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Raritäten & Neuimporte im Fokus 121

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Quelle: Aquarium Glaser GmbH
Quelle: Aquarium Glaser GmbH

oben links: Polycentropsis abbreviata

Polycentropsis abbreviata bedeutet übersetzt “der kurze Polycentrus-Ähnliche”. Tatsächlich sieht der Afrikanische Vielstachler seinem südamerikanischen Verwandten Polycentrus schomburgkii sehr ähnlich. Beide Arten sind Zeugen des früheren riesigen Urkontinents Gondwana. Gondwana bestand aus den heutigen Kontinenten Südamerika, Afrika, Indien, Australien und der Antarktis. Südamerika trennte sich vor rund 100 Millionen Jahren von Afrika.

Der Vorfahr der kleinen Vielstachler – beide Arten, der Afrikanische und der Südamerikanische, werden nur etwa 8 cm lang – existierte also schon zu dieser Zeit und muss den heutigen Vielstachlern ziemlich ähnlich gewesen sein. Im englischen Sprachgebrauch werden die Vielstachler auch als “Blattfische” bezeichnet. Gut getarnt als welkes Blatt treiben die Fische durch das Wasser und erbeuten mit ihrem riesigen, vorstülpbaren Maul kleine Fische und Garnelen. Beeindruckend ist das Farbwechselvermögen. In wenigen Sekunden kann sich ein marmoriertes Exemplar hellbeige oder auch fast schwarz einfärben.

Bereits junge Vielstachler beherrschen diese Kunst. Die Brutpflege des Afrikanischen Vielstachlers ist ebenfalls bemerkenswert. Unter einem breiten Blatt baut das Männchen ein Blasennest, ähnlich dem der Labyrinthfische, nur aus groben Luftperlen bestehend. Hier laichen die Tiere ab. Das Männchen allen bewacht die Eier und die ausgeschlüpfte Brut. Mit dem Freischwimmen der Jungtiere endet die Brutpflege.

Leider kann man die Geschlechter äußerlich kaum unterscheiden. Weibchen bleiben etwas kleiner und haben einen kürzeren Kopf. Leider wird der Afrikanische Vielstachler nur sehr selten angeboten.

Er benötigt Lebendfutter: Weiße Mückenlarven, große Wasserflöhe, kleine Regenwürmer, Tubifex und kleine Futterfische. Wer diese Ansprüche erfüllen kann und will, findet in dem Afrikanischen Vielstachler ein faszinierendes Studienobjekt.

oben rechts: Ladigesia roloffi

Ein kleines Juwel ist dieser Zwergsalmler (maximal 4 cm) aus Westafrika. Es handelt sich allerdings um eine sehr schwimmfreudige Art. Man pflegt sie in Schwärmen und sollte das Aquarium gut bepflanzen. Wichtig ist auch dunkler Bodengrund, damit die Farben der Tiere optimal zur Geltung kommen.

Die Männchen erkennt man leicht an der merkwürdig umgeformten Afterflosse, deren Funktion unerforscht ist.

Lexikon: Ladigesia: Widmungsname für Werner Ladiges (1910-1984). roloffi: Widmungsname für Erhard Roloff (1903-1980). Deutscher Gebrauchsname: Orangeroter Zwergsalmler

unten links: Fluviphylax sp.

Die Miniatur-Leuchtaugenfische der Gattung Fluviphylax aus Venezuela werden nur etwa 1,5 cm lang und sind dabei sehr schlank. Die zarten Tierchen sind transportempfindlich und werden darum nur sehr selten importiert. Es scheint außerdem, dass unsere Tierchen zu einer wissenschaftlich neuen Art gehören, denn alle fünf bislang bekannten Fluviphylax-Arten haben deutlich mehr Strahlen in der Afterflosse. Außerdem sind die Leuchtpunkte an der Bauchkante, die unsere Tiere zeigen, bislang von keiner Fluviphylax-Art erwähnt. Am ähnlichsten sind diese Tiere noch F. obscurum.

Hoffen wir, dass sich die Winzlinge gut eingewöhnen und dann vielleicht sogar nachzüchten. Die Geschlechter kann man (wenn man gute Augen hat) an der Form der Bauchflossen unterscheiden, die bei den Männchen lang ausgezogen sind, bei den Weibchen abgerundet.

unten rechts: Erythrinus sp. Paraguay

Aus Paraguay erhielten wir jetzt erstmals eine Erythrinus-Art, die wir noch nie gesehen haben, weder im Bild noch lebend. Die Gattung Erythrinus ist stark überarbeitungsbedürftig. Gegenwärtig werden nur zwei Arten anerkannt, eine, die über praktisch ganz Südamerika verbreitet ist, Erythrinus erythrinus und eine weiter aus Bahia in Brasilien, E. kessleri. Von letzter Art sind bislang keine Abbildungen bekannt, der Grund der Artbeschreibung durch Steindachner 1877 war die abweichende Bezahnung des Gaumendaches.

Wir bezeichnen die neue Art darum vorläufig lieber als Erythrinus sp. Paraguay. Die senkrechte Zeichnung in der hinteren Körperhälfte scheint typisch für die Art zu sein, ebenso die horizontale Rückenbinde. Am deutlichsten ist sie bei jüngeren Tieren zu sehen (8-10 cm). Unsere größten Exemplare (12-14 cm, sie erscheinen ausgewachsen) entwickeln dagegen ein kräftiges Längsband in der vorderen Körperhälfte. Sie ähneln damit auf den ersten Blick sehr Hoplerythrinus unitaeniatus, den wir ebenfalls aus Paraguay erhielten. Von antatomischen Details abgesehen kann man Hoplerythrinus am sichersten an der strahlenförmigen Streifenzeichnung hinter dem Auge erkennen, während das markante Längsband in Stress-Situationen stark verblassen kann. Außerdem schwimmt Hoplerythrinus fast stets im freien Wasser, während Erythrinus es vorziehen, am Boden oder in Pflanzen versteckt zu lauern.

Geschlechtsunterschiede sind bei den neuen Erythrinus kaum auszumachen. Bei anderen Erythrinus-Arten entwickeln die Männchen viel längere Rückenflossen. Uns erscheint es, dass die vermutlichen Männchen goldglänzende Kiemendeckel haben (grünlich-silbern beim Weibchen) und dass die Weibchen ein runderes Kopfprofil aufweisen.

Untereinander sind Erythrinus sehr unverträglich, da sollte man sich von den Fotos nicht täuschen lassen. Eine so enge gemeinsame Haltung wie auf den Bildern funktioniert nur kurzfristig, dauerhaft hält man die Tiere besser einzeln.

Erythrinus sind obligatorische Raubfische, die dauerhaft mit Fischen ernährt werden sollten.

Quelle: Aquarium Glaser GmbH

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