Wie gefährlich ist Plastik im Aquarium? Spongebob und Co. unter der Lupe


Plastik hat ein negatives Image – und dennoch nutzen wir es jeden Tag, und man kann es kaum komplett vermeiden. Der Großteil unserer Getränke wird in Kunststoffflaschen verkauft, Essen kommt in Plastikverpackungen, und unsere Kinder spielen damit. Selbst kleinste Kinder kommen durch Schnuller, Rassel und Co mit Kunststoffen in Kontakt. Interessanterweise gibt es da kaum negative Aussagen zum Material, obwohl die Kinder dieses nahezu dauerhaft mit dem Mund bearbeiten. In aquaristischen Gruppen dagegen wird man teilweise als Tierquäler bezeichnet, sobald man eine Plastikdekoration im Aquarium hat. Regelmäßig lese ich folgende Aussagen:
- „völlig unnatürlich“
- „tierschädlich“
- „gibt giftige Substanzen ab“
- „dadurch entsteht Mikroplastik“
- „das moddert und fängt an zu stinken“
Fragt man allerdings nach, kann keiner konkrete Aussagen machen. Mich erstaunt die Vehemenz, mit der „Plastik-Deko“ wieder und wieder verdammt wird.




Immer ein künstlicher Lebensraum
Selbstverständlich sind Spongebob und ähnliche Dekoration nichts, was man in der Natur findet. Allerdings findet man in der Natur auch keine Aquarien. Die meisten Becken ähneln nicht im Entferntesten natürlichen Biotopen. Ob den Bewohnern Pflanzen und Holz besser gefallen als eine künstliche Ananas, ist eine reine Glaubensfrage.
Polyresin als Ausgangsstoff
Theoretisch sind viele Kunststoffe als Material für die Deko denkbar, in der Praxis bestehen Aquariendekorationen meist aus Polyresin, bestehend aus einem Füllstoff und einem Kunstharz. Als Füllstoff kommen verschiedene Materialien zum Einsatz, meist Gesteinsmehle oder Sand. Der Kunstharz-Anteil besteht entweder aus Polyester- oder Epoxidharzen, je nach Mischung mit deutlichen Qualitätsunterschieden. Für die Aquaristik kommen in der Regel die günstigeren Polyesterharze zum Einsatz. Ausnahmen bilden wenige besonders hochwertige Produkte, die meist mit dem Zusatz „aus Kunststein“ beworben und aus Epoxidharz hergestellt werden.
Wasserneutrale Aquariendekoration?
Egal, welches Harz zum Einsatz kommt, gut gefertigte Produkte sind wasserneutral. Polyresin mit Polyesterharz enthält nur sogenannte innere Weichmacher, die sich nicht im Wasser lösen. Einmal ausgehärtet, ist das Produkt sehr widerstandsfähig und ungiftig, bei korrekter Herstellung auch UV-beständig. Im Wasser geht man von etlichen Jahrzehnten bis Jahrhunderten Haltbarkeit aus. Das Polyresin selbst ist daher nicht tierschädlich, es wird sich in der Lebenszeit eines Aquarium nicht zersetzen oder anfangen zu stinken.


Ein stechender Geruch
Hin und wieder tritt dennoch ein unangenehmer Geruch auf, wenn man Plastikdekoration aus dem Aquarium nimmt. Der stammt von in Winkeln und Öffnungen abgelagerten organischen Teilchen, die durch wenig Wasserdurchflutung anaerob abgebaut werden und dabei anfangen zu faulen.
Ist der Lack ab?
Zwar könnte das Resin direkt eingefärbt werden, gerade bei mehrfarbigen Produkten würde dies den Herstellungsprozess jedoch stark verteuern. Die Dekorationen werden daher meist auch lackiert, und daher müssen wir den Lack ebenfalls betrachten. Die Bemalung erfolgt in den meisten Fällen mit einfach zu verarbeitenden Acryllacken. Diese sind nach Aushärtung wasserfest.
Allerdings zeigte sich schon in verschiedenen Aquarien und auch bei meinen Tests, dass die Farben nach einiger Zeit abblättern können. Acryllacke bestehen aus Farbpigmenten, Polymeren (Bindemitteln, hier Kunstharzteilchen) und einem Lösungsmittel. Beim Trocknen der Farbe verdunstet das Lösungsmittel, und die Polymere verbinden sich mit den Farbpigmenten und untereinander zu einer wasserunlöslichen Schicht. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Farbschicht ideal verarbeitet ist und keinerlei Beschädigung, z.B. durch Kies oder Sand, abbekommen hat. Oft sind insbesondere die Randbereiche nicht komplett gegen eindringendes Wasser geschützt. Wenn Wasser zwischen Körper und Farbe eindringt, kommt es mit der Zeit zu Blasenbildung und Abblätterungen.
Eine farbige Kunststoffschicht
Allerdings gibt auch die Farbe keine giftigen Stoffe ab, da das Polymer und die Farbpigmente eine feste Verbindung eingehen. Im Grunde entsteht beim Trocknen der Farbe eine dünne Schicht farbiger Kunststoff. Blättern Farbpartikel ab, werden dadurch keine Stoffe ans Wasser abgegeben, aber es entstehen kleinste Kunststoffteilchen, sogenanntes Mikroplastik.

Mikroplastik im Aquarium
Wasserunlösliches Mikroplastik verursacht keine akuten Vergiftungen, im Grunde handelt es sich um unverdauliche Fragmente. Viele Fische und Garnelen nehmen permanent unverdauliches Material auf, z.B. Sand oder Kies, und scheiden es auf natürlichem Weg wieder aus. Oft bemerken Fische unverdauliches Material schon bei der Aufnahme und spucken es direkt wieder aus. Die Abgabe von Mikroplastik beschränkt sich im Aquarium rein auf die Farbschicht. Das Polyresin selbst gibt in normalen aquaristischen Zeiträumen keine Kunststoffteilchen ab.
Vor der Verwendung bitte reinigen
Jede Aquariendekoration wird vor der Nutzung selbstverständlich gereinigt. Bei künstlicher Dekoration aus industrieller Fertigung kann es schnell zur Verunreinigungen mit Schmierstoffen oder ähnlichem kommen, und viele dieser Stoffe sind für unsere Tiere hoch toxisch.
Empfehlung
Trotz ihrer Unbedenklichkeit sollte man im Aquarium auf Kunststoffe weitestgehend verzichten: Die Dekorationen sind nicht wiederverwertbar, und die Produktionsprozesse sowie die Gewinnung der Rohstoffe gelten als extrem umweltschädlich. Die extreme Langlebigkeit sorgt für Müll, der die Nutzungsdauer meist um hunderte Jahre überlebt. Je weniger Kunststoffe wir verwenden, desto besser! Eine Diabolisierung der Dekorationen ist jedoch übertrieben.