Der Verein Amazonas 73 e.V. – Ort der Vielfalt im Ruhrgebiet
Recherchiert man nach der Stadt Duisburg, erfährt man, dass die Stadt an der Mündung der Ruhr in den Rhein liegt. Nirgendwo ist jedoch die Rede vom rheinischen Amazonas, der sich im Stadtteil Friemersheim befindet, dem Verein Amazonas 73 e.V.
Vereinshistorien sind lang und mitunter etwas behäbig, aber doch gespickt mit spannenden Details. So erfährt man in der Chronik des Duisburger Vereins, dass er Anfang 2023 einen ganz neuen Weg einschlug, als er von Kamp-Lintfort nach Duisburg Rheinhausen umzog und sich auch namentlich entsprechend anpasste. Wir haben es also mit einem zugezogenen Verein zu tun, der trotz Ortswechsel seine Vereinsstrukturen und die Mitglieder beibehielt. Die wortwörtlich größte Veränderung betraf das Vereinsheim selbst: Von nun an standen 150 m2 zur Verfügung, die erst noch durch die Mitglieder renoviert und eingerichtet werden mussten. Im Eingangsbereich – ich bin versucht diesen als Lobby zu bezeichnen – wird man gleich von einem der sechs großen Schaubecken begrüßt. Links davon geht es vorbei an einem kleineren Aquarium in den Vortragsraum, meinem Ziel für diesen Abend, denn Thomas Baumeister organisierte vergangenes Jahr in Kooperation mit der Regionalgruppe NRW der IG BSSW e.V (Internationale Gemeinschaft Barben – Salmler – Schmerlen – Welse) regelmäßig Vorträge, zu denen sowohl die Mitglieder als auch Gäste eingeladen waren.



Besonderheiten bei den Fischen
Rechts des Schaubeckens geht es sogleich in das Herz des Vereinsheims: Der große Börsen- und Ausstellungsraum, mit einem ständigen Flohmarkt aquaristischer Gebrauchsartikel wie Technik und Deko, aber auch einer kleinen Bar und natürlich zahlreichen Aquarien. Insgesamt stehen hier 100 Zucht- und Börsenbecken, beschriftet mit den Artnamen und Preisen der Fische darin. Höhlensalmler, verschiedene Zuchtformen von Skalaren, Zwergbuntbarsche, Panzerwelse und weitere populäre Arten der Aquaristik sind hier zu sehen und zu erwerben. Auf der Homepage stellt der Verein auch eine Stockliste zur Verfügung, mit der Interessierte sich ein Bild über das Angebot machen können. Der Besuch an einem der monatlich stattfindenden Börsenwochenenden lohnt definitiv.
Überrascht war ich dann aber doch hier adulte Nachzuchten der Brokatbarbe in der Zuchtvariante „Koi“ zu sehen. Die schon lange bekannte Zuchtform von Barbodes semifasciolatus ist im Handel nicht häufig zu finden, und ihr Ursprung ist ungeklärt. Sie soll aus den USA stammen, aber gesichert ist das nicht. Mir gefallen Arten mit unklarer Geschichte und die ausgewachsenen Fische sahen wirklich fit aus. Das merkte Dirk Jansen, Vorsitzender des Vereins und war so nett, sich auf eine Leiter zu schwingen und mir direkt fünf Exemplare einzutüten, die bereits wenige Tage später bei mir ablaichten. Doch diese Fische sollen hier später einmal genauer vorgestellt werden. Darin zeigen sich gleich zwei Vorteile dieses Vereinsheims: Die Mitglieder können die Becken des Vereins dauerhaft nutzen und müssen ihre Nachzuchten nicht hin und her transportieren, die Fische sind also gut eingewöhnt, nicht gestresst und haben eine gute Abgabegröße. Außerdem scheint es im Verein einige Mitglieder zu geben, die auch an spezielleren Fischen Interesse haben, denn die Barben waren nicht die einzigen spannenden Fische.
Jugend fördern
Seit Herbst letzten Jahres ist Dirk erster Vorsitzender und führt den Verein in schwierigen Zeiten wie er erzählt. Das Vereinsheim ist zwar groß und die Kaltmiete gering, aber den gesamten Unterhalt muss der Verein selbst über seine Börsen erwirtschaften. Mit einer 2024 neu gegründeten Jugendgruppe wagten die Verantwortlichen einen wichtigen und erfreulicherweise sehr erfolgreichen Schritt, um die Aquaristik in ihrem Einzugsgebiet nachhaltig zu stärken. Nicht selten werden Jugendgruppen geschaffen, die mehr auf dem Papier existieren als im Vereinsheim. Bei meinem Besuch in Duisburg hatte ich eher den Eindruck, die Jugendgruppe hätte gerne noch ein paar Quadratmeter mehr für ihre Fische und ihre Ideen. Das Besondere hier: Die Jugendlichen haben eigene Projekte, für die sie auch verantwortlich sind. Erfahrene Mitglieder des Vereins begleiten sie unterstützend und beratend, aber nicht anweisend. Das heißt es werden Fehler gemacht, aber auch eigene Lösungen für Probleme gefunden. Zweimal die Woche sind feste Treffen geplant, aber die Jugendlichen können eigentlich immer vorbeikommen und werden im Vereinsheim empfangen.

Mitglied und Senkrechtstarterin
Während Dirk mir die Anlage zeigte, fiel ein Name häufiger: Amira. Die Elfjährige kümmert sich vor Ort ebenfalls um ein Aquarium, und hat bereits erste Erfolge mit ihren Braunen Antennenwelsen vorzuweisen. Kurz darauf hatte ich die Gelegenheit mit Amira selbst und ihrem Vater zu telefonieren, denn Dirks Begeisterung wollte ich gerne auf den Grund gehen. Zweimal die Woche kommt sie ins Vereinsheim, um sich um ihre Zebra-Buntbarsche, Panzer- sowie Antennenwelse zu kümmern. Besonders das eigenständige Füttern und Pflegen der Fische gefallen ihr: „Ich darf eigentlich alles allein machen, und frage Dirk sonst manchmal.“ An den Verein kam sie über ihre Tante, das ist jetzt acht Monate her und seitdem hat Amira sich zu einer echten Aquarianerin entwickelt. Das merkt man vor allem, wenn sie anfängt über ihre Pläne für Zuhause zu sprechen: „Es kommt noch ein 530 l Becken mit Skalaren, Schwertträgern und Welsen.“ Auch wenn ihre Freundinnen das Hobby eher langweilig finden, pflegt sie gemeinsam mit ihrem Vater gerne die beiden Familienbecken mit 120, respektive 150 Litern. Dort lässt sie aktuell auch die gut 40 Jungwelse heranwachsen, die für das nächste Börsenwochenende am 7. und 8. März eingeplant sind. Dann möchte Amira ihren Nachwuchs verkaufen und sich gleich neue Projekte aus dem Vereinsheim mit nach Hause nehmen.


