Brochis multiradiatus

Deutscher Name: Spitzkopf-Smaragdpanzerwels

Bild: Enrico Richter
Herkunft:
Ecuador, Peru, Südamerika
Farben:
bronze, gold, grün
Schwierigkeit:
Mittelschwer (Erfahrene Aquarianer)
Art: Brochis multiradiatus
Gattung: Brochis
Familie: Callichthyidae

Beschreibung

Der Spitzkopf-Smaragdpanzerwels (Brochis multiradiatus) ist ein beeindruckender Vertreter der Panzerwelse, der im Schnitt eine Gesamtlänge von 10 bis 12 cm (in Ausnahmefällen bis 14 cm) erreicht. Er besticht durch seine leuchtend grüne bis bronzefarbene Panzerung und unterscheidet sich von Corydoras-Arten durch seine lange Rückenflosse mit deutlich mehr Flossenstrahlen. Sein namensgebender langer, spitz zulaufender Kopf wird zur Nahrungssuche tief in den Bodengrund gesteckt. Die Art lebt in den Randbereichen und Nebenflüssen des Amazonas in Gewässern mit Temperaturen zwischen 22 und 26 °C. Wie alle Panzerwelse ist auch diese Art ein fakultativer Darmatmer (sie besitzen kein Labyrinthorgan). Sie nehmen bei Bedarf atmosphärische Luft an der Wasseroberfläche auf, wobei der Sauerstoff über den stark durchbluteten Darm in die Blutbahn gelangt. Freier Zugang zur Wasseroberfläche ist daher zwingend erforderlich.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

Brochis multiradiatus besticht durch seinen markanten, spitz zulaufenden Kopf und den smaragdgrünen Glanz. Ein besonders kritisches Merkmal in der Aquaristik ist die langsame und anspruchsvolle Futteraufnahme von Wildfängen, die unzureichende Ersatznahrung oft wochenlang ignorieren.

Vergesellschaftungshinweise

Brochis multiradiatus ist ein ausgeprägter Schwarmfisch, der in der Natur in großen Gruppen lebt und auch im Aquarium in einer Gruppe von mindestens 6 bis 8 Exemplaren gehalten werden muss. Einzelhaltung oder zu kleine Gruppen führen zu extremer Scheu und Dauerstress. Der Wels eignet sich hervorragend für die Vergesellschaftung mit ruhigen, friedlichen Fischen des mittleren und oberen Schwimmbereichs wie Salmlern, Bärblingen und kleinen bis mittelgroßen Buntbarschen. Zu vermeiden sind aggressive, sehr revierbildende Bodenbewohner, die die sensiblen Brochis beim Gründeln stören oder vom Futter verdrängen könnten.

Geschlechtsdimorphismus

Ausgewachsene Weibchen werden meist etwas größer (ca. 12 cm) und weisen einen deutlich runderen, massiveren Bauch auf, was besonders in der Laichzeit von oben betrachtet gut sichtbar ist. Die Männchen bleiben mit etwa 10 cm meist etwas kleiner und wirken insgesamt schlanker.
Größe: Männchen: bis zu 10 cm, Weibchen: bis zu 12 cm (selten bis 14 cm)

Haltungstipps / Pflege

Für die artgerechte Haltung wird ein geräumiges Aquarium mit feinem Sand als Bodengrund benötigt. Sand ist zwingend erforderlich, da sich die Tiere an grobem Kies die empfindlichen Barteln bei der Nahrungssuche verletzen. Das Aquarium sollte mit Wurzeln wie Moorkienholz, größeren Steinen und teils dichter Bepflanzung strukturiert werden, um Unterstände und schattige Ruheplätze zu bieten. Ebenso wichtig sind freie Sandflächen zum gemeinsamen Gründeln. Da die Fische an der Oberfläche Luft schnappen (Darmatmung), sollte das Becken abgedeckt sein, damit die Luftschicht über dem Wasser nicht zu stark abkühlt und es nicht zu Erkältungen der Fische kommt. Eine gute Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind für die Hygiene am Boden unerlässlich.
Wasserhärte:
weich bis mittelhart
PH-wert
6,0-7,5
Temperatur:
22-26 °C
Beckengröße:
Mindestens 120 cm Kantenlänge und 200 bis 250 Liter Volumen für eine artgerechte Gruppe von 6 bis 8 Tieren. 80 cm Kantenlänge ist für 12 cm große Schwarmfische deutlich zu klein.

Zucht und Fortpflanzung

Die Nachzucht im Aquarium gelingt extrem selten und gilt als große Herausforderung. Die Fische laichen in der Natur zu Beginn der Regenzeit ab. Um dies im Aquarium zu simulieren, müssen oft über Wochen große, sehr kühle Wasserwechsel mit sehr weichem Wasser (Umkehrosmose) durchgeführt werden, was die Temperatur kurzzeitig um 2 bis 3 Grad Celsius absenkt. Wenn die Tiere in Laichstimmung kommen, verfolgen die Männchen das Weibchen ausdauernd. Nach der typischen Panzerwels-T-Stellung heftet das Weibchen bis zu 100 klebrige Eier einzeln an große Blätter oder die Aquarienscheiben. Die Elterntiere sind Laichräuber und müssen danach zwingend aus dem Zuchtbecken entfernt werden. Bei 24 Grad Celsius schlüpfen die Larven nach etwa 3 bis 4 Tagen und können nach Aufzehren des Dottersacks mit feinstem Staubfutter, Infusorien und wenig später mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert werden.

Ernährung/Futterbedarf

Bei der Fütterung liegt das größte Risiko bei der Haltung dieser Art. Die allermeisten im Handel erhältlichen Brochis multiradiatus sind Wildfänge. Diese verweigern anfangs fast immer Trockenfutter wie Granulat, Flocken und Futtertabletten komplett. Es besteht die akute Gefahr, dass die Tiere im Aquarium unbemerkt verhungern, obwohl Futter angeboten wird. Brochis sind langsame Fresser mit starkem Hang zu tierischer Kost. Sie müssen gezielt und anfangs ausschließlich mit hochwertigem Frost- und Lebendfutter wie roten und weißen Mückenlarven, Tubifex, Artemia und Enchyträen versorgt werden. Erst wenn die Tiere gut genährt sind und sich eingewöhnt haben, kann man langsam versuchen, hochwertiges, sinkendes Granulat oder Futtertabletten beizumischen. Eine Fütterung in den Abendstunden (Dämmerung) hilft, damit schnellere Beifische den Brochis nicht das Futter vor der Nase wegschnappen. Ernährungstyp: Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Kost.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
Etwa 5–8 Jahre, bei optimalen Bedingungen auch bis zu 10 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Brochis multiradiatus lebt in Ecuador und Peru in den Nebengewässern und ruhigen Abschnitten des westlichen Amazonasbeckens. Er bewohnt dort langsam fließende bis stehende Gewässer, die oft einen sandigen bis schlammigen Untergrund aufweisen. Dieser ist reich an organischem Material wie Laubstreu, Totholz und feinem Detritus, den die Tiere ununterbrochen nach Würmern, Insektenlarven und kleinen Krebstierchen durchsuchen. Die Wassertemperaturen schwanken dort leicht und sinken besonders in der Regenzeit ab, was tiefgreifende Auswirkungen auf den Fortpflanzungszyklus der Tiere hat.

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