Fischbiotope entlang des mittleren Orinoco

von Oliver Lucanus

Kolumbien wird – auch als Urlaubsland – zunehmend sicherer. So war es endlich möglich, einmal von Villavicencio nach Puerto Carreno und zurück mit dem Auto zu fahren. Bei über 2600 km ungeteerten Straßen ein nicht ganz einfaches Vorhaben, das mich jedoch an die Oberläufe von Rio Bita, Rio Tomo, Rio Muco und Rio Mesetas führte.

Nahe der Stadt Primavera fingen wir sehr schöne Exemplare von Apistrogramma hongsloi, die trotz der 14 Tage im Auto die Reise nach Kanada gut überstanden haben. Während A.alacrina und A. macmasteri in den kleinen Bächen direkt unterhalb der Anden oft in erstaunlich starker Strömung vorkommen, findet man A. hongsloiund A. viejitain eher stillen Morichales (Palmen Oasen).

Im flachen, klaren Wasser der Bäche entlang des Rio Muco wuchsen Farne und Nadelsimse, Eleocharis acicularis, in denen Ammocryptocharax elegans perfekt versteckt waren.

Ammocryptocharax elegans_OLucanus

Überall dort, wo die starke Strömung den Sand verschoben hat, und gemischter Kies das Flussbett bildet, sind Rineloricaria anzutreffen, oft auch mit bis zu sechs Tieren pro Quadratmeter. Auf den im Wasser liegenden Baumstämmen leben viele Ancistrus macrophthalmus, die hier in allen Größen die Algen auf dem Holz abweiden.

CrenicichlasaxatalisW_OLucanus

Im tieferen Wasser gab es auch hier eine Besonderheit: eine neue Art aus dem Crenicichlasaxatalis-Komplex. Der neue Hechtbuntbarsch hat bei über 90% der Tiere eine deutliche „W“-Zeichnung hinter dem Kiemendeckel, ein sehr ungewöhnlicher Fleck, der diese Art leicht erkennen lässt.

Die Region zwischen den Anden und dem Orinoko steht heute unter enormem Druck, denn hierhin fließt viel Geld, hauptsächlich aus China.

Chinesische Unternehmen sind überall anzutreffen, denn hier gibt es Erdgas, das im Fracking Verfahren (mit der Hilfe von Druck und Wasserdampf) aus dem Boden gefördert wird. Eine höchst kontrovers diskutierte Methode, die nicht sonderlich umweltfreundlich ist. Dafür werden die wenigen Waldgebiete zunehmend von Holzfabriken zerstört; auch das ist eine Gefahr für die Flüsse, denn im Tiefland der Llanos wachsen hohe Bäume immer nur dort, wo auch in der Trockenzeit Wasser vorhanden ist.

 

Crenicichlacf_wallacei_OLucanus
Zusammenarbeit bei der Futtersuche: Dicrossus filamentosus und Crenicichlacf. wallacei

Der Caño Negro ist einer der vielen Klarwasserzuflüsse des Rio Orinoco. Beeindruckend ist die Uferzone, wo eine Vielzahl von Fischarten in Falllaub und Wurzeldickicht der Bäume zusammen lebt. Besonders erstaunlich ist die Gesellschaft tausender Dicrossus filamentosus,die sich anscheinend bestens mit den hier vorkommenden Zwerg-Crenicichla, Crenicichlacf. wallacei, verstehen. Bei der Jagd drehen die Hechtbuntbarsche die Blätter, um kleine Garnelen zu fangen, das wiederum kommt den Schachbrettcichliden zugute, die im aufgewirbelten Mulm unter den Blättern nach sehr kleinen Organismen jagen.

Diese etwas tiefere Uferzone ist auch der Heimatbereich von riesigen Schwärmen der Rotkopfsalmler, Hemigrammus rhodostomus, die hier in der starken Strömung im offenen Wasser nach Kleintieren jagen. Der etwas ruhigere Bereich direkt entlang der Uferwand besteht aus dicht geflochtenen Matten der Baumwurzeln. Hier halten sich die kleineren und etwas langsameren Salmler auf: Paracheirodon axelrodi, Hemigrammus stictus, Nannostomusund einzelne Apistogramma leben in dieser Wand, die eine gute Deckung gegen die Räuber im offenen Wasser bietet.

Ufer des Caño Negro
Ufer des Caño Negro

 

Quelle: Tetra Verlag, Aquaristik Fachmagazin 232,  gekürzt. Text und Bilder: Oliver Lucanus.

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