Von farbintensiven Zuchtlinien bis hin zu hochspezialisierten Wildfängen bietet diese Ausgabe spannende Inspirationen für Liebhaber außergewöhnlicher Aquarienbewohner.
Die Faszination der Aquaristik lebt von ihrer erstaunlichen Vielfalt, die von spektakulären Wildfängen unberührter Flussläufe bis hin zu meisterhaft selektierten Zuchtformen reicht. Regelmäßig bereichern neue Importe und seltene Zuchtlinien den Fachhandel, wodurch sich für erfahrene Aquarianer und ambitionierte Neueinsteiger gleichermaßen neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Während einige Arten durch Robustheit und lebhaftes Schwimmverhalten ideale Akzente im bepflanzten Aquarium setzen, erfordern andere Mitbewohner spezialisierte Lebensräume, die exakt auf ihre biologischen Bedürfnisse abgestimmt sein müssen. Besondere Beachtung verdienen dabei die differenzierten Wasserwerte, die Zusammensetzung des Futters und das individuelle Sozialgefüge. Eine vorausschauende Beckenplanung, eine strukturierte Einrichtung mit passenden Rückzugsorten und fundiertes Wissen über artspezifische Verhaltensweisen sichern das Wohlbefinden der Tiere dauerhaft. Wer sich auf diese Besonderheiten einlässt, erlebt faszinierende Einblicke in Lebensräume, die vom tropischen Schwarzwasser über pflanzenreiche Uferzonen bis hin zu küstennahen Ästuaren reichen.

Ancistrus sp. „Brillant“ (L107/L184) – Brillant-Antennenwels (WF)
Dieser auffällige Harnischwels aus dem mittleren Rio-Negro-Gebiet in Brasilien besticht durch seine tiefschwarze Grundfärbung, die von zahlreichen feinen, weiß strahlenden Punkten überzogen ist. Die Art erreicht eine Körperlänge von bis zu 15 Zentimetern, zeigt einen flachen Körperbau und bildet bei geschlechtsreifen Männchen das typische Geweih aus fleischigen Tentakeln auf der Schnauzenpartie aus.
Als typischer Schwarzwasserbewohner bevorzugt der Wels weiches, saures Wasser mit guter Sauerstoffversorgung und Temperaturen zwischen 25 und 29 Grad Celsius. Das Aquarium sollte eine Kantenlänge von mindestens 100 Zentimetern aufweisen, gedämpft beleuchtet sein und zahlreiche Versteckplätze in Form einseitig geschlossener Tonröhren, Steinaufbauten und weichen Wurzelholzes bereithalten. Schwimmpflanzen und der Eintrag von Huminstoffen unterstützen das Wohlbefinden zusätzlich.
In der Ernährung ist der Aufwuchsfresser ein unkomplizierter Allesfresser mit pflanzlichem Schwerpunkt. Echtes Wurzelholz wie Moorkien oder Mangrove ist wichtig, da die Tiere daran raspeln und die aufgenommenen Holzfasern die Darmtätigkeit fördern – zwingend notwendig für das Überleben ist es jedoch nicht, sofern die übrige Fütterung stimmt. Als Wildfang reagiert die Art empfindlich auf organische Wasserbelastung, weshalb regelmäßige Teilwasserwechsel und eine leistungsfähige Filterung empfohlen werden.

Poecilia wingei „Japan-Red-Black“ – Endler-Guppy, Farbform Japan-Red-Black (NZ)
Diese Zuchtform des Endler-Guppys zeigt scharfe Farbkontraste aus leuchtendem Rot und tiefschwarzen Zeichnungselementen auf den Flanken. Die Männchen bleiben mit etwa 2 bis 2,5 Zentimetern zierlich, zeigen jedoch eine ausgeprägte Vitalität und ein unermüdliches Balzverhalten.
Die Haltung gelingt in Aquarien ab 45 bis 60 Zentimetern Kantenlänge gut. Strukturierter Pflanzenwuchs bietet Rückzugsmöglichkeiten, während freier Schwimmraum im mittleren Bereich dem Bewegungsdrang zugutekommt. Die Nachzucht ist bezüglich der Wasserparameter tolerant und gedeiht bei neutralen bis leicht alkalischen pH-Werten sowie mittlerer bis höherer Wasserhärte.
Die Fütterung sollte abwechslungsreich sein und neben feinem Granulat oder Flockenfutter auch pflanzliche Kost sowie Frost- und Lebendfutter wie Artemia-Nauplien umfassen. Um die Zuchtlinie rein zu halten und ungewollte Hybridisierungen zu vermeiden, sollten die Tiere nicht mit anderen Guppy-Stämmen oder Hochzuchtguppys vergesellschaftet werden.

Poecilia wingei „Blue-Red-Star“ – Endler-Guppy, Farbform Blue-Red-Star (NZ)
Dieser Stamm zeigt ein Zusammenspiel aus irisierenden blauen Schuppenarealen und kontrastierenden roten Segmenten, die sternförmig zusammenlaufen. Mit einer Körperlänge von rund 2,5 Zentimetern gehört auch diese Zuchtvariante zu den kleinbleibenden Formen für das bepflanzte Aquarium.
Die agilen Fische fühlen sich im Gruppenverband am wohlsten und zeigen ihr Farbkleid unter gedämpfter Beleuchtung vor dunklem Bodengrund besonders gut. Fein gefiederte Wasserpflanzen und dichte Moospolster unterstützen das natürliche Erkundungsverhalten. Ein Aquarium ab etwa 45 bis 60 Zentimetern Kantenlänge ist ausreichend.
An das Futter stellen die Männchen geringe Ansprüche, bevorzugen jedoch kleinkalibrige Nahrung, die an der Wasseroberfläche oder im Freiwasser treibt. Sollen Nachkommen gezogen werden, empfiehlt sich die gezielte Vergesellschaftung mit phänotypisch passenden Weibchen im separaten Zuchtbecken, um das Farbmuster über Generationen zu erhalten.

Poecilia wingei „Silver Red Top“ – Endler-Guppy, Farbform Silver Red Top (NZ)
Charakteristisch für diese Farbform ist der metallisch reflektierende, silbrige Grundton, der auf der oberen Rückenlinie und den Flossenansätzen von feurigem Rot abgelöst wird. Dieser Glanz sorgt auch in dicht bewachsenen Aquarien für eine gute Fernwirkung.
Die Pflege gestaltet sich einfach, da die Tiere übliche Leitungswasserwerte gut vertragen. Eine Vergesellschaftung mit friedlichen Bodenfischen wie Zwergpanzerwelsen oder Zwerggarnelen ist gut möglich, da ausgewachsene Garnelen von den kleinen Guppy-Männchen kaum behelligt werden. Ein Aquarium ab etwa 45 bis 60 Zentimetern Kantenlänge ist ausreichend.
Auf dem Speiseplan stehen feines Trockenfutter, zerriebene Spirulina-Flocken und feinstes Lebendfutter wie Cyclops. Eine reine Männchenhaltung eignet sich gut für Schauaquarien, in denen eine Vermehrung unerwünscht ist.

Trichogaster labiosa „Orange“ – Dicklippiger Fadenfisch, Orange-Zuchtform (NZ)
Die orangefarbene Zuchtform des Dicklippigen Fadenfischs (Trichogaster labiosa) stammt in ihrer Wildform aus dem Irrawaddy-Einzugsgebiet in Myanmar. Mit einer Endgröße von etwa 7 bis 10 Zentimetern ist diese Art deutlich kräftiger als der Zwergfadenfisch und zeigt die arttypischen, fleischig verdickten Lippen sowie fadenförmig ausgezogene Bauchflossen, die als Tastorgane dienen.
Als Labyrinthfisch benötigt die Art Zugang zur Wasseroberfläche, um atmosphärische Luft aufzunehmen. Das Becken ab 80 bis 100 Zentimetern Länge sollte gut abgedeckt sein, damit die Luft über dem Wasser nicht deutlich kälter ist als das Wasser selbst – starke Temperaturunterschiede können beim Luftschnappen Atemwegsprobleme begünstigen. Schwimmpflanzen und eine ruhige Strömung sind für die Pflege wichtig.
Die Ernährung umfasst pflanzliche Bestandteile ebenso wie Frost- und Lebendfutter in Form von Mückenlarven und Wasserflöhen. Bei der Vergesellschaftung ist Fingerspitzengefühl gefragt: Lebhafte oder flossenbeißende Fische eignen sich nicht, da sie die empfindlichen Tastfäden attackieren könnten; ruhige Salmler oder Bärblinge sind dagegen gute Beckenpartner.

Dichotomyctere ocellatus – Palembang-Kugelfisch (WF)
Dieser südostasiatische Kugelfisch – beheimatet in Gewässern Thailands, Malaysias, Sumatras und Kalimantans – fällt durch sein gelbgrünes Muster auf dunklem Grund auf, das häufig an die Ziffer Acht erinnert und von markanten Augenflecken flankiert wird. Mit einer Endgröße von etwa 6 bis 8 Zentimetern bleibt die Art kompakt, zeigt jedoch die kugeltypischen, unabhängig voneinander beweglichen Augen und eine hohe Neugier.
Die zentrale Herausforderung dieser Wildfänge liegt im Wasserchemismus: Auf Dauer gedeihen die Tiere am besten in leichtem Brackwasser mit etwa 5 bis 10 Gramm Meersalz pro Liter, da sie in reinem Süßwasser langfristig anfälliger für Erkrankungen sind. Das Aquarium ab 100 Litern Inhalt sollte sandigen Bodengrund, robuste Verstecke und eine dichte Randbepflanzung bieten; eine feste Abdeckung ist wegen der Springfreudigkeit empfehlenswert.
Kugelfische besitzen ein schnabelartiges Gebiss aus verwachsenen Zahnleisten, das kontinuierlich nachwächst. Um einer Maulsperre vorzubeugen, sollten regelmäßig hartschalige Futtertiere wie Wasserschnecken oder kleine Krebstiere gereicht werden; eine parallele Schneckenzucht ist dafür sinnvoll. Wegen des ausgeprägten Individualverhaltens und zunehmender Territorialität im Alter empfiehlt sich die Haltung im Artaquarium.

Quelle: Ingo Seidel – aqua-global Zierfischgroßhandel GmbH
