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Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 554: Südamerikanische Salmler-Vielfalt und majestätische Segelflosser

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 554: Südamerikanische Salmler-Vielfalt und majestätische Segelflosser

Spannende Wildfänge und farbenprächtige Zuchtformen aus Südamerika bereichern in dieser Ausgabe die Aquaristik.

Die Welt der Aquaristik ist ständig in Bewegung und bietet regelmäßig neue Überraschungen für ambitionierte Zierfischhalter. In unserer neuesten Ausgabe werfen wir einen detaillierten Blick auf faszinierende Neuimporte und besondere Zuchtformen, die das Herz jedes Aquarianers höherschlagen lassen. Südamerika zeigt sich dabei einmal mehr als schier unerschöpfliche Quelle für außergewöhnliche Aquarienbewohner – von charakterstarken, bodenorientierten Arten bis hin zu eleganten Schwarmfischen und majestätischen Buntbarschen. Bei der Pflege solcher Raritäten ist es besonders wichtig, die individuellen Ansprüche an Wasserwerte, Ernährung und Beckeneinrichtung genau zu kennen. Während einige Neuankömmlinge überraschend anpassungsfähig sind und sich problemlos in Gesellschaftsaquarien integrieren lassen, erfordern andere ein wachsames Auge bei der Vergesellschaftung, ausreichend Schwimmraum oder weisen ganz spezielle Vorlieben bei der Nahrungsaufnahme auf. Erfahre hier, welche spannenden Pfleglinge aktuell für neue Impulse im heimischen Aquarium sorgen können.

Pterophyllum Albino Rotrücken

Melanocharacidium dispilomma – Peruanischer Bodensalmler (WF)

Die Gattung Melanocharacidium umfasst aktuell neun beschriebene Arten südamerikanischer Bodensalmler. Von den drei aus Peru bekannten Arten (M. dispilomma, M. pectorale, M. rex) lassen sich unsere aktuellen Wildfänge am ehesten M. dispilomma zuordnen, einer Art mit sehr weiter Verbreitung von Bolivien über Brasilien, Kolumbien, Peru und Venezuela bis nach Guyana und Suriname. Die Tiere erreichen eine überschaubare Endlänge von rund fünf Zentimetern und bestechen weniger durch grelle Farben als durch ihr drolliges, interaktives Verhalten.

In der Haltung zeigen sich diese Fische als äußerst unterhaltsam. Untereinander necken sie sich spielerisch, ohne dass es zu Flossenbissigkeiten oder dauerhaftem Mobbing kommt, und gegenüber artfremden Fischen im Gesellschaftsaquarium verhalten sie sich in der Regel friedlich und zurückhaltend. Wichtig ist eine Beckengestaltung mit Deckung von oben: überwölbende Wurzeln, höhlenartige Strukturen oder schattenspendende Pflanzen werden bevorzugt als Ruheplätze aufgesucht.

An die Ernährung stellen die kleinen Salmler keine komplizierten Ansprüche. Sie nehmen handelsübliches Zierfischfutter in passender Größe bereitwillig an und erweisen sich damit als pflegeleichte Mitbewohner für gut strukturierte Aquarien.

Hemigrammus sp. aff. hyanuary – Kolumbianischer Costello-Salmler (WF)

Aus Kolumbien stammen diese Schwarmfische, die auf den ersten Blick stark an den bekannten Neon Costello (Hemigrammus hyanuary) erinnern. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist die Augenfarbe: Während der echte H. hyanuary eine grün schillernde Iris besitzt, leuchtet der Augenrand um die Pupille bei unserem Neuimport intensiv rot. Im erwachsenen, gut eingewöhnten Zustand weisen diese Fische zudem eine optische Nähe zum Schwarzen Neon (Hyphessobrycon herbertaxelrodi) oder zum Meta-Salmler (Hyphessobrycon metae) auf.

Mit einer Maximalgröße von etwa vier Zentimetern bleibt dieser Salmler klein und eignet sich hervorragend als friedlicher Schwarmfisch für das Gesellschaftsaquarium. An Wasserwerte (pH und Härte) werden zur reinen Pflege keine besonderen Ansprüche gestellt, normales Leitungswasser reicht meist aus; für Zuchtabsichten sollte das Wasser weich und leicht sauer eingestellt werden. Die Wohlfühltemperatur liegt zwischen 23 und 26 °C, zur Zucht etwas höher.

Als Allesfresser lassen sich diese Salmler problemlos mit hochwertigem Trocken-, Frost- und Lebendfutter ernähren und stellen auch für Einsteiger eine attraktive Bereicherung dar.

Abramites hypselonotus – Brachsensalmler (WF)

Der Brachsensalmler (Abramites hypselonotus) ist einer der ungewöhnlichsten Vertreter aus der Verwandtschaft der Kopfsteher. Mit einer Endgröße von meist 12 bis 14 cm, unter optimalen Bedingungen bis etwa 18 cm, und dem charakteristischen hohen Rücken ist er im Aquarium ein echter Blickfang. Die Art ist im Orinoco-, Amazonas-, Araguaia- sowie im Paraguay- und oberen Paraná-Einzugsgebiet Südamerikas verbreitet. Das auffällige Streifenmuster, das direkt hinter dem Kopf beginnt, ist bei aktuellen peruanischen Wildfängen so individuell, dass jedes Tier an seiner spezifischen Zeichnung erkennbar ist.

Eine besondere Herausforderung bei der Pflege stellt das Sozialverhalten in Kombination mit der zu erwartenden Größe dar. Brachsensalmler sind ausgesprochen soziale Tiere, die ständig miteinander interagieren; werden sie in zu kleinen Gruppen oder zu engen Aquarien gehalten, kann dieses Verhalten in lästiges Treiben umschlagen. Ein geräumiges Aquarium ab etwa 120 cm Kantenlänge mit ausreichend großer Gruppe ist empfehlenswert, um den Tieren ein stressfreies Leben zu ermöglichen.

Bei der Ernährung sind diese Fische vorwiegend Pflanzenfresser, nehmen in der Natur aber auch Kleinlebewesen und Detritus auf. Feinfiedrige oder zarte Aquarienpflanzen haben in ihrem Becken meist keine lange Überlebensdauer; das Aquarium sollte daher mit robusten Pflanzen, Holz und Steinen strukturiert und der pflanzliche Nahrungsbedarf gezielt durch Grünfutter (z. B. überbrühtes Gemüse oder spezielles Pflanzenfressersubstrat) gedeckt werden.

Pterophyllum scalare „Albino Rotrücken“ – Skalar Albino Rotrücken (NZ)

Die aktuell verfügbaren Skalare in der Zuchtform „Albino Rotrücken“ repräsentieren einen faszinierenden Meilenstein der Aquarienzucht. Genetisch handelt es sich vermutlich um Tiere, die Merkmale des scalare-Typs (speziell des beliebten Manacapuru-Rotrückens) mit denen des eimekei-Typs, der Grundlage fast aller gängigen Skalar-Zuchtformen, vereinen. Das Ergebnis ist ein Fisch, der in seiner Körperform intermediär zwischen dem spitzköpfigen Jungfisch-Habitus des scalare-Typs und der gedrungeneren, eiförmigen Stirnpartie des eimekei-Typs im Alter steht.

Das optische Highlight dieser Zuchtform ist die leuchtend rote Rückenpartie, die sich attraktiv mit den hellen Albino-Merkmalen verbindet. Ob man Zuchtformen mag oder nicht, bleibt Geschmackssache, doch aus ästhetischer Sicht sind diese Tiere ein eleganter Blickfang für großzügige Aquarien.

Wie bei allen Segelflossern ergeben sich die primären Haltungsherausforderungen aus der Beckendimension. Eine Aquarienhöhe von mindestens 50 bis 60 Zentimetern wird empfohlen, damit die Tiere ihre markanten Flossen voll ausbilden können. Auch das typische revierbildende Verhalten von Buntbarschen sollte bei Vergesellschaftung und Beckenstrukturierung durch Sichtbarrieren berücksichtigt werden. Gefressen wird gängiges, kräftiges Zierfischfutter.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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