Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 524: Schistura, Melanotaenia und Garra-Neuheiten

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 524: Schistura, Melanotaenia und Garra-Neuheiten

Vier Highlights der Woche: Seltener Schachbrettcichlide und farbenfrohe Raritäten im Portrait

In der faszinierenden Welt der Aquaristik gibt es verborgene Schätze, die man im normalen Zoofachhandel nur selten zu Gesicht bekommt. Wir ändern das für dich! Jeden Sonntag bieten wir dir hier auf my-fish.org einen exklusiven Einblick in die Vielfalt unserer Unterwasserwelt. Mit der geballten Expertise unserer Partner, den spezialisierten Zierfischgroßhändlern aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF), stellen wir dir jede Woche vier außergewöhnliche Tierarten vor.

In dieser Ausgabe nehmen wir dich mit auf eine kleine Weltreise. Der Mix ist heute besonders vielfältig: Von filigranen Zwergschmerlen aus asiatischen Bergbächen über farbenfrohe Klassiker der australischen Regenbogenfische bis hin zu anspruchsvollen Cichliden-Raritäten aus Südamerika. Auch nützliche Helfer kommen nicht zu kurz, denn wir zeigen dir einen Algenfresser, der durch seine außergewöhnliche Färbung besticht. Wir präsentieren dir nicht nur absolute Neuheiten auf dem Markt, sondern auch fast vergessene Arten, die dein Aquarium zu einem echten Unikat machen. Von robusten Nachzuchten bis hin zu seltenen Naturschönheiten: Lass dich inspirieren! Entdecke spannende Informationen zu Haltung und Herkunft und finde vielleicht genau jetzt den nächsten spektakulären Bewohner für dein Süßwasseraquarium.

Garra sp. Sunset Goldscale

Schistura pridii

Aquarium Glaser konnte eine der kleinsten und zweifellos hübschesten Schmerlen Thailands in begrenzter Stückzahl importieren: Schistura pridii. Diese niedlichen, schwarz-weißen Zwerge erreichen lediglich eine Länge von 3 bis 4,5 cm. Soweit bekannt, kommt diese erst im Jahr 2003 wissenschaftlich beschriebene Art ausschließlich in flachen, schnellfließenden Waldbächen vor. Ihr Lebensraum im Einzugsbereich des oberen Mae Teng-Flusses in der Provinz Chiang Mai zeichnet sich durch Tiefen von 30 bis 100 cm und einen steinig-gerölligen Boden aus.

Da das Verbreitungsgebiet sehr begrenzt ist, werden jährlich nur wenige Exemplare entnommen, um die natürlichen Bestände zu schützen. Glücklicherweise liegt ein Großteil der bekannten Habitate in einem Naturschutzgebiet, dem Doi Chiang Dao Wildlife Sanctuary. Für engagierte Aquarianer stellt die Haltung und Zucht dieser Fische eine schöne Herausforderung dar. Zwar liegen noch keine expliziten Zuchtberichte vor, aber es ist davon auszugehen, dass die Vermehrung ähnlich wie bei Flossensaugern (Sewellia) abläuft.

In der Natur ist das Wasser kühl (18-24°C), relativ hart, leicht alkalisch und fließt sehr schnell. Dein Aquarium solltest du daher mit nicht zu feinem Kies und einer kräftigen Strömung ausstatten. Größere, hohl liegende Steine werden gerne als Ruhe- und Versteckplätze angenommen. Beim Futter sind die Tiere nicht wählerisch. Die Geschlechtsunterschiede sind nur schwach ausgeprägt; Weibchen wirken oft etwas fülliger. Untereinander sind die Tiere gesellig und – abgesehen von kleinen, harmlosen Rangeleien – sehr friedlich. Schistura pridii ist also ein idealer Kandidat für erfahrene Pfleger mit Zuchtambitionen.

Melanotaenia nigrans

Im Jahr 1982 veröffentlichten Gerald R. Allen und Norbert J. Cross die erste moderne Übersicht über die Regenbogenfische. Damals kannte man deutlich weniger Arten als heute – die Zahl der akzeptierten Spezies hat sich in den letzten Jahrzehnten verdreifacht, und Expeditionen nach Neuguinea bringen ständig neue Formen hervor. Die allererste wissenschaftlich beschriebene Art war Melanotaenia nigrans bereits im Jahr 1843. In älterer Literatur liest man oft, dass M. nigrans 1927 als erster australischer Zierfisch importiert wurde. Doch diese Annahme war falsch; es handelte sich damals um die ähnliche Art M. duboulayi. Echte Importe von M. nigrans erfolgten erst um 1976.

Dieser Regenbogenfisch stammt aus Nordaustralien, wo er unregelmäßig von der Kimberley-Region bis zur Cape York Peninsula verbreitet ist. Da aus Australien keine Wildfänge exportiert werden, handelt es sich bei den Tieren im Handel stets um Nachzuchten. Gewöhnlich wird dieser schlanke Fisch etwa 7 cm lang, wobei alte Aquarienexemplare auch bis zu 12 cm erreichen können. Wie viele Regenbogenfische ist auch diese Art farblich sehr variabel. Durch ihre schlanke Form und den ungewöhnlich starken Schwarmzusammenhalt bilden sie einen tollen Kontrast zu anderen Regenbogenfischen.

An die Wasserwerte und Ernährung stellt M. nigrans keine extremen Ansprüche. In der Natur leben sie in eher weichem Wasser bei pH-Werten zwischen 5 und 8 und Temperaturen von 19 bis 35°C. Trotz dieser hohen Anpassungsfähigkeit vertragen sie plötzliche Veränderungen der Wasserwerte überhaupt nicht. Nach den Erfahrungen von Aquarium Glaser ist die Art nicht ganz unempfindlich und daher eher für fortgeschrittene Liebhaber zu empfehlen.

Crenicara latruncularium

Die sogenannten Schachbrettcichliden unterteilen sich in die schlanken Dicrossus-Arten und die hochrückigen Crenicara-Arten. Von letzteren sind wissenschaftlich nur zwei akzeptiert: C. punctulatum und C. latruncularium. Beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal für Spezialisten ist ein kleiner Knochen oberhalb des Kiemendeckels (Supracleithrum), dessen Kante bei C. punctulatum glatt, bei C. latruncularium hingegen gezackt ist. Die von Aquarium Glaser importierten Tiere stammen aus Brasilien.

Obwohl sie in der Natur nicht selten sind, gelten beide Arten als absolute Raritäten im Handel. Das liegt unter anderem daran, dass die Zucht und Aufzucht sehr aufwändig sind. Zudem leben die Tiere einzeln und sind sehr scheu, was den Fang erschwert. Auch im Händlerbecken zeigen sie sich oft blass und legen ihre Rückenflosse an den Körper an. Das ist jedoch kein Zeichen von Krankheit, sondern ihr normales Verhalten. Interessant ist das Geschlecht dieser Fische: Bei der verwandten Art C. punctulatum konnte in den 1980er Jahren nachgewiesen werden, dass sie ihr Geschlecht vom Weibchen zum Männchen wechseln können – ein Phänomen, das bei Süßwasserfischen selten ist. Bei den importierten C. latruncularium scheinen die Geschlechtsmerkmale farblich umgekehrt zu sein: Die vermutlichen Männchen zeigen kräftig orangerote Bauchflossen, während die der Weibchen heller sind.

Zur Pflege benötigen diese Cichliden sehr weiches, saures Wasser und Temperaturen zwischen 24 und 30°C. Der Bodengrund sollte stellenweise aus feinem Sand bestehen, ergänzt durch eine dichte Bepflanzung. Da die Tiere sehr scheu sind, empfiehlt es sich, sie zusammen mit einem Schwarm kleiner Salmler zu halten, damit sie sich sicherer fühlen und öfter zeigen.

Garra sp. Sunset-Goldscale

Die Gattung Garra ist enorm vielfältig und für Laien kaum zu überblicken. Aktuell werden fast 280 Arten mit diesem Namen in Verbindung gebracht, verbreitet über Teile Afrikas und große Gebiete Asiens. Besonders in Gebirgsregionen ist die Gattung stark vertreten. Aus Indien hat Aquarium Glaser nun erneut eine prachtvolle Garra-Art erhalten, die unter dem Namen Garra sp. Sunset-Goldscale bekannt ist.

Das auffälligste Merkmal dieser Tiere sind die großen, glänzenden Schuppen auf den Flanken, die bei jedem Individuum anders angeordnet sind. Je nach Lichteinfall schimmern sie hellblau, rot-orange oder golden. Voll erwachsene Männchen (bis ca. 9,5 cm) entwickeln einen eindrucksvollen Stirnfortsatz (Proboscis) und Tuberkel auf der Schnauze. Da in jüngster Zeit viele neue Garra-Arten aus Indien beschrieben wurden, ist eine exakte wissenschaftliche Bestimmung schwierig; die Tiere ähneln am ehesten Garra gotyla.

Für dein Aquarium bedeutet das: Du bekommst nicht nur nützliche Algenfresser, sondern auch sehr attraktive Bewohner. Die Eckdaten für die Haltung sind klares, sauberes Wasser mit einer Temperatur von 20-24°C (zur Zucht etwas wärmer). Der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 6 sinken. Diese Garra sind sehr friedlich und gesellig, weshalb eine Gruppe von sechs oder mehr Tieren ratsam ist. Pflanzen werden nicht beschädigt, sondern lediglich geputzt. Als Aufwuchsfresser benötigen sie eine ballaststoffreiche Ernährung, akzeptieren aber auch problemlos Trockenfutter sowie Frost- und Lebendfutter.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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