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Was sind eigentlich Algen?


Was sind eigentlich Algen?


Algen sind eine Art Pflanze, sie wachsen mit Hilfe der Photosynthese, also der Energiegewinnung durch Sonnenlicht. Dabei verbrauchen sie Kohlenstoff und produzieren lebenswichtigen Sauerstoff. Es sind urtümliche Lebewesen, die es schon seit Anbeginn der Lebensentwicklung auf der Erde gibt. Ein einfacher Aufbau, oft nur einzelne Zellen oder zu langen Fäden verbundene Zellketten, machen sie extrem anpassungsfähig.

Warum stören sie uns im Aquarium?

Eigentlich müssten sie uns nicht stören, auch in der Natur kommen sie stellenweise vor. Es sind „Reste-Vertilger“ der Nahrung für Pflanzen. Gefährlich sind sie nicht (ausgenommen die „Blaualge,“ die eigentlich keine Alge ist, siehe Kasten unten). Nur gefallen sie uns nicht und, das ist der Knackpunkt im vergleichsweise winzig kleinen biologischen System Aquarium, zeigen sie meist an, dass etwas nicht ganz optimal läuft. Wenn alle die Pflanzen betreffenden Einflüsse, also Licht und Dünger, genau richtig sind, treten sie normaler Weise nicht auf. Nur bei Problemen machen sie sich bemerkbar. Massenhaftes Auftreten von Algen kann ein Problem im Aquarium sogar verstärken, weil sie Pflanzen überwuchern und damit diese gewünschten Nährstoffverbraucher unterdrücken.

[box type=”info” align=”” class=”” width=”100%”]Hast du den Artikel „Die wichtige Funktion der Pflanzen“  schon gelesen? Da wird erklärt, wie Pflanzen wachsen. Das steht in direktem Zusammenhang mit Algen. Falls du den Artikel noch nicht kennst, wird es dir nützen, ihn zuerst zu lesen. [/box]

Wettstreit zwischen Algen und Pflanzen

So genannte „höhere“ Pflanzen (das „höher“ steht hier für „weiter entwickelt“, nicht etwa für größer) haben komplizierte Blattformen entwickelt und vermehren sich über Samenbildung. Das steht im Gegensatz zu Algen, die sich einfach durch Zellteilung vermehren, also immer gleiches Erbgut haben.

Die Pflanzen können sich durch eine Vermischung ihres Erbguts über Blütenbefruchtung veränderten Bedingungen anpassen. Jede Mischung ist anders, und nur der Sämling, der optimal zu seiner Umgebung passt, überlebt und gibt sein Erbgut an die nächste Generation weiter.

Dadurch haben sich Pflanzen spezialisiert, während Algen einen Basisbauplan haben und immer mehr oder weniger gleich aussehen.

Eigentlich sind die Pflanzen die „Stärkeren“ , sie können mit ihren Wurzlen, großen Blättern und zielgerichtetem Wuchs Nährstoffe besser ausschöpfen. Algen sind, da sie keine Stiele oder ein sonstiges Gerüst haben, darauf angewiesen frei schwimmend oder auf einem Untergrund zu wachsen. Pflanzen dagegen können zum Beispiel per Stängel dem Licht gezielt entgegen wachsen und sich über Ausläufer dort hin „fortbewegen“, wo sie bessere Nahrung finden.

Außerdem beeinflussen sie ihre Umgebung. Nicht nur, dass sie alles, was sich unter ihnen befindet, beschatten – teilweise produzieren sie auch Stoffe, die algenhemmend wirken. Ein wirksamer Selbstschutz, damit sie nicht von Algen als Trittbrett benutzt und besiedelt werden. Spannend, oder?

Der beste Weg, keine Algen zu haben, ist also gesunde und ausreichend viele Pflanzen zu haben.

Algen im Aquarium

Warum treten nun in unseren Aquarien verschiedene Algen auf?

Unser Miniaturunterwassergarten Aquarium ist als geschlossenes System komplett auf uns als Pfleger angewiesen. Wir müssen es mit Nahrung, also Dünger, und Licht versorgen und für das Verschwinden überzähliger Stoffe sorgen. Und hier kommt der Vorteil der Algen ins Spiel: sie kommen dank ihrer einfachen Bauweise auch mit Umständen zurecht, die nicht ganz optimal sind. In dem Moment, wo die Situation für die Pflanzen nicht so toll ist, holen sie auf. Und im schlimmsten Fall überholen sie die Pflanzen.
Du fügst deinem Aquarium über das Futter für die Fische und Wirbellose ständig Stoffe zu. Das ist der biologische Dünger, den Pflanzen und Algen zum Wachsen brauchen. Aber nur im gewissen Maße.

Die Pflanzen haben einen festen Bedarf. Um ein Blatt zu bauen brauchen sie eine immer passende Menge an Nitrat, Phosphat, Kalium, Eisen, Mangan und noch vielen anderen Stoffen, hinzu kommen  Kohlendioxid (CO2) und Licht. Von einigen Stoffen mehr, von anderen nur Spuren, aber sie müssen alle da sein. Der Stoff, von dem am wenigsten da ist, begrenzt das Wachstum.   Tipp: Das nennt man „Minimumprinzip“,

Die Pflanzen wachsen nur so lange, bis von einem der notwendigen Stoffe nichts mehr da ist. Dann können andere Stoffe noch so viel vorhanden sein, sie können nicht weiter wachsen oder wachsen kümmerlich, blass oder mit zu großen Blattabständen.

[box type=”info” align=”” class=”” width=”100%”]Beispiel: Nehmen wir an, es gibt ganz viel Nitrat und Phosphat im Wasser, Licht und CO2 sind auch da – trotzdem wachsen die Pflanzen nur langsam und sind gelblich bis fast weiß. Der Grund: es ist kein oder zu wenig Eisen vorhanden. [/box]

Am besten wachsen die Pflanzen, wenn alle benötigten Nährstoffe genau im perfekten Verhältnis zueinander zu Verfügung stehen. Denn ein zu Viel einiger Stoffe kann das Wachstum ebenso stören.
Die weniger anspruchsvollen Algen wachsen trotzdem und erhalten einen Vorsprung, wenn die Pflanzen auf Grund von ungünstigem Nährstoffangebot nicht gedeihen.

Bei manchen Algen kann man an ihrem Auftreten erkennen, welcher Stoff wahrscheinlich im Übermaß vorhanden ist.

Was tun gegen Algen?

Das heißt: Sind Algen da, nutzen sie ein Ungleichgewicht der Düngerstoffe aus. Das ist genau der Punkt, an dem du ansetzen kannst. „Bekämpfung“ ist dabei das falsche Wort, denn die Algen selbst bekämpft man nur in wenigen Fällen. Man entzieht ihnen einfach die Lebensgrundlage – nämlich die überzähligen Stoffe, die die Pflanzen nicht verwenden können –  und sie verschwinden wieder.

Mit chemischen Mitteln Algen tatsächlich zu bekämpfen ist nie ratsam. Diese Mittel sorgen zwar kurzfristig dafür, dass das Problem gelöst scheint, aber die Ursache für das Problem ist noch da und es entwickelt sich nach einer Weile von neuem. Außerdem schwächt der häufige Einsatz von Algenmitteln deine Pflanzen und durch die dadurch eintretenden Veränderungen manchmal auch deine Fische oder Wirbellose. Man kann mit Chemie nicht ganz gezielt nur den Algen behandeln.
Der einzig richtige Ansatzpunkt ist also, die Ursache zu beheben und für eine optimale Kombination von Dünger. CO2 und Licht für die Pflanzen zu sorgen.

Quelle: JBL GmbH & Co. KG

Hier einige Anhaltspunkte und typische Situationen:

  • Fische und Wirbellose, verrottendes Futter und abgestorbene Pflanzen werden zum größten Teil zu Nitrat und Phosphat, diese beiden Werte steigen also durch Fütterung an. Hast du viele Fische im Aquarium und fütterst viel, muss du viele schnellwüchsige Pflanzen haben, die diese Stoffe verbrauchen, und regelmäßig größere Wasserwechsel machen, um Überschüsse zu entfernen. Das ist ein bisschen wie Lüften in einem Zimmer – wenn viele Leute darin sind, wird die Luft schneller stickig. Außerdem musst du bei reichlichem Vorhandensein von Nitrat und Phosphat die Spurennährstoffe wie Eisen nachdüngen, damit kein Mangel daran den Pflanzenwuchs bremst.
  • Licht: Das Licht muss zu Pflanzenwachstum und Besatz passen. Es ist schließlich der Energiegeber für die Pflanzen. Du kannst dein Aquarium voll Pflanzen setzen und perfekt düngen – wenn zu wenig Licht da ist, können sie nicht wachsen und die Algen nutzen den Nährstoffüberschuss.
  • Auch das Gegenteil kann der Fall sein: Hast du eine kräftige Beleuchtung aber nur wenig Pflanzen und viel Dünger im Wasser, bleibt Dünger übrig, weil die wenigen Pflanzen nur eine bestimme maximale Wuchsgeschwindigkeit haben und gar nicht schneller wachsen können. Es ist also sowohl noch Dünger da, als auch Licht – die Algen freuen sich darüber.
  • Die Hauptnährstoffe Nitrat und Phosphat sind vorhanden, Licht und CO2 auch – aber es fehlen wichtige Spurennährstoffe, wie Eisen oder Mangan. Die Pflanzen bremst das im Wachstum aus, die Algen nicht.
  • Es ist zu kalt. Der Stoffwechsel der Pflanzen ist auch von der Temperatur abhängig. Manche verlangsamen ihr Wachstum schon bei Zimmertemperatur.
  • Phosphateintrag durchs Futter. Gibst du deinen Fischen gelegentlich Frostfutter? Dann spüle es unbedingt gründlich, denn die eingefrorene Flüssigkeit enthält viel Phosphat. Qualitativ hochwertiges Trockenfutter verursacht auch weniger phosphatreiche Ausscheidungen als minderwertiges. Schlechtes Futter und Frostfutterwürfel unaufgetaut ins Aquarium werfen lässt den Phosphatwert immer weiter steigen, während das Nitrat von den Pflanzen komplett verbraucht wird und letztlich auf Null fällt. Das ist das liebste Wachstumsumfeld der „Blaualge“, der Alge, die keine ist, siehe unten.
  • Im Leitungswasser ist bereits ein ungünstiges Nährstoffverhältnis enthalten, zum Beispiel viel Nitrat oder Silikat. Hier wird es etwa kompliziert, weil man nun ganz gezielt so düngen muss, dass alle Stoffe im pflanzenfreundlichen Verhältnis vorhanden sind.

Hast du Algen, gilt es also erst einmal zu schauen, ob ein Missverhältnis in der Versorgung der Pflanzen vorhanden ist, oder vielleicht einfach zu wenig Pflanzen im Verhältnis zu Fischen im Aquarium sind.

Lass dein Wasser im Fachhandel testen oder besorge dir selbst Wassertests für die wichtigen Pflanzennährstoffe. Stelle die Düngergaben und Pflegemaßnahmen entsprechend um – das Düngen einzustellen ist nicht die richtige Maßnahme bei Algenwuchs! Genau das wird die Algen eher fördern als bremsen.

Besorge dir, wenn nötig, eine CO2-Anlage, um den Pflanzenwuchs zu verbessern, und prüfe das Licht. Sammle die Algen nach Möglichkeit ab, denn in ihnen sind ja die überzähligen Nährstoffe gebunden, die du auf dem Weg aus dem Aquarium hinaus befördern kannst. Wenn sie zum Besatz passen, kannst du algenfressende Tiere einsetzen. Sie lösen zwar das Problem der im Ungleichgewicht stehenden Nährstoffe nicht, helfen dir aber dabei, zu verhindern, dass die Pflanzen überwuchert werden. Aber bitte wirklich nur einsetzen, wenn du sie dauerhaft haben magst und ihren Ansprüchen gerecht werden kannst. Rüsselbarben und Saugschmerlen sind zum Beispiel für die meisten Aquarien zu groß. Für kleine Aquarien kommen Garnelen wie die fleißige Amano in Frage.

Und dann heißt es: Geduld! Von heute auf morgen wird man Algen nicht los.

Die verbreiteten Algenarten

Mit folgenden Algen haben wir im Aquarium zumeist zu tun:

Grünalgen

Foto: JBL

Mit diesen Algen haben wir Aquarianer es am schwersten, denn sie sind den höheren Pflanzen sehr ähnlich.

Sie treten in verschiedenen Formen auf: Als feine Fäden, Gespinste, Punkte auf den Scheiben oder frei schwebend als grüne Verfärbung im Wasser.

Sie signalisieren  einen Überschuss der Hauptnährstoffe, meist Phosphat. Sammle sie ab so gut es geht. Fadenalgen kann man auf raue Holzstäbchen aufwickeln und vorsichtig aus den Pflanzen ziehen.

Mache regelmäßig Wasserwechsel, reduziere eventuell Fischbesatz und Futtergaben und ganz wichtig: dünge! Möglicherweise fehlen deinen Pflanzen die Mikronährstoffe und sie kommen deshalb nicht gegen die Algen an.

Rotalgen


Sie sind von dunkelgrün über bräunlich bis schwarz gefärbt und treten als Bart- oder Pinselalgen auf, oft auf der Dekoration und besonders an alten, schwachen Blättern.

Diese Algen können sehr hart sein, weshalb sie von Algenfressern oft verschmäht werden. Entfernen ist auch schwierig, man kann die befallenen Blätter praktisch nur ganz abschneiden, denn wenn man die Algen abzupft, bleiben Reste übrig, die dann munter weiterwachsen.

Durch CO2-Zugabe und Einsetzen schnellwachsender Pflanzen kann man sie meist verdrängen. Regelmäßigen Wasserwechsel und gezielte Düngung helfen dabei. Eventuell ist auch die Beleuchtungszeit zu lang, halte sie unter 10 Stunden am Tag.

Kieselalgen


Sie treten als brauner Belag auf Blättern, Bodengrund und Dekoration auf. Besonders bei neu eingerichteten Becken entwickeln sie sich in einem ganz normalen Ablauf in den ersten Wochen und verschwinden von selbst wieder, hier braucht man sich keine Sorgen machen.

Wenn du sie vorsichtig mit dem Finger abreibst, merkst du, woher sie ihren Namen haben: Sie fühlen sich sandig an, denn ihre Hülle besteht aus Silikat, woraus auch viele Steine bestehen. Viele Algenfresser mit Saugmaul vernaschen sie gern.

Guter Pflanzewuchs verdrängt diese urtümlichen Algen schnell. Außerdem gibt es spezielle Silikat entfernende Filtermedien.

Blaualgen


Die „Blaualgen“ sind in Wirklichkeit Bakterien. Allerdings können sie etwas, was sonst nur Pflanzen beherrschen, nämlich die Photosynthese, also die Energiegewinnung aus Licht.

Hier ist Vorsicht geboten, dies ist die „Alge“, die tatsächlich ein bisschen gefährlich ist, denn sie kann Giftstoffe produzieren, die den Lebewesen im Becken schaden. Außerdem vermehrt sie sich oft explosionsartig und verändert durch ihr Vorhandensein ihren Lebensraum so, dass praktisch nur noch sie sich dort wohl fühlt.

Sofortiges Handeln ist geboten, wenn sie auftreten.

Sie zeigen sich als grüner bis dunkelblauer, schmieriger Belag auf allen Oberflächen. Zumeist haben sie auch einen eigentümlichen Geruch.

Bemerkst du sie, solltest du sie sofort per Wasserwechsel absaugen, möglichst ohne sie zu verreiben. Manchmal lässt sich ihr Auftreten kaum erklären, aber zumeist ist der Grund, dass im Verhältnis zu Nitrat zu viel Phosphat im Wasser ist. Prüfe die Werte Nitrat und Phosphat sowohl in deinem Leitungswasser, als auch im Aquarium. Sollte viel Phosphat im Aquarium sein, aber keines im Leitungswasser, sollten regelmäßige große Wasserwechsel helfen.

Ist kein Nitrat im Aquarium, kann es helfen, Nitrat nachzudüngen, was eher ungewöhnlich ist. Frag im Fachhandel nach speziellem Nitratdünger und erhöhe diesen Wert vorsichtig. Das macht die Pflanzen glücklich und sie verdrängen die Blaualgen.

Außerdem kann eine Störung der Bakterienbesiedlung im Aquarium ein Grund für das Auftreten von Blaualgen sein, zum Beispiel nach Medikamentegabe oder Neueinrichtung.
Wenn du Fragen hast, ist Mr. Fishy für dich da.

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