2. Tagung zur Arterhaltung im Aquarium mit Livestream

2. Tagung zur Arterhaltung im Aquarium mit Livestream

Am kommenden Wochenende findet in Thannhausen im Allgäu die zweite Tagung zur Arterhaltung im Aquarium statt. Veranstalter dieser Tagung sind der Arbeitskreises Natur und Artenschutz in den Tropen im VDA (NAT) des Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. gegr.1911 und der Deutschen Cichlidengesellschaft (DCG). Die Vorträge richten sich an ambitionierte Laien und sollen Mut machen sich in den vorgestellten Projekten zu engagieren bzw. sich selbst in die Arbeit der aquaristischen und zoologischen Vereinigungen einzubringen.

Die Anmeldeliste zeigt, dass es ein sehr internationales Publikum werden wird. Wer kurzfristig noch an der Tagung als Tagesgast oder auch an beiden Tagen teilnehmen möchte ist herzlich eingeladen. Mit einer schönen Ausstellung von bedrohten Fischarten vor Ort können sich auch externe Besucher zur Thematik informieren.

Informationen, das Tagungsprogramm sowie Anmeldemöglichkeiten findet ihr unter folgendem Link: https://vda-online.de/blog/entry/244-artenschutz-im-aquarium-wie-geht-das-ich-mache-mit/

Link zum Livestream: https://www.youtube.com/watch?v=JE_CNPCl1II

Mit den Kurzfassungen möchten wir euch einen kleinen Einblick in die Vorträge geben.

Ariel Jacken, Kurator im Zoo Leipzig

Das Aquarium des Zoo Leipzig wurde 1910 erbaut und ist damit nach dem Aquarium im Zoo Frankfurt das zweitälteste, noch bestehende Aquarium in Deutschland. Während der fast dreijährigen Umbauphase von 2018-2021 wurde das aus zwei Gebäuden bestehende Aquarium rundumerneuert und thematisch neu gegliedert. Highlights sind, das überarbeitete 360-Grad-Ringaquarium mit Hammerhaien, Kuhnasenrochen und einer bunten Vielfalt kleinerer Schwarmfische und das vollkommen neuen Panoramabecken im Süßwasser mit Überkopfscheibe, die den Blick auf verschiedene Südamerikanische Barsche, Salmler, Welse, Stechrochen und Gabelbärte ermöglicht. Ein Schwerpunkt wurde bei der Artenauswahl auf bedrohte Süßwasserarten gelegt, die in der rückwärtigen Haltung erfolgreich vermehrt werden. Einige Arten von Buntbarschen, Regenbogenfischen, Welsen und Lebendgebärenden, bei denen sich der Zoo mit der Nachzucht an regionalen und internationalen Erhaltungszuchtprojekten beteiligt werden vorgestellt. Darüber hinaus wird ein Einblick in die Herausforderungen und Freudigen Momente beim Bau, der Fertigstellung und der Einlauf- und Besatzphase des neuen Aquariums in Leipzig gewährt.

Markéta Rejlkova, Kuratorin im Zoo Ostrava CZ

Der Zoo Ostrava züchtet gefährdete Fische aus verschiedenen Familien und Regionen, aber es gibt zwei Projekte, bei denen wir uns besonders intensiv engagieren:

Xiphophorus – Northern Platyfish” ist ein internationales Erhaltungszuchtprojekt unter der Leitung des Österreichischen Verbandes für Vivaristik und Ökologie. Dieses Projekt läuft vier Jahre und hat sich zu einem soliden Netzwerk von privaten Züchtern und Zoos mit sehr guter Zusammenarbeit entwickelt. Diese Erfahrung ermöglicht es, dieses Modell auf die neue Xiphophorus Working Group auszudehnen, die mehr Fischarten und mehr Züchter umfasst, und sogar über eine mögliche Wiedereinführung von in freier Wildbahn ausgestorbenen Xiphophorus-Arten nachzudenken.

“Sulawesi Keepers” ist eine neue Initiative mit dem Ziel, Aquarianer, Wissenschaftler, Naturschutzorganisationen und lokale Gemeinschaften zusammenzubringen, um das Aussterben der endemischen Süßwasserfauna von Sulawesi zu verhindern. Viele in der Aquaristik beliebte Arten sind vom Aussterben bedroht und ihre natürlichen Lebensräume werden zerstört. Dieses Projekt konzentriert sich auf Bildung und Forschung, aber ein sehr wichtiger Bestandteil ist auch die Etablierung von Ex-situ-Populationen in Aquarien und die Verbesserung unserer Fähigkeit, die Arten langfristig zu halten und zu züchten. https://sulawesikeepers.org/de/homepage/

Benjamin Wilden, Projektleiter Deutschland Parosphromenus-Project

Echte Juwelen im Aquarium – So werden die kleinen schillernd bunten Fische manchmal betitelt, welche den passenden deutschen Namen Prachtgurami tragen. Trotz der nicht ganz trivialen Haltung haben sich schnell einige Freunde und Züchter Gedanken darüber gemacht, wie sie diese herrlichen Tiere im Hobby erhalten können, da viele Arten in der Aquaristik auf wenige Urlaubsmitbringsel zurück ging.

Daraus erwuchs 2005 das Parosphromenus-Projekt (PP) 2005 als reines online Projekt. Das heißt, dass kein kommerzielles Interesse bzw. Rechtsform, oder eine Vereinsstruktur genutzt wurde. Dadurch ist es für viele schwer greifbar, aber der bisherige Erfolg gibt dem PP recht! Es arbeitet daran, Bewusstsein, Forschung und Schutzmaßnahmen für die kleinen Zierfische der Gattung Parosphromenus zu schaffen. Das PP entstand als Netzwerk privater Aquarianer, hat sich aber um weltweite Kooperationen erweitert. Das Ziel und die Mission des PP ist es, starke Allianzen zwischen verschiedenen Akteuren – privaten Aquarianern, Biologen und Wissenschaftlern, Museen und Zoos – zu schaffen, um gemeinsam den Fokus auf die Erhaltung der bedrohten Gattung Parosphromenus zu legen und sie zu unterstützen.

https://www.parosphromenus-project.org/de/

Prigen Ark Projekt, Roland Wirth ZGAP

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Die Prigenark ist ein 2017 gegründetes Gemeinschaftsprojekt der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e. V. (www.zgap.de), Taman Safari Indonesia (TSI) und KASI, die Naturschutzstiftung von TSI. Taman Safari Indonesia betreibt mehrere Zoos auf Java und Bali. Die Prigenark ist ein mehrere Hektar großes Gelände im nicht öffentlichen Teil des Taman Safari Zoos in Prigen (nahe Surabaya).

 Während die großen Naturschutzverbände ihren Fokus in Indonesien vorwiegend auf „Flagship-Arten“ wie Orang-Utan, Sumatratiger usw. legen, widmet sich die Prigenark ausschließlich des Erhalts allesamt stark von Ausrottung bedrohter weniger bekannter Arten indonesischer Säugetiere, Vögel, Reptilien und Fische.

Ein hoch motiviertes und kompetentes deutsch/indonesisches Team von derzeit 15 Mitarbeitern kümmert sich um die derzeit mehr als 1.000 Tiere (darunter ca. 50 % Fische) in mehr als 60 Arten und Unterarten. Von allen gepflegten Arten werden jeweils eine Anzahl Paare oder Zuchtgruppen gehalten. Das Projekt verfolgt keinerlei wirtschaftliche Interessen, dient ausschließlich dem Erhalt der Artenvielfalt und wird von zahlreichen Zoos und anderen Sponsoren in Europa und Indonesien finanzielle unterstützt. Für eine langfristige Zucht und Erhaltung der aktuell etwas über 20 Arten Fische stehen 200 Aquarien und Becken zur Verfügung. Eines weiterer Aquarienraum für die nahezu allesamt stark bedrohten endemischen Fische und Invertebraten aus den Seen Sulawesis ist im Bau.

https://prigenark.com/facilities.html

Arterhaltung: Erfolge und Rückschläge, Markus Kaluza IG BSSW e.V.

Vorstellung von erfolgreichen und gescheiterten Konzepten mit dem Schwerpunkt auf der systematischen Gruppe der Welse. Von der Idee der “AG L-Welse”, über verschiedene Projekte in kleinerem Rahmen, die bspw. die populären Harnischwelse der Gattung Parotocinclus betreffen, geht es schließlich auch um Panzerwelse und um den unabdingbaren ständigen Austausch im In- und Ausland.

Einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags bildet daher die Unterstützung von Zuchtprojekten außerhalb Deutschlands und Europas, so zum Beispiel am Diversitätshotspot Rio Xingu, wo eine bedrohte Leitart, der Zebra-Harnischwels (Hypancistrus zebra) erfolgreich durch die Hilfe von Vivarianern vermehrt wird.

Ebenso thematisiert wird die erfolgreiche Etablierung einer erst kürzlich entdeckten, Harnischwelsart aus Boliven, deren Bestand aktuell als gesichert betrachtet werden kann, und deren Verbreitung in der Aquaristik als richtungsweisend betrachtet wird.

Es ist nicht damit getan, eine Gruppe ausgewählter Individuen zusammen zu bringen. Um auf Dauer erfolgreich zu “erhalten”, bedarf es vor allem auch guter Recherche und Flexibilität. Einen Einblick in die notwendige Arbeit liefert dieser Vortrag. 

CITES bei Zierfischen – Was bringt die Zukunft?
Svein A. Fossaa, EPO-Pr
äsident 

CITES, auch Washingtoner Abkommen genannt, regelt seit 1975 den Handel mit Tieren und Pflanzen. Heute sind mehr als 38.700 Arten in den drei Anhängen gelistet. Das Übereinkommen legt fest, für welche Arten es Regulierungen gibt. Die Anhänge I bis III bestimmen den Schutzstatur. 

In Anhang I werden die Tiere gelistet, die durch den internationalen Handel besonders bedroht sind. Viele Lobbyorganisationen benutzen in CITES in den letzten Jahren jedoch vor allem als ein Instrument, den Handel mit Tieren und tierischen Produkten grundsätzlich zu verhindern. Aus diesem Grund werden auch vor allem „charismatische“ Tiere häufiger für eine Listung vorgeschlagen. 

Bei diesen Arten ist es besonders leicht, die Unterstützung für Handelsverbote zu erhalten. Heimtiere, auch Aquarienfische, erhalten immer mehr Aufmerksamkeit bei den Listungsanträgen. Was wird die Zukunft für die Aquaristik bringen?

Artenschutz bei Verbänden und Vereinigungen,
Kathrin Glaw, VDA – Presse und Politik 

Es gibt eine große Menge Engagement bei privaten Tierhaltern zur Erhaltung von Fischarten die in ihren Heimatbiotopen bedroht sind. Viele Informationen zu Lebensräumen, Lebensraumansprüchen und sehr viele Zuchterfolge werden von privaten Tierhaltern publiziert und initiiert. Doch allein die Begeisterung in seinem Keller hübsche und bunte Fische zu züchten, reicht in vielen Fällen nicht mehr aus. Es bedarf politischer Akzeptanz dieser wertvollen Arbeit, die Anerkennung dieses Wissensschatzes durch die Politik und etablierte zoologische Institutionen und eine internationale Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern unserer Tiere. Dabei wird es immer komplexer und unübersichtlicher als Züchter und Tierhalter die internationalen Abkommen, wie CITES, Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD), Nagoya sowie Acces und Benefit Sharing zu überblicken. Mein Beitrag wird einen kleinen und oberflächlichen Einblick geben, wie Komplex dieses Thema ist und warum es zukünftig dringend notwendig sein wird, dass alle an Tierhaltung Interessierte Personen und Institutionen gemeinsam an einem funktionierenden Netzwerk arbeiten müssen.

Mehr Details auch unter www.vda-online.de

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