Auszüge aus dem Artikel im Aquaristik Fachmagazin 237
von Jens Kühne
Quelle: Aquaristik Fachmagazin
Quelle: Aquaristik Fachmagazin

Der Süden des Staates Thailand (zusammen mit einem Teil Birmas) und der Festlandsstaat Malaysia, der politisch und korrekt als Westmalaysia bezeichnet wird, bilden zoogeografisch gesehen die Region Malaya. Die gesamte Region ist aus mehreren Gründen sehr artenreich, wobei verschiedene Bereiche besonders auffallen, beispielsweise das Gebiet des Flusses Tapi in Südthailand. Andere Bereiche müssen erst gründlicher erforscht werden, da sie entweder abseits funktionierender Infrastrukturen liegen oder aus politischen Gründen abgeschottet waren oder sind.

Ein solches Gebiet ist der hier vorgestellte, zoogeografisch interessante Bereich im Regierungsbezirk Narathiwat und dem Bundesstaat Kelantan sowie der Norden Terengganus.

Das Tittiwangsa-Gebirge erstreckt sich längs durch Westmalaysia, begrenzt auch Kelantan und bildet weiter nördlich ebenfalls die Grenze zu den Regierungsbezirken Yala und eben Narathiwat in Südthailand. Ein zweites hohes Gebirge ist das Timur-Gebirge von Terengganu und Kelantan – es ist grenzbildend für das Flachland.

Lebensräume in Feucht- und Küstengebieten, lange Sandstrände, denen sich Mangrovensümpfe anschließen, die teilweise in die besonders interessanten Nypapalmensümpfe übergehen, charakterisieren die Bereiche direkt an der Küste. Unmittelbar anschließend befinden sich große Gebiete mit huminstoffreichen Torfsümpfen. Diese wiederum werden von klaren, meist mineralstoffarmen Gebirgsflüssen und -bächen gespeist. Oft entspringen sie in den kleinen Mittelgebirgen, die zahlreich in der sonst äußerst flachen Landschaft zu finden sind.

Dieser zoogeografische Bereich ist noch ungenügend erforscht. Hauptgrund ist die lang anhaltende Isolation gerade des Regierungsbezirkes Narathiwat in Thailand. Diese Region ist durch Separatisten und ihre hauptsächlich mit Bomben durchgeführten Anschläge gefährlich, so dass äußerst vorsichtig agiert werden muss. Das wirtschaftlich unterentwickelte Kelantan, aber auch der Norden Terengganus lagen – im Vergleich mit dem schon lange gut erschlossenen Südwesten Malaysias – in der Infrastruktur weit zurück. Erst in jüngster Zeit wird das Straßennetz besser ausgebaut.

 

Die Küstenregion

Die Ästuars und Deltas der vielen Mündungen kleiner und großer Flüsse sind für den Grundelspezialisten besonders interessant. Die vielen Grundelverwandten, Gobioidei, die hier vorkommen, sind zwar in der Fortpflanzung an Brackwasser gebunden, jedoch wandern einige in den Flüssen gegen den Strom aufwärts und sind noch tief im Binnenland zu finden.

In den Tidenarealen der Flüsse befinden sich Arten wie Mugilogobius rambaiae, Stigmatogobius cf. sadanundio und Brachygobius sabanus sehr häufig.

In den Nypapalmensümpfen der Ästuars sind interessante Artenzusammensetzungen zu finden. Hier leben M. rambaiae, Pseudogobiopsissp., B. sabanus, Aplocheilus panchax, Dermogenys siamensis zusammen mit den als Süßwasserarten bekannten Betta imbellis und Boraras urophthalmoides. Diese Gewässer besitzen permanent eine Salinität zwischen 3 g und Spitzen bis zu 12 g pro Liter. Zum Vergleich hat Meerwasser um die 30 g pro Liter Salzgehalt.

Quelle: Aquaristik Fachmagazin
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Ein sehr interessanter Fluss, der von den Tiden im Unterlauf stark beeinflusst wird, ist der Saiburifluss und sein Delta. Bei Ebbe sind Gruppen von Nemacheilus masyae und Syncrossus beauforti gut zu beobachten – ein nicht alltägliches Naturerlebnis. Mit den großen Schwärmen von Caridina gracilirostris, also Nashorngarnelen, schwimmen die skurrilen Glasgrundeln, Gobiopterus brachypterus. Es hat den Anschein, dass sich die Glasgrundeln in den Garnelenschwärmen decken. Sie jagen gezielt nach freigesetzten Larven der C. gracilirostris.

 

Torfsümpfe

Zwei für diese Region bedeutende Flachlandsümpfe, die stark huminstoffhaltiges Wasser führen, sollen hier erwähnt werden: Ein Torfsumpf liegt nahe der Grenzstadt Sungai Golok. Sein vollständiger Name lautet Pra Phru Toh Deng mit einem kleinen Nationalpark. Ein Kampffisch, der in den Torfsümpfen häufig vorkommt, ist Betta pi. Diese Art besetzt etwa die gleichen ökologischen Nischen und Habitate wie P. paludicola und ist nahezu flächendeckend bis in den Bundesstaat Pahang nachzuweisen. Kampffische des Betta pugnax Artenkomplexes sind in den Torfsümpfen nicht zu finden. Betta imbellis ist hingegen im Torfsumpf von Sungai Golok nachzuweisen. Da die Wasserwerte bis auf pH 4 fallen können, muss B. imbellis eine außerordentliche Säuretoleranz an den Tag legen. Ein weiterer prächtiger Labyrinthfisch ist in den Torfsümpfen der Region zu finden, der Mosaikfadenfisch, Trichogaster leeri. Er ist nicht einfach zu fangen und ich konnte diesen Fadenfisch bisher nur im Sumpf bei Sungai Golok aufspüren.

Hervorzuheben ist im Setiu-Chalok-Bari-Becken Homaloptera parclitella, die sich in den Pflanzenbeständen, die in der starken Strömung treiben, aufhalten. Weiterhin kommen hier viele Dornaugen-Arten vor, etwa eine große Zahl der quer gestreiften Pangio semicincta. Lepidocephalichthys cf. furcata, eine Steinbeißerart der Familie Cobitidae, ist interessant für Nanoaquarianer, die das Spezielle suchen. Für deren Haltung ist es geradezu wichtig, sie nicht in zu großen Aquarien zu halten, da sie sich sonst verlieren. Ein absoluter Höhepunkt ist das Auffinden von Gabelschwanzdornaugen, Vaillantella maasii, da sie sich an schwer zugänglichen Stellen im Sumpf aufhalten.

 

Rasborenland
Quelle: Aquaristik Fachmagazin
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In den Flüssen des Flachlandes und besonders in den Torfsümpfen leben viele Karpfenfische. Ob Sechsgürtelbarbe, Systomus hexazona, Fünfgürtelbarbe, S. pentazona, oder Teilgürtelbarbe, S. partipentazona– die Fische aus dem Torfsumpf sind extrem rot gefärbt. Warum Rasborinen, mal von den häufig gehaltenen Keilfleckbarben der Gattung Trigonostigma abgesehen, in der Aquaristik eine Randerscheinung darstellen, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Einige Arten, von denen ebenfalls viele im beschriebenen Gebiet und nicht nur in den Torfsümpfen vorkommen, sind extrem farbig und zudem in Haltung und Zucht einfach, da ökologisch anpassungsfähig. Sie sind gleichzeitig in den Torfsümpfen und in Gewässern mit hoher Karbonathärte zu finden. Die sehr variable Rasbora einthovenii, die im Torfsumpf bei Sungai Golok häufig ist, besiedelt aber darüber hinaus verschiedene Gewässer im gesamten beschriebenen Gebiet. Ein extremes Beispiel ist das Sumpfgebiet bei Pasir Puteh, das von den Gezeiten beeinflusst wird und deshalb Brackwasser führt und dadurch einen pH Wert von 7,2 bis 7,8 aufweist.

 

Maulbrütende Kampffische im Flachland
Quelle: Aquaristik Fachmagazin
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Das beschriebene Gebiet ist äußerst interessant für Kampffischfreunde. Hier sind fünf verschiedene maulbrütende Betta Arten aus drei verschiedenen Formenkreisen zu finden. Davon ist B. kuehnei endemisch (nur in einer begrenzten Region zu finden). Zwei Arten sind das möglicherweise ebenso, da sie bisher noch nicht in anderen Regionen der Halbinsel Malaya und dem gesamten Sundaland nach gewiesen worden sind. Es handelt sich um beiden nahe verwandten Arten Betta stigmosa und B. apollon.

Den kompletten, umfassenden Artikel mit Fundortbeschreibungen von zahlreichen weiteren Arten findet ihr im Aquaristik Fachmagazin 237!

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