Raritäten & Neuimporte im Fokus 311

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

oben links: Xiphophorus hellerii „Berlin“
Die berühmte Berliner Kreuzung des Schwertträgers ist das Ergebnis eines Gentransfers durch Hybridbildung. Klingt kompliziert? Beim Berliner Schwertträger handelt es sich um eine ursprünglich durch Artkreuzung hervorgebrachte Zuchtform, die später durch Verdrängungszucht dem Aussehen von Schwertträgern angeglichen wurde. Bei roten und gelben Zuchtstämmen des Platys (Xipho­phorus maculatus) treten gelegentlich als Folge einer spon­tanen Mutation schwarzgefleckte Tiere auf. Diese Farbmutation ist geschlechtsgebunden und kommt nur bei weiblichen Platys vor. Durch Kreuzung solcher schwarzgefleckter Platyweibchen mit roten Männchen des Schwertträgers (Xiphophorus hellerii) erhält man Hybriden, bei denen auch die Männ­chen die schwarze Fleckung tragen können. Diese Hybriden stehen, wie alle bislang bekannt gewordenen Kreuzungen verschiedener Xiphophorus-Arten, intermediär zwischen den Elternarten. D.h., sie haben bezüglich des Aussehens etwas von beiden Elternteilen abbekommen. Die Hybridmännchen sind größer als normale Platys, doch so hochrückig und gedrungen wie diese. Von dem Schwert des hellerii-Vaters ist meist kaum etwas zu erkennen. Erst durch konsequente Weiterkreuzung der schwarzgefleckten Hybridmännchen auf rote Schwertträgerweibchen erhielt man schließlich Berliner Schwertträger.
Die Tiere auf den Fotos sind hübsche Berliner Schwertträger aus vietnamesischer Zucht. Man könnte sie auch „Hanoi-Schwertträger“ nennen…

oben rechts: Cyprinodon variegatus
Die Wüstenkärpflinge der Gattung Cyprinodon leben sozusagen in der Vorhölle für Fische. Einst war das Areal, das heute die Wüstenregionen von den westlichen USA und dem nördlichen Mexiko darstellt, eine riesige Seenplatte, die Fische dort lebten im Paradies. Doch die Seen trockneten im Laufe der Jahrtausende nach und nach aus. Heute findet man manche Arten der Wüstenkäpflinge nur in einem einzigen kleinen Wasserloch in der Wüste, so z.B. den Devils-Hole-Kärpfling (Cyprinodon diabolis). Etliche der 49 gegenwärtig anerkannten Cyprinodon-Arten sind deshalb akut vom Aussterben bedroht, einige sind sogar bereits ausgestorben, denn wenn das Grundwasser absinkt oder der Tümpel verschmutzt wird, war es das.
Aber manche Arten, so der Edelsteinkärpfling, Cyprinodon variegatus, haben eine weite Verbreitung und sind in keiner Weise bedroht. Denn eines können alle diese Überlebenskünstler: starke Temperaturschwankungen (bis zu 20°C im Tag-Nacht-Wechsel) und ständige, rasche Änderungen im Salzgehalt ertragen. C. variegatus kommt z.B. auch in hypersalinen Gewässern vor (in denen der Salzgehalt also höher als im Meer ist), andererseits gibt es auch reine Süßwasserpopulationen.
Die Cyprinodon variegatus auf den Fotos stammen von einem Garagendach im südlichen Deutschland. Dort leben sie jetzt schon viele Jahre und vermehren sich fröhlich. Es ist ihnen egal, ob die Sonne brennt oder der Regen prasselt, sie machen alles mit. Nur einfrieren dürfen sie nicht, das vertragen noch nicht einmal Edelsteinkärpflinge.

unten links: Inlecypris auropurpureus
Der Inle See in Burma weist einen hohen Anteil an endemischen, also ausschließlich dort vorkommenden Fischarten auf. Eine davon ist Inlecypris auropurpureus, ein Danio mit senkrechten Streifen auf goldenem Band. Die Anzahl und Form der Streifen sind bei jedem Individuum etwas anders. Inlecypris ist eng mit den Malabarbärblingen (Devario) verwandt und wurde zeitweise sogar schon zum Synonym zu Devario erklärt; dem wird aber derzeit von den meisten Wissenschaftlern nicht gefolgt.
Bezüglich der Aquarienpflege ist Inlecypris auropurpureus sehr anspruchslos. Es handelt sich um einen sehr friedlichen Schwarmfisch, der in nicht zu kleinen Aquarien gepflegt werden sollte, damit seine Schwimmkünste voll zur Geltung kommen. Die Maximallänge der Art beträgt 8-10 cm, allerdings werden in der Natur nur selten Tiere über 5 cm Länge gefunden.


unten rechts: Glossolepis incisus

Zu den prachtvollen Klassikern unter den Regenbogenfischen zählt der Lachsrote Regenbogenfisch, Glossolepis incisus. Man kann gut verstehen, dass dieser Fisch in den 1970er Jahren, als nur zwei, relativ unscheinbare Arten dieser Fischgruppe im Hobby bekannt waren, wahre Begeisterungsstürme auslöste. Die Heimat von Glossolepis incisus liegt im westlichen Papua-Neuguinea, wo er den Sentani-See und seine Umgebung bewohnt. Wegen der zunehmenden Verschmutzuung des Sees gilt die Art als gefährdet. Im Hobby sind ausschließlich Nachzuchttiere vertreten.
Der Lachsrote Regenbogenfisch wird im männlichen Geschlecht 15 cm groß, Weibchen bleiben kleiner. Bezüglich der Färbung steigert sich die rotfunkelnde Pracht mit jedem Zentimeter, den der Fisch wächst. Aber auch unsere handelsüblichen, 6-7 cm langen Tiere sind bereits sehr hübsch gefärbt.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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