Raritäten & Neuimporte im Fokus 333

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierrarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

oben links: Marosatherina ladigesi

Der Celebes-Sonnenstrahlenfisch, Marosatherina ladigesi, ist manchem Leser vielleicht noch als Telmatherina ladigesi in Erinnerung. Die Art lebt endemisch (also – weltweit gesehen – ausschließlich dort) in kühlen Karstbächen der Gegend um Bantimurung, Maros-Karst, Sulawesi Selatan; Sulawesi gehört politisch zu Indonesien, zoogeografisch aber zur Australischen Region. Früher war die große Insel als Celebes bekannt.
Marosatherina ladigesi wird etwa 5-6 (selten bis 8) cm lang und ist ein friedlicher, lebhafter Schwarmfisch, der in härterem, gut gepuffertem Wasser gepflegt werden sollte. Ideal ist eine kräftige Strömung. Die Männchen entwickeln lang ausgezogene Flossenstrahlen in Rücken- und Afterflosse. Jedes Tier – Männchen wie Weibchen – hat eine individuell unterschiedlich gefärbte erste Rückenflosse mit unterschiedlich hohem Schwarzanteil. Während der Balz werden die Männchen rauchig-schwarz. Gelaicht wird in feinfiedrigen Pflanzen, Brutpflege üben diese Fische nicht aus.
Ein Schwarm von 10-20 Exemplaren ist ein herrlicher Anblick, den man so schnell nicht mehr vergisst. Die Tiere sind etwas empfindlich gegen Umsetzen, ansonsten aber leicht zu pflegen. Sie akzeptieren jegliches übliche Fischfutter, fressen aber am liebsten von der Oberfläche. Pflanzen werden nicht beschädigt.

oben rechts: Stiphodon ornatus
Diese bildschöne Süßwassergrundel wurde ursprünglich als Unterart zu Stiphodon elegans beschrieben. Sie stammt aus West-Sumatra (Indonesien), wo sie in klaren Bächen lebt. Stiphodon ornatus ist Aufwuchsfresser, ernährt sich also von Algen und den Kleinlebewesen, die darin leben. Im Aquarium wird jede Form von Trocken-, Frost und Lebendfutter gerne angenommen. Leider ist die Zucht im Aquarium kaum möglich, denn die winzigen Jungtiere entwickeln sich im Meer und bekanntlich ist die Aufzucht von Meeresfischen wegen der schwierigen Futterbeschaffung sehr aufwändig. Aber auch ohne die Möglichkeit, sie zu vermehren, bieten Stiphodon viele, spannende Beobachtungsmöglichkeiten.
Männchen und Weibchen sehen bei Stiphodon ornatus (und den meisten anderen Stiphodon-Arten) so unterschiedlich aus, dass man sie für unterschiedliche Arten halten könnte und tatsächlich werden sie auch oft von den Lieferanten als unterschiedliche Arten angeboten. Die Weibchen sind bei allen Stiphodon-Arten weiß mit schwarzen Längsstreifen. Man kann die Weibchen der verschiedenen (es gibt 37) Stiphodon-Arten kaum voneinander unterscheiden. Männchen werden etwa 6 cm lang, Weibchen bleiben etwas kleiner. Stiphodon leben im Schwarm, nur zum Ablaichen sondern sich einzelne Männchen ab und gründen ein Revier. Abgelaicht wird in Höhlen, meist unter Steinen. Das Männchen bewacht den Laich bis zum Schlupf der winzigen Larven, die von der Wasserströmung in das Meer verdriftet werden, wo die Larven die ersten Lebenswochen verbringen. Dann wandern sie ins Süßwasser ein, das sie ihr restliches Leben lang nicht mehr verlassen.

unten links: Apistogramma agassizii „Tefé“
Von den vielen Farbvarianten des Apistogramma agassizii, der nach aktuellem Verständnis praktisch im gesamten Amazonas-Gebiet in Kolumbien, Peru und Brasilien zu finden ist, ist die „Tefé“-Form sicher die begehrteste. Es ist keineswegs gesichert bekannt, woher diese Form kommt; der Name „Tefé“ (nach dem Rio Tefé, einem rechtsseitigen Nebenfluss des Amazonas im Brasilianischen Bundesstaat Amazonas) wurde zu einer Zeit geprägt, als sehr viel Geld für diese Fische bezahlt wurde und man nicht daran interessiert war, mögliche Konkurrenz auf interessante Fangplätze aufmerksam zu machen. Als gesichert kann gelten, dass es sich beim Tefé-Agassizii um eine Schwarzwasserform handelt.
Tefé-Agassizii sind genau so variabel wie alle anderen Apistogramma agassizii, sie sind, wie man sagt, polychromatisch, also vielfarbig. Das äußert sich z.B. in unterschieflich hohem Gelbanteil am Vorderrücken und in den Flossen. Alle männlichen Tefé-Agassizii haben die charakteristischen Zick-Zack-Bänder am Bauch, während sich die Weibchen bis auf den orange-roten Rückenflossensaum kaum von anderen Apistogramma agassizii unterscheiden.


unten rechts: Channa limbata

Der kleine Schlangenkopf, Channa gachua, gehört zu den beliebtesten Schlangenkopffischen, da er gewöhnlich nur 20 cm lang wird (der größte je gefundene soll angeblich 30 cm gemessen haben, aber es ist nicht sicher, ob es sich dabei nicht um eine Fehlbestimmung handelte) und als Maulbrüter mit Elternfamilie – beide Eltern füttern die Jungfische wie Diskusbuntbarsche mit Hautschleim – auch noch ein interessantes Verhalten zeigt.
Bis vor wenigen Jahren dachte man, es gäbe nur die eine Art Channa gachua, die praktisch im gesamten tropischen und subtropischen Asien gefunden werden kann. Heute denkt man eher, dass es sich um einen Artenkomplex von mindestens 4 einander sehr ähnlicher Arten handelt. Eine davon ist Channa limbata.
Channa limbata ist C. gachua extrem ähnlich und wurde 1831 von der indonesischen Insel Java (westlicher Teil) beschrieben. Wir konnten jetzt erstmals einige Exemplare von Java importieren. Interessanterweise stammen unsere Exemplare aus Zentral-Java, von wo 1849 die irrtümlich als Grundel erstbeschriebene Art Channa surakartensis stammt. Über C. surakartensis ist nicht viel mehr bekannt, als dass sie braun gefärbt sein soll; das 44 mm lange Beschreibungsexemplar (der Holotypus) ging verloren. Derzeit gilt C. surakartensis als Synonym zu Channa limbata, aber wer weiß, welche Erkenntnisse die Zukunft noch bringt.
Im Verhalten sind unsere Neuimporte typische Channa limbata, also etwas zänkisch, etwas räuberisch, etwas scheu, aber das hält sich alles im Rahmen. Von Channa gachua unterscheiden sich die Tiere hauptsächlich durch die deutliche Musterung in der Schwanzflosse (immer ungemustert bei C. gachua) und die leicht von C. gachua abweichende Färbung der Brustflossen.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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