Faszination Aquaristik: Zwerggarnelen perfektionieren – Leitfaden zur Selektionszucht für stabile Stämme und leuchtende Farben

Faszination Aquaristik: Zwerggarnelen perfektionieren – Leitfaden zur Selektionszucht für stabile Stämme und leuchtende Farben
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Für viele Aquarianer ist die Zucht von Zwerggarnelen weit mehr als nur ein Hobby – es ist eine Passion, die den Wunsch nach Perfektion in Farbe und Form weckt. Doch wie gelingt es, die faszinierenden Merkmale dieser kleinen Wirbellosen zu erhalten und sogar zu verbessern? Der Schlüssel dazu liegt in der konsequenten und durchdachten Selektionszucht. Dieser Artikel beleuchtet, warum dieses Vorgehen entscheidend ist, um über Generationen hinweg beeindruckende und vitale Garnelenstämme zu entwickeln, die den höchsten ästhetischen Ansprüchen genügen.

Neocaridina davidi sollten für gleichbleibend gute Farbqualität kontinuierlich selektiert werden. Foto: Chris Lukhaup
Neocaridina davidi sollten für gleichbleibend gute Farbqualität kontinuierlich selektiert werden. Foto: Chris Lukhaup

Selektionszucht bei Zwerggarnelen – So erhält man stabile Stämme und gute Farben

Warum Zuchtselektion?

Wir träumen fast alle von knallroten Sakura, von Bienengarnelen mit deckendem Weiß und klar getrennten Farben, richtig blauen Blue Steel oder besonders gleichmäßig gemusterten Boa-Garnelen. Leider gibt es diese wunderschönen Stämme nicht für lau, und auch qualitativ bereits gut durchgezüchtete Tiere werden im Lauf der Zeit wieder „schlechter“, wenn man sie nicht konsequent und sorgfältig selektiv weiterzüchtet.

Die Rolle der Genetik 

Wer gezielt Zwerggarnelen züchten möchte, kommt am Thema Genetik nicht vorbei. Das Erbgut eines jeden Lebewesens definiert sich durch die Gesamtheit seiner Gene, den sogenannten Genotyp. Diesen Genotyp kann man nicht ohne Gentest beurteilen, jedoch lässt der Phänotyp, also die optische Ausprägung von Farbe, Gestalt und Größe, Rückschlüsse auf den Genotyp zu. 

Negative Selektion

Bei der Garnelenzucht bedient man sich häufig der negativen Selektion: Tiere, deren Aussehen nicht dem Zuchtziel entsprechen, werden aus der Zuchtgruppe genommen: Zu schwache Farben, unattraktive Muster, unsaubere Zeichnungen, aber auch Fehlbildungen wie einen nach unten hin zu kurzen Carapax oder Kopf-Brust-Panzer, der die Kiemen nicht mehr bedeckt, sich kringelnde Fühler, die der Garnele keine wirkliche Orientierung im Raum mehr erlauben, oder insgesamt unproportionale Körperteile oder auch Zwergwüchsigkeit sind häufig Selektionskriterien.

Wer sinnvoll selektiert, nimmt unerwünschte Exemplare aus dem Aquarium, ehe sie die Geschlechtsreife erreichen und womöglich ihre Gene innerhalb der Gruppe weitergeben. Vor allem bei den Männchen muss man an der Stelle wirklich dranbleiben. Wird konsequent aussortiert, bleiben nur diejenigen Tiere mit dem erwünschten Aussehen in der Gruppe, sodass die Genetik des Zuchtstamms über die Zeit stabiler wird und sich die Merkmale über die nachfolgenden Generationen mehr und mehr festigen.

Positive Selektion

Ein anderer Ansatz ist, Männchen und Weibchen mit den erwünschten Merkmalen gezielt zu verpaaren und sie zu diesem Zweck in ein separates Zuchtbecken zu setzen, wo ihr Nachwuchs ungestört heranwachsen und weiter selektiert werden kann. In der Regel bedient man sich in der Garnelenzucht beider Methoden.

Eine solch harmonische Gruppe Red Fancy Tiger ist das Ergebnis langer, geduldiger Zuchtauslese. Foto: Chris Lukhaup
Eine solch harmonische Gruppe Red Fancy Tiger ist das Ergebnis langer, geduldiger Zuchtauslese. Foto: Chris Lukhaup

Was tun mit ausselektierten Tieren?

Viele Züchter geben Low-Grade-Garnelen, die in Farbe oder Musterung nicht dem Zuchtziel entsprechen, in ein eigenes Aquarium. Hin und wieder ergeben sich in diesen Crossover-Zuchten dann doch wieder überraschende Farbschläge, mit denen man weiterarbeiten kann. Teils werden die Aussortierten auch einfach in ein Gesellschaftsbecken umgesetzt oder günstig im Internet oder auf Börsen verkauft oder gar verschenkt.

Leiden die ausselektierten Garnelen jedoch an Fehlbildungen mit freiliegenden Kiemen oder starken Verformungen, sollten sie sich nicht weiter vermehren. Diese Tiere sind ein Fall für nach Geschlechtern getrennten „Restebecken“ oder für ein Gesellschaftsaquarium mit Bärblingen oder kleinen Salmlern, die sich um eventuell entstehenden Nachwuchs kümmern.

Hilfsmittel

Bei der Selektionszucht hilft ein nicht allzu dicht eingerichtetes Aquarium. Es bietet sich an, die Tiere mit einem besonders leckeren Futterstick nach vorne zu locken, um eine gute Übersicht über die Gruppe zu bekommen. Zum Herausfangen einzelner Tiere eignet sich ein kleiner Kescher mit steifem Netz und gerader Vorderkante oder aber eine sogenannte Garnelenschaufel. Fällt kein Fangnetz in sich zusammen, wenn der Fangbehälter aus dem Wasser gezogen wird, bedeutet dies für die Garnelen zum einen weniger Stress, zum anderen lassen sich die Tiere nochmals genauer von oben begutachten. Auch Glas-Selektierpfeifen sind nützliche Hilfsmittel und erlauben sogar einen kritischen Blick von der Seite.

Auch Fischfangbecher, die an die Aquarienscheibe gehängt werden können, sind für die Selektion von Garnelen ein gut geeignetes Hilfsmittel. In den durchsichtigen Behältern lassen sich die Ausselektierten bequem zwischenparken und dann später gesammelt und möglichst stressfrei in ihr nächstes Domizil übersiedeln.

Dieser Leitfaden von Ulli Baier erklärt die Grundlagen und Praxis der Selektionszucht bei Zwerggarnelen, um begehrte Merkmale wie intensive Farben und stabile Stämme zu erzielen. Er beleuchtet die Bedeutung von Genetik, den Einsatz von negativer und positiver Selektion sowie den ethischen Umgang mit aussortierten Tieren. Zudem werden nützliche Hilfsmittel für einen effizienten und stressarmen Selektionsprozess vorgestellt, um Zuchterfolge nachhaltig zu sichern.

Dieser Artikel von Ulli Baier unterstreicht die Notwendigkeit aktiver Selektionszucht, um begehrte Farb- und Formmerkmale bei Zwerggarnelen nachhaltig zu etablieren. Durch die bewusste Anwendung von positiver und negativer Selektion sichern Züchter die Qualität und Stabilität ihrer Stämme über Generationen hinweg. Mit den richtigen Hilfsmitteln und einem verantwortungsvollen Umgang mit den Selektionstieren wird die Zucht hochwertiger Garnelen zu einem erfolgreichen und ethischen Unterfangen.

Über das Magazin: Caridina

Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.

Was bietet das Magazin?

  • Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
  • Spannende Fachartikel zu Garnelen, Krebse, Schnecken, Wasserpflanzen, Aquarientechnik und mehr
  • Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Produktneuheiten
  • Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
  • Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)

Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.

Weitere Infos:
Mehr zur Zeitschrift und Abonnements finden Sie hier: Caridina – Zeitschrift für Wirbellose

Über den Dähne Verlag

Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.

Verlagsangebot im Überblick:

  • Rund ein Dutzend Fach- und Publikumszeitschriften
  • Internet-Portale und Online-News-Dienste
  • Umfassende Statistiken, Studien und Handelsdaten
  • Eine große Auswahl an Büchern (über 90 Titel) zu Aquaristik, Garten, Teich- und Terraristik
  • Weitere Publikationen wie Einkaufsführer, Adressverzeichnisse und mehr

Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.

Mehr erfahren: Webseite des Dähne Verlags

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Ulli Bauer

Ulli Bauer ist eine renommierte Aquarianerin und Fachautorin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit der Pflege und Zucht von Süßwasserarten beschäftigt. Sie verfügt über umfangreiche praktische Erfahrung im Bereich der Aquaristik und ist bekannt für ihre fundierten Fachbeiträge in verschiedenen Fachmagazinen wie „Caridina“ und „Aquaristik“. Ulli engagiert sich zudem in der Aquaristik-Community, hält Vorträge und Workshops, um ihr Wissen weiterzugeben, und ist stets bestrebt, neue Arten und Zuchtmethoden zu erforschen und zu dokumentieren. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch fundierte Recherche, praktische Anleitungen und eine große Leidenschaft für die Aquaristik aus.

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