Epiplatys annulatus
Beschreibung
Epiplatys annulatus, im Deutschen als Ringelhechtling bekannt, ist ein schlanker, lebhafter Killifisch mit unverwechselbarer Zeichnung: Der Körper trägt vier breite, dunkelbraune bis schwarze Querbinden, zwischen denen helle, goldgelb bis weißlich schimmernde Streifen verlaufen. Die Rücken- und Afterflosse der Männchen sind auffällig gefärbt, die Schwanzflosse zeigt ein typisches Lanzenmuster mit leuchtenden Farbanteilen – was dem Fisch seinen englischen Namen „Clown Killifish“ oder auch „Rocket Killifish“ eingebracht hat. Mit einer Maximalgröße von rund 3 cm (Standardlänge) gehört er zu den kleinsten Vertretern seiner Gattung. Die Tiere halten sich vorwiegend in der oberen Wasserschicht auf und nehmen Futter an der Oberfläche oder knapp darunter auf. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße wirken sie im Aquarium zierlich, sind aber agil und aufmerksam. Männchen sind deutlich farbenprächtiger als Weibchen; letztere bleiben kleiner und unscheinbarer.
Besonderheiten
- Ausgeprägter Springer: Ringelhechtlinge sind bekannte und sehr aktive Springer, die auch durch kleinste Öffnungen entkommen. Eine eng schließende Abdeckung ist zwingend erforderlich.
- Oberflächenorientierter Schwimmer; bevorzugt schwimmende Pflanzenbereiche und die obere Wasserschicht.
- Substratlaicher; nutzt feine Pflanzen, Schwimmpflanzenwurzeln oder Laichmöpse als Ablageplatz.
- Sehr kleine Art (bis ca. 3 cm SL) – nicht mit deutlich größeren Fischen vergesellschaften.
- Bevorzugt strukturierte, pflanzenreiche Becken mit ruhiger Wasseroberfläche.
Vergesellschaftungshinweise
Epiplatys annulatus ist eine gesellige Art, die in der Natur in lockeren Gruppen lebt und im Aquarium von der Haltung in Gruppen von mindestens 6–10 Tieren profitiert. In größeren Gruppen zeigen die Fische natürlicheres Verhalten, lebhaftere Balzaktivitäten und sind weniger scheu. Ein Männchen kann mit mehreren Weibchen vergesellschaftet werden, um übermäßigen Paarungsdruck auf einzelne Weibchen zu vermeiden. Das Temperament ist insgesamt friedlich gegenüber ruhigen, ähnlich kleinen Nachbarn. Revierverhalten unter Männchen ist möglich, bleibt aber bei ausreichender Strukturierung des Beckens in der Regel ohne ernsthafte Verletzungen. Die Art ist kein geeigneter Fisch für belebte Gesellschaftsbecken mit größeren oder lebhafteren Arten. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Schnecken können grundsätzlich gehalten werden, greifen jedoch Laich und Larven an und sollten aus Zuchtbecken ferngehalten werden. Garnelen der mittleren und größeren Größe (z. B. Neocaridina, Caridina) sind mit adulten Ringelhechtlingen weitgehend verträglich; sehr kleine Junggarnelen sowie Garneleneier können jedoch gefressen werden. Im Zuchtbecken sind Garnelen ungeeignet, da sie Eier und frisch geschlüpfte Larven konsumieren. Als westafrikanischer Oberflächenbewohner eignet sich Epiplatys annulatus am besten für artspezifische Becken oder für ruhige Gesellschaftsbecken mit anderen kleinen westafrikanischen Arten (z. B. kleine Characiden aus Westafrika, Zwergbuntbarsche der Region). Südamerikanische Arten wie Ember Tetra oder Pencilfish werden in der Praxis ebenfalls eingesetzt, da sie ähnliche Wasserwertansprüche und ein ruhiges Temperament haben. Ungeeignet sind: größere oder lebhafte Fische, räuberische Arten, Fische die an der Oberfläche dominieren. Im Zweifel: Artbecken bevorzugen.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen: Auffallend leuchtende Farben, deutlich verlängerter Anal- und Schwanzflosse sowie markante Streifenmuster. Weibchen: Dezent gefärbt, insgesamt rundlicher gebaut und mit kürzeren Flossen.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte und Temperatur: Temperatur 20–26 °C, pH 4,5–7,0, GH 1–8 °dGH. Die Art bevorzugt weiches, leicht saures Wasser; stabile Werte sind wichtiger als das Einhalten enger Grenzen. Starke Schwankungen sind zu vermeiden. Beckengestaltung und Mindestgröße: Ein artgerechtes Becken besitzt mindestens 60 cm Kantenlänge (ca. 54 L). Für eine Gruppe von 6–10 Tieren ist ein größeres Becken (80–100 cm) empfehlenswert. Schwimmende Pflanzen (Riccia, Salvinia, Javamoos an der Oberfläche) sind essenziell – sie dienen als Deckung, Laichsubstrat und reduzieren das Licht an der Oberfläche. Freie Schwimmzonen kombiniert mit dichten Uferpflanzenbereichen entsprechen dem natürlichen Habitat. Filterung und Strömung: Strömung minimal halten. Ein Schwammfilter ist ideal: er liefert biologische Filterung ohne gefährliche Strömung und ohne dass Jungtiere angesaugt werden. An der Wasseroberfläche sollte keine starke Bewegung erzeugt werden. Abdeckung: Obligatorisch und eng schließend. Ringelhechtlinge sind sehr aktive Springer – auch kleine Öffnungen werden genutzt. Beleuchtung: Gedämpft und diffus; schwimmende Pflanzen helfen, das Licht zu brechen und den Fischen Schatten zu bieten.
Zucht und Fortpflanzung
Fortpflanzungstyp: Substratlaicher; Eier werden in feinen Pflanzen, an Schwimmpflanzenwurzeln oder in Laichmöpsen abgelegt. Die Zucht gilt als relativ einfach bis mittelschwer. Zuchtpraxis: Gut konditionierte Paare oder ein Männchen mit 2–3 Weibchen in einem separaten Zuchtbecken (ab ca. 20 L) mit reichlich Schwimmpflanzen und Laichmöpsen. Regelmäßige Fütterung mit Lebend- oder Frostfutter fördert die Laichbereitschaft. Laichsubstrat kann regelmäßig entnommen und separat ausgebrütet werden; alternativ können Jungfische im Elternbecken aufwachsen, sofern ausreichend Struktur vorhanden ist. Inkubation: ca. 9–14 Tage bei 24–25 °C. Ältere Jungfische fressen jüngere Geschwister – gestaffelte Entfernung größerer Jungtiere empfiehlt sich. Schnecken und Garnelen fressen Eier und Larven und müssen aus dem Zuchtbecken ferngehalten werden. Aufzucht: Frisch geschlüpfte Larven benötigen zunächst mikroskopisch kleine Nahrung (Infusorien, Rädertierchen/Rotifera); in reifen, mit Pflanzen bewachsenen Becken finden sie diese natürlicherweise. Später können Artemia-Nauplien und andere Kleinstkrebse gefüttert werden.
Ernährung/Futterbedarf
Ernährungstyp: Karnivore / Mikropredator. Epiplatys annulatus frisst in freier Wildbahn vorwiegend kleine Insekten, Insektenlarven und andere Kleinsttiere an der Wasseroberfläche oder knapp darunter. Geeignetes Futter: Hauptsächlich Lebend- und Frostfutter: Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien, Moina, Mückenlarven, Grindal-Würmer. Trockenfutter (feine Flocken, Mikrogranulat) wird von gut akklimatisierten Tieren akzeptiert, sollte aber nicht das Hauptfutter sein. Tägliche Zufütterung mit Lebendfutter oder hochwertigen Frostfuttersorten ist empfohlen.
Natürlicher Lebensraum
Epiplatys annulatus stammt aus Westafrika: Guinea, Sierra Leone und nordwestliches Liberia. Die Art bewohnt Küstensümpfe, langsam fließende Bäche und flache Gewässer mit dichter Randvegetation in Savannen und tropischen Regenwäldern. Das Wasser ist typischerweise weich, sauer und reich an organischem Material (Huminstoffe, Laubstreu). Die Oberfläche ist häufig durch schwimmende Pflanzen abgedeckt.
In dicht bepflanzten Becken mit Schwimmpflanzen findet man immer wieder Jungtiere. Ich habe diese mit einem Artemiasieb abgefischt und in ein 12 Liter Becken mit einem kleinen Schwammfilter untergebracht. Füttern kann man die Jungtiere mit Staubfutter, Essig-Äälchen, Mikro-Würmchen, später werden auch Artemia-Nauplien genommen. Im Alter von etwa 4 Monaten kann man die Geschlechter bereits gut erkennen, kurze Zeit später werden die Tiere geschlechtsreif. Auf diese Art habe ich in etwa 1,5 Monate aus 2:3 Elterntieren über 120 Jungtiere aufgezogen Die Elterntiere leben zusammen mit 1:2 Apistogamma hongsloi in einem Becken mit den Maßen 60x60x45. Die Ringelhechtlinge vergreifen sich nicht an… Weiterlesen »
Hallo Ralf, danke für die Hinweise. Eventuell kannst du hieraus auch ein Zuchtprojekt auf my-fish anlegen?
https://my-fish.org/zuchtprogramm/zuchtprojekt-anlegen/