Raritäten & Neuimporte im Fokus 112

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

 

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

oben links: Dicrossus maculatus

Dieser herrliche Zwergbuntbarsch ist zwar seit 1875 der Wissenschaft bekannt, im Aquarium aber leider fast nie anzutreffen. Das ist sehr schade, denn es gibt wenige Arten, die so schön und zugleich so friedlich sind, wie Dicrossus maculatus. Männchen werden etwa 9 cm, Weibchen etwa 6 cm lang.

Anders als sein fast immer im Handel erhältlicher naher Verwandter D. filamentosus gilt D. maculatus als Weißwasserbewohner. Er stammt aus dem Rio Tapajós in Brasilien. Das ist aber für die Pflege und Zucht im Aquarium unerheblich. Viel wichtiger als die Wasserzusammensetzung ist für die Pflege, dass das Wasser möglichst keimarm ist und dass feiner Sand als Bodengrund zur Verfügung steht.

Zur Zucht muss man freilich zu drastischen Wasserwerten greifen, um erfolgreich zu sein. Denn bei einer messbaren Härte (das Wasser muss praktisch destilliert sein, der Leitwert sollte unter 50µS/cm liegen) oder einem pH-Wert über 5,5 sind die Eier nicht befruchtungs- und entwicklungsfähig. Wie alle Schachbrettcichliden ist auch Dicrossus maculatus polygam, das heißt, ein Männchen verpaart sich mit mehreren Weibchen. Den Weibchen obliegt die Versorgung des Laichs und der Jungfische, das Männchen beteiligt sich nicht daran.

oben rechts: Nomorhamphus liemi

Dieser wunderschön gefärbte Halbschnäbler stammt von der Insel Sulawesi ( = Celebes), wo er im Süden der Insel gefunden wird. Im Gegensatz zu der nah verwandten Gattung Dermogenys sind Ober- und Unterkiefer ungefähr gleich lang, daher auch der Gattungsname. Bei manchen Arten wird aber nach wie vor darüber gestritten, ob sie eher zu Dermogenys oder zu Nomorhamphus zu stellen sind.

Von Nomorhamphus liemi wurden zwei Unterarten beschrieben, N. liemi liemi mit schwarzen und N. liemi snijdersi mit roten Flossen. Diese Exemplare (Wildfänge) weisen alle Übergänge in den Flossenfarben auf und sind daher keiner der Unterarten zuzuordnen. Interessant ist, dass Nomorhamphus einen fleischigen Unterkieferhaken aufweisen können. Wozu dieser dient, ist unbekannt. In der Natur werden Nomorhamphus vor allem in Bächen gefunden, sie schätzen auch im Aquarium starke Strömung. Die lebendgebärenden Fische werfen alle 4-6 Wochen Jungtiere, die bereits bis zu 2,5 cm lang sein können. Die Muttertiere stellen den Jungen extrem nach.

Gute Zuchterfolge hat man nur, wenn sehr abwechslungsreich gefüttert wird, wobei kleine Insekten (Heimchen, Drosophila, Buffalo-Würmer) nicht fehlen dürfen. Die Wassertemperatur sollte eher niedrig liegen (20-24°C), der pH-Wert über 7. Die Männchen sind untereinander sehr unverträglich. Gegenüber anderen Fischarten sind Nomorhamphus aber friedlich.

Lexikon: Nomorhamphus: altgriechisch, bedeutet in etwa “mit gesetzmäßigen Kiefern”; bezieht sich auf die im Unterschied zu anderen Halbschnabelhechten in etwa gleichlangen Ober- und Unterkiefer. liemi: Widmungname; snijdersi: Widmungsname.

unten links: Pseudoxiphophorus anzuetoi

Einen ganz ausgefallenen Lebendgebärenden und vermutlich sind es sogar die einzigen Tiere, die weltweit jemals in den Handel kamen: Pseudoxiphophorus anzuetoi. Diese Art wurde früher, genau wie die anderen Pseudoxiphophorus-Arten, in die Gattung Heterandria gestellt. Das geschah aufgrund anatomischer Gemeinsamkeiten, aber dadurch war witzigerweise eine der größten Arten der Lebendgebärenden, nämlich Pseudoxiphophorus bimaculatus, bei der die Weibchen über 15 cm groß werden können, und eine der kleinsten, nämlich Heterandria formosa, in der gleichen Gattung eingereiht.

Pseudoxiphophorus anzuetoi stammt aus Guatemala, El Salvador und Honduras, wo steinige Flüsse bewohnt werden.

Heutzutage wird aber Pseudoxiphophorus als eigenständige Gattung von den meisten Fischkundlern anerkannt. P. anzuetoi bleibt erheblich kleiner als P. bimaculatus und wird nur 6-7 cm lang. Von der (zumindest namentlich) besser bekannten Art unterscheidet sich Pseudoxiphophorus anzuetoi durch die attraktiven blauen Leuchtpunkte im Kopfbereich.

unten rechts: Synodontis batensoda

Es gibt eine ganze Reihe von Fiederbartwelsen, die entweder vorwiegend oder doch zumindest gelegentlich mit dem Bauch nach oben schwimmen. Die aquaristisch bekannteste Art ist Synodontis nigriventris aus dem Kongo. Aus Nigeria wurde jetzt den sehr selten angebotenen Synodontis batensoda importiert, der diese Gewohnheit ebenfalls hat.

Es scheint den Fischen völlig gleichgültig zu sein, wie herum sie schwimmen. Man kann aber an der dunkel gefärbten Bauchseite erkennen, dass S. batensoda zumindest sehr häufig auf dem Rücken unterwegs ist, denn normal schwimmende Fische haben einen hellen Bauch, damit sie sich farblich möglichst wenig gegen den Himmel abheben, wenn ein Raubfisch von unten kommt. S. batensoda wird etwa 25 cm lang und sollte darum in größeren Aquarien gepflegt werden.

Es sind gesellige Tiere, die man niemals einzeln pflegen sollte. Kleine Fische betrachten Sie als Futter, gegen größere Arten sind S. batensoda, die früher in der monotypischen Gattung Brachysynodontis standen, gewöhnlich friedlich.

Quelle: Aquarium Glaser

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