Faszination Aquaristik: Rennschnecken artgerecht halten, füttern und verstehen
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Rennschnecken zählen zu den bekanntesten Wirbellosen in heimischen Aquarien, werden jedoch im Handel oft vorschnell auf eine reine Funktion als Putzkolonne reduziert . Dieser Ansatz führt in der Praxis häufig zu Pflegefehlern, da die Tiere hochspezialisierte Anforderungen an ihr Umfeld stellen.
Um den Tieren ein langes Leben zu ermöglichen, müssen Halter die biologischen Hintergründe von der natürlichen Fließgewässer-Herkunft bis zum Fressverhalten verstehen. Dieser Fachbeitrag aus der Zeitschrift aquaristik ordnet die Haltungsansprüche ein und zeigt, worauf es beim Besatz und Futterangebot ankommt.
Eine besonders schöne Rennschnecke ist Vittina waigiensis mit Vorkommen auf den Philippinen und in Indonesien. Foto: Chris Lukhaup
Neritiden sind so viel mehr als nur ein effizienter Putztrupp!
Die in der Aquaristik gängigen Rennschnecken stammen aus der Familie der Nixenschnecken oder Neritidae. In ihrer Heimat in Südostasien leben sie in Flüssen und meeresnahen Bächen, überwiegend im Süßwasser, teils auch in den Brackwasserzonen der Flussmündungen. Ihre Herkunft macht sie sehr anpassungsfähig; sie vertragen eher weiches bis sehr hartes Wasser. Die Wassertemperatur sollte über 20 °C liegen.
Manche Arten verlassen das Wasser regelmäßig und sitzen gern auf Mangrovenstämmen oder Pflanzenstängeln über der Wasseroberfläche. Die meisten in der Aquaristik verbreiteten Rennschnecken leben allerdings praktisch ausschließlich aquatil. Wer sicher gehen will, dass die Schnecken im Aquarium bleiben, arbeitet am besten mit einer Abdeckung.
Einmal erfolgreich eingewöhnt, zeigen sich Rennschnecken als robust und langlebig. Sie können im Aquarium 8 Jahre und noch länger leben.
Ihr dickes, tief herabgezogenes Gehäuse schützt den Körper der Rennschnecke ganz hervorragend. Foto: Chris LukhaupNeritodryas sp. ist dafür bekannt, das Wasser regelmäßig zu verlassen – eine tolle Schnecke für ausbruchssichere Paludarien und Aquaterrarien. Foto: Chris Lukhaup
Die richtige Aquariengröße
Weil Rennschnecken sich zumindest in der Anfangszeit im Aquarium ausschließlich von Aufwuchs ernähren, brauchen sie ausreichend Flächen zum Abweiden und damit auch eine gewisse Aquariengröße. Eine kleine Gruppe ab drei Rennschnecken sollte mindestens in ein Aquarium ab 54 l oder 60 cm Kantenlänge kommen. Eine abwechslungsreiche Einrichtung kommt ihren Futtergewohnheiten entgegen. An gesunde Pflanzen gehen sie übrigens nicht!
Rennschnecken vergesellschaften
Ihr dickes, tief herabgezogenes Gehäuse und ihr Deckel oder Operculum, mit dem sie ihre Gehäuseöffnung dicht verschließen können, schützen Rennschnecken gut vor neugierigen Fischen und sogar vor kleineren Süßwasserkrebsen. Die Raubschnecke Clea (Anentome) helena kann ihnen jedoch gefährlich werden, ebenso wie besonders große oder starke Schneckenfresser.
Die Kokons lassen sich mit einer Drahtbürste von Wurzeln und Steinen entfernen, man kann aber auch einfach abwarten. Sie lösen sich nach und nach von alleine auf.
Die Vermehrung von Rennschnecken
Die zweigeschlechtlichen Rennschnecken vermehren sich zwar im Aquarium nicht, die befruchteten Weibchen legen dennoch fleißig beige bis schmutzig weiße ovale Eikokons auf Hartsubstrat ab, aus denen ungefähr 0,1 mm lange, frei im Wasser schwebende Veliger-Larven schlüpfen. In der Natur treiben sie ins Meer, wo sie sich zur Schnecke entwickeln und im Anschluss wieder in die Flüsse zurückwandern. Im Aquarium sterben sie ab.
Rennschnecken im Aquarium richtig füttern
Häufig sind die Rennschnecken im Handel vom Transport und der ständigen Umgewöhnung an neue Wasserwerte plus dem Mangel an geeigneter Nahrung ziemlich geschwächt. Als spezialisierte Aufwuchsfresser nehmen sie zumindest in der ersten Zeit im Aquarium kein handelsübliches Futter oder Gemüse. Ein Aquarium mit grün veralgten Scheiben ist genau das richtige für sie!
Im Handel gibt es Futterpasten für Aufwuchs fressende Schnecken, die man auf Steine oder andere Oberflächen auftragen kann, um einen Fressrasen zu schaffen. Auf braunem Herbstlaub bildet sich übrigens auch schnell der nötige Aufwuchs. Auch Algensteine sind sinnvoll, wenn Rennschnecken gepäppelt werden müssen. Häufig nehmen sie grün getrocknetes Walnusslaub oder dünne Scheiben vom Hokkaidokürbis an und gewöhnen sich mit der Zeit auch an Fischfutter und Futtertabletten.
Algensteine für Rennschnecken sind einfach herzustellen: Aquarienwasser, ein Spritzer Blumendünger und ab in die Sonne damit! Foto: Roland EmmenlauerNeritina pulligera gilt als einer der effizientesten Algenvernichter in der Aquaristik – vorausgesetzt, es handelt sich um Algenfilme. Foto: Roland Emmenlauer
Bekommt meine Rennschnecke genügend Futter?
Bei einer gut genährten Rennschnecke ist der Fuß etwas größer oder zumindest gleich groß wie die Öffnung des Schneckenhauses und hat einen glatten Rand. Fällt eine gut genährte Rennschnecke auf ihr Gehäuse, ist sie in der Lage, sich umzudrehen – langsam und mühsam, aber sie schafft es. Unterernährte Rennschnecken dagegen haben einen auffallend kleinen Fuß, oft mit welligem Rand. Besonders schwache Tiere fallen von der Aquarienscheibe und können sich nicht allein umdrehen, wenn sie auf dem Gehäuse landen.
Rennschnecken sind per se keine Algenfresser, auch wenn sie häufig als solche angepriesen werden. Höhere, härtere Algen wie Fadenalgen oder Pinselalgen werden recht konsequent verschmäht, dagegen stehen alle Arten von Aufwuchs, Algenbelägen und Biofilmen sehr hoch bei ihnen im Kurs.
Rennschnecken sollten nicht in ganz frisch eingerichtete Aquarien eingesetzt werden – als Aufwuchsfresser sind sie auf Algenaufwuchs und Biofilme angewiesen, die sich im Aquarium erst noch entwickeln müssen. Manche Autoren gehen von bis zu einem halben Jahr Wartezeit aus, andere von mindestens 8-12 Wochen.
Für eine kleine Gruppe ab drei Rennschnecken empfiehlt sich ein gut abgedecktes Becken ab 54 Litern, das keinesfalls frisch eingerichtet sein darf, da die spezialisierten Aufwuchsfresser auf einen natürlich gewachsenen Biofilm angewiesen sind. Reichen die vorhandenen Aufwuchsflächen nicht aus, lässt sich die Fütterung gezielt über Futterpasten, Algensteine oder getrocknetes Laub sicherstellen. Ob die Tiere ausreichend Nahrung finden, lässt sich zuverlässig an einem breiten, glattrandigen Fuß sowie der Fähigkeit zum selbstständigen Umdrehen erkennen. Eine unkontrollierte Vermehrung im Aquarium ist ausgeschlossen, da die geschlüpften Larven für ihre Entwicklung zwingend auf Brack- oder Meerwasser angewiesen sind.
Rennschnecken sind langlebige und faszinierende Aufwuchsfresser, die für ein gesundes Überleben zwingend ein biologisch stabil eingefahrenes Becken mit gewachsenem Biofilm benötigen. Da sie anfänglich kaum Standardfutter akzeptieren, sollte der Ernährungszustand regelmäßig anhand der Fußgröße kontrolliert und bei Bedarf mit Futterpasten oder Algensteinen unterstützt werden. Bei passenden Wasserwerten, ausbruchssicherer Abdeckung und friedlicher Vergesellschaftung bereichern die robusten Neritiden das Aquarium über viele Jahre hinweg.
Über das Magazin: Caridina
Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.
Was bietet das Magazin?
Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
Spannende Fachartikel zu Garnelen, Krebse, Schnecken, Wasserpflanzen, Aquarientechnik und mehr
Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Produktneuheiten
Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)
Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.
Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.
Verlagsangebot im Überblick:
Rund ein Dutzend Fach- und Publikumszeitschriften
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Umfassende Statistiken, Studien und Handelsdaten
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Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.
Ulli Bauer ist eine renommierte Aquarianerin und Fachautorin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit der Pflege und Zucht von Süßwasserarten beschäftigt. Sie verfügt über umfangreiche praktische Erfahrung im Bereich der Aquaristik und ist bekannt für ihre fundierten Fachbeiträge in verschiedenen Fachmagazinen wie „Caridina“ und „Aquaristik“. Ulli engagiert sich zudem in der Aquaristik-Community, hält Vorträge und Workshops, um ihr Wissen weiterzugeben, und ist stets bestrebt, neue Arten und Zuchtmethoden zu erforschen und zu dokumentieren. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch fundierte Recherche, praktische Anleitungen und eine große Leidenschaft für die Aquaristik aus.