Erfahrungen mit Corydoras CW09

Corydoras sp. CW09, Foto: I. Seidel
Corydoras sp. CW09, Foto: I. Seidel

Nach wie vor gibt es eine Vielzahl von Panzerwelsen, deren wissenschaftliche Beschreibung aussteht. Viele dieser Arten sind im Handel selten vertreten. Um eine Art, die in den vergangenen 16 Jahren mit vielen Namen immer wieder neu belegt wurde, soll es nachfolgend gehen. 1996 stellte EVERS die hier zu besprechende Art erstmals in der DATZ unter dem Namen Corydoras neongrün/fluoreszenz als einen Panzerwels aus Peru, Umgebung von Pucallpa, vor. Einigen neuen Berichten zufolge besiedelt die Art auch den Rio Ucayali. Gleichzeitig wurden zwei weitere „bunte“ Arten vorgestellt, eine gelbliche und eine rötliche Form. Diese stammen aus den Klarwasserflüssen des Pachitea-Einzuges und  werden zusammen mit Corydoras panda importiert. Im Handel oder auch im Internet wird der hier gemeinte hübsche grüne Corydoras auch unterfolgenden Namen gehandelt: Corydoras sp. „Peru Green Stripe“, Corydoras sp. „Green Laser“, Corydoras aeneus „Neongrün“ oder Corydoras aeneus „Peru grün“. Eine C-Nummer hat dieser Panzerwels, auch seine rote oder gelbe Form, nicht bekommen. Ian FULLER, ein englischer Panzerwelsliebhaber, hat auf seiner Internetseite ein eigenes Nummern System erstellt. Dort hat auch unser Corydoras „Green Stripe“ die Nummer CW09. Dabei steht das CW für die Anfangsbuchstaben von FULLERs Homepage, www. CorydorasWorld.com.

Der Artstatus von Corydoras sp. CW09 ist bis heute noch nicht ganz klar. Je nach Lichteinfall und Bodengrund variiert das Grün stark; mitunter leuchtet es hell, ein anderes Mal eher dunkelgrün, wobei ein Streifen unterhalb des Rückens stets heller leuchtet. Sobald Corydoras sp. CW09 angeleuchtet wird oder sich im direkten Lichteinfall befindet, leuchtet das Grün meist sehr hell. Wildfänge sind sehr schwierig zum Ablaichen zu stimulieren, Nachzucht- Exemplare laichen jedoch besser ab. Mit 5 cm gilt die Art im Durchschnitt als ausgewachsen, gelaicht wird aber auch schon von Exemplaren mit etwas über 4 cm Körperlänge. Wildfänge findet man hin und wieder im Handel, nur werden diese für stolze Preise verkauft. Aber auch Nachzuchttiere sind Mangelware, obwohl die Art von mehreren Panzerwelsliebhabern regelmäßig vermehrt wird. Nur ist die Zucht nicht so ergiebig wie etwa bei Corydoras aeneus. Auch sind die Welse keine Dauerlaicher; bei den meisten Aquarianern laicht Corydoras sp. CW09 nur in einem begrenzten Zeitraum. Die Eier haben etwa die Größe von denen der Art Corydoras panda und sind somit erkennbar größer als jene von Corydoras aeneus. Trotz der nahen Verwandtschaft von Corydoras sp. CW09 zu Corydo ras aeneus ist ein Unterschied gut sichtbar. Die vielen „aeneus-Typen“ erscheinen wesentlich kräftiger im Körperbau. Sie wirken somit plumper als die schlanken CW09. Weiterhin bestehen Unterschiede in der Anzahl der Eier und deren Größe. Die meisten „aeneus-Typen“ können, je nach Konstitution der Weibchen, vergleichsweise deutlich mehr, nämlich mehrere 100 Eier hervorbringen. Auch sind Corydoras sp. CW09 bei gleichen Bedingungen schwieriger zu Ablaichen zu bewegen.

Zwei Wochen alter Jungfisch von Corydoras sp. CW09, Foto: I. Seidel
Zwei Wochen alter Jungfisch von Corydoras sp. CW09, Foto: I. Seidel

Meine Gruppe von zehn Corydoras sp. CW09 pflege ich in einem 60-Liter- Aquarium, dessen Bodengrund aus einer dünnen Schicht weißen Sandes besteht. Durch den hellen Sand leuchten die Welse noch intensiver. Gefiltert wird über Luft mit einem Schwammfilter. Die Temperatur beträgt durchschnittlich 23°C, der pH-Wert liegt um den Neutralpunkt bei einer Gesamthärte zwischen 8 bis 12°dH. Einige kleine Wurzeln dienen als Versteck- und Rückzugsplätze. Zwei Büschel des Afrikanischen Speerblattes, Anubia var. nana, schwimmen frei im Wasser und werden als Laichplätze bevorzugt. Meine Weiblichen von Corydoras sp. CW09 setzen im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Eier pro Laichgang ab (bei 22°C). Der Laich ist am Anfang milchig weiß, auch färben sich die Eier während der weiteren Entwicklung kaum um. Sie werden nur wenig dunkler, nicht aber so bernsteinfarben wie z.B. von Aspidoras oder so dunkel wie die von Corydoras panda. Die Eier werden abgesammelt und in eine separate Aufzuchtschale überführt. Dem abgekochten Wasser wird eine sehr kleine Dosis eines pilzhemmenden Mittels zugegeben. Nach vier Tagen schlüpfen die Larven und nehmen nach weiteren zwei Tagen das erste Futter auf. Ihre Aufzucht ist futtertechnisch überhaupt kein Problem; von Anfang an werden frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und nur wenige Tage später Grindalwürmchen angenommen. Wichtig ist die Sauberkeit im Aufzuchtbecken. Auf Bodenbelag (Infusorien) oder eine zu hohe Keimzahl (mangelnde Wasserwechsel) reagieren die jungen CW09 sehr empfindlich. Flossenklemmen und Fress unlust sind die Folgen. Vorteilhaft hat sich ein pH-Wert leicht unter den Neutralwert erwiesen. Die Aufzucht erfolgt bei 25°C, die Jungfische wachsen regelmäßig und dennoch langsam bei den genannten Wasserparametern. Ein befreundeter Aquarianer verschneidet sein für die Zucht „ungünstiges“ Leitungswasser mit Osmosewasser. Dann ist ein deutlich schnelleres Wachstum zu beobachten.

Jungfisch von Corydoras sp. CW09 im Alter von einem Monat, Foto: I. Seidel
Jungfisch von Corydoras sp. CW09 im Alter von einem Monat, Foto: I. Seidel

In der ersten Woche bildet sich ein schräger Strich an den beiden Seiten des Kopfes, der von der Schnauzenspitze durch das Auge zum Kopfende verläuft. Jungfische sind in den ersten Lebenswochen gelblich gefärbt, erst mit etwa sechs Wochen entwickelt sich die grünliche Grundfarbe der Welse. Von da an sind die Corydoras sp. CW09 leuchtend grün gefärbt und behalten ihre Farbe für den Rest ihres Lebens. Nur im Alter dunkeln sie ein wenig nach, der Leuchtstreifen am Rücken behält das grüne Leuchten. Egal, ob eine Gruppe von zehn Tieren oder 30 Corydoras dieser schönen Art gepflegt wird, es handelt sich auf jeden Fall um einen echten Blickfang in jeden Aquarium. Ein nicht zu dunkler Bodengrund fördert stets die Farbintensität.

 

Gruppe von Corydoras sp. CW09 im mit Anubias ausgestatteten Aquarium
Gruppe von Corydoras sp.
CW09 im mit Anubias
ausgestatteten Aquarium

Quelle: Erik Schiller, Aquaristik Fachmagazin, Ausgabe 230

 

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