Selektionszucht bei Zwerggarnelen – So erhält man stabile Stämme und gute Farben
Warum Zuchtselektion?
Wir träumen fast alle von knallroten Sakura, von Bienengarnelen mit deckendem Weiß und klar getrennten Farben, richtig blauen Blue Steel oder besonders gleichmäßig gemusterten Boa-Garnelen. Leider gibt es diese wunderschönen Stämme nicht für lau, und auch qualitativ bereits gut durchgezüchtete Tiere werden im Lauf der Zeit wieder „schlechter“, wenn man sie nicht konsequent und sorgfältig selektiv weiterzüchtet.


Die Rolle der Genetik
Wer gezielt Zwerggarnelen züchten möchte, kommt am Thema Genetik nicht vorbei. Das Erbgut eines jeden Lebewesens definiert sich durch die Gesamtheit seiner Gene, den sogenannten Genotyp. Diesen Genotyp kann man nicht ohne Gentest beurteilen, jedoch lässt der Phänotyp, also die optische Ausprägung von Farbe, Gestalt und Größe, Rückschlüsse auf den Genotyp zu.


Negative Selektion
Bei der Garnelenzucht bedient man sich häufig der negativen Selektion: Tiere, deren Aussehen nicht dem Zuchtziel entsprechen, werden aus der Zuchtgruppe genommen: Zu schwache Farben, unattraktive Muster, unsaubere Zeichnungen, aber auch Fehlbildungen wie einen nach unten hin zu kurzen Carapax oder Kopf-Brust-Panzer, der die Kiemen nicht mehr bedeckt, sich kringelnde Fühler, die der Garnele keine wirkliche Orientierung im Raum mehr erlauben, oder insgesamt unproportionale Körperteile oder auch Zwergwüchsigkeit sind häufig Selektionskriterien.
Wer sinnvoll selektiert, nimmt unerwünschte Exemplare aus dem Aquarium, ehe sie die Geschlechtsreife erreichen und womöglich ihre Gene innerhalb der Gruppe weitergeben. Vor allem bei den Männchen muss man an der Stelle wirklich dranbleiben. Wird konsequent aussortiert, bleiben nur diejenigen Tiere mit dem erwünschten Aussehen in der Gruppe, sodass die Genetik des Zuchtstamms über die Zeit stabiler wird und sich die Merkmale über die nachfolgenden Generationen mehr und mehr festigen.
Positive Selektion
Ein anderer Ansatz ist, Männchen und Weibchen mit den erwünschten Merkmalen gezielt zu verpaaren und sie zu diesem Zweck in ein separates Zuchtbecken zu setzen, wo ihr Nachwuchs ungestört heranwachsen und weiter selektiert werden kann. In der Regel bedient man sich in der Garnelenzucht beider Methoden.

Was tun mit ausselektierten Tieren?
Viele Züchter geben Low-Grade-Garnelen, die in Farbe oder Musterung nicht dem Zuchtziel entsprechen, in ein eigenes Aquarium. Hin und wieder ergeben sich in diesen Crossover-Zuchten dann doch wieder überraschende Farbschläge, mit denen man weiterarbeiten kann. Teils werden die Aussortierten auch einfach in ein Gesellschaftsbecken umgesetzt oder günstig im Internet oder auf Börsen verkauft oder gar verschenkt.
Leiden die ausselektierten Garnelen jedoch an Fehlbildungen mit freiliegenden Kiemen oder starken Verformungen, sollten sie sich nicht weiter vermehren. Diese Tiere sind ein Fall für nach Geschlechtern getrennten „Restebecken“ oder für ein Gesellschaftsaquarium mit Bärblingen oder kleinen Salmlern, die sich um eventuell entstehenden Nachwuchs kümmern.
Hilfsmittel
Bei der Selektionszucht hilft ein nicht allzu dicht eingerichtetes Aquarium. Es bietet sich an, die Tiere mit einem besonders leckeren Futterstick nach vorne zu locken, um eine gute Übersicht über die Gruppe zu bekommen. Zum Herausfangen einzelner Tiere eignet sich ein kleiner Kescher mit steifem Netz und gerader Vorderkante oder aber eine sogenannte Garnelenschaufel. Fällt kein Fangnetz in sich zusammen, wenn der Fangbehälter aus dem Wasser gezogen wird, bedeutet dies für die Garnelen zum einen weniger Stress, zum anderen lassen sich die Tiere nochmals genauer von oben begutachten. Auch Glas-Selektierpfeifen sind nützliche Hilfsmittel und erlauben sogar einen kritischen Blick von der Seite.
Auch Fischfangbecher, die an die Aquarienscheibe gehängt werden können, sind für die Selektion von Garnelen ein gut geeignetes Hilfsmittel. In den durchsichtigen Behältern lassen sich die Ausselektierten bequem zwischenparken und dann später gesammelt und möglichst stressfrei in ihr nächstes Domizil übersiedeln.
