Raritäten & Neuimporte im Fokus 174

Raritäten & Neuimporte im Fokus 174

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

oben links: Brevibora dorsiocellata

Der ‪Augenfleck‬-‪Bärbling‬, ‪Brevibora‬ ‪‎dorsiocellata‬, ist ein altbekannter ‪Aquarienfisch‬, der jedoch in den 1980er Jahren etwas in Vergessenheit geriet. Es ist Herrn Takashi ‪Amano‬ aus ‪Japan‬ zu verdanken, dass das ‪‎Tierchen‬ eine Renaissance erlebte, denn er besetzte gerne seine stylischen ‪‎Aquarien‬ mit einem ‪Schwarm‬ dieser netten ‪Rasbora‬-Verwandten, was wirklich ein zauberhafter Anblick ist.

Die Gattung Brevibora wurde 2010 von Rasbora abgespalten. Gegenwärtig sind vier Arten wissenschaftlich beschrieben; bei den Erstbeschreibungen unterliefen den Wissenschaftlern aber leider einige Fehler, weshalb sich die Namen bald noch ändern werden. Wir behalten hier darum den ‪aquaristisch‬ am besten bekannten Namen – Brevibora dorsiocellata – bei.

Augenfleck-Bärblinge sind völlig anspruchslose Tierchen, die jeder Anfänger mit gutem Erfolg pflegen kann. Nur eines sollte man beachten: nur im Schwarm (10 Tiere, je mehr, je besser) wirken sie richtig gut; wahrscheinlich fühlen sie sich dann auch am sichersten und zeigen ihre dezenten, aber hübschen Farben am besten.

Breviboga dorsiocellata Quelle: Aquarium Glaser
Breviboga dorsiocellata Quelle: Aquarium Glaser

oben rechts: Xiphophorus pygmaeus

Der ‪‎Zwergschwertträger‬ (‪‎Xiphophorus‬ ‪‎pygmaeus‬) wird im männlichen Geschlecht nur ungefähr 3,5 cm lang, trägt seinen Namen also sehr zu recht. Die Damen werden etwas größer, sind aber – vergleicht man sie z.B. mit den Grünen ‪‎Schwertträgern‬ (Xiphophorus hellerii) – auch wahre ‪‎Zwerge‬. Es gibt vom Zwergschwerträger eine besonders hübsche, auch in der Natur vorkommende gelbe Farbvariante, die auch als deutsche ‪‎Nachzucht‬ angeboten werden.
In der Pflege und Zucht unterscheiden sich Zwergschwertträger erheblich von ihren im Hobby allgegenwärtigen Vettern, den ‪‎Helleris‬ und ‪‎Platys‬. Während letztere in der Natur meist flache ‪‎Uferbereiche‬, ‪‎Tümpel‬ etc. bewohnen, lebt der ‪‎Zwerg‬ mitten in der stärksten ‪‎Strömung‬ von ‪‎Flüssen‬. Nur zur ‪‎Trockenzeit‬ wird er manchmal in ‪‎Restwassertümpeln‬ gefunden. Darum sollte man Zwergschwertträger nicht in kleinen ‪‎Aquarien‬ pflegen, sondern in möglichst großen, gut gefilterten Behältern mit ordentlich Strömung. Noch wichtiger ist die ‪‎Wasserpflege‬. Auf bakteriell und durch Abbauprodukte belastetes ‪‎Wasser‬ reagiert der Zwergschwertträger empfindlich.

Xiphophorus pygmaeus Quelle: Aquarium Glaser
Xiphophorus pygmaeus Quelle: Aquarium Glaser

unten links: Pseudoloricaria sp.

Vor einigen Tagen stellte Aquarium Glaser eine brandneue „Hemiloricaria“ vor, deren Bestimmung Kopfzerbrechen bereitete. Inzwischen haben sie Fotos von der Bauchseite der ‪‎Tiere‬ anfertigen können, was das Rätsel löste: es sind gar keine ‪‎Hemiloricaria‬, sondern ‪‎Pseudoloricaria‬! Im Gegensatz zu Hemiloricaria ist die Unterlippe anders geformt und auch die Knochenplättchen auf der Bauchseite anders angeordnet. Pseudoloricaria gehören zu den maulbrütenden ‪‎Hexenwelsen‬, bei den die Männchen die ‪‎Eier‬, die auf einen ‪‎Blatt‬ abgelegt werden, an die Unterlippe heftet und mit sich bis zum Schlupf der ‪‎Jungtiere‬ herumträgt.
Zwei Arten von Pseudoloricaria sind gegenwärtig bekannt, die wissenschftlich beschriebene P. ‪‎laeviuscula‬ und eine wissenschaftlich noch unbeschriebene Art. Beide werden im ‪‎Welsatlas‬ Band 1 vorgestellt. Die unbeschriebene Art wird dort als P. sp. „‪‎Rio‬ ‪‎Negro‬“ bezeichnet, ist aber sehr viel weiter in ‪‎Amazonien‬ verbreitet, nicht nur im Rio Negro. Ingo Seidel ist sich sicher, dass unsere Tiere der noch unbeschriebenen ‪‎Art‬ angehören.
Obwohl unsere Tiere bereits geschlechtlich voll differenziert sind – sie haben eine Länge von 12-14 cm – sind es wohl noch Jungtiere, denn beide Pseudoloricaria-Arten werden 30 cm lang oder sogar noch größer.

Pseudoloricaria sp. Quelle: Aquarium Glaser
Pseudoloricaria sp. Quelle: Aquarium Glaser

unten rechts: Papuliogobius uniporus

Erstmals konnte diese interessante ‪‎Süßwasser‬-‪‎Grundel‬ aus ‪‎Vietnam‬ importiert werden. Die Art und die Gattung wurden erst 2003 beschrieben. ‪‎Papuligobius‬ ‪‎uniporus‬ wird rund 7,5 cm lang. Es gibt nur eine weitere Art der Gattung, P. ‪‎ocellatus‬ aus dem ‪‎Mekong‬-Becken in ‪‎Thailand‬. Sie wurde zwar bereits 1937 wissenschaftlich beschrieben, wurde bisher aber aquaristisch noch nicht bekannt. Der am einfachsten zu erkennende Unterschied zwischen P. uniporus und P. ocellatus besteht in der Färbung der ‪‎Schwanzflosse‬, diese ist bei P. ocellatus gestreift, und der Färbung an der Basis der ‪‎Brustflossen‬. Hier hat P. uniporus drei Augenflecken, P. ocellatus nur einen.
Untereinander sind die ‪‎Grundeln‬ recht streitbar. Sie besitzen ein ausgeprägtes Farbwechselvermögen, am häufigsten erscheinen sie tiefschwarz. Sie können jedoch auch einen hellen Längsstreifen zeigen oder ein Marmormuster.
Bezüglich der Wasserzusammensetzung sind die ‪‎Tiere‬ anspruchslos. Sie fressen jegliches ‪‎Frost‬- und ‪‎Lebendfutter‬ passender Größe.

Papuliogobius uniporös Quelle: Aquarium Glaser
Papuliogobius uniporös Quelle: Aquarium Glaser

Quelle: Aquarium Glaser – Fotos & Text Frank Schäfer

 

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