Interaktives Schaubild
Der Stickstoffkreislauf im Aquarium
Fische, Bakterien und Pflanzen reichen den Stickstoff in deinem Aquarium weiter wie einen Staffelstab. Tippe auf die Stationen im Bild und sieh zu, wie aus Futter erst Ammonium, dann Nitrit und schließlich Nitrat wird.
Zeitraffer: Messwerte im Bild
Station 1: Alles beginnt beim Futter
Futter enthält Eiweiß, und Eiweiß enthält Stickstoff (N). Fische verdauen das Futter und nutzen den Stickstoff zum Wachsen. Was sie nicht brauchen, können sie nur bis zu Ammonium abbauen. Sie geben es über die Kiemen und mit dem Kot ans Wasser ab.
Dazu kommen Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile und tote Tiere. Auch daraus wird später Ammonium.
Für dein Aquarium: Füttere nur so viel, wie deine Fische in wenigen Minuten fressen. Jede Flocke, die liegen bleibt, wird zu Ammonium.
Gut zu wissen: Den größten Teil ihres Ammoniums scheiden Fische direkt über die Kiemen aus, nicht mit dem Kot.
Station 2: Aus Abfall wird Ammonium (NH4+)
Bakterien und Pilze im Bodengrund zersetzen Kot, Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile. Dabei wird der Stickstoff als Ammonium (NH4+) frei. In der Natur nehmen Pflanzen und Algen fast alles davon direkt auf. Im Aquarium leben aber viel mehr Tiere auf engem Raum, deshalb entsteht mehr Ammonium, als die Pflanzen verbrauchen.
Ammonium selbst ist nur mäßig problematisch. Je nach pH-Wert geht ein Teil davon aber in das hochgiftige Ammoniak (NH3) über: je höher der pH-Wert, desto mehr Ammoniak.
Für dein Aquarium: Miss Ammonium vor allem in neu eingerichteten Aquarien und wenn dein Wasser einen hohen pH-Wert hat.
Gut zu wissen: Bei pH 7 liegt bei 25 °C nur etwa ein halbes Prozent als Ammoniak vor, bei pH 8,5 schon rund 15 Prozent.
Station 3: Nitrosomonas macht aus Ammonium Nitrit (NO2−)
Im Filter leben Bakterien, die sich von Ammonium ernähren. Die Gattung Nitrosomonas oxidiert es mit Sauerstoff zu Nitrit (NO2−). Das ist der erste Schritt der Nitrifikation.
Nitrit ist für Fische besonders gefährlich: Ab 0,5 mg/l wird es kritisch, ab 2,0 mg/l wirkt es tödlich. Das sind Richtwerte, empfindliche Arten reagieren schon früher.
Steigen Ammonium oder Nitrit, kommen die Bakterien nicht hinterher: weil das Aquarium noch jung ist, weil Medikamente sie geschädigt haben oder weil zu viel Futter ins Wasser kommt.
Für dein Aquarium: Die Bakterien sitzen als dünner Belag auf Filtermaterial, Bodengrund und Dekoration. Je größer die Oberfläche, desto mehr finden Platz. Spüle Filtermaterial nur in Aquarienwasser aus, nie heiß unter dem Wasserhahn.
Gut zu wissen: In vielen Süßwasserfiltern erledigen diesen Schritt neben Bakterien wie Nitrosomonas auch Archaeen, eine eigene Gruppe von Einzellern.
Station 4: Nitrobacter macht aus Nitrit Nitrat (NO3−)
Eine zweite Gruppe von Bakterien übernimmt das Nitrit. Nitrobacter oxidiert es zu Nitrat (NO3−). Beide Schritte zusammen heißen Nitrifikation, und beide brauchen Sauerstoff.
Damit die Bakterien gut arbeiten, soll das Wasser den Filter gleichmäßig und nicht zu schnell durchströmen.
Für dein Aquarium: Schalte den Filter nicht für längere Zeit ab. Ohne Strömung fehlt den Bakterien der Sauerstoff, und sie beginnen abzusterben.
Gut zu wissen: In vielen Süßwasseraquarien erledigen diesen Schritt vor allem Bakterien der Gattung Nitrospira. In den meisten Büchern steht trotzdem Nitrobacter.
Station 5: Pflanzen und Algen nehmen Nitrat auf
Nitrat ist für Fische nicht direkt giftig. Für Pflanzen ist es Dünger: Sie nehmen Nitrat und auch Ammonium auf und bauen daraus neues Eiweiß. Damit schließt sich der Kreislauf.
Im Aquarium entsteht aber meist mehr Nitrat, als die Pflanzen verbrauchen. Ab etwa 50 mg/l Nitrat wachsen Algen stark.
Für dein Aquarium: Viele schnell wachsende Pflanzen bremsen das Nitrat und lassen den Algen weniger Futter.
Gut zu wissen: Wo im Bodengrund kaum Sauerstoff hinkommt, bauen andere Bakterien Nitrat zu Stickstoffgas ab. Das heißt Denitrifikation. Mehr zur biologischen Filterung
Station 6: Der Teilwasserwechsel holt den Rest heraus
Was die Pflanzen nicht aufnehmen, sammelt sich als Nitrat im Wasser. Zuverlässig entfernen lässt sich der Überschuss nur, indem du regelmäßig einen Teil des Wassers gegen frisches tauschst.
Für dein Aquarium: Wechsle regelmäßig einen Teil des Wassers, zum Beispiel jede Woche ein Viertel bis ein Drittel. Das frische Wasser sollte die gleiche Temperatur haben.
Gut zu wissen: Auch Leitungswasser kann Nitrat enthalten. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt in Deutschland bei 50 mg/l, ein Blick auf die Werte deines Wasserversorgers lohnt sich.
Die Einlaufphase: Wann sind die Bakterien da?
In einem neu eingerichteten Aquarium gibt es die Filterbakterien noch nicht. Sie müssen sich erst vermehren, und das dauert. Du kannst die Einlaufphase mit Mulm aus einem eingefahrenen Aquarium oder mit Bakterienpräparaten aus dem Fachhandel unterstützen.
- Der Start Futter oder ein Bakterienstarter liefern das erste Ammonium. Bakterien gibt es noch kaum.
- Ammonium steigt Nitrosomonas vermehrt sich langsam und beginnt, Ammonium zu Nitrit umzubauen.
- Die Nitrit-Spitze Ammonium sinkt, Nitrit steigt stark an. In dieser Zeit ist das Wasser für Fische am gefährlichsten.
- Nitrobacter holt auf Die zweite Bakteriengruppe ist da. Nitrit sinkt, Nitrat steigt.
- Eingefahren Ammonium und Nitrit liegen nahe null. Du kannst nach und nach die ersten Fische einsetzen.
Wie lange die Einlaufphase dauert, hängt von Temperatur, Futter und Bakterienstartern ab, meist sind es einige Wochen. Miss deshalb Ammonium und Nitrit, statt nach dem Kalender zu gehen.
Schaubild: my-fish.org, Inhalt nach einer Grafik des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) e. V.
Die Wasserzusammensetzung in deinem Aquarium ist ein weiterer wichtiger Faktor für gesunde Fische, Pflanzen und Wirbellose. Schließlich stehen sie mit ihrem ganzen Körper permanent in Kontakt mit den Stoffen, die im Wasser gelöst sind. Schon kleine Abweichungen können bei deinen Schützlingen unnötigen Stress oder gar Krankheiten auslösen. Deshalb solltest du die wichtigsten Wasserwerte kennen, regelmäßig messen und bei Bedarf anpassen. Im Fachhandel findest du leicht zu bedienende Test-Sets, mit denen sich die Wasserchemie zuverlässig bestimmen lässt.
Härte: GH und KH verstehen
Unter Härte versteht man die Menge der im Wasser gelösten Calcium- und Magnesiumverbindungen. Sie wird in zwei Formen unterschieden:
- Gesamthärte (GH): Sie beschreibt die Summe aller Calcium- und Magnesiumionen im Wasser.
- Karbonathärte (KH): Sie bezeichnet den Anteil dieser Ionen, die in Verbindung mit Kohlensäure (als Karbonate) vorkommen.
In den meisten Fällen liegt die KH etwas niedriger als die GH. Beide Werte haben direkten Einfluss auf die Wasserqualität und sind entscheidend für die Lebensbedingungen der Fische und Pflanzen in deinem Becken.
Zusammengefasst ist die Härte folgendermaßen definiert:
| unter 7°: | weiches Wasser |
| 7-14°: | mittelhartes Wasser |
| 14-21°: | hartes Wasser |
| über 21°: | sehr hartes Wasser |
Unser Tipp: Viele Aquarien werden mit Leitungswasser betrieben. Je nachdem, durch welche Gesteinsschichten das Wasser in deiner Region geflossen ist, kann es härter oder weicher sein. Deshalb lohnt sich ein Blick auf deine lokalen Wasserwerte. Die Härte beeinflusst auch die Osmose im Körper der Tiere – also den Austausch von Wasser und gelösten Stoffen durch Zellwände. Fische und Wirbellose haben sich an bestimmte Härtebereiche angepasst, daher solltest du dich immer am natürlichen Lebensraum deiner Pfleglinge orientieren.
Leitwert: Wie salzig ist dein Wasser?
Ein weiterer wichtiger Parameter ist der Leitwert. Er gibt an, wie viele gelöste Salze sich im Wasser befinden – und damit, wie gut es Strom leitet. Gemessen wird in µS/cm (Mikrosiemens pro Zentimeter). Grundsätzlich gilt: je höher der Salzgehalt, desto höher der Leitwert. Neben Calcium- und Magnesiumsalzen können auch Nitrat, Phosphat oder zugesetztes Kochsalz den Wert beeinflussen.
Zur Orientierung ein paar typische Beispiele:
- Destilliertes Wasser: ca. 1 µS/cm
- Osmosewasser: 10 bis 30 µS/cm
- Regenwasser (ländlich): ca. 30 µS/cm
- Leitungswasser in Deutschland: meist 100 bis 1000 µS/cm
- Meerwasser: ca. 42.000 µS/cm
Extra-Tipp: Ein Aquarien-Leitwertmessgerät (Konduktometer) ist ein praktisches Werkzeug, um sich selbst ganz einfach ein Bild zu machen.
Warum die Wasserzusammensetzung im Aquarium so wichtig ist
Die richtige Wasserzusammensetzung im Aquarium sorgt dafür, dass deine Fische gesund bleiben, Pflanzen kräftig wachsen und sich Wirbellose wohlfühlen. Abweichungen von den optimalen Werten können unnötig Stress verursachen und Krankheiten begünstigen. Sehr wichtig: Prüfe regelmäßig Härte, Leitwert und pH-Wert – und passe die Bedingungen an die Bedürfnisse deiner Tiere an. Mit etwas Routine wird das schnell zum selbstverständlichen Teil deines Alltags, fast wie Zähneputzen.
Der pH-Wert einfach erklärt
Der pH-Wert zeigt an, ob Wasser sauer, neutral oder basisch (alkalisch) ist. Die Skala reicht dabei von 0 (sehr sauer) bis 14 (sehr basisch). Der Neutralpunkt liegt bei 7. Wichtig zu wissen: Schon kleine Veränderungen haben eine große Wirkung. Eine pH-Verschiebung um nur eine Stufe bedeutet eine Verzehnfachung der Konzentration der verantwortlichen Ionen. Zwei Stufen entsprechen bereits dem Hundertfachen, drei Stufen sogar dem Tausendfachen.
Welche Ionen bestimmen den pH-Wert?
Der pH-Wert hängt direkt vom Verhältnis zweier Teilchen im Wasser ab:
- Wasserstoff-Ionen (H⁺) → machen das Wasser sauer.
- Hydroxid-Ionen (OH⁻) → machen das Wasser basisch.
Je mehr H⁺-Ionen im Wasser sind, desto niedriger ist der pH-Wert – das Wasser ist sauer.
Gibt es dagegen mehr OH⁻-Ionen, steigt der pH-Wert an – das Wasser wird basisch.
| Gut zu wissen: Der Name „Sauerstoff“ beruht auf einer alten Fehlannahme. Sauerstoff ist eigentlich basisch und nicht sauer. |
Hydroxidionen (OH⁻) entstehen, wenn einem Wassermolekül (H₂O) ein Wasserstoffatom fehlt. Merke: Der pH-Wert ist ein direkter Hinweis darauf, wie viel „überschüssiger“ Wasserstoff oder Hydroxid im Wasser vorhanden ist. Damit der pH-Wert im Aquarium stabil bleibt, solltest du regelmäßig messen und auf die Bedürfnisse deiner Fische und Pflanzen achten.

Die meisten Süßwasserfische und Aquarienpflanzen fühlen sich in einem Bereich von pH 6 bis 8 wohl. Innerhalb dieser Spanne sind sie anpassungsfähig und können gesund leben.
Es gibt jedoch Ausnahmen:
- Einige Spezialisten bevorzugen extremere Werte um pH 5 (stark sauer) oder pH 9 (sehr basisch).
- Meerwasserfische benötigen einen stabilen pH-Wert zwischen 8,2 und 8,4, da schon kleine Abweichungen Stress auslösen können.
Herkunft bestimmt die Ansprüche
Nicht alle Arten haben die gleichen Bedürfnisse. Je nach Herkunft unterscheiden sich die bevorzugten Wasserwerte deutlich:
- Amazonasfische wie Skalare oder Neonfische kommen oft aus weichen, sauren Gewässern und mögen pH-Werte unter 7.
- Fische aus afrikanischen Seen wie Malawi- oder Tanganjikasee bevorzugen eher neutral bis leicht basisch.
Auch Pflanzen haben ähnliche Vorlieben: Manche gedeihen besser in weichem, leicht saurem Wasser, andere bevorzugen härteres, basisches Wasser.
Wodurch wird der pH-Wert im Aquarium beeinflusst?
In natürlichen Gewässern – und damit auch im Aquarium – wird der pH-Wert hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Karbonathärte (KH) und CO₂-Gehalt bestimmt.
Diese beiden Faktoren bilden eine Art „Puffer-System“:
- Hohe KH sorgt für stabile pH-Werte, die sich nur schwer verändern lassen.
- Viel CO₂ senkt den pH-Wert.
Stickstoffverbindungen im Aquarium
Stickstoff (N) ist ein lebenswichtiges Element, da er Bestandteil von Proteinen ist. Beim Abbau dieser Proteine entsteht im Aquarium Ammonium (NH₄⁺). Hauptquelle dafür sind die Verdauungsprozesse von Fischen und anderen Wassertieren. Sie können Proteine nur bis zu Ammonium abbauen und geben dieses anschließend über ihre Ausscheidungen ans Wasser ab. In der Natur wird Ammonium fast vollständig von Pflanzen und Algen aufgenommen und dort als Nährstoff weiterverwendet. Ein kleiner Teil wird durch Bakterien unter Sauerstoffverbrauch zu Nitrat (NO₃⁻) umgewandelt, das wiederum Pflanzen als Nährstoff dient. Dieser Stickstoffkreislauf sorgt dafür, dass sich keine giftigen Zwischenprodukte anreichern. Im Aquarium läuft dieser Prozess jedoch nicht so reibungslos, weil die Besatzdichte viel höher ist als in natürlichen Gewässern. Dadurch entsteht mehr Ammonium, als die Pflanzen aufnehmen können. Hier übernehmen nitrifizierende Bakterien im Filter die Hauptarbeit.
Wie Ammonium zu Nitrit und Nitrat wird
Die Umwandlung geschieht in zwei Schritten:
- Nitrosomonas-Bakterien oxidieren Ammonium zu Nitrit (NO₂⁻).
- Nitrobacter-Bakterien wandeln Nitrit weiter zu Nitrat (NO₃⁻).

Während Ammonium selbst nur mäßig problematisch ist, kann es je nach pH-Wert in das hochgiftige Ammoniak (NH₃) übergehen. Generell gilt: Je höher der pH-Wert, desto größer der Anteil an giftigem Ammoniak.
Nitrit ist besonders gefährlich:
- Ab 0,5 mg/l wird es kritisch für Fische.
- Ab 2,0 mg/l wirkt es tödlich.
Die Einlaufphase und Bakterienkulturen
Damit das Aquarium stabil läuft, müssen sich die notwendigen Bakterienkulturen erst entwickeln. Diese Phase nennt man Einlaufphase. Du kannst sie auf verschiedene Arten unterstützen:
- durch die Zugabe von Mulm aus einem eingefahrenen Aquarium,
- oder mit speziellen Bakterienpräparaten aus dem Handel.
Erhöhte Ammonium- oder Nitritwerte zeigen immer, dass die Bakterienpopulation gestört ist – sei es durch Vergiftung (z. B. Medikamente) oder durch ein zu junges Aquarium.
Nitrat – weniger gefährlich, aber problematisch
Im Gegensatz zu Ammonium und Nitrit ist Nitrat für Fische nicht direkt giftig. Trotzdem solltest du den Wert niedrig halten, da ab etwa 50 mg/l das Algenwachstum stark gefördert wird.
Filterleistung und Wasserwechsel
Ein guter Filter ist der Schlüssel zu einem stabilen Stickstoffkreislauf. Dabei gilt:
- Je größer die Oberfläche des Filtermaterials, desto mehr Bakterien können sich ansiedeln.
- Das Wasser sollte den Filter gleichmäßig und nicht zu schnell durchströmen, damit die Bakterien optimal arbeiten können.
Überschüssige Stickstoffverbindungen entfernst du zuverlässig nur über regelmäßige Teilwasserwechsel.
Phosphor- und Siliciumverbindungen
Phosphat im Aquarium
Phosphor (Phosphat, PO₄³⁻) ist ein wichtiger Nährstoff und erfüllt zahlreiche Aufgaben im Stoffwechsel:
- Energieübertragung in Zellen,
- Knochenaufbau bei Fischen,
- Pflanzenernährung.
In der Natur sind Phosphatwerte extrem niedrig (0,001–0,01 mg/l). Im Aquarium kommt es jedoch leicht zu einer Phosphatflut, z. B. durch:
- Überfütterung,
- unsachgemäß aufgetautes Frostfutter,
- phosphathaltige Produkte.
Ein Überangebot nützt Pflanzen wenig, aber Algen profitieren massiv davon. Das Redfield-Verhältnis gibt das ideale Verhältnis von Stickstoff zu Phosphor an:
- 16:1 im Original,
- auf Nitrat und Phosphat umgerechnet etwa 23:1.
Hältst du dich an dieses Verhältnis, beugst du übermäßigem Algenwachstum vor.
Silikat im Aquarium
Silikat (SiO₂) stammt aus der Verwitterung von Gesteinen und gelangt ins Grund- und Leitungswasser. Je nach Region können Gehalte von bis zu 40 mg/l vorkommen.
Im Aquarium ist Silikat besonders für Kieselalgen (Diatomeen) wichtig. Sie bilden nach Neueinrichtungen oft braune Beläge auf Pflanzen und Deko. Diese verschwinden normalerweise von selbst, sobald das Aquarium eingefahren ist und sich Konkurrenzalgen durchsetzen.
Schwermetalle im Aquarium
Schwermetalle im Wasser können schon in kleinsten Mengen giftig wirken. Zwar ist das Risiko durch Leitungswasser in Europa dank strenger Vorschriften gering, doch es gibt Gefahrenquellen:
- Kupferrohre oder Warmwasserboiler können Kupfer ins Wasser abgeben.
- Bleibänder an Pflanzen gehören nicht ins Aquarium.
Mit der Zeit bilden sich Schutzschichten (z. B. Kalk in Rohren), die Schwermetalle binden. Doch durch Änderungen der Wasserchemie (pH-Wert, CO₂-Anlage) können sie sich plötzlich lösen und eine akute Vergiftung verursachen.
Das Zusammenspiel von pH, KH und CO₂
Damit Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen im Aquarium gesund bleiben, spielen drei Werte eine wichtige Rolle: der pH-Wert, die Karbonathärte (KH) und das Kohlendioxid (CO₂). Diese Werte hängen eng zusammen – wenn sich einer verändert, passen sich die anderen automatisch an.
Interaktives Schaubild
KH, CO₂ und pH zum Ausprobieren
Zwei Werte stellst du ein, der dritte ergibt sich. Dreh an Karbonathärte und CO₂ und sieh zu, wo der pH-Wert landet und was das für Pflanzen und Fische bedeutet.
Situation 1: Aquarium ohne CO₂-Anlage
Auch ohne Anlage ist CO₂ im Wasser. Fische atmen es aus, Bakterien setzen es beim Abbau von Futterresten und Mulm frei, und ein wenig löst sich aus der Luft. An der Wasseroberfläche gast es gleichzeitig wieder aus. Meist pendelt sich der Gehalt bei wenigen Milligramm pro Liter ein.
Bei 8 °dKH und 3 mg/l CO₂ liegt der pH-Wert knapp unter 8. Für schnell wachsende Pflanzen ist das wenig Kohlenstoff.
Für dein Aquarium: Robuste Pflanzen wie Javafarn, Anubias oder Cryptocorynen kommen ohne CO₂-Anlage gut zurecht.
Gut zu wissen: Starke Bewegung an der Wasseroberfläche, etwa durch einen Ausströmer, treibt CO₂ aus dem Wasser. Der pH-Wert steigt dann leicht.
Situation 2: Die CO₂-Anlage läuft
Eine CO₂-Anlage löst Kohlendioxid aus einer Druckflasche im Wasser. Ein Teil davon bildet mit dem Wasser Kohlensäure, deshalb sinkt der pH-Wert, je mehr CO₂ im Wasser ist. Die Karbonathärte bleibt dabei gleich.
Bei 8 °dKH und 20 mg/l CO₂ liegt der pH-Wert bei etwa 7,1. Die Pflanzen haben jetzt reichlich Kohlenstoff. Unter guter Beleuchtung steigen von den Blättern kleine Sauerstoffperlen auf.
Für dein Aquarium: Leg fest, wie viel CO₂ du willst: wenig sind 3 bis 5 mg/l, mittel 6 bis 14 mg/l, hoch 15 bis 30 mg/l. Nachts nehmen die Pflanzen kein CO₂ auf, deshalb schalten viele die Anlage mit dem Licht ab.
Gut zu wissen: Den CO₂-Gehalt misst du nicht direkt. Du misst KH und pH und liest ihn in der Tabelle ab. Als Faustformel gilt: CO₂ in mg/l ≈ 3,3 × KH × 10(7 − pH).
Situation 3: Zu viel CO₂
Fische geben über die Kiemen CO₂ ab. Ist schon sehr viel CO₂ im Wasser, gelingt das schlechter, und auch der Sauerstoff wird im Blut schlechter gebunden. Die Fische stehen dann unter der Oberfläche, atmen schnell und schwimmen träge.
Ab etwa 30 mg/l wird es für viele Fische eng. Bei 8 °dKH und 42 mg/l CO₂ liegt der pH-Wert unter 6,9.
Für dein Aquarium: Schnappen deine Fische an der Oberfläche nach Luft, dreh die CO₂-Zufuhr sofort herunter und bring Bewegung an die Oberfläche, zum Beispiel mit einem Ausströmer. Dann gast das CO₂ schneller aus.
Gut zu wissen: Ein Magnetventil an einer Zeitschaltuhr stellt die Anlage nachts ab. Das schützt auch dann, wenn sich die Zufuhr unbemerkt verstellt hat.
Situation 4: Hartes Wasser mit hoher KH
Je höher die Karbonathärte, desto mehr Hydrogencarbonat (HCO3−) puffert das Wasser. Das hält den pH-Wert stabil, macht es aber schwer, ihn mit CO₂ zu senken.
Bei 16 °dKH bleibt der pH-Wert mit 20 mg/l CO₂ noch über 7,4. Für pH 7 wären über 50 mg/l nötig, und das ist für Fische gefährlich.
Für dein Aquarium: Ab etwa 8 °dKH wird es schwer, den pH-Wert mit CO₂ zu senken. Für ein Pflanzenaquarium mit CO₂-Anlage ist eine KH um 4 °dKH günstiger. Senken lässt sie sich mit Wasser aus einer Umkehrosmose-Anlage oder einem Ionenaustauscher, gemischt mit Leitungswasser.
Gut zu wissen: Die Karbonathärte steht oft in der Wasseranalyse deines Versorgers, meist als Hydrogencarbonat in mg/l. 1 °dKH entspricht etwa 21,8 mg/l Hydrogencarbonat.
Situation 5: Weiches Wasser, wenig Puffer
Im Aquarium entstehen ständig Säuren, zum Beispiel wenn Bakterien Ammonium zu Nitrat umbauen. Das Hydrogencarbonat der KH fängt sie ab und wird dabei Stück für Stück verbraucht.
Ist die KH fast aufgebraucht, fehlt der Puffer. Dann reicht wenig Säure, und der pH-Wert stürzt ab. Probier es aus und gib Säure dazu.
Für dein Aquarium: Regelmäßige Teilwasserwechsel bringen frisches Hydrogencarbonat ins Aquarium. In sehr weichem Wasser solltest du die KH öfter messen, vor allem bei vielen Fischen.
Gut zu wissen: Torf und Laub geben Huminsäuren ab. Sie färben das Wasser bräunlich und verbrauchen ebenfalls KH.
Situation 6: Biogene Entkalkung
Fehlt CO₂, holen sich manche Pflanzen den Kohlenstoff aus dem Hydrogencarbonat. Dabei geben sie Hydroxid-Ionen (OH−) ab. Der pH-Wert steigt, oft bis um 9, und die KH sinkt.
Auf den Blättern fällt Kalk als weißer, rauer Belag aus. Wird die KH zu niedrig, fehlt der Puffer, und der pH-Wert kann später gefährlich abstürzen.
Für dein Aquarium: Kalkkrusten auf den Blättern sind ein Warnsignal. Miss KH und pH. Ein Teilwasserwechsel bringt neues Hydrogencarbonat, eine CO₂-Anlage beugt vor.
Gut zu wissen: Besonders kräftig entkalken Wasserpest, Hornkraut und Vallisnerien.
CO₂ ablesen: KH und pH messen
KH, pH und CO₂ stehen in einem festen Verhältnis. Kennst du zwei der Werte, ergibt sich der dritte. So findest du heraus, wie viel CO₂ in deinem Aquarium ist:
- Miss die Karbonathärte, zum Beispiel mit einem Tropftest.
- Miss den pH-Wert.
- Lies im Feld, wo sich KH-Spalte und pH-Zeile kreuzen, den CO₂-Gehalt in mg/l ab.
Gut zu wissen: Die Tabelle stimmt nur, wenn Hydrogencarbonat der einzige Puffer im Wasser ist. Torf, Huminstoffe oder pH-Senker verfälschen sie. Dann zeigt sie mehr CO₂ an, als wirklich im Wasser ist.
Schaubild: my-fish.org. Werte nach der Tabelle auf dieser Seite; die Rechnung gilt für Wasser, in dem Hydrogencarbonat der einzige Puffer ist.
Grundlagen
- Karbonathärte (KH): Sie besteht u. a. aus Calciumhydrogencarbonat (Formel: Ca(HCO₃)₂). Vereinfacht gesagt setzt sie sich aus Kalzium, Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff zusammen.
- pH-Wert: Er zeigt an, ob das Wasser eher sauer (pH unter 7, viele H⁺-Ionen) oder basisch (pH über 7, mehr OH⁻-Ionen) ist.
- CO₂: Kommt aus der Luft ins Wasser, wird von Fischen und beim Abbau organischer Stoffe produziert und ist für Pflanzen lebenswichtig.

KH, pH und CO₂ in Balance halten
Bestimme zuerst die KH (z. B. mit einem Tropf-Test) und überlege, wie viel CO₂ du im Becken haben möchtest:
- wenig: 3–5 mg/l
- mittel: 6–14 mg/l
- hoch: 15–30 mg/l
Beispiel: Hat dein Wasser eine KH von 12 °dKH, sollte der pH-Wert für ein gutes Gleichgewicht zwischen 7,5 und 7,8 liegen. Im Wasser laufen dabei Umwandlungen ab:
- bei niedrigem pH → Karbonate und Bikarbonate werden zu CO₂,
- bei neutralem pH → hauptsächlich Bikarbonate,
- bei hohem pH → mehr Karbonate.
Über den pH-Wert lässt sich also indirekt auch der CO₂-Gehalt steuern.
Typische Szenarien
- Zu wenig CO₂: Pflanzen hungern, weil sie nicht genug Kohlenstoff aufnehmen können.
- Mit CO₂-Anlage: Erhöht sich der CO₂-Gehalt, sinkt der pH-Wert automatisch.
- Hohe KH-Werte: Ab etwa 8 °dKH wird es schwer, den pH mit CO₂ abzusenken. In solchen Fällen ist es besser, die KH auf etwa 4 °dKH zu reduzieren – sonst drohen den Fischen Stress oder gar CO₂-Vergiftung.
Auch mit Säuren lässt sich der pH-Wert senken, das ist aber riskant und sollte nur mit großer Vorsicht erfolgen. KH, pH und CO2 stehen immer in einem festen Verhältnis zueinander, sie diese Tabelle:
dKH
| pH | 2 | 4 | 6 | 8 | 10 | 12 | 14 | 16 | 18 |
| 6.2 | 42 | 83 | 123 | 166 | 207 | 245 | 290 | 331 | 373 |
| 6.3 | 33 | 66 | 97 | 132 | 164 | 195 | 230 | 263 | 297 |
| 6.4 | 27 | 52 | 77 | 105 | 131 | 155 | 183 | 209 | 236 |
| 6.5 | 21 | 42 | 61 | 83 | 104 | 123 | 145 | 166 | 187 |
| 6.6 | 17 | 33 | 49 | 66 | 82 | 98 | 115 | 132 | 149 |
| 6.7 | 13 | 26 | 39 | 52 | 65 | 78 | 92 | 105 | 118 |
| 6.8 | 11 | 21 | 31 | 42 | 52 | 62 | 73 | 83 | 94 |
| 6.9 | 8 | 17 | 24 | 33 | 41 | 49 | 58 | 66 | 74 |
| 7.0 | 7 | 13 | 19 | 26 | 33 | 39 | 46 | 52 | 59 |
| 7.1 | 5 | 10 | 15 | 21 | 26 | 31 | 36 | 42 | 47 |
| 7.2 | 4 | 8 | 12 | 17 | 21 | 24 | 29 | 33 | 37 |
| 7.3 | 3 | 7 | 10 | 13 | 16 | 19 | 23 | 26 | 30 |
| 7.4 | 3 | 5 | 8 | 10 | 13 | 15 | 18 | 21 | 23 |
| 7.5 | 2 | 4 | 6 | 8 | 10 | 12 | 14 | 17 | 19 |
| 7.6 | 2 | 3 | 5 | 7 | 8 | 10 | 11 | 13 | 15 |
| 7.7 | 1 | 3 | 4 | 5 | 7 | 8 | 9 | 10 | 12 |
| 7.8 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
| 7.9 | 1 | 2 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 7 |
| 8.0 | 1 | 1 | 2 | 3 | 3 | 4 | 5 | 5 | 6 |
| 8.1 | 1 | 1 | 1 | 2 | 3 | 3 | 4 | 4 | 5 |
| 8.2 | 0 | 1 | 1 | 2 | 2 | 2 | 3 | 3 | 4 |
Verwendung der Tabelle
- Bestimmen zunächst die Karbonathärte (typischerweise mit Hilfe eines Tropfsets).
- Legen den gewünschten CO2-Pegel fest (gering: 3 – 5 mg CO2/l; medium: 6 – 14 mg CO2/l, viel: 15 – 30 mg CO2/l).
- Wenn dein Wasser z. B. eine Karbonathärte von 12 °dKH hat, muss die CO2-Zufuhr justiert werden, bis der pH-Wert zwischen 7,5 und 7,8 liegt.

Auch mit Säuren lässt sich der pH-Wert senken, das ist aber riskant und sollte nur mit großer Vorsicht erfolgen.
Wasserhärte anpassen
- Härte erhöhen: z. B. durch Filterung über Korallenbruch oder mit Aufhärtern aus dem Handel.
- Härte senken: geht fast nur über Ionenaustauscher oder eine Umkehrosmose-Anlage.
Ionenaustauscher: Harze tauschen bestimmte Ionen aus, wodurch die Härte sinkt. Nach einer gewissen Zeit müssen die Harze regeneriert werden (z. B. mit Salzsäure).
Umkehrosmose: Leitungswasser wird durch eine feine Membran gedrückt. Dabei bleiben Salze zurück, und man erhält weiches Wasser (Permeat). Allerdings geht dabei ein Teil des Wassers als Konzentrat in den Abfluss. Eine Osmoseanlage lohnt sich besonders bei regelmäßigem Wasserbedarf.
Pflanzenwachstum und CO₂
CO₂ ist für Aquarienpflanzen ein wichtiger Nährstoff. Wenn du es dosiert zuführst, wachsen die Pflanzen kräftiger und setzen mehr Sauerstoff (O₂) frei – davon profitieren auch deine Fische.

Biogene Entkalkung
Wenn zu wenig CO₂ vorhanden ist (z. B. bei hohem pH-Wert), fällt Kalk als Belag auf den Pflanzen aus. Manche Pflanzen ziehen sich dann Kohlenstoff direkt aus dem Hydrogenkarbonat. Dabei entsteht aber OH⁻, was den pH-Wert weiter steigen lässt, während die KH sinkt. Wird die KH zu niedrig, fehlt der „Puffer“, der Schwankungen im pH-Wert abfängt – dann kann es zu gefährlichen pH-Stürzen kommen. Kalkablagerungen sind also ein Warnsignal, dass du die Werte genauer im Auge behalten solltest.
Quellen: JBL-Broschüre „Biotopgerechtes Aquarienwasser“, Wikipedia, ZZF, aquamax
Bilder: Tropica, Birthe Jabs
Podcasts zum Thema
Lesezeit: etwa 19 Minuten






















