Aphanius vladykovi BOLDAJI

Deutscher Name: Aphanius vladykovi

Männchen - Quelle: Aquarium Glaser
Herkunft:
Georgien
Farben:
blau, gelb, grün
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Aphanius vladykovi
Gattung: Aphanius
Familie: Cyprinodontidae

Beschreibung

Aphanius vladykovi ist ein kleiner, kompakt gebauter Cyprinodontide mit deutlich oberflächenorientiertem Schwimmverhalten. Die Tiere zeigen einen leicht hochrückigen Körperbau, der typisch für viele Aphanius-Arten ist, und besitzen eine gedrungene Silhouette, die aktives Schwimmen dicht unter der Wasseroberfläche ermöglicht. Männchen zeigen kontrastreiche hellblaue bis weißliche vertikale Bänder auf einem gelblich-bräunlichen Körper; die Rückenflosse besitzt hellblaue Ränder und erscheint insgesamt dunkler pigmentiert, während die Afterflosse heller wirkt. Weibchen sind schlichter gefärbt, meist beige bis bräunlich mit dunkleren Flecken auf den Flanken und ohne die auffälligen Vertikalbänder der Männchen. Im Aquarium sind Aphanius vladykovi sehr aktive Schwimmer, die häufig in der oberen Wasserschicht beobachtet werden. Sie bevorzugen offene Schwimmzonen, nutzen aber dichte Vegetationsbereiche als Ruhe- und Rückzugsorte. Die Art zeigt eine lebhafte, oft sprunghafte Bewegungsweise und ist tagsüber deutlich aktiver; die Aktivität kann saisonal schwanken mit reduzierter Aktivität im Winter und gesteigerter Laichaktivität im Frühjahr (März bis Juni). Auffällig sind die Balz- und Revierverhaltensmuster der Männchen während der Fortpflanzungszeit: Männchen präsentieren ihre farbigen Streifen intensiv und treiben gegenüber Weibchen, was das Beckengeschehen deutlich belebt. Besonderheiten sind die oberflächennahe Lebensweise, die saisonale Verhaltensänderung (Winterruhe bzw. reduzierte Aktivität, Frühjahrsspitze in Laichverhalten) sowie die Neigung, sich stark an saisonale Reize (Temperatur- und Lichtwechsel) zu orientieren.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Oberflächenbewohnender Schwimmer (obere Schwimmzone bevorzugt).
  • Saisonales Verhalten: Winterruhe bzw. reduzierte Aktivität, Frühjahrsspitze in Laichverhalten (Hauptlaichzeit März bis Juni).
  • Männchen deutlich farbiger und während der Brutzeit territorial; Weibchen sind größer als Männchen.
  • Empfindlichkeit gegenüber starken Strömungen: bevorzugt ruhige bis schwach strömende Bereiche.
  • Juvenile Garnelen werden wahrscheinlich gefressen; Schnecken in der Regel toleriert.
  • Reagiert gut auf saisonale Reize (Temperatur- und Lichtänderungen) zur Zuchtinduktion.

Vergesellschaftungshinweise

Aphanius vladykovi wird am besten im Artbecken gehalten. Bewährt hat sich ein Verhältnis von einem Männchen auf zwei bis drei Weibchen, was Stress bei den Weibchen und Aggressionen durch einzelne Männchen reduziert. In der Natur schwimmen die Tiere in Schwärmen; dieses Verhalten trägt auch im Aquarium zu einem stressärmeren Auftreten bei. Das Temperament ist außerhalb der Laichzeit überwiegend friedlich gegenüber Artgenossen. Während der Brutzeit (Frühjahr/Sommer) werden Männchen territorialer und zeigen intensives Balzverhalten; dann sind dichte Vegetation und Versteckmöglichkeiten wichtig, damit Weibchen Fluchtmöglichkeiten haben. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Zwerggarnelen und deren Nachwuchs werden wahrscheinlich gefressen – insbesondere Junggarnelen sind gefährdet. Erwachsene Garnelen können in einzelnen Fällen toleriert werden. Schnecken werden von Aphanius vladykovi meist in Ruhe gelassen. Aufgrund des intensiven Balzverhaltens der Männchen und der spezifischen Wasserwertanforderungen (moderate bis hohe Gesamthärte, neutraler bis leicht alkalischer pH) ist ein Artbecken klar zu bevorzugen. Werden dennoch Beifische gehalten, sollten diese klein, friedlich und an ähnliche Wasserchemie angepasst sein. Aggressive oder stark territoriale Arten sowie große Räuber sind zu meiden. Junggarnelen sind im Beisein dieser Art gefährdet.

Geschlechtsdimorphismus

Die Geschlechter sind gut unterscheidbar. Männchen sind farbenprächtiger und zeigen klar abgegrenzte hellblaue bis weißliche vertikale Bänder auf gelblich-bräunlichem Untergrund sowie eine dunkler pigmentierte Rückenflosse mit hellblauen Rändern. Weibchen sind schlichter gefärbt (beige Grundtönung mit dunklen Flecken auf den Flanken) und werden deutlich größer als die Männchen: Männchen erreichen maximal etwa 6 cm TL, Weibchen können bis zu 7,6 cm TL werden.
Größe: Männchen: bis zu 6 cm, Weibchen: 4-6 cm

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte (Aquarium): Temperatur optimal 16–26 °C, pH 6,2–8,5, GH 10–20 dGH. Hinweis: In der Natur toleriert die Art Temperaturen von 12–28 °C. Für die dauerhafte Aquarienhaltung wird ein Bereich von 15–24 °C empfohlen, mit saisonaler Absenkung im Winter. Mindestens 80 cm Kantenlänge und 112 Liter für ein Paar oder Trio. Für Gruppen ab 6 Tieren sind 100–120 cm Kantenlänge sinnvoll. Offene Schwimmzonen kombiniert mit dichter Unterwasservegetation (Myriophyllum, Potamogeton). Substrat aus feinem Schlamm bis feinem Kies. Ruhige bis schwach strömende Bedingungen. Moderate bis gedämpfte Beleuchtung; saisonale Variation der Beleuchtungsdauer unterstützt den natürlichen Jahresrhythmus. Da die Art in der Natur nur in einem sehr kleinen Gebiet im iranischen Zagros-Gebirge vorkommt, sind Nachzuchten aus dem Aquariumhandel aus Naturschutzgründen zu bevorzugen.
Wasserhärte:
mittel bis hart
pH-Wert
6,2-8,5
Temperatur:
12-28 °C (optimal ca. 16-26 °C für Dauerhaltung)
Beckengröße:
ab 80 cm, 112 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll. Wichtige Zucht-Wasserwerte: – Zucht-Temperatur: 20-26 °C – Zucht-pH: 7,0-8,5 – Zucht-GH: max. 20 °dGH Fortpflanzungstyp und Zuchtverlauf: Aphanius vladykovi ist ein Dauerlaicher (fraktionierter Laicher): täglich werden wenige Eier über einen längeren Zeitraum abgegeben. Die Hauptlaichzeit liegt zwischen März und Juni mit einem Höhepunkt im April. Eier werden mit kleinen Filamenten an Wasserpflanzen (bevorzugt Potamogeton-Arten) geheftet. Zuchttrigger und Ablauf: Zucht wird häufig durch Simulation der Jahreszeiten ausgelöst. Bewährt haben sich Überwinterungsphasen mit abgesenkten Temperaturen (10-15 °C über mehrere Wochen bis Monate), gefolgt von einer langsamen Erhöhung von Temperatur und Lichtdauer im Frühjahr. Zur Konditionierung empfiehlt sich reichliche Fütterung mit lebendem oder gefrorenem tierischem Futter (Artemia, Mückenlarven, Daphnien). Reproduktionsverlauf und Aufzucht: – Gelegegröße: durchschnittlich ca. 415 Eier pro Weibchen pro Saison (in der Natur dokumentiert); im Aquarium werden täglich wenige Eier über Wochen abgelegt. – Eier: Durchmesser ca. 1 mm, an Pflanzen geheftet. – Inkubation: 7-14 Tage (bei ca. 20-25 °C). – Aufzucht der Larven: frisch geschlüpfte Artemia-Nauplii, Mikrowürmer und feines Staubfutter sind geeignet. Schwierigkeit und Praxis-Hinweise: Die Zucht gilt als moderat anspruchsvoll. Essenziell ist die Simulation saisonaler Einflüsse (Überwinterung, langsamer Temperaturanstieg, gesteigerte Fütterung mit Lebendfutter). Für erfolgreiche Aufzucht sind feine Erstnahrung und ein separates Aufzuchtbecken empfehlenswert.

Ernährung/Futterbedarf

Aphanius vladykovi ist ein Mikropredator, der hauptsächlich kleine aquatische Krebstiere, Würmer, Insektenlarven und Zooplankton frisst. Im Aquarium: lebende oder gefrorene Artemia, Mückenlarven, Daphnien und andere Kleinkrebse. Hochwertiges Trockenfutter als Ergänzung, sollte aber nicht die alleinige Nahrungsquelle sein. Ergänzende pflanzliche Kost (Grünalgen, Spirulina) rundet das Nährstoffprofil ab. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 3 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Aphanius vladykovi ist endemisch im zentralen Zagros-Gebirge im Iran, konkret in der Provinz Chaharmahall und Bakhtiari. Das Typusvorkommen liegt bei Boldaji im Einzugsgebiet des oberen Karun-Flusses, auf einer Höhe von etwa 2.380 m ü. NN – damit gehört diese Art zu den höchstlebenden Aphanius-Arten überhaupt. Das natürliche Habitat sind flache (typischerweise nur wenige Zentimeter tiefe), langsam fließende Bäche, Tümpel und Sümpfe mit schlammigem bis kiesigem Untergrund und dichten Beständen von Makrophyten wie Myriophyllum- und Potamogeton-Arten, die sowohl Schutz als auch Laichsubstrat bieten. Die Wasserchemie der Naturhabitate zeigt einen pH von 6,2-6,5 und entsprechend weichere bis mäßig harte Verhältnisse. Die Temperaturen am Naturstandort liegen saisonal im Bereich von ca. 22-29 °C im Sommer; im Winter kann es deutlich kühler werden. Saisonale Veränderungen prägen das Verhalten der Art stark.

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