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Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 549: Faszinierende Grundeln, skurrile Welse und wandelbare Kopfsteher

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 549: Faszinierende Grundeln, skurrile Welse und wandelbare Kopfsteher

Entdecke in dieser Ausgabe außergewöhnliche Aquarienbewohner, die mit einzigartigem Verhalten, speziellen Fressgewohnheiten und besonderen Anpassungen begeistern.

Die Welt der Aquaristik bietet eine schier unerschöpfliche Vielfalt an faszinierenden Lebewesen, und regelmäßig bereichern spannende Raritäten und Neuimporte unser Hobby. In dieser Ausgabe werfen wir einen genauen Blick auf außergewöhnliche Fische, die durch ihre spezielle Lebensweise, ungewöhnliche Körperformen oder hochinteressantes Sozialverhalten aus dem Rahmen fallen. Ob aus den entlegenen und oft noch unerforschten Gewässern Neuguineas, den Fließgewässern Zentralvietnams oder den riesigen Flusssystemen Südamerikas – jeder dieser besonderen Pfleglinge bringt ein Stück wilde Natur direkt in das heimische Aquarium. Dabei gilt es jedoch, die jeweiligen Ansprüche an Haltung, Wasserbeschaffenheit und vor allem die Ernährung genau zu kennen. Wer sich im Vorfeld gut informiert und die individuellen Bedürfnisse bei der Beckengestaltung sowie der Vergesellschaftung berücksichtigt, wird mit spannenden Beobachtungen belohnt. Tauche ein in die Welt der aquaristischen Besonderheiten und entdecke charakterstarke Tiere, die in den normalen Standard-Sortimenten des Handels oft vergeblich gesucht werden.

Tateurndina ocellicauda – Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel (NZ)

Die aus Papua-Neuguinea stammende Pastellgrundel zählt zu den ungewöhnlichen Vertretern der Grundeln, da sie sich bevorzugt freischwimmend im Wasser aufhält und nicht, wie viele ihrer Verwandten, bodenorientiert lebt. Entdeckt wurde diese farbenprächtige, mit roten Streifen und leuchtend gelb eingefassten Flossen versehene Art 1953 und wenig später wissenschaftlich beschrieben. Die Fische erreichen eine Endgröße von maximal 5 bis 6 Zentimetern, sodass sich die Art hervorragend für mittelgroße Aquarien eignet. Ein markantes Merkmal ist der namensgebende, dunkle Augenfleck an der Schwanzwurzel. Zudem entwickeln Männchen mit zunehmendem Alter einen auffälligen Stirnbuckel, der sie deutlich von den Weibchen unterscheidet.

In der Haltung zeigt sich Tateurndina ocellicauda anspruchslos und friedlich. An die Wasserwerte stellt sie keine besonderen Anforderungen. Bei der Vergesellschaftung ist zu beachten, dass die Pastellgrundel dazu neigt, an den langen Flossen ruhiger Mitbewohner zu zupfen. Zierliche Arten mit ausgezogenen Flossen, wie etwa der Filigran-Regenbogenfisch (Iriatherina werneri), sind daher keine geeigneten Partner. Besser passen kurzflossige Regenbogenfische, Bärblinge, Salmler oder bodenlebende Welse.

Trocken-, Frost- und Lebendfutter werden gierig angenommen, lediglich Wasserpflanzen bleiben verschont. Die Nachzucht im heimischen Aquarium ist gut machbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Grundelarten durchlaufen die Larven kein marines planktonisches Stadium und schlüpfen nach etwa zehn Tagen als bereits gut entwickelte, freischwimmende Jungfische im Süßwasser. Die Brutpflege übernimmt ausschließlich das Männchen, welches das Gelege bis zum Schlupf bewacht. Das Weibchen sollte nach der Eiablage idealerweise aus dem Zuchtbecken entfernt werden.

Spatuloricaria tuira – Tuira-Spatelwels (WF)

Die Gattung Spatuloricaria umfasst faszinierende, in der Aquaristik noch relativ selten gepflegte Harnischwelse mit einem großen Verbreitungsgebiet in Südamerika. Der 2014 wissenschaftlich beschriebene Spatuloricaria tuira aus den Einzügen des Rio Xingu und Rio Tapajós in Brasilien ist die kleinste bekannte Art dieser Gattung. Geschlechtsreife Männchen erreichen in der Natur eine Standardlänge (ohne Schwanzflosse) von etwa 9 bis 15 Zentimetern, im Aquarium können sie geringfügig größer werden. Auffällig ist bei allen Tieren der Gattung das lange Filament an der Oberkante der Schwanzflosse. Ein Erkennungsmerkmal von S. tuira ist zudem der weitgehend unbepanzerte, nackte Bauch.

Zur Brutzeit entwickeln die Männchen einen ausgeprägten „Backenbart“, der sich danach wieder zurückbildet. Es handelt sich um Höhlenbrüter, die gerne an der Unterseite von flachen Steinplatten laichen und zu denen bereits erfolgreiche Zuchtberichte vorliegen. Empfehlenswert ist daher ein Aquarium mit ausreichend Steinaufbauten und flachen Schieferplatten, um den Tieren natürliche Rückzugs- und Laichorte bieten zu können.

Die Ernährung erfordert besondere Aufmerksamkeit, da es sich um Gemischtköstler mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Nahrung handelt. Die langen, gekrümmten Fangzähne im Oberkiefer deuten darauf hin, dass sich die Art in der Natur unter anderem darauf spezialisiert hat, Schnecken aus ihren Gehäusen zu ziehen. Im Aquarium sollte der Speiseplan vorwiegend aus hochwertigem Frostfutter und sinkendem Granulat bestehen. Pflanzliche Kost, wie spezielle Wels-Chips, wird gelegentlich als Beikost akzeptiert, deckt aber allein den Bedarf nicht ab.

Rhinogobius similis – Asiatische Bachgrundel (WF)

Die Asiatische Bachgrundel, in der Aquaristik auf Stocklisten aus technischen Gründen oft noch unter dem veralteten und ungültigen Synonym Rhinogobius giurinus geführt, ist ein interessanter Bodenbewohner aus Ostasien, der unter anderem in Zentralvietnam für die Aquaristik gefangen wird. Die Larven werden nach dem Schlupf ins Meer gespült und entwickeln sich in Brack- und Salzwasser, während erwachsene Tiere ausschließlich im Süßwasser leben. Männchen erreichen eine Länge von bis zu 10 Zentimetern und fallen durch eine hübsche Bänderung in Rücken- und Afterflosse auf. Weibchen bleiben mit weniger als 7 Zentimetern kleiner und schlichter gefärbt.

Die Pflege ist hinsichtlich der Wasserparameter unkompliziert. Die Tiere tolerieren pH-Werte zwischen 6,5 und 8,5 bei Temperaturen von etwa 15 bis 25 °C und eignen sich damit gut für ungeheizte Zimmeraquarien. Eine Herausforderung stellt die Ernährung dar: Trockenfutter oder Granulat wird meist verschmäht, weshalb eine regelmäßige Fütterung mit mundgerechtem Lebend- und Frostfutter empfehlenswert ist.

Im Verhalten zeigen sich die Bachgrundeln charakterstark. Sie besetzen kleine Reviere am Bodengrund und verteidigen einen Individualraum von wenigen Zentimetern gegen Artgenossen und andere Bodenfische. Da sich diese Aggressivität auf einen kleinen Radius beschränkt und es selten zu ernsthaften Verletzungen kommt, lassen sie sich bei ausreichender Bodenfläche gut in kleinen Gruppen pflegen. Das Becken sollte mit Kieselsteinen und Höhlen ausgestattet sein, um Reviergrenzen optisch zu markieren.

Chilodus punctatus – Punktierter Kopfsteher (NZ)

Unter dem Namen Chilodus punctatus verbirgt sich vermutlich ein Artenkomplex sehr ähnlicher, in weiten Teilen Südamerikas verbreiteter Kopfsteher. Ihren deutschen Namen verdanken sie der charakteristischen, schräg nach unten gerichteten Schwimmhaltung. Die Fische erreichen eine Endgröße von 8 bis 10 Zentimetern und bestechen durch ein auffälliges Punktemuster sowie ein dunkles Längsband, das sie stimmungsabhängig ausblenden können. In der Natur bewohnen sie meist weiche, saure Gewässer, zeigen sich im Aquarium bei Temperaturen zwischen 22 und 28 °C aber anpassungsfähig an gängige Leitungswasserwerte.

Da Kopfsteher ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen, ist die Gruppenstärke für das Wohlbefinden entscheidend. Sie sollten in größeren Schwärmen ab 10 bis 15 Exemplaren gepflegt werden; in zu kleinen Gruppen neigen sie zu zänkischem Verhalten. Eine Herausforderung ist ihr starker Trieb, an Aufwuchs und Pflanzen zu knabbern. Feinfiedrige Wasserpflanzen werden schnell abgefressen, robuste, hartblättrige Pflanzen wie Anubias sind besser geeignet.

Der Speiseplan sollte hauptsächlich aus pflanzenbasiertem Flockenfutter und überbrühtem Gemüse (wie Löwenzahn) bestehen. Ergänzend können gelegentlich Futter-Chips gereicht werden, um das Knabberverhalten der Tiere zu fördern und sie zu beschäftigen. Fehlt eine ausreichende Beschäftigung, kann es passieren, dass die Tiere aus Langeweile die Flossen ihrer Mitbewohner anknabbern.

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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