Faszination Aquaristik: Braunes Laub – Das Naturwunder für gesunde Garnelen, natürliche Aquarienpflege und effektive Verstecke
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In der Aquaristik suchen wir stets nach Wegen, das Wohlbefinden unserer Unterwasserbewohner zu maximieren und ihre natürlichen Lebensräume so authentisch wie möglich nachzubilden. Besonders für unsere faszinierenden Zwerggarnelen, die in ihren Ursprungsbiotopen oft dichte Schichten von Laub am Gewässergrund bewohnen, bietet die Integration von braunem Herbstlaub eine einfache und zugleich hochwirksame Lösung. Was auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirken mag, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein Multitalent: Es ist nicht nur eine ästhetische Bereicherung, sondern auch ein essenzieller Baustein für die Gesundheit, die Sicherheit und die natürliche Ernährung unserer Garnelen und anderer Aquarienbewohner. Tauchen wir ein in die Welt des Herbstlaubs und entdecken, wie dieser unscheinbare Naturstoff Ihr Aquarium revolutionieren kann.
Das natürliche Habitat der Hummelgarnele in China. Foto: Werner Klotz
Braunes Laub im Garnelenaquarium
Naturfutter und Aquariendeko mit Zusatznutzen
In den natürlichen Biotopen unserer Zwerggarnelen liegt abgefallenes braunes Laub teilweise in dicken Schichten am Gewässergrund, und genau dort findet man die Tiere bevorzugt. Wasserschnecken sitzen ebenfalls gerne zwischen und auf den ins Wasser gefallenen Blättern. Im Aquarium dürfen wir uns die Natur zum Vorbild nehmen – nicht nur Garnelen und Schnecken, auch Krebse und Krabben stehen auf braunes Herbstlaub.
Warum Laub?
Laub sieht im Aquarium zum einen natürlich sehr natürlich aus, aber Optik ist nicht alles. Um uns genauer anzuschauen, wie man sind sehr vielseitig. Dabei ist es wichtig, zwischen grünem und braunem Laub zu unterscheiden. Grünes Laub enthält Zucker, den der Baum durch Photosynthese als Energiespeicher produziert, und eignet sich daher mit wenigen Ausnahmen nicht zum Dauereinsatz im Aquarium – Zucker füttert die Bakterien im Freiwasser und treibt die Keimdichte hoch. Das wollten wir im Garnelenaquarium unbedingt vermeiden, daher werden nicht gefressene Reste nach wenigen Stunden wieder aus dem Aquarium genommen.
Der Unterschied zu braunem Laub
Im Herbst entzieht der Baum den Blättern Wasser und Nährstoffe, sie werden braun und trocken. Vor allem der Zuckergehalt ist deutlich geringer. Braunes Herbstlaub kann problemlos im Aquarium bleiben, bis es aufgefressen ist, und es gibt keine Mengenbeschränkungen.
Gerbstoffe und Huminstoffe
Braunes Laub enthält Gerbstoffe, und wenn es sich zersetzt, entstehen Huminstoffe: sehr wünschenswert für Garnelen (oder überhaupt für Krebstiere), weil sie die Häutung unterstützen, leicht desinfizierend wirken und die Keimdichte im Wasser senken.
Natürliche Verstecke
Im Laub verstecken sich eigentlich alle Krebstiere gern, und praktischerweise ist dieses Versteck sogar essbar! Garnelen und Schnecken weiden die Biofilme ab, die sich auf den Blättern bilden. Auch das Blattgewebe wird gefressen, wenn es durch die Bakterien in den Biofilmen aufgeschlossen wurde und mürbe wird. Je nach Laubsorte kann es zwar dauern, aber irgendwann liegt auch vom Eichenblatt nur noch das Gerippe im Aquarium.
Trockenes Laub geht sofort unter, wenn man es kurz mit heißem Wasser übergießt, ehe es ins Aquarium kommt. Dadurch werden die Zellstrukturen aufgebrochen, das Laub wird zudem schneller verwertbar. Es geht hier nicht um Desinfektion – auf einem Baum lebt nichts, das im Aquarium gefährlich werden könnte. Vorwässern wäre ebenfalls eine Möglichkeit. Bei beiden Methoden geht ein gewisser Anteil der Gerbstoffe im Laub verloren. Die einfachste und schonendste Möglichkeit ist, das Laub einfach an der Oberfläche schwimmen zu lassen, bis es von selbst untergeht.
Sammeln und aufbewahren
Laub kann man im Spätherbst prima selbst sammeln. Wer Verschmutzungen vom Boden vermeiden will, pflückt das vollkommen getrocknete braune Laub direkt vom Baum. Nicht sammeln sollte man im Ballungsraum mit hoher Luftverschmutzung, direkt an viel befahrenen Straßen oder mit Pestiziden behandelten Feldern, im Naturschutzgebiet oder auf fremden Grundstücken. Im übrigen gilt in Deutschland die Handstraußregel, wonach man jederzeit so viel aus der Natur entnehmen darf, wie man für den Eigenbedarf braucht.
Das Laub breitest du auf einem Handtuch im Zimmer aus und lässt es vollends durchtrocknen. Danach ist es in einem Karton oder einer Papiertüte praktisch unbegrenzt haltbar. In Plastikbehältern kann es schimmeln.
Grün getrocknetes Birkenlaub wird traditionell im Aquarium gegen Pilzinfektionen eingesetzt. Foto: Ulli Bauer… und getrocknete braune Eichenblätter. Foto: Ulli Bauer
Blätter mit Heilwirkung
Grün getrocknetes Walnusslaub ist Lieblingsfutter und wirkt gleichzeitig antibakteriell und antimykotisch. Auch Birkenlaub und Erlenlaub werden gerne wegen ihrer antimykotischen Eigenschaften im Aquarium genutzt.
Diese Laubsorten dürfen auch grün im Aquarium verbleiben – bitte trotzdem nicht mit der Menge übertreiben: Bei Walnusslaub reicht ein Teil des Fiederblatts für ein Garnelenbecken von 20 Litern aus, bei Birke beschränkt man sich auf 1 Blatt je 10 Liter Aquarienvolumen.
Dieser umfassende Guide beleuchtet, warum braunes Herbstlaub weit mehr als nur eine dekorative Ergänzung für Garnelenaquarien ist. Es simuliert nicht nur naturnahe Biotope und bietet sichere Verstecke, sondern dient auch als wertvolle Nahrungsquelle und liefert essenzielle Gerbstoffe und Huminstoffe. Diese natürlichen Substanzen unterstützen die Häutung, wirken leicht desinfizierend und tragen maßgeblich zur Senkung der Keimdichte sowie zur Förderung der Vitalität von Garnelen, Schnecken und anderen Krebstieren bei. Der Beitrag erklärt die Vorteile gegenüber grünem Laub und bietet praktische Anleitungen zum Sammeln, Vorbereiten und Lagern für eine optimale Nutzung im Aquarium.
Braunes Laub ist ein unterschätzter Schatz für jedes Garnelenaquarium, der eine Fülle von Vorteilen für die Bewohner bietet. Es fördert nicht nur die Gesundheit durch Gerbstoffe und Huminstoffe, sondern dient auch als wichtige Nahrungsquelle und sicherer Rückzugsort. Indem wir uns die Natur zum Vorbild nehmen und braunes Laub gezielt einsetzen, schaffen wir ein vitales und naturnahes Lebensumfeld für unsere Aquarienbewohner.
Über das Magazin: Caridina
Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.
Was bietet das Magazin?
Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
Spannende Fachartikel zu Garnelen, Krebse, Schnecken, Wasserpflanzen, Aquarientechnik und mehr
Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Produktneuheiten
Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)
Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.
Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.
Verlagsangebot im Überblick:
Rund ein Dutzend Fach- und Publikumszeitschriften
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Umfassende Statistiken, Studien und Handelsdaten
Eine große Auswahl an Büchern (über 90 Titel) zu Aquaristik, Garten, Teich- und Terraristik
Weitere Publikationen wie Einkaufsführer, Adressverzeichnisse und mehr
Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.
Ulli Bauer ist eine renommierte Aquarianerin und Fachautorin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit der Pflege und Zucht von Süßwasserarten beschäftigt. Sie verfügt über umfangreiche praktische Erfahrung im Bereich der Aquaristik und ist bekannt für ihre fundierten Fachbeiträge in verschiedenen Fachmagazinen wie „Caridina“ und „Aquaristik“. Ulli engagiert sich zudem in der Aquaristik-Community, hält Vorträge und Workshops, um ihr Wissen weiterzugeben, und ist stets bestrebt, neue Arten und Zuchtmethoden zu erforschen und zu dokumentieren. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch fundierte Recherche, praktische Anleitungen und eine große Leidenschaft für die Aquaristik aus.