Poecilia wingei
Beschreibung
Der Endler Guppy (Poecilia wingei) ist eine kleine, lebendgebärende Art aus der Familie Poeciliidae. Männchen erreichen etwa 2,5 cm SL, Weibchen werden mit bis zu 4,5 cm SL deutlich größer. Männchen sind sehr farbenprächtig und zeigen leuchtende Orange-, Rot-, Blau- und Grüntöne sowie violette und schwarze Zeichnungselemente. Weibchen sind dezenter silbrig-grau bis olivfarben gefärbt mit charakteristischen grau-schwarzen Schuppenrändern, die sie vom Guppy (P. reticulata) unterscheiden.
Im Aquarium zeigen Endler Guppys ein lebhaftes, aktives Schwimmverhalten in den oberen Wasserschichten. Männchen balzen kontinuierlich und präsentieren ihre Farben. Die Art gilt als friedlich gegenüber gleich großen Nachbarn.
Poecilia wingei ist in der Natur ausgestorben (Laguna de Patos, Venezuela) und wird ausschließlich durch die Aquaristik erhalten (IUCN: Endangered). Die Art darf NICHT mit Poecilia reticulata (Guppy) vergesellschaftet werden, da beide hybridisieren und die genetische Reinheit der selteneren wingei verloren geht.
Besonderheiten
- Lebendgebärend mit Gonopodium bei Männchen
- In der Natur ausgestorben; wird ausschließlich durch Aquarianer erhalten (IUCN: EN)
- NICHT mit Poecilia reticulata (Guppy) vergesellschaften: Hybridisierungsgefahr
- Hohe Farb- und Zeichnungsvariabilität durch intensive Zuchtlinienselektion
- Weibchen an grau-schwarzen Schuppenrändern erkennbar (Unterschied zu P. reticulata)
- Bevorzugt hartes, alkalisches Wasser
- Springneigung vorhanden; Abdeckung empfohlen
- Sehr gut geeignet für Nano-Gesellschaftsaquarien mit kleinbleibenden Arten
Vergesellschaftungshinweise
Poecilia wingei ist eine Gruppenart und sollte in Gruppen von mindestens 4 Tieren gehalten werden, mit Weibchenüberschuss (1M:2-3W) zur Stressreduktion.
Das Temperament ist friedlich. Während der Fortpflanzungsphase bedrängen Männchen Weibchen durch ständiges Hinterherschwimmen und Balzverhalten.
Verträglichkeit mit Wirbellosen: Schnecken werden toleriert. Adulte Garnelen meist toleriert, Junggarnelen können gefressen werden.
Geeignete Beifische: Zwerg-Panzerwelse (Corydoras hastatus/pygmaeus), kleine Regenbogenfische (Iratherina werneri, Pseudomugil-Arten), friedliche kleine Salmler. NICHT mit Poecilia reticulata vergesellschaften (Hybridisierungsgefahr). Ostafrikanische Cichliden und größere Fische sind ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen erreichen ca. 2,5 cm SL, sind schlank gebaut und sehr farbenprächtig mit vielfältigen Zeichnungen und Fleckenmustern. Sie besitzen ein Gonopodium. Weibchen werden deutlich größer (bis 4,5 cm SL), sind fülliger und zeigen eine dezente silbrig-graue bis olivfarbene Färbung mit grau-schwarzen Schuppenrändern und häufig einem dunklen Trächtigkeitsfleck.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 24-30 °C, pH 7,0-8,5, GH 15-35 °dGH. Ein Becken mit mindestens 60 cm Kantenlänge (ca. 54 Liter) ist die Mindestgröße.
Dichte Bepflanzung mit schwimmenden Pflanzen als Schattenspender und Rückzugsräume. Neutraler, feiner Kies oder Sand als Substrat. Moderate Filterung ohne starke Strömung.
Die Art bevorzugt mittelhärtes bis hartes Wasser und sollte nicht dauerhaft in weichem Wasser gehalten werden. Abdeckung empfohlen wegen Springneigung.
Zucht und Fortpflanzung
Die Zucht ist sehr einfach und gut dokumentiert. Poecilia wingei ist lebendgebärend. Tragzeit ca. 23-24 Tage (bei 26 °C), Wurfgrößen 5-25 Jungfische. Geschlechtsreife nach ca. 2 Monaten.
Zuchtwasserwerte: Temperatur 26-27 °C, pH 7,0-8,0, mittlere bis hohe Wasserhärte.
Jungfische sind sofort frei schwimmend. Erstfutter: Staubfutter, Artemia-Nauplien, Mikrowürmer. Dichte Bepflanzung reicht meist als Jungfischschutz. Gezielte Selektion für Farblinien verbreitet. Bei günstigen Bedingungen schnelle Populationszunahme möglich.
Ernährung/Futterbedarf
Poecilia wingei ist ein Allesfresser. Feines Trockenfutter (Flocken, Staub), Spirulina-basierte Produkte als pflanzliche Basis. Artemia-Nauplien, Cyclops und Mikrowürmer als tierische Ergänzung. Carotinoidreiches Futter fördert Rot- und Orangetöne. Kleine Portionen mehrmals täglich.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Poecilia wingei stammt aus dem nordöstlichen Venezuela (Bundesstaat Sucre), ursprünglich aus der Campoma-Lagune und der Laguna de Patos bei Cumaná. Der natürliche Lebensraum war ein ehemaliger Brackwassersee, der vom Meer abgetrennt wurde und sich zu einem harten Süßwasser entwickelte. Warme, oft algenreiche Gewässer mit weichem, sumpfigem Bodengrund, reichlich Detritus und dichter Ufervegetation. Ruhige bis langsame Strömung.