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Raritäten & Neuimporte im Fokus 276

 

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

oben links: Eirmotus octozona
Die Achtbinden-Trugbarben (Eirmotus octozona) sind sehr zarte, leicht durchscheinende Zwergbarben aus den Schwarzwassern Malaysias und Indonesiens. Die Männchen sind deutlich kleiner und schlanker als die Weibchen und wirken manchmal geradezu halb verhungert. Das ist aber normal. Zusätzlich erkennt man Männchen an den vergleichsweise großen Bauchflossen. In von Huminstoffen (Torf, Blätter, Erlenzäpfchen) braun gefärbtem Wasser sind die Farben am intensivsten, was man im Fotobecken leider aus technischen Gründen nicht realisieren kann, da der dadurch entstehende Gelbstich der Bilder zu irritierend ist.
Diese kleine Barbe ist von vielen Geheimnissen umgeben. Beschrieben wurde sie 1959 anhand von Exemplaren aus dem Zoohandel, die angeblich aus Thailand (Bung Borapet) stammten. Dort wurde sie aber nie wiedergefunden. Zierfischfänger sammelten sie früher im Torfsumpfwald von Ayer Hitam in Johor, Malaysia. Dieser Wald ist leider weitgehend durch Ölpalmen-Anbau vernichtet und deswegen sind vermutlich alle Fische, die dort lebten, ausgestorben. 2008 wurden von Sumatra und Borneo drei neue, sehr ähnliche Eirmotus-Arten beschrieben. Die Tiere auf den Fotos scheinen aber der echten E. octozona anzugehören.
Es sind zarte, nur 3-4 cm lang werdende, ruhige Barben, die sich ideal für Nano-Aquarien mit Schwarzwasser eignen. Über die Zucht dieser außergewöhnlichen, extrem friedlichen Barbe wurde bislang nichts berichtet.
Lexikon: Eirmotus: bezieht sich auf die Sinnesporen am Kopf. octozona: bedeutet „mit 8 Binden“.

oben rechts: Pseudacanthicus leopardus LDA7
Populär werden Pseudacanthicus auch als Kaktuswelse bezeichnet, denn sie sind äußerst stachelig und große Exemplare fasst man lieber nicht mit bloßen Händen an. Es gibt Pseudacanthicus-Arten, die knapp einen Meter lang werden, andere erreichen nur 25 cm Länge. Grundsätzlich muss man sich beim Kauf der Tiere darauf einstellen, dass sie relativ groß werden. Untereinander sind größere Kaktuswelse ziemlich aggressiv, sie brauchen also auf jeden Fall ein großes und versteckreich eingerichtetes Aquarium. Andererseits ist durchaus auch schon die Zucht einiger Arten gelungen. Es handelt sich um typische Höhlenbrüter. Männchen sind robuster gebaut (vor allem haben sie einen breiteren Kopf) und sind zumindest zur Fortpflanzungszeit stärker bestachelt.
Zu den beliebtesten Kaktuswelsen gehört der schöne L114 aus dem mittleren Rio Negro-Einzug in Brasilien. Dieser Kaktuswels wurde lange Zeit für Pseudacanthicus leopardus gehalten. Tatsächlich kommt P. leopardus aber aus dem Grenzgebiet von Brasilien und Guyana. Dort werden kaum Zierfische gefangen. Die Fische auf den Fotos stammen aus dem Takutu River, der zum Einzugsbereich des oberen Rio Branco gehört.
Im Vergleich zu L114 ist P. leopardus deutlich flacher gebaut und leicht anders gefärbt.
LDA7 wurde zeitgleich mit L114 in der aquaristischen Literatur vorgestellt, allerdings in unterschiedlichen Zeitschriften. Beide Nummern meinten den gleichen Fisch aus dem mittleren Rio Negro. Als jedoch der „echte“ Pseudacanthicus leopardus im Handel auftauchte, wurde für ihn die LDA-Nummer 7 als Unterschied zum populären L114 weiterverwendet, was zwar „technisch“ gesehen falsch ist, sich jedoch im Hobby allgemein etabliert hat.

unten links: Sciaenochromis fryeri „Iceberg“
Viele Felsencichliden (Mbunas) des Malawisees leben isoliert an bestimmten Felsküsten. Diese sind von anderen Felsbiotopen oft kilometerweit entfernt, so dass die geografische Isolation relativ rasch zu lokalen Farbvarianten führt.
Andere Buntbarsche des Sees, so Sciaenchromis fryeri, sind nicht an bestimmte Biotope gebunden und kommen entsprechend im gesamten See vor. Zwar gibt es auch bei ihnen Tendenzen, in bestimmten Regionen leicht unterschiedlich auszusehen – so sind z.B. bei S. fryeri die Afterflossen der Männchen aus dem Süden des Sees eher rötlich, bei jenen aus dem Norden eher gelblich – aber im großen und ganzen sind diese Unterschiede eher marginal.
Der „Iceberg“ ist eine Selektionszuchtform von Tieren, die ursprünglich als individuelle Mutation bei Maleri Island auftrat. Das war vor über 20 Jahren. Heute gehört der „Iceberg“ zu den beliebtesten Buntbarschen aus dem Malawisee. Die gezeigten Tiere sind bei Aquarium Glaser im Stock. Allerdings wird nur das dominante Männchen vollständig hell, bei den rangniederen beschränkt sich die helle Zone auf die Stirn und Rückenflosse. Das ist ziemlich interessant, denn es zeigt, dass die von uns Menschen ursprünglich nur als besonders attraktiv empfundene von der Norm abweichende Färbung auch bei der innerartliche Kommunikation der Fische eine Rolle spielt.


unten rechts: Sphaerichthys osphromenoides

Sphaerichthys osphromenoides ist der bekannteste Vertreter der in Südostasien beheimateten Schokoladenguramis. Es handelt sich bei ihnen wie auch den anderen Schokogurami-Arten um heikle und zumindest in der Eingewöhnungsphase sogar empfindliche Fische. Ihr natürliches Biotop sind kleine Schwarzwasserbäche auf der malaiischen Halbinsel und Sumatra.
Als typische Schwarzwasserfische benötigen sie zum Wohlbefinden ein saures, mineralstoff- und nährstoffarmes Wasser. Da die natürlichen Gewässer extremer Schwarzwasserfische sehr arm an Bakterien sind, bestehen nur geringe Anpassungsfähigkeiten gegenüber den in unseren Aquarien in der Regel sehr hohen Bakteriendichten.
Flockenfutter wird in der Regel nicht akzeptiert, eine Fütterung mit Lebend- bzw. Frostfutter ist unverzichtbar. Zur Zucht muss die Wasserqualität nochmals verbessert werden, mit etwas Glück sollte sie dann aber gelingen. Interessant ist in jedem Fall die mehrwöchige Maulbrutpflege. Schokoladenguramis sollten nur in die Hände erfahrener Aquarianer gelangen, sie sind keine Anfängerfische.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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