Raritäten & Neuimporte im Fokus 139

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

oben links: Corydoras sp. aff. potaroensis

Angesichts von aktuell 160 wissenschaftlich allgemein anerkannten Corydoras-Arten, plus 159 C-Nummern, plus 107 CW-Nummern sollte doch jede importierte Corydoras-Art zuordenbar sein. Denkste! Aquarium Glaser erhielt unter der Bezeichnung “Corydoras potaroensis” einen Panzerwels, der dieser Art zwar sehr ähnlich sieht, jedoch am ganzen Körper und auf den Flossen feine schwarze Punkte hat. In der Erstbeschreibung von C. potaroensis wird hingegen ausdrücklich geschrieben, dass die Art keinerlei Punkte auf dem Körper oder den Flossen aufweist, abgesehen von dem großen schwarzen Fleck in der Rückenflosse und der schwarzen Augenbinde.

oben rechts: Orthochromis stormsi

Als Beifang zu Steatocranus casuarius erreichte Aquarium Glaser Orthochromis stormsi. Beide Arten stammen aus Zentralafrika, wo sie im Kongo River Stromschnellen bewohnen. Ihre maximale Größe beträgt 12 cm, wobei die Weibchen etwas kleiner bleiben. Die Geschlechtsunterschiede sind auch ansonsten nur schwach ausgeprägt, Männchen erscheinen bunter, Weibchen verfügen über eine dunklere Grundfarbe.

Sehr interessant ist das Sozialverhalten, man sollte sie allerdings wegen ihres eher hohen Aggressionspotentials in einer nicht zu kleinen Gruppe pflegen. In einem 200l Becken können etwa 10 Tiere untergebracht werden. In einer solchen Gruppe ist ständig Bewegung, neben ihrer Lieblingsbeschäftigung dem Fressen, jagt man sich gegenseitig durchs Becken, ruht sich auf einem Stein aus und beginnt dann wieder mit der Jagt auf den Nachbarn.

Entsprechend ihrer Herkunft aus schnell fließenden Gewässern benötigen sie sauberes, sauerstoffreiches Wasser. Ansonsten sind sie eher anspruchslos, bei guter Pflege entdeckt man mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann ein „wiederkäuendes“ Weibchen und kann sich auf den Nachwuchs aus dem Mund der brütenden Mama freuen.

unten links: Hyphessobrycon vilmae

Der “Schokoladen-Neon”, Hyphessobrycon vilmae, stammt aus dem Einzug des oberen Rio Tapajós in Brasilien. Leider findet er nur sehr selten seinen Weg zu uns. Bezüglich seiner Pflege gibt es nicht viel zu sagen, er gleicht hier in allen Belangen dem “Schwarzen Neon”, Hyphessobrycon herbertaxelrodi. Die Männchen von H. vilmae haben intensivere Farben und weiße Farbanteile in den Flossen, die den Weibchen fehlen.

Wie bei vielen anderen Salmler kommen auch bei H. vilmae immer wieder einmal goldene Exemplare vor. Diese hübsche Färbung vererbt sich leider nicht. Sie stammt von einer harmlosen Infektion mit Hautwürmern. Da sich diese Würmer im Aquarium nicht vermehren können – sie entwickeln sich nur in Vögeln, die einen infizierten Fisch gefressen haben, zu geschlechtsreifen Tieren, die Fische wiederum stecken sich an, wenn sie Kot eines infizierten Vogels fressen – sind goldene Salmler immer Wildfänge.

unten rechts: Gymnocorymbus socolofi

Die Gattung Gymnocorymbus umfasst nur 3 Arten, von denen der Trauermantelsalmler, G. ternetzi, zu den Standardfischen des Zoofachhandels gehört. Die beiden anderen Arten sind ausgesprochene Raritäten im Aquarium. Dieser Salmler wird maximal 5,5 cm lang und ist, genau wie sein bekannter Vetter, ein problemloser und hübscher Schwarmfisch. Am allerschönsten sind die Jungtiere mit einer Länge bis zu 2 cm.

Doch auch später sehen die Tiere mit ihrer ungewöhnlichen Körperform und dem goldenen Rücken noch sehr interessant aus. Es wird übrigens zur Zeit diskutiert, ob G. socolofi mit der Art Phenacogaster bondi identisch ist. Falls dem so ist, müsste die Art richtig Gymnocorymbus bondi heißen, denn das ist der ältere Name, der darum Priorität hätte.

Lexikon: Gymnocorymbus: aus dem altgriechischen, bedeutet etwa “mit nackter Kuppe”, was sich auf den unbeschuppten Vorderrücken bezieht. socolofi: Widmungsname für Ross Socolof (1925 – 2009). ternetzi: Widmungsname für Carl Ternetz. Phenacogaster: aus dem altgriechischen, bedeutet in etwa “mit trügerischem Bauch”. bondi: Widmungsname für Frank E. Bond, der eine Sammelexpedition in das Orinokodelta organisierte, bei der die Art entdeckt wurde. Vorschlag eines deutschen Gebrauchsnamens: Goldrücken-Trauermantel

Quelle: Aquarium Glaser GmbH

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