäckigem Befall helfen Tipps vom Fachhandel.
Checkliste für ein stabiles Gleichgewicht und weniger Algen
Prävention ist die beste Waffe gegen Algen. Um das Aquarium dauerhaft stabil zu halten, empfiehlt Experte Wiesensee folgende Maßnahmen:
- Regelmäßiger Wasserwechsel: Wöchentlich ca. 30 % des Wassers tauschen.
- Passender Fischbesatz: Überbesatz führt durch Futterreste und Ausscheidungen zu Nährstoffüberschuss.
- Sparsames Füttern: Nur so viel, wie die Fische in wenigen Minuten fressen.
- Üppige Bepflanzung: Schnellwachsende Pflanzen sind die beste Nahrungskonkurrenz für Algen.
- Beleuchtungsdauer: 8 bis 10 Stunden täglich sind optimal.
- Fressfeinde einsetzen: „Putztrupps“ wie Garnelen, Rennschnecken und bestimmte Welsarten halten Aufwuchs kurz.
- Manuelle Reinigung: Magnetreiniger für Scheiben nutzen; Deko herausnehmen und abbürsten.
Fazit
Algenprobleme sind meist Kinderkrankheiten neuer Becken. Wer sein Aquarium konstant pflegt und abrupte Milieuveränderungen vermeidet, schafft ein stabiles Biotop, in dem Algen keine Chance haben.
Du möchtest noch tiefer in das Thema eintauchen? Den vollständigen Original-Artikel mit weiteren Details findest du direkt beim IVH: Algen im Aquarium – Ursachen, Arten & Lösungen