Die Panzer von Garnelen, Krebsen und Krabben sind eine Heimat für Mikroorganismen, Algen und größere Aufsitzer. Bei der Häutung werden die Organismen zusammen mit der alten Haut abgestreift und suchen sich dann direkt einen neuen Wirt. Wenige Arten leben parasitisch und schädigen ihren Wirt aktiv, die meisten aufsitzenden Organismen sind jedoch harmlose Epibionten und Kommensalen.

Glockentierchen
Glockentierchen (Vorticellidae) sind wimperntragende Einzeller (Ciliaten) und sitzen auf einem Stiel, dessen Haftscheibe sie auf dem Substrat hält. Sie können je nach Art Kolonien bilden. Man findet sie im Aquarium auf Garnelenpanzern, Schneckenhäusern, den Aquarienscheiben oder Pflanzen. Größere Kolonien wirken wolkenartig mit weißen Pünktchen, Einzeltiere sehen ein wenig wie Schimmelfäden aus, verdicken sich jedoch am oberen Ende deutlich. Die Einzeller können sich langsam schwimmend fortbewegen. Dazu lösen sie ihre Haftscheibe vom Substrat und schlagen mit den Wimpern.
Sie können sich sogar auf der Schleimhaut von Fischen und auf Würmern ansiedeln – hier richten sie tatsächlich Schäden an und begünstigen Sekundärinfektionen. Krebstieren, Schnecken und Pflanzen dagegen schaden die Aufsitzer nicht.
Sind Fische stark mit Glockentierchen besiedelt, sollte man mit einer Kombination von Formaldehyd und Malachitgrün behandeln und die Keimdichte im Aquarienwasser senken. Ein starker Befall auf Garnelen weist ebenfalls auf eine erhöhte Keimdichte des Wassers oder einen vermehrten Bakterienbefall des Panzers hin. Glockentierchen selbst sind also nur Symptome. Die erhöhte Keimdichte muss angegangen werden, weil Garnelen viele Bakterien im Wasser nicht gut vertragen. Verschwindet die Ursache, verschwindet auch das Symptom.
Um die Keimdichte zu reduzieren, wird wenig und hochwertig gefüttert. Den Bodengrund gründlich abzusaugen oder durchzumulmen, Pflanzenreste zu entfernen und einen regelmäßigen Teilwasserwechsel durchzuführen kann helfen. Ein UV-C-Klärer ist zeitweise ebenfalls hilfreich, um die Keimdichte im Wasser zu reduzieren. Glockentierchen während der Einfahrphase im unbesetzten Aquarium sind recht normal und verschwinden von selbst, sobald sich die Aquarienbiologie eingependelt hat. In einem unbesetzten Aquarium kann man das Phänomen einfach aussitzen.

Parasitäre Garnelenalge, „systemische Mykose“
Zunächst wurde der Organismus für einen Pilz gehalten und als „Systemische Mykose“ angesprochen, wenig später als Ellobiopsidae eingeordnet. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es sich um die 1971 aus Japan beschriebene Alge Cladogonium ogishimae handelt. Sie ernährt sich parasitisch von Körpersäften von Garnelen. Häufig sieht man sie unter dem Hinterleib von Neocaridina-Garnelen, sie kommt aber auch bei anderen Arten vor. Die einzigen chlorophyllhaltigen Teile der Alge sind die Sporenkapseln, die man bei einem Befall als gelb-grüne feine zottige Anhängsel unter dem Hinterleib erkennen kann. Die parasitische Alge dringt mit ihrem Rhizoid in das Muskelgewebe der Garnele ein und ernährt sich von Körpersäften. Reife Sporenkapseln fallen ab und werden von anderen Garnelen beim Fressen aufgenommen. Die anfangs durchsichtige Garnelenalge im Gewebe ist schwer zu entdecken.
Der Schwächeparasit wird akut, wenn das Immunsystem durch Stress – beispielsweise beim Transport – beeinträchtigt ist. Weibliche Garnelen setzen bei einem Befall keine Eier mehr an, befallene Garnelen sterben jedoch nicht sofort.
Versuche in den USA ergaben, dass mit Malachitgrün getränkte Futterflocken gegen die Alge wirken, Malachitgrün im Wasser nicht. In der EU ist das Verfüttern von Malachitgrün an Wassertiere untersagt. Der Futterhersteller Tima geht mit der Garnelenpaste Balance einen anderen Weg: Hier wird eine Barriere zwischen Alge und Rhizoid aufgebaut und die Versorgung abgeschnitten. Regelmäßiges Absaugen des Bodengrundes entfernt abgeworfene Sporen aus dem Aquarium, die gezielte Gabe von Huminstoffen wirkt unterstützend. Stark befallene Tiere werden separiert, dennoch wird immer auch das Aquarium mit den augenscheinlich nicht befallenen Tieren behandelt.

Saugwürmer oder Scutariella
Bei manchen Neocaridina-Garnelen sitzen bis 2 mm lange, im oberen Ende zweigeteilte weißliche Würmchen auf, meist am Rostrum, selten zwischen den Beinen. Bei durchsichtigen Varianten kann man in der Kiemenkammer weiße Punkte sehen: Scutariella, auchSaugwürmer oder Kiemenwürmer genannt, meist harmlose Aufsitzer, die Futterteilchen im Wasser fressen und den Panzer der Garnelen putzen. Nur wenige leben parasitisch und saugen Blut an den Kiemen. Ein geringer Saugwurm-Befall schadet nicht, kann aber ein Zeichen für Stress sein. Saugwürmer sind nicht tödlich.
Manche Autoren empfehlen die rezeptpflichtigen Mittel Praziquantel oder Panacur, eine einfache Behandlung mit dem besser verträglichen Kochsalz hat sich als ebenso wirksam erwiesen. Dafür gibt man 3-5 g reines Natriumchlorid in Lebensmittelqualität ohne Rieselhilfen, Fluor oder Jod pro Liter Aquarienwasser ins Becken. Vorsicht: Manche Fische vertragen kein Salz, den Pflanzen schadet diese Menge in der Regel nicht. Je härter das Wasser, desto mehr sollte man die Dosierung am oberen Wert orientieren. Eine Temperaturerhöhung auf ca. 25-28 °C wird empfohlen, zusätzliche Sauerstoffversorgung ist sinnvoll. Die Salzbehandlung wird so lange fortgeführt, bis keine Saugwürmer mehr zu sehen sind. Beim Wasserwechsel wird anteilig neues Salz zugegeben. Nach der Behandlung trägt man das Salz durch reguläre Wasserwechsel aus.
