Altolamprologus compressiceps
Beschreibung
Altolamprologus compressiceps ist ein bis zu 12,5 cm großer, stark seitlich abgeflachter Buntbarsch aus dem Tanganjikasee mit steil ansteigender Stirn und spitzem, nach vorn gerichtetem Maul. Die Färbung variiert je nach Herkunftspopulation erheblich: gelbe, goldene, rote und beinahe schwarze Grundtöne kommen vor, oft kombiniert mit dunklen vertikalen Streifen und hellen, perlartig glänzenden Punkten. Bekannte Lokalformen wie „Red Fin“ oder „Gold“ heben die optische Vielfalt innerhalb der Art hervor.
Im Aquarium verhält sich der Nanderbuntbarsch ruhig und zurückhaltend. Die Tiere verbringen viel Zeit in unmittelbarer Nähe von Felsstrukturen und Höhlen, wo sie regungslos lauern, bis Beute nah genug ist. Gegenüber artfremden, ausreichend großen Fischen zeigt die Art meist friedliches bis neutrales Verhalten, während innerartlich klare Reviergrenzen etabliert werden.
Besonderheiten
- Extrem seitlich abgeflachter Körperbau, typisch für Spalten- und Höhlenbewohner
- Lauerjäger: verharrt regungslos zwischen Felsen und überrascht Beute mit explosiven Angriffen
- Nutzt enge Höhlen und gelegentlich große Schneckenhäuser als Brutplatz
- Sehr langsames Wachstum der Jungfische; die Aufzucht erfordert mehrere Monate Geduld
- Revierbildend und innerartlich aggressiv, besonders während der Fortpflanzungsphase
- Geringes Sprungrisiko, dennoch Abdeckung empfohlen
Vergesellschaftungshinweise
Altolamprologus compressiceps kann als Paar oder in lockeren Gruppen in ausreichend großen Becken gehalten werden. Die Art ist innerartlich territorial und bildet Reviere um Höhlen oder Felsnischen. In größeren Aquarien findet sich eine lockere Rangordnung mit individuell verteidigten Wohnbereichen. Untergeordnete Tiere benötigen ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.
Das Temperament ist zweigeteilt: Im Normalzustand verhält sich die Art ruhig gegenüber passenden Nachbarn. In der Brutzeit steigt die Aggression deutlich an – das Weibchen verteidigt die Bruthöhle energisch, das Männchen schützt das weitere Revier.
Junggarnelen sind gefährdet; adulte Garnelen werden meist toleriert. Schnecken sind weitgehend verträglich.
Geeignete Beifische sind andere Tanganjika-Cichliden ähnlicher Größe sowie bestimmte Synodontis-Arten. Arten wie Corydoras, Otocinclus, Ancistrus, Neocaridina, Paracheirodon, Apistogramma oder Nannostomus sind ungeeignet – ihre Anforderungen an weiches, saures Wasser sind inkompatibel mit dem Lebensraum dieser Riftsee-Art.
Geschlechtsdimorphismus
M: deutlich größer, bis ca. 12,5 cm, massiger Körperbau mit leicht verlängerten Rücken- und Bauchflossen. W: kleiner, ca. 9-10 cm, schlanker. Geschlechtsreife Weibchen zeigen einen gut sichtbaren Legedorn (Genitalpapille). Farbliche Unterschiede sind weniger ausgeprägt als die Größen- und Flossenunterschiede.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 24-28 °C, pH 8,0-9,0, GH 10-20 dGH. Eine konstante Wasserchemie ist für das Wohlbefinden dieser Art sehr wichtig. Riftsee-Arten reagieren empfindlich auf chemische Veränderungen.
Beckengröße: ab 120 cm Kantenlänge, 220 Liter. Das Becken muss massive Steinaufbauten mit Höhlen und Spalten enthalten, die territoriale Aufteilung und Rückzugsmöglichkeiten erlauben. Feiner Sand als Bodengrund; in der Natur ist häufig korallenreicher Sand vorhanden. Pflanzen sind in klassischen Riftbecken weniger üblich; robuste Arten können eingesetzt werden.
Mäßige Strömung und gute Sauerstoffversorgung. Regelmäßige Wasserwechsel unter Erhalt der alkalischen, harten Wasserparameter.
Altolamprologus compressiceps ist eine lohnende Art für Liebhaber der Riftsee-Cichliden, die gezielte Konditionierung, geeignete Höhlen und stabile Wasserchemie bieten können.
Zucht und Fortpflanzung
Altolamprologus compressiceps ist ein Höhlenbrüter. Die Zucht ist gut dokumentiert und gilt als mittelschwer.
Zuchtwasser: Temperatur ca. 25 °C, pH 8,0-9,0.
Das Weibchen legt die Eier in sehr engen Höhlen oder in großen Schneckenhäusern ab, in die oft nur das Weibchen hineinpasst. Konditionierung mit hochwertigem Lebend- und Frostfutter (Mysis, Krill, Artemia).
Inkubationszeit: 3-5 Tage bei ca. 25 °C. Frisch geschlüpfte Larven sind zunächst dottersackabhängig. Erstfutter: Artemia-Nauplien. Die Jungfische wachsen sehr langsam. Geschlechtsreife wird nach etwa einem Jahr oder länger erreicht.
Zuchtschwierigkeit: mittel.
Ernährung/Futterbedarf
Spezialisierter Fleischfresser (Karnivor) und Lauerjäger. In der Natur ernährt sich die Art überwiegend von Kleinkrebsen, Garnelen, Wirbellosen und kleineren Fischen. Im Aquarium: Artemia, Mysis, Krill, weiße und schwarze Mückenlarven, gehackte Garnelen. Ergänzend kann hochwertiges Cichliden-Granulat angeboten werden. Rinderherz und fettreiche Futtermittel sind nicht artgerecht. Kleine Portionen mehrmals täglich stimulieren das natürliche Jagdverhalten.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Altolamprologus compressiceps ist endemisch im Tanganjikasee, Ostafrika. Die Art besiedelt bevorzugt felsige Uferbereiche mit zahlreichen Spalten, Höhlen und Geröllfeldern. Das Substrat ist sandig, häufig mit Korallensand-ähnlichen Anteilen. Die Wasserbedingungen sind charakteristisch: sehr klares, sauerstoffreiches Wasser bei hoher Karbonathärte und alkalischem pH-Wert. Mäßige Strömungen sind typisch.