Faszination Aquaristik: Gräberkrebs (Creaserinus fodiens) im Aquarium halten und züchten
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Nordamerikanische Flusskrebse faszinieren durch ihre einzigartigen Verhaltensweisen und stellen eine spannende Bereicherung für das heimische Biotop dar. Besonders Arten, die in der Natur komplexe Höhlensysteme graben, erfordern von Haltern ein durchdachtes Konzept bei der Aquariengestaltung. Dieser Beitrag führt Sie in die Welt der wühlenden Krebse ein und bereitet Sie optimal auf die detaillierten Pflege- und Zuchthinweise des Originalartikels vor.
Creaserinus fodiens in Louisiana, USA (Fundort: 30°33′28″N 90°48′54″W). Bild: Evangrimes, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Ein Gräber aus Amerika – Creaserinus fodiens kann im Aquarium gehalten werden
Die Gattung Creaserinus galt früher als Untergattung von Fallicambarus und wurde erst 2017 von Crandall and De Grave in den Gattungsstatus erhoben. Der wissenschaftliche Name verrät die Lebensweise: „fodiens“ bedeutet „wühlend“ oder „grabend“. Auffällig sind bei dem recht variabel gefärbten Krebs die in Anpassung daran außergewöhnlich kleinen Augen.
Die kräftigen Scheren sind eine Anpassung an die grabende Lebensweise.
Lebensweise in der Natur
Den Gräberkrebs findet man in Süßwasser-Biotopen in Nordamerika entlang der Golfküste von Texas bis Ohio, im Süden der Great Lakes in Ontario und Michigan und entlang der Atlantikküste von Maryland bis Carolina. In der Natur verbringen die Krebse die Zeit von Januar bis Mai in Fließgewässern und den Rest des Jahres in selbstgegrabenen komplexen Tunnelsystemen, die bis zum Grundwasserspiegel reichen. Hier findet man sie in alters- und geschlechtergemischten Gruppen. Meist haben die Höhlen einen Ausgang zur Oberfläche und einen zweiten, der in einen nahen Bach oder Graben führt.
Adulte Krebse erreichen im Durchschnitt ohne Scheren gemessen eine Länge von 4,5 bis 6 cm, wobei vereinzelt mit bis zu 9 cm auch deutlich größere Exemplare gefunden werden.
Beim Graben wirft der Gräberkrebs die typischen „Chimneys“ oder Krebskamine auf, die die Krebshöhle markieren. Foto: Chris Lukhaup
Aquarienhaltung
Spannenderweise kann man Creaserinus fodiens sehr unkompliziert im Aquarium halten und sogar vermehren. Eine Gruppe braucht viele Verstecke in Form von Höhlen, Wurzeln und Steinstrukturen. Die Deko sollte direkt auf die Glasscheibe gestellt werden, damit die Krebse sie nicht untergraben und zum Kippen bringen können. Pflanzen werden meist ausgebuddelt oder gefressen. In einem sehr gut strukturierten Aquarium ab 80 cm Kantenlänge können mehrere Exemplare gehalten werden.
Der Gräberkrebs ist eine farblich recht variable Art.Der Gräberkrebs ist eine farblich recht variable Art.
Der Deckel des Aquariums darf keine Lücken aufweisen, weil die Krebse von Natur aus einen starken Wandertrieb haben und ansonsten das Becken verlassen.
Nachzucht
Gräberkrebse brauchen keine Kältephase vor der Paarung, die im Spätfrühling bis Frühsommer erfolgt. Die Weibchen setzen im darauffolgenden Herbst ihre Eier an. Pro Wurf treten ungefähr doppelt so viele Weibchen wie Männchen auf, eine Besonderheit dieser Krebsart.
Männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale der Cambariden – die Männchen zeigen v-förmige, nach vorne weisende Gonopoden zwischen dem letzten Schreitbeinpaar. Foto: Chris LukhaupMännliche und weibliche Geschlechtsmerkmale der Cambariden – die Männchen zeigen v-förmige, nach vorne weisende Gonopoden zwischen dem letzten Schreitbeinpaar. Foto: Chris Lukhaup
Idealerweise werden die Jungtiere des Gräberkrebses separat aufgezogen. Sie brauchen viele Verstecke – ideal sind Lochziegel und eine dicke Schicht Herbstlaub – und eine stärker eiweißbetonte Diät als die adulten Exemplare. Zu Laub und Krebsfutter sollten sie zusätzlich ein bis zwei Mal pro Woche eiweißreiches Frostfutter, Proteinfutter oder ähnliches bekommen, damit sich der Kannibalismus im Aufzuchtbecken in Grenzen hält.
Wassertemperatur: 10 bis 25 °C; eine Abkühlung im Winter ist förderlich, aber nicht zwingend notwendig
Wasserhärte: weiches bis hartes Wasser
Aquariengröße für eine Gruppe von 3-5 Tieren: mindestens 80 cm
Ernährung: Laub, Krebsfutter für omnivore Krebse, auch Frostfutter, Gemüse und Grünfutter
Wichtiger Hinweis:
Bitte niemals Aquarienkrebse im Freiland aussetzen! Creaserinus fodiens ist als nordamerikanischer Krebs ein möglicher Überträger der Krebspest, die für alle bei uns heimischen Krebse tödlich ist. Auch im Aquarium sollte er strikt von Krebsen anderer Kontinente getrennt werden, die ebenfalls anfällig für die tödliche Krankheit sind.
Dieser Artikel liefert einen kompakten Leitfaden zur artgerechten Haltung des nordamerikanischen Gräberkrebses. Er beleuchtet das natürliche Wühlverhalten der Tiere und übersetzt diese Bedürfnisse in praktische Tipps für das Aquarium, wie den Verzicht auf tiefwurzelnde Pflanzen und die Notwendigkeit von stabilen Steinstrukturen ab 80 cm Kantenlänge. Leser erfahren zudem alle wichtigen Details zur Vermehrung, angefangen bei der unkomplizierten Paarung im Frühsommer bis hin zur optimalen Aufzucht der Jungtiere mit Herbstlaub und Frostfutter.
Der Gräberkrebs erweist sich als unkomplizierter Pflegling, sofern das Becken absolut ausbruchssicher ist und die Dekoration kippsicher direkt auf dem Glasboden steht. Für eine erfolgreiche Nachzucht benötigen die Jungtiere zwingend viele Verstecke sowie eine proteinreiche Ernährung, um Kannibalismus vorzubeugen. Zudem ist eine strikte Trennung von anderen Arten essenziell, da Creaserinus fodiens als potenzieller Überträger der tödlichen Krebspest gilt.
Crandall, Keith A.; De Grave, Sammy (2017). „An updated classification of the freshwater crayfishes (Decapoda: Astacidea) of the world, with a complete species list“. Journal of Crustacean Biology. 37 (5): 615–653.
DÄHNE AQUARISTIK; Freshwater Crayfish of the World; CHRIS LUKHAUP, REINHARD PEKNY, LIAUW PAUW PHING; ÜBERSETZT VON ULLI BAUER; DIN A4, HARDCOVER, 512 SEITEN, 1110 FOTOS; ISBN: 978-626-96662-5-6: https://www.daehne-aquaristik.de/products/freshwater-crayfish
Über das Magazin: Caridina
Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.
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