Entdecke spannende Neuimporte aus Peru sowie faszinierende Zierfisch-Raritäten aus Indien und Ozeanien für das anspruchsvolle Aquarium.
Die kontinuierliche Vielfalt im Zierfischbereich hält regelmäßig faszinierende Entdeckungen für die Aquaristik bereit. Ob wissenschaftlich noch unbeschriebene Wildfänge aus abgelegenen Flusssystemen Südamerikas, regionale Standortvarianten beliebter Minifische oder selten importierte Zierfischarten aus Asien: Neue Importe bereichern das Hobby und eröffnen Aquarianern spannende Einblicke in spezielle Lebensräume. Die erfolgreiche Eingewöhnung und Pflege solcher Raritäten erfordert fundiertes Wissen über die jeweiligen Wasserparameter, das artspezifische Sozialverhalten sowie die passenden Futteransprüche. In dieser Ausgabe stellen wir wieder eine vielseitige Auswahl besonderer Fische vor, die durch außergewöhnliche Zeichnungsmuster, interessantes Balzverhalten oder biogeografische Besonderheiten begeistern und für artgerecht gestaltete Gesellschafts- sowie Biotopaquarien eine echte Bereicherung darstellen.

Corydoras sp. „Llanos-Oran“ – Panzerwels „Llanos-Oran“
Aus Peru erreicht uns eine bisher unbeschriebene Panzerwels-Art, die im Oran Creek – einem Nebenfluss des Amazonas nahe der Ortschaft Oran, etwa 70 bis 100 Kilometer unterhalb von Iquitos – gefangen wird. Eine sichere Zuordnung zu bereits beschriebenen Corydoras-Arten ist bislang nicht möglich; die Tiere lassen sich keiner bekannten Art exakt zuordnen. Die Bezeichnung „Llanos“ bezieht sich vermutlich auf die charakteristische Kopfform der Tiere. Bereits 2007 wurde unter demselben Handelsnamen eine andere, langschnäuzige Art importiert – zur besseren Unterscheidung wird die aktuelle Importform daher als Corydoras sp. „Llanos-Oran“ geführt.
Mit einer zu erwartenden Endgröße von rund 7,5 Zentimetern benötigt diese Art ausreichend Schwimm- und Grundfläche. Der Bodengrund sollte zwingend aus feinem, abgerundetem Sand bestehen, damit die empfindlichen Barteln beim gründelnden Nahrungserwerb nicht beschädigt werden. Eine dichte Randbepflanzung sowie Unterstände aus Moorkienwurzeln bieten den Tieren notwendige Rückzugsmöglichkeiten.
Als friedlicher Gruppenfisch sollte dieser Panzerwels in Verbänden von mindestens fünf bis acht Exemplaren gepflegt werden. Die Haltung gestaltet sich bei Temperaturen zwischen 22 und 25 °C unkompliziert, während für Zuchtansätze weiches sowie leicht saures Wasser erforderlich ist. Bei der Fütterung erweisen sich die Tiere als unproblematische Allesfresser, die absinkendes Granulat, Futtertabletten sowie feines Lebend- und Frostfutter gerne annehmen.
Vermehrung: Wie alle Corydoras-Arten sind auch die „Llanos-Oran“-Panzerwelse Freilaicher ohne Brutpflege. Die charakteristische „Klettverschluss“-Eiablage erfolgt an Pflanzenblättern, Wurzeln oder Scheiben – ein Höhlenbrüter-Verhalten liegt bei dieser Gattung nicht vor.






Hasemania sp. „Yurimaguas“ (= sp. „Orange“) – Yurimaguas-Kupfersalmler
Dieser zierliche Salmler stammt aus Peru, mutmaßlich aus der Region um Yurimaguas. Jungfische erinnern mit ihrem intensiven Orangeglanz an den bekannten Kupfersalmler (Hasemania nana), doch bislang ist es nicht gelungen, die Tiere einer wissenschaftlich beschriebenen Art zuzuordnen. Auch die exakte Gattungszugehörigkeit bleibt derzeit offen – eine abschließende taxonomische Klärung steht noch aus. Ein markantes Erkennungsmerkmal ist der rote Doppelfleck auf dem Schwanzstiel, der einen zentralen schwarzen Fleck umschließt, während Schulterflecken oder Längsbinden vollständig fehlen.
Importierte Jungtiere messen häufig nur 2 bis 3 Zentimeter, ausgewachsene Exemplare erreichen etwa 3 bis 4 Zentimeter. Damit eignet sich der friedliche Fisch hervorragend für kleinere Becken und bepflanzte Gesellschaftsaquarien. Da die Tiere bei Verunsicherung sofort Schutz in der Gruppe suchen, ist eine Mindestschwarmgröße von 10 Exemplaren dringend zu empfehlen. Weibchen lassen sich durch ihren etwas fülligeren Körperbau und eine dezentere Farbgebung von den Männchen unterscheiden.
Hinsichtlich der Wasserparameter zeigt sich die Art bei Temperaturen zwischen 22 und 28 °C sehr anpassungsfähig. Gefressen wird jedes handelsübliche, maulgerechte Trocken-, Frost- und Lebendfutter. Eine gedämpfte Beleuchtung oder Schwimmpflanzendecken fördern das Sicherheitsgefühl und bringen die feinen Orange- und Rottöne besonders kontrastreich zur Geltung.
Vermehrung: Wie die meisten Salmlerartigen ist auch dieser Kupfersalmler ein Freilaicher ohne Brutpflege; die Eier werden über feinfiedrigen Pflanzen oder Laichmopps verstreut und nicht bewacht.






Pethia setnai – Setnas Purpurkopfbarbe
Die aus den Western Ghats in Indien stammende Pethia setnai ist in westwärts fließenden Flüssen der Bundesstaaten Goa, Karnataka und Maharashtra beheimatet und stellt das Festland-Pendant zu den auf Sri Lanka endemischen Purpurkopfbarben (Pethia nigrofasciatus und P. bandula) dar. Im Handel ist diese Art nur sehr selten anzutreffen. Vollständig eingewöhnte Männchen entwickeln bei passenden Haltungsbedingungen einen außergewöhnlichen, veilchenblauen Körperschimmer, der unter den Barbenarten eine echte Seltenheit darstellt.
Die Fische erreichen eine Gesamtlänge von etwa 6 Zentimetern und zeichnen sich durch ein lebhaftes, friedfertiges Schwarmverhalten aus. Für ihr Wohlbefinden benötigen sie gut strukturierte Aquarien mit freiem Schwimmraum und sauerstoffreichem Wasser bei 22 bis 28 °C. Eine Haltung im Verband ab sechs bis acht Tieren mindert innerartlichen Stress und stimuliert das natürliche Imponierverhalten der Männchen.
Die Ernährung der unkomplizierten Allesfresser lässt sich mit hochwertigem Flocken- und Granulatfutter sowie regelmäßigen Gaben von schwarzen und weißen Mückenlarven, Artemia oder Daphnien abwechslungsreich gestalten. Bei guter Wasserhygiene und regelmäßigen Teilwasserwechseln erweist sich Pethia setnai als ausdauernder und robuster Pflegling im Zierfischbecken.
Vermehrung: Als typischer Cypriniden-Vertreter ist Pethia setnai ein Freilaicher ohne Brutpflege; die Eier fallen zwischen feinfiedrigen Pflanzen zu Boden, wo sie vor den Elterntieren geschützt werden sollten.






Pseudomugil gertrudae „Aru II“ – Gertruds Blauauge „Aru II“ (EUNZ)
Das zierliche Blauauge Pseudomugil gertrudae ist im nördlichen Australien sowie im südlichen Papua-Neuguinea heimisch. Die hier vorgestellte Standortvariante „Aru II“ stammt von den rund 150 Kilometer südlich vor Neuguinea gelegenen Aru-Inseln – dort wurde die Art auch erstmals wissenschaftlich gesammelt und beschrieben – und zeichnet sich durch einen besonders hohen Gelbanteil im Schuppenkleid und den Flossen aus. Bei den angebotenen Tieren handelt es sich um europäische Nachzuchten mit einer für die Art typischen Endgröße von etwa 3 Zentimetern.
Die Art begeistert durch das Balzverhalten der Männchen, die ihre markant geformten und gemusterten Flossen fächerartig aufstellen, um die Aufmerksamkeit der schlichter gefärbten Weibchen zu gewinnen. Für eine erfolgreiche Pflege empfiehlt sich die Haltung in einer Gruppe mit leichtem Weibchenüberschuss in dicht bepflanzten Aquarien mit ruhigen Wasserzonen und sanfter Strömung, bei Temperaturen zwischen 22 und 26 °C.
Aufgrund ihres kleinen Maules sind diese Minifische auf feines Lebend- und Frostfutter wie Artemia-Nauplien, Cyclops, Moina oder feinstes Staubfutter angewiesen. Für die Vergesellschaftung eignen sich ausschließlich andere friedliche, ruhige Kleinfischarten oder Zwerggarnelen, da die zarten Blauaugen von lebhaften oder dominanten Fischen bei der Futteraufnahme schnell verdrängt werden.
Vermehrung: Blauaugen sind Dauerlaicher: Über mehrere Tage bis Wochen werden einzelne Eier mit feinen Klebefäden an feinfiedrigen Pflanzen abgelegt. Eine Brutpflege findet nicht statt, die Elterntiere sollten von den Eiern und Larven getrennt gehalten werden.






