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Raritäten & Neuimporte im Fokus 203

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

oben links: Corydoras sp. C20

Aus dem oberen Amazonas erhielt Aquarium Glaser aus Brasilien Panzerwelse als Corydoras evelynae. Diese Art wurde tatsächlich von dort beschrieben und zeichnet sich durch eine dunkle Rückenbinde aus, die in einzelne große Flecken aufgelöst ist; unter der Rückenflosse befindet sich ein großer rechteckiger Fleck, der in der Rückenansicht als Quadrat erscheint; der Rückenflossenstachel ist dunkel; auf der Flanke befinden sich zwei parallel laufende, dunkle Bänder; die Art hat eine dunkle Augenbinde (diese Beschreibung beruht auf dem Holotypen der Art). Seit der Erstbeschreibung, die 1963 anhand eines einzigen Exemplare erfolgte, gab die Art Rätsel auf und wurde nur sehr selten importiert.

Diese Neuimporte zeigen zwar einige Ähnlichkeit zu C. evelynae, aber auch viele Unterschiede. Sie entsprechen farblich sehr gut den Panzerwelsen, die 1994 die C-Nummer C20 erhielten. Diese Nummer wurde später aufgelöst und zu C. arcuatus gestellt.

Die größten C20 dieser Lieferung zeigen aber eindeutig, dass sie auf gar keinen Fall mit C. arcuatus identisch sind. Gleich große (ca. 4 cm lange) Corydoras arcuatus aus Peru gelten bereits als “large” im Handel und zeigen selbstverständlich das arttypische Muster.

Was nicht ausgeschlossen werden kann, ist, dass C20 die Jugendform des “Super-Arcuatus” aus Brasilien darstellt, einer sehr großen Corydoras-Art, die bis 8 cm lang werden kann. Aber auch das erscheint Aquarium Glaser eher unwahrscheinlich.

Ein Jungtier (ca. 2 cm) von Corydoras evelynae, das sie im Mai 2015 aus Kolumbien (Rio Vaupes) als Sample erhalten hatten, zeigte bereits die arttypische Färbung; die Art hat also keine länger andauernde abweichende Jugendfärbung.

Ob diese Neuimporte nun eine unbeschriebene, neue Spezies oder C20 repräsentieren, kann Aquarium Glaser nicht entscheiden. Es sind auf jeden Fall hübsche Panzerwelse, die farblich eine gewisse Ähnlichkeit zu Corydoras evelynae aufweisen, körperlich aber eher in die Corydoras-loretoensis-Gruppe zu stellen sind.

oben rechts: Hypancistrus inspector L102

Diese schönen “Snowball Pleco” (Hypancistrus inspector, L102) stammen aus dem Rio Negro in Brasilien. Die Art ist mit 18-20 cm Endlänge eine der größten Hypancistrus-Arten überhaupt. Die gezeigten Tiere sind allerdings erst 6-12 cm lang.

Aquarium Glaser fiel diesmal die besondere Farbvarianz der L102 auf. Meist wurden nämlich Exemplare mit großen weißen Punkten an Körper und Rückenflosse importiert, daher auch der Name Schneeball-Pleco. Doch diesmal sind auch sehr fein gepunktete Tiere, Exemplare mit Strichmuster und fast einfarbig schwarze Tiere darunter. Man kann L102 aber immer gut an dem dunklen Saum der Rückenflosse erkennen, das macht die Art unverkennbar. Aber H. inspector ist wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, dass man auf Farbdetails bei Harnischwelsen in Bezug auf die Artbestimmung kein allzu großes Gewicht legen sollte.

unten links: Phenacogrammus aurantiacus

Eine kleine Sensation, auch wenn die Flossen – transportbedingt, das heilt in ein paar Tagen – noch etwas zerrupft sind: Phenacogrammus aurantiacus.

Diese Kongosalmler zeigt teils geradezu unwirkliche Farben, je nachdem, wie das Licht einfällt. Die Basisfärbung ist ein bräunlicher Rücken mit blauen Glanzpunkten, dann kommt ein leuchtendes Längsband, das gelb, orange oder grünlich leuchten kann, darunter ein breiter, blaugrauer Streifen, der ebenfalls zahlreiche Farbreflexe aufweist. Es folgt eine weitere orange-gelb-grünliche Binde und die Bauchkante schließlich hat blaue Glanzpunkte. Ein herrlicher, nur rund 6-7 cm lang werdender Fisch!

unten rechts: Satanoperca rhynchitis

Die Fotos zeigen wunderschöne deutsche Nachzuchten dieses raren Erdfressers. Vor seiner wissenschaftlichen Beschreibung als Satanoperca rhynchitis 2012 war die Art im Hobby als Satanoperca sp. “Red Lips” bekannt. Da die Jungtiere die roten Lippen erst noch entwickeln müssen, ergänzen wir den Eintrag mit dem Bild eines erwachsenen Tieres. Und als besonderes Bild können wir eine Biotopaufnahme beisteuern, die das Tier im natürlichen Lebensraum in Französisch Guyana zeigt.

Quelle: http://www.aquariumglaser.de/

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3 Kommentare

  1. Hallo,

    zum einen finde ich es etwas unglücklich die Corydoras aff. arcuatus aus Peru als “arcuatus peru” zu bezeichnen. Mit der Nominalart hat dieser nur die ähnliche Zeichnung gemein, sind also keine Peru-Form der Art. Diese im Handel und Literatur regelmäßig falsch als C. arcuatus bezeichneten Corys sind wissenschaftlich noch nicht beschrieben, bzw. die Erstbeschreibung ist meines Wissens bereits eingereicht, aber noch nicht veröffentlicht.
    Bei den oben als “C 20” bezeichneten Corys handelt es sich IMHO um CW112. Von den originalen C 20 ist meines Wissens kein genauer Fundort bekannt (vermutlich oberer Amazonas-Einzug in Brasilien), so dass beide Formen durchaus auch zwei Varianten der gleichen unbeschriebenen Art sein könnten, aber zumindest optisch weicht das Originalbild von C 20 (DATZ) doch signifikant ab.

    • Danke für deine Ausführungen, Karsten.

    • Hallo Karsten,

      das Thema ist arg komplex, ich bereite grade einen ausführlichen Artikel dazu vor, am wichtigsten ist mir für den Moment, dass C20 eben NICHT identisch mit dem Aquarien-Arcuatus ist, der vielerorts mittlerweile als C20 bezeichnet wird und ferner, dass C20 (da bin ich bei Dir, CW112 ist mit den aktuell importierten Tiere wohl identisch, ich denke allerdings gegenwärtig auch, dass C20 und CW112 die gleiche Art darstellen) auch NICHT identisch mit dem Super-Arcuatus aus dem Purus ist.

      Viele Grüße

      Frank

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