Die Welt der Aquaristik hält unzählige Facetten bereit, und die Garnelenzucht ist zweifellos eine der faszinierendsten Disziplinen. Doch wer sich von der allgemeinen Haltung zur gezielten Hochzucht, insbesondere anspruchsvoller Caridina-Arten, vorwagt, steht vor spezifischen Herausforderungen bei der Einrichtung des Aquariums. Es geht nicht nur darum, den Tieren ein schönes Zuhause zu bieten, sondern ein präzises Ökosystem zu schaffen, das die Zuchterfolge maximiert und die notwendige Übersicht für die Bestandsselektion bietet. In diesem Artikel erfahren Sie von Expertin Ulli Bauer, welche technischen Finessen, Wasserparameter und Pflanzenwahl Ihr Zuchtbecken zum optimalen Habitat für den Garnelennachwuchs machen – und wie Übersichtlichkeit dabei zum Schlüssel für den Erfolg wird.
Laub ist eine wertvolle Zugabe zum Zuchtaquarium: Futter und Versteckplatz in einem. Foto: Philipp Baumann
Geeignete Aquarieneinrichtung für die Zucht – Mit Übersichtlichkeit funktioniert’s am besten
Für die gezielte Zucht hat sich ein etwas anderes Setup bewährt als für die Garnelenhaltung im allgemeinen. Während vor allem die robusten Neocaridina gerne in schön bepflanzten Aquarien, im Gesellschaftsbecken und teils sogar in Aquascapes gesichtet werden, ist die gezielte Hochzucht von Caridina-Garnelen aus Weichwasserhabitaten in einer anderen, übersichtlicheren Art von Aquarium sinnvoller. Das heißt allerdings nicht, dass ein Zuchtbecken hässlich oder langweilig sein muss!
Ein gut laufendes Zuchtaquarium mit roten Neocaridina – schlicht, aber trotzdem optisch ansprechend. Foto: Philipp Baumann
Technik im Zuchtbecken
Grundsätzlich taugen als Zuchtbecken schon Aquarien ab 20 oder 30 Litern. Je nach geplantem Besatz gibt es nach oben keine Grenze. Auch ist die Technik beim Zuchtaquarium nicht wesentlich anders: Es gibt einen Filter, der das Wasser sauber hält, häufig einen Mattenfilter, der mit Luftheber betrieben wird. Selbst wenn sich wertvolle Hochzuchttiere hinter die Matte verirren, droht ihnen keine Gefahr, anders als bei einem mit Motorfilter betriebenen Aquarium – und gleichzeitig steigt dadurch der Sauerstoffgehalt des Wassers, was ein weiterer positiver Effekt ist.
Des weiteren haben die meisten Zuchtaquarien auch eine Beleuchtung. Zwar brauchen Garnelen kein besonders starkes Licht, sollen jedoch auch Pflanzen zum Schadstoffabbau und als Versteck für Junggarnelen gehalten werden, ist zumindest mittelstarkes Licht sinnvoll. Die gängigen Garnelenarten kommen bei Zimmertemperatur prima klar, daher werden viele Zuchtanlagen nicht beheizt. Manche sind für heiße Sommertage allerdings mit einer Kühlung oder zumindest einer zusätzlichen Sauerstoffversorgung ausgerüstet.
Auch dieses Becken für Caridina sp. OE beweist, dass Zuchtaquarien nicht langweilig sein müssen. Foto: Philipp Baumann Das feinfiedrige wurzellose Hornkraut bietet dieser Blue Jelly OE ein Versteck und Biofilme zum Abweiden. Foto: Philipp Baumann
Wasserwerte
Vor allem Bienengarnelen (Caridina logemanni) und ihre Hybriden (Caridina sp.) bevorzugen weiches, eher saures Wasser. Ein aktiver Soil als Bodengrund senkt und stabilisiert den pH-Wert und ist daher in der Weichwassergarnelenzucht mittlerweile Standard. Neocaridina hingegen lassen sich auch in härterem Wasser auf neutralem Bodengrund halten und sitzen gut auf Sand oder Aquarienkies.
Wasseraufbereitung
Für die gezielte Zucht sind häufig Wasserwerte erforderlich, die so nicht aus der Wasserleitung kommen. Für die jeweiligen Gattungen oder Arten gibt es jedoch im Handel speziell angepasste Aufhärtesalze zu kaufen, die der Wasseraufbereitung von demineralisiertem Wasser dienen. Damit werden Osmosewasser oder Wasser aus dem Vollentsalzer einfach auf die entsprechenden Härtegrade eingestellt und zudem mit Spurenelementen angereichert. Aquarienpflanzen und sogar die Schadstoffe abbauende Bakterienflora profitieren davon, was für ein stabileres Ökosystem sorgt.
Den Algenbelag auf dem Bodengrund grasen die Bloody Marys (Neocaridina davidi) gerne ab. Foto: Philipp Baumann
Pflanzen und Deko
Bei der gezielten Zucht werden Garnelen mit ähnlichem Aussehen zusammengesetzt. „Ausreißer“ mit anderer Optik oder unerwünschten Eigenschaften werden aus dieser Gruppe entfernt, und zwar möglichst, ehe sie die Geschlechtsreife erreicht haben. In einem übersichtlichen Aquarium fällt dies deutlich leichter. Im Zuchtaquarium dienen einfach zu haltende Aquarienpflanzen wie Bucephalandra, Anubias, Farne oder Moose und Laubnicht nur als reine Dekoration, sondern auch als Rückzugsorte und Abweideflächen. Vor allem die winzig kleinen Junggarnelen nehmen die Verstecke gerne an.
Ein Aquarienblock mit Zuchtaquarien für Neocaridina – mit genügend Platz für Zuchtselektion. Foto: Philipp Baumann
Die meisten für Zuchtaquarien geeigneten Pflanzen sind Aufsitzer, die man auf Steine und Wurzelstücke aufbinden kann. Auch Schwimmpflanzen wie Hornkraut, die nicht im Bodengrund wurzeln, sind eine Option. Sie alle haben den Vorteil, dass sie einfach aus dem Zuchtbecken genommen werden können, wenn man sich einen Überblick über die Entwicklung des Garnelenstamms verschaffen möchte.
Manchmal sitzen besonders kleine Garnelen beim Herausnehmen noch in einer Pflanze. Um zu vermeiden, dass die Tiere aus dem Aquarium gelangen, wird sie besonders langsam aus dem Wasser genommen und dabei vorsichtig geschüttelt. Auch wiederholtes Eintauchen ist effektiv – den Blinden Passagieren wird dies meist zu ungemütlich, und sie machen sich davon. Sollte dennoch einmal eine Garnele mit nach draußen gelangen, ist sie so lange nicht in Gefahr, wie ihre Kiemen feucht sind, und kann einfach zurückgesetzt werden.
Starkwüchsige Moospolster sollten um der Übersichtlichkeit willen ab und an zurückgenommen werden. Sie können einfach mit einer geeigneten Schere zurückgeschnitten oder mit den Fingern in Form gezupft werden.
Einblick in ein Zuchtaquarien mit Neocaridina. Foto: Philipp Baumann
Pflanzen fürs Zuchtaquarium auswählen und vorbereiten
Aufsitzer und Moose sind geeignete Pflanzen fürs Zuchtaquarium. Optimal sind Pflanzen aus Invitro-Kultur; sie werden gift- und parasitenfrei gezogen und können nach kurzem Abspülen direkt ins Garnelenaquarium eingesetzt werden. Konventionell produzierte Topfpflanzen sollten vom Pflanzsubstrat (meist Steinwolle) sorgfältig befreit und mindestens zwei Wochen separat mit täglichem Wasserwechsel gewässert werden, um eventuell aus der Aufzucht vorhandene Pestizide und Düngemittel auszuschwemmen.
Dieser Fachbeitrag von Ulli Bauer beleuchtet die entscheidenden Unterschiede in der Aquarieneinrichtung für die gezielte Garnelenzucht, insbesondere für anspruchsvolle Hochzucht-Caridina, im Vergleich zur allgemeinen Haltung. Er betont die Notwendigkeit eines übersichtlichen Beckens, um eine effiziente Selektion zu ermöglichen. Der Artikel führt technische Aspekte wie den Einsatz von Mattenfiltern für Sicherheit und Sauerstoffanreicherung, die sinnvolle Beleuchtung für Pflanzen sowie die oft fehlende Heiznotwendigkeit auf. Weiterhin werden die Bedeutung präziser Wasserwerte durch aktiven Soil für Weichwasser-Caridina oder Aufhärtesalze für demineralisiertes Wasser erklärt. Abschließend werden geeignete, leicht zu entnehmende Pflanzen wie Aufsitzer und Moose beschrieben, die als Verstecke dienen, die Übersichtlichkeit jedoch nicht beeinträchtigen und somit den Zuchterfolg unterstützen.
Der Weg zu einer erfolgreichen Garnelenzucht mag detailliert und anspruchsvoll erscheinen, doch mit dem fundierten Wissen und den praxisnahen Ratschlägen von Experten wie Ulli Bauer wird er zu einer erfüllenden Erfahrung. Die gezielte Einrichtung eines Zuchtbeckens, das optimale Bedingungen für Ihre Tiere schafft und gleichzeitig die Selektion erleichtert, ist der Schlüssel zu vitalen und schönen Garnelenstämmen. Wir hoffen, dieser Beitrag von my-fish.org in Kooperation mit dem Dähne Verlag hat Ihnen wertvolle Einblicke und Inspirationen gegeben, um Ihre Leidenschaft für die Aquaristik und insbesondere die Garnelenzucht erfolgreich weiterzuentwickeln. Bleiben Sie dran für weitere spannende Fachbeiträge!
Extensive Haltung = Populationserhalt
Intensive Haltung = Population steigt stetig
Über das Magazin: Caridina
Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.
Was bietet das Magazin?
Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
Spannende Fachartikel zu Garnelen, Krebse, Schnecken, Wasserpflanzen, Aquarientechnik und mehr
Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Produktneuheiten
Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)
Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.
Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.
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Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.
Ulli Bauer ist eine renommierte Aquarianerin und Fachautorin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit der Pflege und Zucht von Süßwasserarten beschäftigt. Sie verfügt über umfangreiche praktische Erfahrung im Bereich der Aquaristik und ist bekannt für ihre fundierten Fachbeiträge in verschiedenen Fachmagazinen wie „Caridina“ und „Aquaristik“. Ulli engagiert sich zudem in der Aquaristik-Community, hält Vorträge und Workshops, um ihr Wissen weiterzugeben, und ist stets bestrebt, neue Arten und Zuchtmethoden zu erforschen und zu dokumentieren. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch fundierte Recherche, praktische Anleitungen und eine große Leidenschaft für die Aquaristik aus.